Orwell's Neu-Sprech aus '1984'
Orwell's Neu-Sprech aus '1984' - # 3

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Susi T
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 31 im Thema

Beitrag von Susi T »

Lana hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 20:17Allerdings bist du selbst dafür verantwortlich, wie du mit deinen Empfindungen klar kommst. Den Schuh kannst du anderen nicht anziehen, so lange sie dich nicht persönlich angehen und das Gehörte nur zufällig in deinem Ohr hängen blieb.
Aha...du hast schon gelesen das der Ausspruch so getätigt wurde das es nahezu unmöglich war es zu überhören? Über die gesamte Gruppe hinweg?
Und du bist sicher daß sie nur überempfindlich reagiert hat und nicht da verstört reagiert hat, weil sie da an etwas ganz schlimmen erinnert wurde, das Sie durch die Wiederholung des lautstärk geäusserte Schimpfwortes getriggert hat?
Ist ja nicht so als wenn "Transen" immer nett behandelt würden.
Egal was es ist, aber es gibt Menschen die auf die Idee kommen würden, das es gut wäre sich um sie zu kümmern und mir ist hier mal wieder bewusst geworden, das ich schon immer solche kenne und immer wieder kennen lernen. Empathie ist keine Krankheit, auch wenn manche das glauben.
Es ist auch nicht so das nur Männer oder Frauen dieses haben oder nicht haben.
Meine Klassenlehrerin hat mal ihre Fragezeit nach Tat Hergang und Geschlechtsausprägung mit der Aussage beendet:" dann kannst du also nicht schwanger werden, dann ist es ja nicht schlimm. Meine Freundinnen dagegen haben sich drum gekümmert, das mir von dem Lehrer nie wieder was angetan wurde.
Letztes Jahr bekam ich von meiner Trainerin die Frage gesteckt, was ich gemacht hätte, als ich ihr erklärte, warum an Training nicht zu denken ist. Ich hab mich gerechtfertigt, warum der Typ keinen Grund hatte mich zu vergewaltigen, aber ich hab auch erklärt wie ich entkommen konnte. Denn beides enthielt diese Sau dämliche Frage. Mein/e Partner/in dagegen wusste ganz selbstverständlich wie man normal daraufhin miteinander redet.

Wie wir miteinander umgehen bestimmen wir zusammen, mit manchen kommen wir gut klar, mit anderen weniger, die Gründe sind vielfältig. Man macht nicht immer alles richtig und das erwartet auch niemand. Ich bin sicherlich nicht überempfindlich, kann sogar Schutzschirme hochfahren, die kein mir bekannter Empath durchdringen kann, aber ich mag nette Menschen die sich gegenseitig helfen und unterstützen. Ist wohl so eine komische Eigenschaft, die erfreulicherweise nicht aussterben will.
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Knäckebrötchen
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 32 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Lana hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 13:07 Anstatt betroffen zu sein und deinen Ausspruch auf sich zu beziehen, könnte sie auch nachfragen, was es mit deiner flapsigen Bemerkung auf sich hat. Man muss sich nicht immer gleich angesprochen fühlen und überall Diskriminierung wittern.
Lana hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 20:17 Es sollte aber eben so selbstverständlich sein, dass man die eigene Verantwortung nicht anderen zu schiebt, wenn man durch irgendwas getriggert wird, das gar nicht für einen selbst bestimmt war und was man nur zufällig am Rande mitbekommen hat.
Sorry, Lana, aber so einfach ist das nicht.

Ich habe in meinem Umfeld 3 ehemalige Namensvettern. Der Mann einer Freundin, der Mann einer Kollegin und die Stellvertretung im Vorzimmer meiner Hausärztin heißen so wie ich früher.

Und wenn jetzt im Discord die Freundin angesprochen wird, dass [Deadname] doch gerne morgen vorbei kommen kann - dann wird das nicht unbedingt eingeleitet mit "Ach [Name der Freundin], dein Mann kann..." sondern das kommt dann auch mal ohne den Kontext [Name der Freundin] und ich fühle mich direkt angesprochen und unwohl.

