Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag
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Anne-Mette
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Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Familie, Senioren, Frauen und Jugend/Antrag

Die Gruppe Die Linke verlangt in einem Antrag (20/12984) die Streichung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch und damit eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

In dem Antrag kritisieren die Abgeordneten: "Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer verboten, strafrechtlich sanktioniert und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei: Die ungewollt schwangere Person muss sich einer verpflichtenden Beratung mit einer anschließenden Wartezeit von mindestens drei Tagen unterziehen, und die Schwangerschaft darf die zwölfte Woche nicht überschritten haben. Damit gibt es de jure einen Zwang zur Fortführung einer Schwangerschaft, von dem nur unter bestimmten Umständen Ausnahmen gemacht werden dürfen."

Die Gruppe verlangt deshalb von der Bundesregierung, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, das Recht, selbst zu entscheiden, ob ein Mensch ein Kind bekommt oder nicht, sowie das Recht auf ein gutes und sicheres Leben mit Kindern zu gewährleisten und reproduktive Gerechtigkeit zu garantieren. Außerdem müsse die Regierung die Empfehlungen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin (Kom-rSF) in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche unverzüglich umsetzen und einen Gesetzentwurf für ein "Gesetz zur Sicherung reproduktiver Rechte" vorlegen. Dieser müsse zum Ziel haben, Schwangerschaftsabbrüche zu legalisieren, indem die Paragrafen 218 ff im Strafgesetzbuch gestrichen werden, sowie das Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) ersetzt wird.
missy
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 2 im Thema

Beitrag von missy »

Ein Hut ist im Ring.
(sym)
Wenn auch nicht eben der bedeutsamste.
Mal sehen, ob die anderen aufspringen oder sich wegducken.
Liebe Grüße,
missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Lana
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 3 im Thema

Beitrag von Lana »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 10:55 reproduktive Gerechtigkeit
Weiß jemand, was das sein soll?

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
conny
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 4 im Thema

Beitrag von conny »

Anne-Mette hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 10:55 In dem Antrag kritisieren die Abgeordneten: "Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer verboten, strafrechtlich sanktioniert und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei: Die ungewollt schwangere Person muss sich einer verpflichtenden Beratung mit einer anschließenden Wartezeit von mindestens drei Tagen unterziehen, und die Schwangerschaft darf die zwölfte Woche nicht überschritten haben. Damit gibt es de jure einen Zwang zur Fortführung einer Schwangerschaft, von dem nur unter bestimmten Umständen Ausnahmen gemacht werden dürfen."
Eine Beratung macht Sinn, um den Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch, wie auch immer er zustande kommt, zu hinterfragen und eine vorschnelle Entscheidung zu verhindern.
Was ist an dem Kriterium "zwölfte Woche" zu kritisieren? Die Wahl dieser Frist ist hinlänglich bekannt. Es gibt de jure keinen Zwang zu Fortführung der Schwangerschaft, wenn die o.g. Regelungen berücksichtigt werden.
Anne-Mette hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 10:55 Die Gruppe verlangt deshalb von der Bundesregierung, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, das Recht, selbst zu entscheiden, ob ein Mensch ein Kind bekommt oder nicht...
Richtig, aber was ist, wenn das Kind schon unterwegs ist?
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 5 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Lana hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 22:01
Anne-Mette hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 10:55 reproduktive Gerechtigkeit
Weiß jemand, was das sein soll?
LMchatgptTFU (Let me ChatGPT that for you) (smili) https://duckduckgo.com/?q=was+bedeutet+ ... &bang=true
"Reproduktive Gerechtigkeit" ist ein Konzept, das über die traditionellen Ansätze der reproduktiven Rechte hinausgeht. Es umfasst nicht nur das Recht auf Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibung, sondern auch die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen, die es Individuen ermöglichen, informierte Entscheidungen über ihre Fortpflanzung zu treffen. Der Begriff betont die Notwendigkeit, Ungleichheiten zu adressieren, die den Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten und -informationen beeinträchtigen, insbesondere für marginalisierte Gruppen.

Der Begriff wurde in den 1990er Jahren von feministischen Aktivistinnen und Theoretikerinnen, insbesondere von der "Women of Color" Bewegung, geprägt. Eine der bekanntesten Verwendungen des Begriffs stammt von der Aktivistin Loretta Ross, die ihn in ihrem Engagement für die Rechte von Frauen und People of Color in den USA einführte.

