Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht
Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27022
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 181 Mal
Danksagung erhalten: 2020 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Spiegel

-»So ehrlich müssen wir sein-«: Berlins Polizeipräsidentin Slowik warnt vor Stadtteilen, in denen Juden, Schwule und Lesben offene Anfeindungen erleben. Als Täter will sie aber keine Gruppe -»diffamieren-«.

https://www.spiegel.de/panorama/justiz/ ... 616577a286
Christiane
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1554
Registriert: Sa 22. Okt 2016, 14:19
Geschlecht: m-w
Pronomen:
Wohnort (Name): Kiel
Hat sich bedankt: 1119 Mal
Danksagung erhalten: 350 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 2 im Thema

Beitrag von Christiane »

Das heißt für mich, übersetzt: "Sorry Leute, wir haben es nicht mehr im Griff. Ihr seid ab jetzt auf Euch gestellt. Helft Euch selbst" :shock: :shock: :shock:
Das sind dann die Polizisten, die uns was vom Gewaltmonopol erzählen und uns kriminalisieren, wenn wir uns dann wirklich selbst helfen??? :mrgreen:
ICH FASS ES NICHT !!!!!! (ag) (ag) (ag)
Die hat doch nicht mehr ******! Will keine Gruppe "diffamieren".
Die sollen endlich mit den Täterprofilen aufwarten - dann bestätigt sich wahrscheinlich der Verdacht, den man eh schon hat.
Nennt es Vorurteile - sie werden leider bestimmt zu 80 - 90 % bestätigt.
Ich glaub, ich brauch nen Schnaps!
Fassungslos
Christiane

+editiert von Anne-Mette+
"Pünktchen sind immer süß!"
missy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 459
Registriert: Do 1. Feb 2024, 13:32
Geschlecht: m
Pronomen:
Wohnort (Name): NRW
Hat sich bedankt: 169 Mal
Danksagung erhalten: 203 Mal
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 3 im Thema

Beitrag von missy »

Ich verstehe das Wort
Anne-Mette hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 16:49-»diffamieren-«
hier nicht ganz. Übel nachreden, verleumden, jemanden schlecht machen.
Ja gibt es nun klare Zahlen, die die Problematik eindeutig belegen? Dann ist es doch kein "diffamieren".
Und wenn es die Zahlen gibt, dann auf den Tisch damit. Alles andere lässt doch nur unnötigen Raum für Spekulationen und Propaganda.

Slowik:
-»Es gibt allerdings Bereiche ... da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein-«
Was bitte heißt denn hier "aufmerksamer sein"? Sollen sie sich verstecken, verleugnen, in Luft auflösen, was auch immer?

Slowik:
Leider gibt es bestimmte Quartiere, in denen mehrheitlich arabischstämmige Menschen wohnen, die auch Sympathien für Terrorgruppen hegen. Offene Judenfeindlichkeit artikuliert sich dort gegen Menschen jüdischer Glaubensrichtung und Herkunft.
Leider ist das Interview mit Frau Slowik in der Berliner Zeitung, auf dass der Spiegel verweist für mich nicht lesbar, es sei denn gegen Kohle.

Eins steht für mich fest: Die Welt wird immer extremer, und das beginnt quasi vor unserer Haustür.
Da hilft nur eins: Position beziehen und sich nicht verstecken. Für mehr Menschlichkeit und gegen Haß und Gewalt jeglicher Couleur.

Gruß,
missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Anne-Mette
Administratorin
Beiträge: 27022
Registriert: Sa 24. Nov 2007, 18:19
Geschlecht: W
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Ringsberg
Forum-Galerie: gallery/album/1
Hat sich bedankt: 181 Mal
Danksagung erhalten: 2020 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 4 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Christiane hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 17:35 ICH FASS ES NICHT !!!!!!
Ich fasse es auch nicht und es fühlt sich für mich wie eine Kapitulation vor der Gewalt an.
Trotzdem schreibt bitte nichts, was als Beleidigung aufgefasst werden kann.

Ich denke, es müssen gute Konzepte erarbeitet werden, um Gewalt zu verhindern oder zumindest gewaltig einzudämmen.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3968
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1225 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Höi, welch eine Empörung ;)

Sorry, es ist ja eigentlich nicht lustig. Gleichzeitig wissen aber alle von Gewalt bedrohten Gruppen - und das sind, weil auch alle Frauen dabei sind und alle, die als solche angesehen werden, nun mal >50% aller Menschen -, dass bestimmte Gegenden gefährlicher sind als andere. Und zwar schon immer.