Natürlich beschwere ich mich dann nicht. Aber ich brauche erstmal ne Weile, um diesen ersten Impuls, dieses erinnert werden und das Unwohlsein weg zu bekommen. Und nichts anderes hat Zita beschrieben. Die Tischnachbarin hat ja nur stumm dagesessen und sah unglücklich aus. Und genauso geht es mir in dieser Situation auch.

Oder die Kollegin, die am Mittagstisch einer anderen erzählt, was [Deadname] wieder gemacht hat. Beim ersten Mal als das passiert ist, bin ich auch richtig zusammen gezuckt. Einfach weil es richtig hart unangenehm ist und ich im ersten Moment nicht einschätzen konnte: ist das jetzt ein Versehen gewesen, wie es besonders in der Anfangszeit ab und zu vorgekommen ist, oder Absicht?

So wie mein Stiefvater, der mich absichtlich bei meinem alten Namen nennt, mich mit "er" bezeichnet und gegenüber Fremden in meinem Beisein vom "Sohn" spricht mit den Enkeln, die bei mir stehen.

Jetzt kann die Kollegin ja nichts für den Namen ihres Mannes und auch nicht für meine Veränderung. Aber sie hat das damals mitbekommen, wie ich reagiert habe und hat sich dann erstmal entschuldigt. Weil sie ja auch mich nicht verletzen wollte. Inzwischen sagt sie immer "mein [Deadname]", zumindest wenn ich dabei bin. Und das finde ich super nett und rücksichtsvoll, weil ich durch diesen kleinen Zusatz einfach sofort weiß "kein Versehen, es geht gar nicht um mich und ich kann mich entspannen".

Wir entscheiden nicht, ob und wann ein Wort oder eine Geste etwas in uns auslösen. Und als Empfänger*innen sind wir nicht immer in der Lage, Botschaften rational zu bewerten. Besonders wenn es um Auslöser von negativen Erinnerungen geht, ist die Reaktion in der Regel unbewußt und direkt. Und alle in Hör- und Sichtweite werden zu Empfängern, ob sie es nun wollen oder nicht.

Und dann kommt ja in der beschriebenen Situation noch dazu, dass Zita und Yoko sich in einer "intimen" Unterhaltung befanden, die andere Person diese Situation aber nicht kannte und dementsprechend den Kontext dieser derogativen Bemerkung nicht (so gut) einordnen konnte. Ich finde Zitas Wahrnehmung durchaus verständlich, ich hätte mich vermutlich in dieser Situation bei der Betroffenen entschuldigt und versucht, den Grund für die Reaktion zu erfahren - einfach um sowas in Zukunft zu vermeiden.

Ja - das ist anstrengend. Und manchmal auch frustrierend. Aber wir stehen am Anfang einer Transformation in der Kommunikation und das ist holprig und wir machen Fehler und müssen immer wieder neue Gedanken und Konzepte zulassen, ausprobieren, testen und prüfen und weiterentwickeln. Das ist anstrengend. Aber auch spannend, schön und ich finde es total cool, mir vorzustellen, wie wir dabei mitwirken, eine gewaltfreiere Welt zu schaffen.
Jaddy hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 17:33 Hey, Gruppen können ohne dominante Anführer(!) funktionieren. Konsens statt Mehrheit ergibt ein besseres Ergebnis mit mehr Teilnehmenden und mehr Zusammenhalt. Störgefühle dürfen thematisiert werden und sind wichtig. Du darfst sagen, wenn du nicht 100% normgerecht bist und funktionierst oder einfach nen schlechten Tag hast, und du bekommst keinen blöden Sprüche, sondern die anderen beachten es und sind hilfreich. Natürlich geht es um die Sache, aber gleichzeitig wollen wir das ganze auch möglichst gut und unbeschadet erleben.
Da hat die überzeugte Anarchistin Knäckebrötchen direkt Pippi in den Augen
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 33 im Thema

Beitrag von Knäckebrötchen »

Ahso, ich hatte ja auch noch was zum Thread-Thema schreiben wollen:

Sprache ist so lebendig, wie die Menschen, die sie sprechen. Sie verändert sich kontinuierlich. Oft in kleinen Schritten und unbemerkt, manchmal auch etwas augenscheinlicher.