Einige Quellen, die sich mit dem Thema "reproduktive Gerechtigkeit" befassen, sind:

1. **Ross, Loretta**. "Reproductive Justice: An Introduction." In *Reproductive Justice: A Global Concern*, 2017.
2. **Silliman, Jael, et al.** "Undivided Rights: Women of Color Organizing for Reproductive Justice." 2004.
3. **SisterSong Women of Color Reproductive Justice Collective**. "What is Reproductive Justice?" [SisterSong Website](https://www.sistersong.net/reproductive-justice).

Diese Quellen bieten einen tieferen Einblick in das Konzept und die Entwicklung der reproduktiven Gerechtigkeit sowie deren Bedeutung in der feministischen und sozialen Gerechtigkeitsbewegung.
Ich habe nicht alles geprüft, aber mindestens Loretta Ross ist ein sehr guter Treffer. In ihrem Wiki-Artikel gibt es den Link zu Reproductive justice.

tl;dr also mal wieder umfassendere Gerechtigkeit, die auch berücksichtigt, dass bestimmte Gruppen es noch schwerer haben, sinnvolle Informationen zu bekommen, Zugang zu med. Leistungen, sich Verhütungs- und Menstruationprodukte leisten zu können, usw.
Jaddy
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 6 im Thema

Beitrag von Jaddy »

conny hat geschrieben: Do 26. Sep 2024, 22:58 Eine Beratung macht Sinn, um den Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch, wie auch immer er zustande kommt, zu hinterfragen und eine vorschnelle Entscheidung zu verhindern.
Was ist an dem Kriterium "zwölfte Woche" zu kritisieren? Die Wahl dieser Frist ist hinlänglich bekannt. Es gibt de jure keinen Zwang zu Fortführung der Schwangerschaft, wenn die o.g. Regelungen berücksichtigt werden.
Grundsätzlich ja. Allerdings ist das nach Ansicht vieler Fachleute eine Art Schönwetterregelung. In der Praxis gibt es etliche HIndernisse, die mit Ressourcen, Zeit und_oder Geld zu tun haben. Zum Beispiel:
  • Erst mal ahnen, dass du schwanger bist. Da können gerne mal 4-6 Wochen rum sein.
  • Das Prozedere kennen. Gerade bei Jüngeren, bei den Eltern wohnendem, ohne oder nur geringen Sprachkenntnissen, usw. Hattest du die Aufklärung in der Schule? Hast du vertrauenswürdige Freund*innen, die keinen Unfug erzählen? Kannst du deinem gyn. Fachleut vertrauen und kriegst du da schnell einen Termin?
  • Schwangerschaft bestätigen. Also Test oder Gyn. Ja, selbst das kann schon Zeit kosten. Eine Woche ist da schnell weg. Zum Beispiel weil du wegen Wohnort, Arbeit, familiären Verpflichtungen nicht sofort in die nächste Apotheke kannst, Bestellungen per Post zuhause zu Problemen führen (Eltern, Partnys, ...), ...
  • SIch selber klar werden. Mit wem kannst du reden? Hast du die Kapazitäten und mentale Stabilität? Was ist alles zu bedenken? Partnerschaft? Das Risiko danach u.U. nicht mehr schwanger werden zu können. Liesse sich ein Leben mit Kind organisieren? Sind die notwendigen Ressourcen - Geld, Zeit, Betreuung, gemeinsame Erziehung - verlässlich gewährleistet? Was ist mit dem "Stigma" einer Abtreibung im eigenen Umfeld? Dauert alles.
  • Eine richtige Beratungsstelle finden, einen Termin bekommen und hinkommen. Die sind auf dem Land dünne gesäht und in Großstädten überlastet, haben Personalmangel, usw. Es gibt welche (konfessionelle), die verzögern, den Schein dann nicht ausstellen wollen, damit du die Frist verpasst.
  • Eine Praxis für den Abbruch finden, einen Termin bekommen, hinkommen, Nachsorge. Absolute Katastrophe in manchen Regionen. Auf der Karte der Bundesärztekammer sind viele weisse Flecken in Bayern, RLP, Emsland und Lüneburger Heide bis zur polnischen Grenze. Etliche tragen sich nicht ein, um nicht Ziel von Abtreibungsgegner'innen zu werden. Die Karte und Liste sind erst seit 2022 möglich, weil die Ampel - ach guck! - den -§219a StGB abgeschafft hat. Viele Gyn's können keine Abbrüche, weil das kein Standard-Lerninhalt ist oder sie sich aktiv weigern. Es wird nicht mal überall im Studium angeboten([Q]), so dass inzwischen Studis sich eigene Fortbildungen organisieren (Medical Students for Choice).
12 Wochen sind da schnell rum, und der Abbruch muss dann vollzogen sein.