Frag offen non-cis oder non-hetero erkennbare Menschen nach ihren Vorsichtsmassnahmen und Gewalterfahrungen. Und die Quote erlebter Gewalt für als jüdisch gedeutete Menschen ist auch seit Jahren hoch (und steigend).

Frag jedes weibliche Wesen Ü13 zum Thema. Nicht nur nachts, nicht nur in Parks oder so. Schlüssel in der Faust, Handy in Bereitschaft, ggf Pfefferspray. Es gibt in vielen Orten Frauen-Nacht-Taxen mit Gutscheinen von der Stadt, Codewörter in Clubs, um in Sicherheit gebracht zu werden, usw.

Frag all diese Gruppen nach den Fällen in ihrem Umfeld, wo Leute angepöbelt, bespuckt, beleidigt, geschlagen wurden - und wie wenig präsent Polizei war und wie schwierig es war, überhaupt Anzeige zu erstatten und wie viele Verfahren wegen "konnte nicht ermitelt werden" eingestellt wurden. Und. Zwar. Seit. Jahrzehnten. Schon immer.

Also kein Anlass für plötzliche Empörung.

Nur eines ist klar: Die Tätergruppen sind bekannt. Insbesondere in Berlin, wo es das Monitoring gibt. Die Gewalt geht zu 90% von Männern zwischen 15 und 60 aus. Das ist der signifikante Faktor. Alle anderen Merkmale entsprechen dem Anteil an der Bevölkerung: Wohnort, sozialer Hintergrund, "Herkunft".

Es sind durchschnittliche Männer.

Das meintest du, oder? Dachte ich mir :)
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3968
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1225 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 6 im Thema

Beitrag von Jaddy »

missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 17:40 Slowik:
-»Es gibt allerdings Bereiche ... da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein-«
Was bitte heißt denn hier "aufmerksamer sein"? Sollen sie sich verstecken, verleugnen, in Luft auflösen, was auch immer?
Ich weiss nicht, wie du das machst, aber als ziemlich erkennbar nicht-cis Person bin ich inzwischen auch "aufmerksam". D.h. Umgebung scannen nach potenziellen Tätern (wie gesagt: Kennzeichen "Mann"), Abstand wahren, in der Öffentlichkeit bleiben, usw. Ich bin eben nicht mehr "getarnt" wie die Jahrzehnte davor.
missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 17:40 Leider ist das Interview mit Frau Slowik in der Berliner Zeitung, auf dass der Spiegel verweist für mich nicht lesbar, es sei denn gegen Kohle.
Bei mir ist es jetzt offen zu lesen. Ist aber auch archiviert: https://archive.ph/BHBI2
missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 17:40 Eins steht für mich fest: Die Welt wird immer extremer, und das beginnt quasi vor unserer Haustür.
Da hilft nur eins: Position beziehen und sich nicht verstecken. Für mehr Menschlichkeit und gegen Haß und Gewalt jeglicher Couleur.
Letzteres ist immer gut. Aber der erste Satz ist bezogen auf Gewalttaten interessanterweise nicht so wahr wie es sich manchmal anfühlt. Tatsächlich war die gemeldete Gewaltkriminalität in den letzten Jahrzehnten 2007 am höchsten. Insgesamt ist sie im langfristigen Trend rückläufig. Obwohl mehr gemeldet wird (Dunkelfeldanalyse).

Leider aber auch wahr: Es gibt immer mal wieder "Trends" aufgrund von aktuellen Entwicklungen. Und dieser Hamas-Überfall plus der darauf folgende Vernichtungsfeldzug der israelischen Regierung wird per "social media" zeitgleich in die hiesigen Köpfe übertragen.
missy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 459
Registriert: Do 1. Feb 2024, 13:32
Geschlecht: m
Pronomen:
Wohnort (Name): NRW
Hat sich bedankt: 169 Mal
Danksagung erhalten: 203 Mal
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 7 im Thema

Beitrag von missy »

Hi Jaddy,

zunächst einmal vielen Dank für den Link zur Berliner Zeitung. Vielleicht komme ich noch heute dazu.

Dann muss ich sagen: Ich bin ganz oft deiner Meinung, heute mal nicht.

1. Es gibt immer noch den Art.2, Abs. 2 des Grundgesetzes:
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Mir ist nicht bekannt, dass es ein Gesetz gibt, dass es erlaubt, Juden, Schwule, Lesben oder irgendwelche Minderheiten zu schlagen, zu bespucken, anzugreifen, ihnen nachzustellen, sie zu bedrohen oder sonstiges.
Und das sollte in einem der sichersten Länder der Welt ganz besonders gelten.