Mich würde ja mal interessieren: was genau wird euch weggenommen, wenn aus dem N...kuss oder M...kopf ein Schaumkuss wird? schmeckt der anders? weniger? Und was genau ist der Unterschied zwischen dem Z...schnitzel und dem Paprikaschnitzel? Ist das gesetzlich durch die links-grün versiffte Meinungsdiktatur vorgeschrieben kleiner? Fehlt euch was? Ist schonmal jemand deswegen verhaftet worden oder bekomme ich das bloß nicht mit, weil ich nur Systemmedien konsumiere?

Wenn der Papa von Pipi jetzt kein N...könig mehr ist, sondern Südseekönig genannt wird - hat das Auswirkungen auf die Geschichte? Ist der Papa jetzt weniger exotisch? Oder Pipi weniger Opfer von Verwahrlosung?

Worte und Bedeutungen ändern sich. So wie es gut und richtig ist, dass wir bestimmte Begriffe und Redewendungen aus den Jahren 33-45 aus dem öffentlichen Vokabular verbannt haben, so wie wir insgesamt nicht mehr reden und schreiben wie noch vor 100 Jahren, so erleben wir einen Wandel im Vokabular und in der Zuschreibung von Bedeutung.

Dagegen kann man sich wehren und wie ein kleines trotziges Kind mit dem Fuß aufstampfen und schreien "Nein! Meine Suppe ess ich nicht!" aber die Geschichte lehrt uns, wie das ausgeht. Wir integrieren Jugendsprache, jede Generation aufs Neue. Wir integrieren englische Begriffe, so wie früher französische. Wir bereichern unseren Speiseplan nicht nur kulinarisch, sondern auch verbal mit Worten, Begriffen und Phrasen aus anderen Sprachen weltweit.

Und dann bekommen wir Schnappatmung, bloß weil wir nicht mehr Z...schnitzel bestellen dürfen? Oh je.
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 34 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Tira,

ich möchte deine Erfahrungen in keiner Weise negieren oder relativieren. Ich kann mich auch in die betroffene Person reinversetzen, weil ich selbst schon in so einer Situation war. Aber gerade deswegen weiß ich, dass ich nicht erwarten kann, dass man darauf immer und überall Rücksicht nimmt, oder die anderen sich dessen überhaupt bewusst sind. Es könnte immer irgendwas geben, das irgendjemanden triggert. Wie soll man das vermeiden, vor allem wenn man in einer größeren Runde zusammen sitzt und sich (noch) nicht so gut kennt?

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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 35 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 01:30 ich möchte deine Erfahrungen in keiner Weise negieren oder relativieren. Ich kann mich auch in die betroffene Person reinversetzen, weil ich selbst schon in so einer Situation war. Aber gerade deswegen weiß ich, dass ich nicht erwarten kann, dass man darauf immer und überall Rücksicht nimmt, oder die anderen sich dessen überhaupt bewusst sind. Es könnte immer irgendwas geben, das irgendjemanden triggert. Wie soll man das vermeiden, vor allem wenn man in einer größeren Runde zusammen sitzt und sich (noch) nicht so gut kennt?
So rein praktisch, nach meinen Erfahrungen: Die bekannten Dinge, Wörter vermeiden (und stetig dazulernen, welche das sind), aufmerksam auf die anderen achten und sich für den Fall der Fälle positive Reaktionen angewöhnen. So wie wir Reaktionen haben, wenn wir anderen versehentlich auf die Zehen treten.

Wenn wer offen in der Runde anmerkt, dass irgendwas nicht so gut war vielleicht "oh, das war nicht meine Absicht. Kann ich was besser machen (also abgesehen von bleiben lassen)?". Wenn du mitkriegst, dass sich eine Person offenbar unwohl fühlt vielleicht das Thema umbiegen und später andere fragen und_oder diskret Einzelkontakt aufnehmen; "Ich hatte den Eindruck, dass etwas bei Thema XY unangenehm war. Wenn es so war, magst du mir kurz erklären was?"

Mal abgesehen von den wirklich bekannten Fettnäpfen geht es gar nicht um Perfektion sondern einen freundlichen Umgang mit Fehlern. Ja, ich weiss: Manche Leute sind sehr unduldsam, aber das ändert am Prinzip nichts. Wenn es nicht gerade schon der zwanzigste Fall an dem Tag ist, was einfach alle Duldsamkeit aufgebraucht hat, bemerken und honorieren die meisten Menschen ehrliches Bemühen.

