Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht
Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht - # 2

conny
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 16 im Thema

Beitrag von conny »

Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 13:59 Wenn es tatsächlich einfach immer noch gleich schlecht wäre wie schon seit Jahren, welchen Grund sollte die Polizeipräsidentin haben, gerade jetzt eine Warnung auszusprechen?
Ihre Warnung richtet sich an spezielle Gruppen:
"Berlins Polizeipräsidentin Slowik warnt vor Stadtteilen, in denen Juden, Schwule und Lesben offene Anfeindungen erleben".
Dass Angehörige dieser Gruppen in der letzten Zeit häufiger Opfer von Angriffen geworden sind, ist ja allgemein bekannt. Hape Kerkeling und Kevin Künast z.B. haben sich erst kürzlich dazu geäußert und die Juden erleben es insbesondere seit dem 07. Oktober 2023.
Jaddy hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:38 Wenn ich von RIAS und anderen nicht aktuellen Quellen ausgehe, dann sind Mitte, Kreuzberg und Neukölln die Brennpunkte.
Leider gibt es auch im bisher unverdächtigen "Regenbogen-Kiez" zunehmend Angriffe auf Angehörige der sich dort tummelnden Szene.
HeikeCD
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 17 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

conny hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 15:44 Leider gibt es auch im bisher unverdächtigen "Regenbogen-Kiez" zunehmend Angriffe auf Angehörige der sich dort tummelnden Szene.
Und nicht nur in Berlin. Habe mal, schon länger her, einen Bericht über St.Georg in Hamburg gelesen, dort gehen Homosexuelle schon länger nicht mehr offen durch die Straßen.
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 18 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ach siehste. Nun ergibt der Zeitpunkt und die Art des Interviews auch Sinn: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/20 ... chuss.html

Es war kurz vor der finalen Beschlussfassung des Senats über den Spar-Haushalt.
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 19 im Thema

Beitrag von Lana »

Jaddy hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:38 Was mir bei meiner Suche auch aufgefallen ist: Es gibt irgendwie keine seriösen Zahlen. Nur Geraune, Gefühle und Vermutungen. Wer aktuelles findet, ich wäre dankbar.
Da schließe ich mich direkt an!

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Jaddy
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 20 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich hab da noch was, was mir in meiner Fediverse Timeline vorbei kam: https://www.nd-aktuell.de/artikel/11829 ... genug.html

Ein schwuler, jüdischer Mann aus Neukölln kommentiert, wie er die Situation wahrnimmt(1). Der Artikel ist vom Juni 2024, also wohl ziemlich aktuell.
Nirgendwo wirkt diese Verschiebung im Diskurs so realitätsfern wie in meinem Kiez. Wie sonst lässt sich erklären, dass sich gerade in den Jahren, in denen das Problemviertel als schwulen- und judenfeindlich deklariert wurde, so viele Queers und Juden aus aller Welt hier niedergelassen haben? Nur in meiner Straße gibt es mehr queere Kneipen als in ganz Mecklenburg-Vorpommern, und im Bezirk leben heute mehr Juden, vor allem israelischer und amerikanischer Herkunft, als in einigen Bundesländern zusammen.

Perfekt ist nichts. Auch bei uns gibt es Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. In den letzten acht Monaten ist zudem die Stimmung im Bezirk deutlich angespannter geworden, denn die Nachrichten aus Israel und Palästina, wo viele von uns Freunde und Verwandte haben, machen wütend. Die überproportionale Polizeipräsenz im Bezirk, die mit ihren Racial-Profiling-Methoden eher einer Besatzungsmacht ähnelt, macht jedoch niemanden sicherer. Dass in den letzten Monaten nicht nur Araber, sondern auch zahlreiche Juden Opfer von Polizeigewalt wurden, weil sie an pro-palästinensischen Demonstrationen teilnahmen, wird in deutschen Medien nicht einmal als Randnotiz erwähnt.
Der Aspekt hier, wie auch im Queerfeindlichkeits-Monitoring: Da wo sich mehr potenzielle Opfer aufhalten, gibt es auch die meisten Taten. Eine statistische Binse. Der Hinweis im Artikel auf strukturelle Themen ist auch nicht ganz ohne.

Das ganze Thema ist offenbar viel komplexer als einfache Täter-Opfer Statistiken.