Weitere potenzielle Hürden:
  • Partner*innen, die sich quer stellen, nicht helfen, aktiv blockieren
  • Eltern dito, gerade bei Teenagern und jungen Erwachsenen
Das ist also alles prima für unabhängige, sprach- und sachkundige Menschen mit Zeit, Geld und Mobilität, die sich frei entscheiden und offen darüber reden können. Aber wie in reproduktiver Gerechtigkeit gesehen, gilt das bei weitem nicht für alle.

Die Abschaffung der Strafbarkeit bis zur 12ten Woche und des Beratungszwangs, plus die Feigabe der Mifegyne wäre eine große Erleichterung.
Susi T
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 7 im Thema

Beitrag von Susi T »

Ja, da braucht es nichtmal irgendwelche speziellen Betrachtungen, sondern nur ein bischen Frauenkunde.
Es sind für eine Frau keine 12 Wochen Zeit, sondern nur die Hälfte und für manche noch weniger.
Wenn eine Frau Schwanger wird trifft sie selten der Blitz, oder die Ampel springt auf Schwanger und erscheint mit einem Hinweis.
Es dauert bis zur nächsten Monatsblutung und das sind häufig Wochen bis dahin. Damit weiß man aber noch nicht ob man Schwanger ist, sondern man läßt erstmal Tage der Ungewissheit verstreichen. Nicht jede Frau hat einen regelmäßigen Zyklus, gerade bei jungen Frauen ist das sogar selten. Ich habe öfter ausgeholfen, wenn Frau von ihrer Blutung überrascht wurde. Dann wurde rumgefragt und manche hatten nichts dabei, weil sie sich auf ihre Tage genau verlassen konnten, wärend andere einfach nur ein Taschenproblem hatten. Gut das Herrenjacken viel Platz haben, sonst hätte ich mit meiner vergesslichen Freundin öfter mal eine Party frühzeitig verlassen müssen, weil sie nicht fragen wollte und es mir auch verboten hatte und so manche Freundin hätte vor dem gleichen Problem gestanden. Ausbleiben und Unregelmößigkeiten der Periode ist halt normal.

Meine Mutter hat ihre Schwangerschaften meist erst in dem 4ten Monat mitbekommen, damals in den 60/70er war aber noch illegal die Pille als Abtreibungspille in den Schubladen der Ärzte/innen, schlechte Wirksamkeit und für die Überlebenden kein Zuckerschlecken. Sicherlich sind solch Illegale Unterstützung das schlechteste, auch wenn ichs überlebt hab.
Die bisherigen Reglungen sind halt einfach nur Menschen/Frauenfeindlich, sie nehmen die Möglichkeit in Ruhe drüber nachzudenken und treiben in die Illegalität und das unter dem Deckmantel der Kinderfreundlichkeit.
Leben möglich machen und nicht erzwingen wäre da mal ein guter Ansatz, aber Kinderförderung ist ja schon lange nicht mehr in.
Das beste Make-up einer Frau ist Glücklich sein
Anne-Mette
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

Post 8 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Jaddy hat geschrieben: Fr 27. Sep 2024, 00:32 Das Prozedere kennen. Gerade bei Jüngeren, bei den Eltern wohnendem, ohne oder nur geringen Sprachkenntnissen, usw. Hattest du die Aufklärung in der Schule? Hast du vertrauenswürdige Freund*innen, die keinen Unfug erzählen? Kannst du deinem gyn. Fachleut vertrauen und kriegst du da schnell einen Termin?
deshalb setzen wir uns mit "Straßen-Aktionen" und einer Vielzahl von weiteren Veranstaltungen und Aktivitäten dafür ein, dass das Informationsdefizit abgebaut wird.
Darin eingebunden sind medizinische Fachkräfte, politisch Verantwortliche und Aktive, Beratungsstellen und "einzelne Beratende".
Anne-Mette
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Re: Die Linke fordert die Streichung des Paragrafen 218 | Bundestag | Antrag

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Beitrag von Anne-Mette »

Die Linke in Bremn

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