Was ich grundfalsch fände (und hier ausdrücklich keinein unterstelle!) wäre, aus "es könnte ja alles mögliche irgendwen triggern" dann zu schliessen "deshalb gebe ich mir erst gar keine Mühe".
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 36 im Thema

Beitrag von Lana »

Jaddy hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 03:17 Die bekannten Dinge, Wörter vermeiden (und stetig dazulernen, welche das sind), aufmerksam auf die anderen achten und sich für den Fall der Fälle positive Reaktionen angewöhnen. So wie wir Reaktionen haben, wenn wir anderen versehentlich auf die Zehen treten.
Da bin ich doch ganz bei Dir.
Das ist die Nachsorge, damit habe ich überhaupt kein Problem. Das verhindert aber nicht, dass ich nicht mal jemandem versehentlich auf die Zehen trete, auch im übertragenen Sinne. Dann bitte ich um Entschuldigung und frage nach, ob ich irgendwie helfen kann, den Schmerz zu lindern.

Was mich aber bei der ganzen Diskussion stört ist folgendes, vielleicht am selben Bild verdeutlicht, also bitte nicht wörtlich nehmen:
Die Person, auf deren Zehen ich versehentlich getreten bin, hat einen Migrationshintergrund. Auch da erwarte ich, dass diese Person AUA sagt und kurz böse guckt, wäre aber sehr verwundert, wenn mir deswegen Rassismus vorgeworfen würde...

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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 37 im Thema

Beitrag von Susi T »

Schön das wir da einer Meinung sind.
Natürlich kann man nicht verhindern Mal was zu sagen, was jemand verletzt. Jaddy hat das schön mit der Nachsorge gesagt, auch die muß nicht immer gleich gut sein. Manchmal fallen einem Dinge auf, manchmal nicht. Aber es ist schön wenn nicht immer das Opfer behandelt wird, als wäre es allein an allem Schuld und als gehöre es sich, es so zu behandeln. Sowas gibt es leider auch.

Wir sehen das auch hier bei anderen Wortmeldungen.
Da muß man aufpassen, das mit der Farbbezeichnung für die Hautfarbe eines dunkelhäutigen Menschen mit Afrikanischen Wurzeln nicht wieder das Wort mit Ni* Einzug erhält, nur weil man sich im Recht fühlt.
"Ey du drecks N* , wenn du nicht bis Morgen mein Auto repariert hast, gibt es 20 Peitschenhiebe" will wohl niemand mehr mit befürworten, auch nicht der, der keine Probleme mit der Bezeichnung seiner Hautfarbe als Schwarz hat.
Sprache und Umgang darf sich ändern und es hat keine Nachteile, etwas als Schaum oder Schokoküsse zu bezeichnen ist doch nicht schlimm, aber manchen scheint es doch großen Schmerzen zu bereiten. Warum? Nur weil man zu faul ist sich umzustellen, oder geht es doch darum, das man diskriminieren will? Oder gibt's da was anderes?

Unsere Fähigkeiten im Bereich Erneuerung und den Wandel als Chance zu nutzen scheinen ja in Deutschland nicht sehr ausgeprägt zu sein, was wir Heutzutage in vielen Bereichen sehen. Anderen für unsere Fehler die Schuld zu geben, ist auch etwas was vielen leichter fällt. Ein Problem, an dem wir entweder arbeiten, oder mit den Folgen leben müssen.
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 38 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 04:02 Das ist die Nachsorge, damit habe ich überhaupt kein Problem. Das verhindert aber nicht, dass ich nicht mal jemandem versehentlich auf die Zehen trete, auch im übertragenen Sinne. Dann bitte ich um Entschuldigung und frage nach, ob ich irgendwie helfen kann, den Schmerz zu lindern.