(1) Ja, ich weiss, ND. Äusserst links. Dennoch ist das ein O-Ton, von einem potenziell mehrfach betroffenen Menschen direkt aus dem "Brennpunkt". 2018 hat er das gleiche schon mal gesagt. Beim Deutschlandfunk https://www.deutschlandfunkkultur.de/an ... n-100.html
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 21 im Thema

Beitrag von Susi T »

Danke für die differenzierte Betrachtung.
Ich fühle mich weiter in einem türkischen Viertel sicherer als in einem urdeutschen Problemviertel. Da macht der Alkohol einen deutlichen Unterschied. Wir parken weiter im türkischen Viertel, durchqueren es komplett Händchenhaltend und bekommen noch nicht Mal schräge Blicke, selbst mit frechen Outfits.
Wenn Mal wirklich irgendwo richtig feindselige Blicke kommen, was höchst selten ist, dann sind das die beschriebenen Urdeutschen Männer mittleren Alters, die du nie in größerer Anzahl treffen willst, wenn dir dein Leben lieb ist.
Jugendgruppen sollte man immer meiden und durch kleine abgelegene Parks lauf ich auch normalerweise nicht, sondern geh aussen rum.
Achja, ich respektiere andere Sitten und Gebräuche, auch wenn sich das Stadtviertel in Deutschland befindet, so gilt dort auch sowas wie Hausrecht, das vergessen manche nur zu gerne.
Ich stürme in ein Nobelrestaurant nicht rein und setz mich eigenmächtig an einem Platz, genauso wenig betrete ich so ein türkisches Café, sondern warte im Eingangsbereich bis man mich rein bittet. Türkische Frauen würden da normalerweise garnicht rein gehen und für deutsche passt man seine Sitten schon an, da kann man etwas gegenseitigem Respekt aufbringen. Das nur als Beispiel, da ich früher gerne mit meinen Freundinnen in der Mittagspause einen Tee getrunken habe.

Ich vermute es hat viel mit dem persönlichen Auftreten zu tun. Menschen denen man von weitem ansieht, das die fremd sind(und sich so benehmen), werden oft anders behandelt als die die den Eindruck vermitteln das sie einheimisch sind.
Insofern ist eine gewisse Vorsicht und Umsicht normal, nur Ängstlich sollte man nicht sein. Das war schon immer so.
Genauso wie Respekt keine Einbahnstraße ist.
Zuletzt geändert von Susi T am Mi 20. Nov 2024, 10:08, insgesamt 1-mal geändert.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 22 im Thema

Beitrag von Inga »

Anne-Mette hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 16:49 Spiegel

-»So ehrlich müssen wir sein-«: Berlins Polizeipräsidentin Slowik warnt vor Stadtteilen, in denen Juden, Schwule und Lesben offene Anfeindungen erleben. Als Täter will sie aber keine Gruppe -»diffamieren-«.

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ ... 616577a286
Hallo,

welches sind nun die Gebiete, die gemieden werden sollen? Ohne Ortsangaben ist diese Meldung für Berlin-Besucher etwa, die nicht wissen, wer wo wohnt, ohne Wert.

Liebe Grüße
Inga
Jaddy
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 23 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Inga hat geschrieben: Mi 20. Nov 2024, 10:07 Hallo,
welches sind nun die Gebiete, die gemieden werden sollen? Ohne Ortsangaben ist diese Meldung für Berlin-Besucher etwa, die nicht wissen, wer wo wohnt, ohne Wert.
Wenn ich von den schmalen Funden ausgehe, die es wohl gibt:
RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin) https://www.report-antisemitism.de/docu ... _Hamas.pdf Seite 11 und dem Berlin Monitoring (die "300 Seiten"): Mitte, Kreuzberg, Neukölln. Also da wo das meiste Stadtleben ist und sich die meisten Leute treffen. Wie überraschend ;)

Das geht übrigens für Hamburg auch: https://www.polizei.hamburg/resource/bl ... o-data.pdf Zitat aus https://www.polizei.hamburg/services/po ... lstatistik wobei Hamburg kein offizielles Monitoring queerfeindlicher oder antisemitischer Vorfälle hat. Ich nehme mal Gewaltkriminalität und Stadtteile:
Nach den pandemiegeprägten Vorjahren und den damit verbundenen Einschränkungen bis einschließlich April 2022, registrierte die Polizei Hamburg für 2023 einen Anstieg der erfassten Delikte auf 234.241 Fälle (+10,9 Prozent).
...
Analog zur Entwicklung der Gesamtkriminalität registriert die Polizei Hamburg auch bei den erfassten Delikten im Bereich der Gewaltkriminalität einen Anstieg um +10,7 Prozent. Dieser ist vor allem auf eine erhöhte Erfassung von Raubdelikten und gefährlicher Körperverletzungen in den Stadtteilen St. Pauli und St. Georg zurückzuführen. Dabei ist auffällig, dass aufgrund der erhöhten Polizeipräsenz und der niedrigschwelligen Ansprechbarkeit der Einsatzkräfte vermehrt Taten innerhalb der Drogen- und Trinkerszene zur Anzeige gebracht werden, die ansonsten unentdeckt geblieben wären. So registrierte die Polizei allein im Stadtteil St. Georg im vergangenen Jahr 465 Raubdelikte. Das sind 110 mehr als im Vorjahr (+21 %). Demnach wurde 2023 jedes fünfte Raubdelikt im Stadtteil St. Georg erfasst.