2.
Es sind durchschnittliche Männer.
Vielleicht ganz durchschnittliche Männer in bestimmten Wohngebieten. Sonst hätte die Polizeipräsidentin nicht den Anlass, in dieser Form zu warnen. Und wenn sie das tut, möchte ich dazu Zahlen sehen, die sich auf dieses Quartier beziehen. Und da hilft mir vermutlich auch nicht das Berliner Monitoring mit dem Schwerpunktthema transfeindliche Gewalt. (Zugegeben, ich konnte es noch nicht lesen.)

3. Ich mag an dieser Stelle auch keine Verharmlosungen. Ich finde es wirklich bewundernswert, wie du in kürzester Zeit auf alle möglichen Unterlagen zugreifst, Quellen zitierst, Belege unterschiedlichster Art anführst. Aber es fühlt sich manchmal auch an wie Schönreden. Sorry.
Apropos Ängste: Frau Slowik hat sich in ihrer Funktion als oberste Polizistin Berlins interviewen lassen und die zitierten Sätze von sich gegeben. Sowas habe ich von einer/m Polizeipräsidentin/en in der Form noch nicht gehört, und es grenzt für mich an ein Armutszeugnis unseres Rechtsstaats.
Ich bin da bei Christiane:
ICH FASS ES NICHT !!!!!!
Für mich gibt's nur eins: Jeden Tag auf der Straße Flagge zeigen: (z.B. mit Buttons an der Jacke)
Für mehr Menschlichkeit und gegen Haß und Gewalt jeglicher Couleur.
Herzliche Grüße,
missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1697
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 796 Mal
Danksagung erhalten: 1278 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 8 im Thema

Beitrag von Lana »

Jaddy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 18:13 Nur eines ist klar: Die Tätergruppen sind bekannt. Insbesondere in Berlin, wo es das Monitoring-  gibt. Die Gewalt geht zu 90% von Männern zwischen 15 und 60 aus. Das ist der signifikante Faktor. Alle anderen Merkmale entsprechen dem Anteil an der Bevölkerung: Wohnort, sozialer Hintergrund, "Herkunft".

Es sind durchschnittliche Männer.
Es ist nicht besonders zuvorkommend, pauschal auf einen Bericht mit mehr als 300 Seiten zu verweisen.

Ich habe das Ding nun mal überflogen und stimme deiner Interpretation nicht zu.

Die entscheidende Passage lautet:
Hinsichtlich der Herkunft der ermittelten Tatverdächtigen erfasst die polizeiliche Statistik Angaben zur Staatangehörigkeit. Mit 69,3 % hat der überwiegende Anteil der ermittelten Tatverdächtigen die deutsche Staatsbürgerschaft. Zum Vergleich: Der Anteil von Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit an den in Berlin gemeldeten Einwohner*innen belief sich im Jahr 2020 auf 79,1 %, derjenige von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit auf 20,9 % — Personen, die sich in Berlin aufhalten, aber nicht gemeldet sind, werden nicht berücksichtigt.
Nicht deutsche Staatsangehörigkeiten, die in der Berliner Wohnbevölkerung besonders verbreitet sind, tauchen auch in der Statistik der Tatverdächtigen häufiger auf. Nach deutschen Staatsangehörigen folgen Tatverdächtige mit der türkischen (5,5 %), syrischen (2,8 %) und polnischen (2,6 %) Staatsbürgerschaft. In 3,5 % wird die Staatsangehörigkeit der ermittelten Tatverdächtigen als "unbekannt" angegeben.
https://www.lsbti-monitoring.berlin/wp- ... refrei.pdf, S. 54f

Nun wissen wir ja, dass die Staatsangehörigkeit relativ wenig Aussagekraft hat. Einen deutschen Pass haben heutzutage viele Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund. Rund ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat eine Einwanderungsgeschichte (https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesel ... nhalt.html).

Das ist doch der Elefant im Raum.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3968
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1225 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy »

missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 21:16 Ich mag an dieser Stelle auch keine Verharmlosungen. Ich finde es wirklich bewundernswert, wie du in kürzester Zeit auf alle möglichen Unterlagen zugreifst, Quellen zitierst, Belege unterschiedlichster Art anführst. Aber es fühlt sich manchmal auch an wie Schönreden. Sorry.
Es liegt mir fern, irgendetwas verharmlosen zu wollen. Ich denke, genau das Gegenteil sagt mein Post aus: Es ist nichts neues. Ich finde es etwas seltsam und auch etwas unangebracht, aus diesem kleinen Absatz jetzt einen aktuellen, überraschenden Skandal zu konstruieren.
Frau Dr. Slowik, ist Berlin eine sichere Stadt?