Was mich aber bei der ganzen Diskussion stört ist folgendes, vielleicht am selben Bild verdeutlicht, also bitte nicht wörtlich nehmen:
Die Person, auf deren Zehen ich versehentlich getreten bin, hat einen Migrationshintergrund. Auch da erwarte ich, dass diese Person AUA sagt und kurz böse guckt, wäre aber sehr verwundert, wenn mir deswegen Rassismus vorgeworfen würde...
Es ist eine (mindestens) zweiseitige Aufgabe, das ist klar. Wir sind uns wohl auch einig, dass Wohlwollen und Zugewandtheit aller am besten helfen, solche Situationen zu lösen. Von meinen eigenen Erfahrungen her ist es auch merkbar, ob die Person gegenüber ehrlich bemüht ist oder angefasst wegen der Kritik oder absichtlich negativ. Dementsprechend kann ich auch reagieren.

Gleichzeitig sehe ich, wenn mir so ein Fehler passiert, etwas mehr Verantwortung zur wohlwollenden Lösung bei mir als bei der Person der ich auf die Zehen getreten bin. Erstens war ich nun mal auslösend, auch wenn es versehentlich war oder ich gar nicht wusste, dass die Person an der Stelle einen Zeh rumliegen hatte. Zweitens habe ich nicht deren extra Meile zu gehen und weiss nicht, wie viele Menschen in letzter Zeit schon auf die gleichen Zehen getreten sind, versehentlich oder absichtlich.

Wenn meine Freundys, dritte Generation in Deutschland, an dem Tag bereits drei mal als einzige in der Bahn kontrolliert wurden, ihnen der Hausdetektiv in 2m Abstand durch den Laden gefolgt ist, in den Nachrichten mal wieder "Migration" das Thema war und sie zB wegen ihres Namens auf dem Amt Sprüche kassiert haben, dann sind das alles Mückenstiche, die die Nerven dünn und die Lunte kurz werden lassen. Mückenstiche, die ich nie erlebe, weil ich trotz allem als weisse, offenbar nicht arme, bürgerliche Person ohne erkennbare Migrationsgeschichte (Ostfriesland, Elsass, Ex-Pommern) durchgehe.

Ich habe auch meine Probleme, aber ich habe nicht noch zusätzlich ihre. "Privilege doesn't mean your life isn't hard. It means your gender, skin color, or sexual orientation doesn't make it worse." Deshalb kann ich von mir verlangen, extra sensibler und wohlwollender zu sein, wenn meinem Gegenüber wegen einer vermeintlichen Kleinigkeit der Kragen platzt (oder sie in sich zusammenfällt; fight, flight, freeze, fawn, falter), weil es die fünfzehnte "Kleinigkeit" des Tages war.

Es ist nicht einfach, Kritik oder Fehler zu akzeptieren. Wir sind häufig schon ganz wörtlich über-fordert, was wir alles anders und besser machen sollen laut Politikys, Expert'innen, Medienbeiträgen. Weniger fliegen, kein Fleisch mehr, etc. In einer zwischenmenschlichen Situation geht es aber nicht um so weitreichende Forderungen, sondern um direkt anwesende Menschen. Ich kann das als ganz andere Aufgabe sehen und meine Perspektive ändern. Auch wenn es sich so anfühlt, ist es seltenst Kritik an meiner Person an sich, sondern an konkretem Verhalten jetzt. Häufig auch nur exemplarisch. Heisst: Ich kriege ein bisschen unfair ab, was sich bei der Person gegenüber an "Mückenstichen" angestaut hat. Ich bin womöglich gar nicht als Person gemeint, sondern nur Projektionsfläche.

Wenn ich das so betrachte, nehme ich mich als Person aus dem Fokus, senke meinen Stress und gewinne "Ressourcen", also Verhaltensoptionen. Zum Beispiel indem ich besonders ruhig und verständnisvoll reagiere. Weil ich es kann (und nicht mehr meinen Reflexen ausgeliefert bin). Für mich fühlt es sich das gut an, eine angespannte Situation eingefangen zu haben, wenn ich schon der entscheidende "Mückenstich" war.