Ähnliches zeigt sich auch bei den Körperverletzungsdelikten. So registrierte die Polizei Hamburg in St. Georg im vergangenen Jahr ein Plus von 132 gefährlichen Körperverletzungsdelikten im Vergleich zum Vorjahr (+22 Prozent). Auch hier sind die Betroffenen, sowohl auf der Opfer-, aber auch auf der Täterseite, in vielen Fällen der Drogen- und Trinkerszene zuzuordnen. Immer wieder kommt es bei solchen Fällen zu einer wechselseitigen Anzeigenerstattung. Rechnet man den Stadtteil St. Pauli (+185 Taten/+26 Prozent) hinzu, wurde nahezu jede vierte in Hamburg erfasste gefährliche Körperverletzung in 2023 in diesen beiden Gebieten begangen. Hamburgweit stieg die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen um +5,7 Prozent, die Zahl der einfachen Körperverletzungen um +10 Prozent.
Sehr arg verkürzt in https://de.statista.com/statistik/daten ... -bezirken/
Bildschirmfoto 2024-11-20 um 10.36.41.png
Auch hier: Wo sich viele Menschen treffen, passieren Dinge. Und: Wo mehr Polizei ist, wird mehr angezeigt (oder von der Polizei bemerkt).

Es gibt eine aktuelle Studie mit Dunkelfeldanalyse) zu antisemitischen Vorfällen: https://ddatabox.dataport.de/public/dow ... NhvokbNdKh (Artikel bei NDR: https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ ... us430.html). Achtung: Das Sample ist klein, die Leute größtenteils Ü65, also nicht gerade Party People. 29% der Vorfälle waren "im Internet" (S.44).

Interessant dazu die Beschreibung der Täter*innen (S.45):
Befragt nach dem Bereich, aus dem der Täter oder die Täterin stammte, gaben 24 (16%) von den 154 Befragten, die von einer schlimmsten Tat berichteten an, dass der Haupttäter/die Haupttäterin aus dem Bekanntenkreis stammte. Am zweithäufigsten wurde eine Zusammenarbeit mit dem Haupttäter/ der Haupttäterin genannt (n = 21; 14 %). Die meisten Personen (n = 36; 24 %) konnten jedoch keine Angaben zu dem
Bereich machen, aus dem der Haupttäter/die Haupttäterin kam. Lediglich 7 % (10 Befragte) gaben an, der Täter/die Täterin stamme aus einer extremistischen religiösen Gruppierung
Es ist schon alles nicht so einfach.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
Marlene K.
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Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 24 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 10:27
Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Interessant finde ich, dass es als "unverschämt" benannt wird, wenn du eine 300seitige Studie benennst.
Das habe ich nirgendwo geschrieben, es ist allein deine Interpretation. Und die ist falsch.
Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Welche Gesetzesverstöße werden erfasst?
Dann lies dir mal die 300 Seiten durch. Die dort aufgeführten Zahlen sind alles andere als zwingend für Jaddys Auslegung. Es sind statistische Werte, aus denen man auch etwas ganz anderes herauslesen kann.
Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Wenn ich hier lese, dass wir ja ganz genau wüssten, dass eine deutsche Staatsangehörigkeit ja nicht bedeute "wirklich" deutsch zu sein frage ich nur: Was denn sonst?
Auch das habe ich nirgendwo geschrieben. Es ist wiederum allein deine Interpretation. Sie ist erneut falsch.

Ich möchte dich eindringlich bitten, den von dir kritisierten Beitrag erneut zu lesen, und dir Gedanken zu machen, ob er nicht ganz anders gemeint sein könnte als du ihn interpretierst.

LGL
Liebe Lana,
meien Einlassung war nicht als persönlicher Angriff gemeint, sonst hätte ich Dich, so wie Du mich, zitiert. In der Beziehung bin ich ehrlich.

Ich finde exemplarisch Deine Argumentation aber aus den oben genannten Gründen missverständlich und denke, diese Dinge müssen differenzierter betrachtet werden. Du bist leider nicht die einzige, die so gefühlsmäßig und auf die veröffentlichte Meinung als wahr und umfassend angenommene Fakten reagiert.

Liebe Grüße

Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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