Berlin ist so sicher wie viele andere Städte in Deutschland und sicherer als manch andere Hauptstädte Europas.

Gibt es No-go-Areas?

Grundsätzlich nicht. Es gibt allerdings Bereiche — und so ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein — da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein. Wachsam sollte man ohnehin in vielen Metropolen an bestimmten öffentlichen Orten zum Selbstschutz vor jedweder Kriminalität sein.
Sie sagt, was seit Jahren alle wissen: Wenn du zu einer betroffenen Minderheit gehörst, dann pass mehr auf. Warum jetzt? Nunja, es war die Frage und es ist die aktuelle Weltlage. So wie nach 2001-09-11 gegen Muslime. Ende 70er Anfang 80er gegen LInke und Grüne. Die ganze Zeit gegen Homosexuelle und trans Personen. Das gab nur pressemässig nicht so viel her, ist aber in einigen Medien dokumentiert.

Ich finde es also etwas seltsam, jetzt so überrascht und empört zu sein. Was hätte ich sagen sollen, "willkommen in der Realität vieler marginalisierter Menschen. Schade, dass ihr sie bisher ignorieren konntet"?

Sie sagt aber auch "Berlin ist so sicher wie viele andere Städte in Deutschland und sicherer als manch andere Hauptstädte Europas." Und das ist auch richtig.
missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 21:16
Es sind durchschnittliche Männer.
Vielleicht ganz durchschnittliche Männer in bestimmten Wohngebieten. Sonst hätte die Polizeipräsidentin nicht den Anlass, in dieser Form zu warnen. Und wenn sie das tut, möchte ich dazu Zahlen sehen, die sich auf dieses Quartier beziehen. Und da hilft mir vermutlich auch nicht das Berliner Monitoring mit dem Schwerpunktthema transfeindliche Gewalt.
Nee nee. Es liegt nicht an den Wohngegenden. Zumindest für queerfeindliche Gewalt sagt das Monitoring in der Zusammenfassung:
LSBTIQ*-feindliche Taten werden insbesondere in Regionen mit sichtbarem und offenem queerem Leben angezeigt.
"¢ Die angezeigten trans- und homophoben Straftaten in Berlin weisen weiterhin geografische Schwerpunkte in LSBTIQ*-Ausgeh- und Wohnvierteln auf.
...
Die Zeitpunkte LSBTIQ*-feindlicher Straftaten überschneiden sich mit dem Ausgehleben im öffentlichen Raum — im Frühling und Sommer, am Wochenende und in den Abendstunden
Also dort, wo die Opfer sich aufhalten, räumlich und zeitlich.
Die ermittelten Tatverdächtigen LSBTIQ*-feindlicher Straftaten sind nahezu ausnahmslos männlich, häufig jung und auffällig oft bereits polizeilich bekannt — sie agieren ebenso allein wie aus Gruppen heraus.
Junge. Männer.

Und für antisemitische Haltungen gibt es - neben dem Merkmal jung, männlich - vor allem verstärkende Indikatoren: Arm, ungebildet, rechts oder muslimisch. Da tun sich die jungen Männer nicht viel. Siehe zB "Abschlussbericht zur Studie "Antisemitismus in der Gesamtgesellschaft von Nordrhein-Westfalen im Jahr 2024"" (PDF), weil ich keine aktuellen Zahlen aus Berlin gefunden habe.


Also Grundgesetz ja, in jedem Fall. Da wo auch die gleichen Rechte für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Religion und so stehen und die unantastbare Würde aller Menschen. Arme, Behinderte, Geflüchtete, nicht-Christen, usw können sich da sicherlich ein bitteres Lachen zu abringen.

Wir wissen alle, dass die Realität überall im Land nicht perfekt ist und noch nie war. Aber es wird besser. Und es ist sogar besser als vor Jahrzehnten. Auch wenn die Baseballschlägerjahre der 90er in rechten Hochburgen wohl wieder da sind.