Just my 2ct ;)
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 39 im Thema

Beitrag von edeka »

Lana hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 20:17 Es kann nicht sein, dass der Sender immer aufmerksam und bedächtig sprechen soll, aber der Empfänger bei der Interpretation des Gehörten alle Freiheiten hat und im Falle von Missstimmung die eigene Verantwortung für sich selbst und seine Gefühle verleugnet und sie stattdessen dem Sender unterschieben möchte.
Das ist einseitig und verhindert verantwortliche Kommunikation auf Augenhöhe.
Ich finde, damit hat Lana das entscheidende gesagt.
Zur Kommunikation gehören immer mindestens zwei. Wer meint, der Redner müsse vorher immer genau überlegen, wie ICH seine Worte verstehen KÖNNTE, der setzt sich ins Abseits.
Wenn der Redner frech ist, dann sage ich ihm das.
Und ich (als angesprochener) muss beurteilen, war das jetzt locker, sachlich, flapsig, freundlich, oder war es bösartig? Mit "gesundem Menschenverstand" (ja, ich weiß, das ist für manche auch schon wieder ein Unwort ), kann ich das auch beurteilen.
Jaddy hat geschrieben: Di 10. Dez 2024, 17:33 Tatsächlich muss ich unter "meinesgleichen" inzwischen weniger aufpassen, was ich sage. Ich brauche diese antrainierte Vorsicht nicht mehr, was ich von mir offenbaren darf und was davon gegen mich verwendet wird, und sei es nur für piesackende Sprüche. Der Rest ist einfach: Nett und anständig sein.
Wenn du damit meinst, daß du vorsichtig bist, wem du intime Dinge erzählst - das ist klar !
Aber wenn es darum geht, wie man miteinander redet, also ob freundlich, direkt, sachlich etc. , da gibt es für mich keine Unterschiede. Dafür braucht man keine spezielle Blase oder Gruppe.
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 40 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hey...

naja seit Tagen plagen mich Kopfschmerzen und ich fühle mich richtig schlapp..trotzdem muss ich jetzt kurz was schreiben...

es ist ja nicht so, das wir diese oder ähnliche Diskussionen nicht schon gehabt hätten.

Und immer kommt auch dieses Z...schnitzel und M...kopf Beispiel.
Warum? Ist es wirklich so schwer nachdem man in die Karte geschaut hat, das zu bestellen was dort steht?
Oder das zu sagen was auf der Packung steht? Nicht wirklich, wenn man sich für annähernd intelligent hält, oder?
Kein Verlust-man macht es ja dann auch richtig, da ist doch eine positive Lernerfahrung dabei..

Und da frage ich auch gerne, wie verhaltet ihr euch, wenn ihr in einem fremden Land seid?
Wir versuchen uns immer so gut es geht an die dort lebenden Menschen zu halten..bisschen Sprache lernen,
die Umgangsweise miteinander beobachten-denn jede Kultur hat da Unterschiede. Ich möchte gerne höflich
sein, deshalb tue ich das..

das schliesst nicht aus Fehler zu machen, im Sommer waren wir das erste mal in Griechenland.
Kleines Beispiel..zuerst dachte ich kalispera geht fast zu jeder Tageszeit-das ist aber nicht so.
Okay wir kamen abends nach dem Essen an dem Platz vorbei wo der Seniorchef des Hotels immer sass und ich sagte
kalispera, er schaut mich ein wenig kritisch an und sagt kalinichta...ah Klick im Kopf bei mir.
Am Tag drauf mache ich es richtig und bekomme von unserer Stammbedienung und dem Chef ein Lächeln..das ist doch super.

Was ich damit sagen möchte: allen ging es damit besser.

Und darum habe ich ein ungutes (ungut ist übrigens Neusprech) Gefühl bei Personen die da so richtig vollkommen
Verweigerung zeigen, warum beschneidet man den eigenen Lerneffekt?
Es ist den meisten ja auch klar welche die negativ besetzten Worte sind, was ist so schwer sie weg zu lassen?

Meinetwegen darf eine crossdressende Person das T.. Wort für sich selbst nutzen, ich finde es aber auch in meiner
Anwesenheit nicht schön, es sind einfach andere Lebensrealitäten.
Für die crossdessende Person, mag das "Frau sein" ein Hobby sein, eine Flucht aus dem Alltag..alles schön.
Für mich ist es aber eben kein Hobby es ist meine Wahrheit, was was ich immer bin.
Und da finde ich T... ganz einfach herabwürdigend...und das darf ich auch sagen, erkläre wenn es denn mal auftaucht.

