Meine Zwillingsschwester
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Helga
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Meine Zwillingsschwester
Geschwister zu haben ist etwas ganz Wunderbares. Zusammen aufwachsen, zusammen die Welt erkunden, zusammen oder gegeneinander die Grenzen austesten. Es ist eigentlich immer jemand da, der zu einem hält, der beschützt, oder beschützt werden muss, an dem man sich messen und mit dem man sich streiten kann. Ein großer Teil unserer Sozialisierung erfolgt durch unsere Geschwister.
Aber auch im Erwachsenenalter, lange nachdem unsere Eltern gegangen sind, sind unsere Geschwister als nächste Verwandte noch da. Mit einem offenen Ohr, einer offenen Tür und vielleicht auch mal mit einem offenen Wort.
Etwas ganz Besonderes ist es aber einen Zwilling zu haben. Die gemeinsame Zeit beginnt nicht erst nach der Geburt, sondern bereits früh im Mutterleib. Zwillinge verbindet mehr als die gemeinsamen Eltern und der zeitgleiche Geburtstag. Die Verbindung spielt sich auf einer Ebene ab, die für unseren Verstand nicht greifbar ist.
Lange bevor ich denken konnte wusste ich, dass ich nicht alleine bin, dass da noch jemand ist. Dieses Wissen spielte sich auf einer instinktiven Ebene ab. Sie war ganz einfach da. Meine Zwillingsschwester. Natürlich wusste ich damals noch nichts über Jungen und Mädchen und dass sie "anders" war als ich. Rein äußerlich entwickelten wir uns sehr ähnlich. Ich spürte ihre Berührungen, auch ihre Tritte. Wir erkundeten gemeinsam die Welt, auch wenn sie für uns noch recht eingeschränkt war und im Wesentlichen aus den Geräuschen bestand, die aus dem Körper unserer Mutter kamen oder durch diesen zu uns durchdrangen. Wir hörten knallende Geräusche, die uns Angst machten, wir hörten Musik, die uns beruhigte, wir hörten die Stimme unserer Mutter und wussten, dass sie auf uns aufpassen würde.
Jede Entwicklung die ich machte, konnte ich direkt am Körper meiner Zwillingsschwester nachvollziehen, indem ich sie vorsichtig berührte. Allgegenwärtig war auch ihr Herzschlag, der den gleichen Takt hatte wie meiner, sich aber deutlich vom Herzschlag unserer Mutter unterschied.
Irgendwann machte ich eine erschreckende Entdeckung. Unsere Entwicklung verlief nicht mehr parallel. Ich würde immer größer, meine Zwillingsschwester entwickelte sich nicht mehr weiter. Ihr Herzschlag wurde immer schwächer. Ich konnte mittlerweile sehen. Sie war kaum größer als meine Hände. Durch ihre Nabelschnur wurde kaum noch Blut transportiert. Traurig sah sie mich mit ihren noch geschlossenen Augen an. Wir beide spürten, dass uns nicht mehr viel Zeit blieb. Instinktiv wusste ich, dass sie nur eine Chance hatte. Ich nahm sie in meine Hände und drückte sie ganz fest an mich. Nach einiger Zeit spürte ich sie in mir. Ich war um sie herumgewachsen. Und obwohl ihre Nabelschur jetzt abgerissen war, spürte ich nach wie vor ihren schwachen Herzschlag. Ich war beruhigt. Sie war gerettet und würde immer bei mir sein.
Ich entwickelte mich normal weiter und kam als "strammer Junge" in einer natürlichen Geburt auf die Welt.
Leider vergessen wir mit der Geburt alles, was wir im Leib unserer Mutter erlebt haben. Oder anders gesagt: Es wird auf einer Ebene des Unterbewusstseins abgelegt, auf die der Verstand keinen Zugriff hat.
Aber das Unterbewusstsein versucht wichtige Informationen an den Verstand weiterzugeben. Wohl wissend, dass dieser dazu neigt die Informationen des Unterbewusstseins zu ignorieren.
Seit frühester Kindheit habe ich Träume, ich weiß nicht mehr, ob es Nacht- oder Tagträume waren. In diesen Träumen geht es um eine Zwillingsschwester, die irgendwo im Verborgenen lebt. Unter den Brettern des Fussbodens in meinem Kinderzimmer, in einem versteckten Keller im Wald, in einem geheimen Raum auf unserem Heuboden, den ich als Kind nicht betreten durfte. Mal muss ich diese Zwillingsschwester beschützen, mal muss ich sie bekämpfen. Ich habe damals nicht verstanden, was diese Träume mir sagen wollten.