Also nochmal: Dieser kurze Absatz erzählt nichts neues. Zumindest für Betroffene. Ich verharmlose nicht, sondern beklage, dass diese Normalität vieler Menschen jetzt so skandalisiert und vor allem ganz offenbar gegen bestimmte Menschen instrumentalisiert werden soll. Meinung vs Fakten.

Im Klartext: Nein, es sind nicht vor allem Zugewanderte, egal welcher Generation. Es sind nicht vor allem Muslime. Es sind junge Männer jeder Herkunft, die sich Gewalt gegen andere herausnehmen. Gegen Queers, gegen trans, gegen Frauen, jüdische Menschen und - sieh mal guck - gegen Menschen, die von ihnen als ausländisch gedeutet werden.
Marlene K.
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2146
Registriert: Fr 10. Aug 2018, 17:54
Geschlecht: größtenteils weiblic
Pronomen: sie, ohne Überempfin
Wohnort (Name): Berlin
Hat sich bedankt: 203 Mal
Danksagung erhalten: 65 Mal
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 10 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich danke Dir, Jaddy, für die auch bei "uns" dringende Einordnung.

Interessant finde ich, dass es als "unverschämt" benannt wird, wenn du eine 300seitige Studie benennst.
Ich finde eher kurze Aussagen, die die vielfältigen Geschehnisse in einfachen Lösungen zusammenfassen etwas fragwürdig.

Selbst wenn es eine höhere Zahl ausländisch/rassistisch gelesener Menschen geben sollte stellen sich für mich verschiedene Fragen.

Welche Gesetzesverstöße werden erfasst? Manche aus dem Ausländerrecht können Staatsangehörige nicht begehen.
Wie hat die Reaktion der Gesellschaft rassitisch gelesene Jugendliche in Schule und Ausbildung auf die Wahrnehmung des Erzogenen eingewirkt?
Wie ist das Anzeigeaufkommen bezogen auf die rassistische Lesart der Angezeigten?

Und ich benenn hier ganz bewusst die rassistische Lesart. Wenn ich hier lese, dass wir ja ganz genau wüssten, dass eine deutsche Staatsangehörigkeit ja nicht bedeute "wirklich" deutsch zu sein frage ich nur: Was denn sonst?

Mein eigener Nachnahme ist slawisch, vermutlich polnisch oder tschechich. Der Mädchennahme meiner Mutter war südfranzösisch-italienisch. Eine meiner Großmütter war polnische Staatsanghörige.
Ich weiß, dass ich bei all den Kowalschiks und de Maizieres, den di Fabios und Slowiks und den Sloterdykes in unserem Land nicht alleine bin. Warum sollten hier geborene Ütztürks oder Cohns weniger deutsch sein als die vorgenannten Beispiele? Wenn wir sie als weniger deutsch benennen, wo liegt das Problem? In den benannten oder in unserer Wertung, die ja auf die Selbstwahrnehmung, und vorwiegend bei jungen Männern, auf das Verhalten der so rassitisch gelesenen haben.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1697
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 796 Mal
Danksagung erhalten: 1278 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 11 im Thema

Beitrag von Lana »

Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Interessant finde ich, dass es als "unverschämt" benannt wird, wenn du eine 300seitige Studie benennst.
Das habe ich nirgendwo geschrieben, es ist allein deine Interpretation. Und die ist falsch.
Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Welche Gesetzesverstöße werden erfasst?
Dann lies dir mal die 300 Seiten durch. Die dort aufgeführten Zahlen sind alles andere als zwingend für Jaddys Auslegung. Es sind statistische Werte, aus denen man auch etwas ganz anderes herauslesen kann.
Marlene K. hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 08:39 Wenn ich hier lese, dass wir ja ganz genau wüssten, dass eine deutsche Staatsangehörigkeit ja nicht bedeute "wirklich" deutsch zu sein frage ich nur: Was denn sonst?
Auch das habe ich nirgendwo geschrieben. Es ist wiederum allein deine Interpretation. Sie ist erneut falsch.