Umgekehrt haben wir in meinem letzten Unternehmen oft unter Frauen über Männer geredet und die dann dumme Pimm..
genannt, oder Schwa..träger auch nicht schön, würde ich so nicht mehr machen-wir hatten teils wirklich ein
hartes Vokabular um Männer herabzuwürdigen..

aber das ist einfach nicht schön...selbst wenn es teilweise verdient war.

Nun gut, ich finde es sinnvoller weniger Energie in so eine Diskussion zu stecken und dafür gleich mit nett sein zu starten.

Habt es gut, Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 41 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

ascona hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 12:30 Ich finde, damit hat Lana das entscheidende gesagt.
Das sehe ich auch so. Wenn man irgendwelche "bösen" Worte verbietet, macht man damit die Sprache kaputt. Wenn es böse ist, dann sind es nicht diese Worte, sondern es ist das, was damit ausgedrückt wird. Sage ich also "mir schmerzt es um das A...loch herum, wenn ich auf dieser Bank sitzen muss", beleidige ich damit niemanden. Warum soll ich es also mit "Körperöffnung am Hintern" oder so ähnlich umschreiben?

Verlange ich wirklich zuviel vom Zuhörer, wenn ich erwarte, dass er sich den ganzen Satz anhört, statt wie eine schlecht programmierte KI auf Schlagwörter zu reagieren.

Jaddy schreibt: ".. Nett und Anständig sein ..". - Wenn das so einfach wäre! Was ist anständig? - Ein Gespräch auf Augenhöhe oder eine künstliche Höflichkeit, bei der man den damit vermittelten Sarkasmus im Unterton heraus hört? Beispiel für einen solchen Unterton: "herzlichen Dank an seine Eminenz" - "schmerzlichen Gestank an seine Pestilenz".

LG Nicole
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 42 im Thema

Beitrag von Lana »

Lavendellöwin hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 14:22 Es ist den meisten ja auch klar welche die negativ besetzten Worte sind, was ist so schwer sie weg zu lassen?
Meine Vermutung:
Bei der älteren Generation ist es es das Beharren auf lebenslang antrainiertem Verhalten auf alten Gewohnheiten, so nach dem Motto Das-hat-doch-bisher-funktioniert-warum-soll-ich-das-jetzt-ändern. Das nehme ich bei Menschen mit 70+ Jahren teilweise wahr.

Dann gibt es die kleine soziopathische Minderheit, die sich grundsätzlich nichts vorschreiben lassen will und hier ein Spielfeld findet, auf dem sie sich schmerzfrei austoben und ihren Frust kompensieren kann. Der kommt daher, dass sie sich ansonsten nach außen regelkonform verhält, sobald tatsächlich Konsequenzen drohen.

Und zuletzt gibt es noch diejenigen, die den Eindruck haben, dass mit der Anpassung von Sprache die zugrundeliegenden Probleme nur kaschiert, aber nicht gelöst werden. Die Kritik an Sprachregelungen zielt eigentlich darauf, diese Diskrepanz aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, dass die wirklich wichtigen Themen damit verdrängt werden.

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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 43 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hey...

mhm..ich sag dir ganz offen was ich dabei von allem halte..ist meine Sicht, die muss auch niemand teilen.
Ich für mich werde es anders machen...
Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 15:17 Bei der älteren Generation ist es es das Beharren auf lebenslang antrainiertem Verhalten auf alten Gewohnheiten, so nach dem Motto Das-hat-doch-bisher-funktioniert-warum-soll-ich-das-jetzt-ändern. Das nehme ich bei Menschen mit 70+ Jahren teilweise wahr.
Teilweise, richtig. Alledings habe ich in den letzten Jahren auch Menschen um die 90 getroffen, die immer noch etwas
lernen wollten um uptodate zu bleiben, die haben sich sogar teilweise mit Dingen beschäftigt, wo ich dachte stark, das ist
mir noch nicht mal aufgefallen, das man das auch so nutzen kann.
Denkst du lernen ist wirklich so schwer? Warum sind die unflexibel? Und das bei der Komplexität des Lebens die wir jetzt haben?