Ich möchte dich eindringlich bitten, den von dir kritisierten Beitrag erneut zu lesen, und dir Gedanken zu machen, ob er nicht ganz anders gemeint sein könnte als du ihn interpretierst.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
conny
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3709
Registriert: Mo 9. Nov 2009, 18:54
Geschlecht: vorhanden
Pronomen:
Wohnort (Name): Lüneburg
Hat sich bedankt: 85 Mal
Danksagung erhalten: 89 Mal
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 12 im Thema

Beitrag von conny »

missy hat geschrieben: Mo 18. Nov 2024, 21:16 Sowas habe ich von einer/m Polizeipräsidentin/en in der Form noch nicht gehört, und es grenzt für mich an ein Armutszeugnis unseres Rechtsstaats.
Danke an die Präsidentin und wohl auch andere könnten ähnliches berichten.
Das hat bekanntlich viele Gründe, die die Polizei alleine nicht lösen kann. Am Ende der Kausalkette muss die Polizei Fehlentwicklungen ausbaden, aber deren Möglichkeiten sind nicht so, dass sie überall Sicherheit gewährleisten kann. So vielfältig die Gründe, so differenziert müssen auch die Maßnahmen am Anfang der Kausalkette sein. Dazu gehören nun mal klare Benennungen einzelner Tätergruppen unabhängig von der Herkunft.
Das hat nichts mit Diffamierung zu tun.
Lana
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1697
Registriert: Fr 8. Jan 2021, 01:29
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 796 Mal
Danksagung erhalten: 1278 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 13 im Thema

Beitrag von Lana »

Passend dazu auch das Nachbarthema:
viewtopic.php?f=187&t=30154

Die Gewaltdelikte nehmen nicht nur "gefühlt" zu, sondern real. Da geht's zwar um Gewalt gegen Frauen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Entwicklung sich darauf beschränkt und queere Menschen nicht ebenfalls häufiger Opfer von Gewalt werden.

Wenn es tatsächlich einfach immer noch gleich schlecht wäre wie schon seit Jahren, welchen Grund sollte die Polizeipräsidentin haben, gerade jetzt eine Warnung auszusprechen?

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3968
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1225 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 14 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 13:59 Wenn es tatsächlich einfach immer noch gleich schlecht wäre wie schon seit Jahren, welchen Grund sollte die Polizeipräsidentin haben, gerade jetzt eine Warnung auszusprechen?
Weil sie spezifisch danach gefragt wurde? Hier im Originalartikel der Berliner Zeitung (https://www.berliner-zeitung.de/mensch- ... li.2272408):
Frau Dr. Slowik, ist Berlin eine sichere Stadt?

Berlin ist so sicher wie viele andere Städte in Deutschland und sicherer als manch andere Hauptstädte Europas.

Gibt es No-go-Areas?

Grundsätzlich nicht. Es gibt allerdings Bereiche — und so ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein — da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein. Wachsam sollte man ohnehin in vielen Metropolen an bestimmten öffentlichen Orten zum Selbstschutz vor jedweder Kriminalität sein.
Es ist vielleicht aufgefallen, dass die Fragen sehr in Richtung Stichwort-Vorlage für die (wahrscheinlich berechtigte) Klage über Unterfinanzierung und Überlastung gehen. Immerhin ist sie über das hingehaltene Stöckchen nach den "besonders gefährlichen Bereichen" nur halb gesprungen.

Was mir bei meiner Suche auch aufgefallen ist: Es gibt irgendwie keine seriösen Zahlen. Nur Geraune, Gefühle und Vermutungen. Wer aktuelles findet, ich wäre dankbar.

Wenn ich von RIAS und anderen nicht aktuellen Quellen ausgehe, dann sind Mitte, Kreuzberg und Neukölln die Brennpunkte. Also dort, wo am meisten Stadtleben stattfindet (hatten wir oben schon) und wo die meisten ärmeren Menschen am dichtesten zusammenwohnen. Once again: Junge Männer. Bevorzugt ärmer, bildungbenachteiligt, perspektivarm. *insert Luis de Funés Meme* Ich bin überrascht - nicht.
HeikeCD
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 976
Registriert: Mi 18. Sep 2024, 18:48
Geschlecht: TZF / CD
Pronomen: mal so, mal so
Wohnort (Name): Schleswig-Holstein
Hat sich bedankt: 1626 Mal
Danksagung erhalten: 1021 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

Post 15 im Thema

Beitrag von HeikeCD »

Moin,
Jaddy hat geschrieben: Di 19. Nov 2024, 14:38
Was mir bei meiner Suche auch aufgefallen ist: Es gibt irgendwie keine seriösen Zahlen. Nur Geraune, Gefühle und Vermutungen. Wer aktuelles findet, ich wäre dankbar.
Die Berichte und Lagebilder des BKA oder der jeweiligen LKA's sind da immer eine gute Quelle.

LG Heike
"Es ist nicht die Zeit in deinem Leben, es ist das Leben in deiner Zeit." Bruce Springsteen
Antworten

Zurück zu „Missbrauch/sexualisierte Gewalt/Hassverbrechen“