Ich erinnere mich da immer an die Lieblingskundin meines Lieblingsmenschen, die Frau ist jetzt 98, als ich vor ein
paar Jahren gesagt habe ich werde die männliche Vergangenheit ablegen, hat sie mich direkt gefragt wie denn mein neuer
Name sei. Weisst du, bei solchen Menschen geht mir das Herz auf, da habe ich wirklich Respekt und Hochachtung.
Nicht qua ihrer Stellung sondern ihrem Verhalten.

Und meine Mum hat so oft gefragt "wie isch'n dess heid, wie machd ihr dess jedzt?"
Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 15:17 Dann gibt es die kleine soziopathische Minderheit, die sich grundsätzlich nichts vorschreiben lassen will und hier ein Spielfeld findet, auf dem sie sich schmerzfrei austoben und ihren Frust kompensieren kann. Der kommt daher, dass sie sich ansonsten nach außen regelkonform verhält, sobald tatsächlich Konsequenzen drohen.
Vorgeschrieben..mhm...das was die nutzen möchten, war doch unter Umständen auch mal vorgeschrieben..
viel Spass beim eigene Sprache erfinden..ich zitiere Lindner echt ungern, aber "wo ist hier die Neuigkeit?"
Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 15:17 Und zuletzt gibt es noch diejenigen, die den Eindruck haben, dass mit der Anpassung von Sprache die zugrundeliegenden Probleme nur kaschiert, aber nicht gelöst werden. Die Kritik an Sprachregelungen zielt eigentlich darauf, diese Diskrepanz aufzuzeigen und darauf hinzuweisen, dass die wirklich wichtigen Themen damit verdrängt werden.
Das werden die Themen doch gar nicht. Ich traue erst einmal jeder Person zu, sich zur gleichen Zeit mit mehreren Dingen zu beschäftigen.
Da ist doch genug Raum sich auch mit anderem auseinander zu setzen. Wenn die sich auf das Thema einschiessen, ist das doch nicht
der Fehler der Menschen die an mehreren Strängen teilnehmen (können).
Hey, die Erde ist keine Scheibe, aber auch nicht rund, also nicht so ganz..du verstehst?

Wenn wir bei Freunden sind (gut, vielleicht ist es wenn ich mit meinem Lieblingsmenschen rede tatsächlich zu vielschichtig)
ist es so, das wenn wir in Grüppchen reden oft so, das ich oder sie aus dem jeweiligen Gespräch das wir führen aussteigen
um bei kritischen Blicken anderer zu erklären was ich oder sie grade gemeint haben.
2 oder 3 Gespräche gleichzeitig ist nicht so schwer..daher erwarte ich schon, das man sich mit mehr als einem Thema beschäftigen kann.


Gute Zeit, Marie (flo)

@Nicole, steh einfach kurz auf wenn du Schmerz merkst, das ist doch eh doof wenn du da sitzen musst (flow)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Nicole Fritz
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 44 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Lana hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 15:17 Meine Vermutung:
Ich erkenne da jetzt irgendwie drei "Schubladen". Marie ist darauf ja schon etwas näher eingegangen.

Sonst möchte ich zu der "kleinen soziopathischen Minderheit" etwas anmerken: Aus meiner Sicht lassen die sich alles vorschreiben. Und das frustriert sie maßlos. Diesen Frust reagieren sie dann ab, indem sie andere, die gegen diese Vorschriften rebellieren, in beleidigendem Ton dazu ermahnen, das alles mit zu machen. Sie wissen es angeblich besser, weil es ja ständig im Fernsehen wiederholt wird, oder massenhaft irgendwo im Internet steht.

LG Nicole
HeikeCD
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Re: Orwell's Neu-Sprech aus '1984'

Post 45 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Lavendellöwin hat geschrieben: Mi 11. Dez 2024, 15:45 2 oder 3 Gespräche gleichzeitig ist nicht so schwer..daher erwarte ich schon, das man sich mit mehr als einem Thema beschäftigen kann.
Moin Marie,

Aber was ist wenn ein Asperger in der Gruppe sitzt. Diese Person weiß schon manchmal nicht "Bin ich gemeint?" und steigt völlig aus. Die Schwierigkeitsgrade in heutigen Gesprächen werden nicht einfacher.

Liebe Grüße

Heike
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