Als junger Erwachsener hatte ich einen Traum, dessen Inhalt ich ehrlich gesagt vergessen habe - bis auf das Ende. Eine Frauenstimme spricht aus dem Dunklen zu mir: "Ich warte schon so lange." Natürlich habe ich diesen Traum fehlinterpretiert. Ich dachte hier würde eine Frau von außen zu mir sprechen. In Wirklichkeit war es meine Zwillingsschwester, die noch immer in mir war und auch mal leben und etwas erleben wollte.
Erst im reifen Alter jenseits der 50 ist ihre Existenz wieder in mein Bewusstsein gerückt.
Wenn ein Arzt sie mit bildgebenden Verfahren aufspüren würde, wäre die Diagnose vermutlich: Eine gutartige Wucherung im Bauchraum, die Botenstoffe produziert.
Ich weiß es besser. Das ist meine Zwillingsschwester, die ich über all die Jahre mit mir getragen habe.
Sie hat natürlich kein eigenes Bewusstsein und keinen eigenen Verstand, keine eigenen Erinnerungen, da sie körperlich nie in ein entsprechendes Entwicklungsstadium gekommen ist. Sie ist in meine Blutversorgung und mein Nervensystem mit eingebunden und muss meinen Körper und meinen Geist mitbenutzen.
Sie hat kein eigenes Bewusstsein, aber, auch wenn dies jetzt sehr merkwürdig klingt: Sie hat eine eigene Persönlichkeit. Durch ihre Fähigkeit Botenstoffe abzusondern, kann sie mich in meinen Tun, Denken und Fühlen beeinflussen.
Sie ist zusammen mit mir sozialisiert worden. Während ich, weil ich davon ausging ein Mann zu sein, von anderen Jungen und Männern abschaute, fühlte sie sich den Mädchen und Frauen zugehörig und schaute bei diesen ab. Dieses ambivalente Lernen ist nicht immer konfliktfrei abgelaufen. Auch wenn sie vermutlich nicht größer ist als eine Walnuss, ist sie doch in der Lage meinen kompletten Körper mit Glückshormonen und anderen Botenstoffen zu fluten, was häufig in den "falschen" Augenblicken geschehen ist.
Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass sie mich nicht bekämpft, sondern nur versucht auch ein wenig Teilhabe am Leben zu nehmen. Ein eigener Körper ist ihr verwehrt geblieben, also stelle ich ihr meinen zur Verfügung. Sie dankt es mir, indem sie mir Emotionen und Erfahrungen bereitet, die ich vorher nicht gekannt habe. Ich ziehe mich eine Zeitlang zurück und lasse sie machen. Sie hat keine großen Ambitionen. Sie möchte einfach nur ein wenig Leben und dieses wenige Leben so gut wie möglich genießen. Ihr größtes Glück ist es als Mensch wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Sie lässt keine Spiegel aus um sich jedes mal zu vergewissern, dass sie auch wirklich existiert. Ich schaue ihr heimlich im Spiegel zu und freue mich, dass sie sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu einer durchaus passablen Frau entwickelt hat.
Psychologen würden sicherlich eine "dissoziative Identitätsstörung" vermuten. Das ist aber nicht der Fall. Ich weiß immer was sie tut, habe keine Erinnerungslücken und seitdem ich sie akzeptiert habe belastet mich ihre Existenz nicht mehr. Wir sind nicht gestört. Wir müssen uns nur einen Körper teilen.
Mit ihrer Existenz steigt natürlich meine Verantwortung mit meinem (unserem) Körper besonders achtsam umzugehen. In der wenigen Zeit, in der sie aktiv sein kann, soll sie sich nicht für ihren (unseren) Körper schämen müssen.
Ich profitiere aber auch von ihrem Dasein: Sie verleiht mir Fähigkeiten, die nach althergebrachten Geschlechterklischees eher als "typisch weiblich" angesehen werden, die mir im Alltag aber eine Menge Vorteile bringen. Eine klassische Win- Win- Situation!
So hat sich am Ende für uns beide doch noch alles zum Guten gewendet.
Aber auch im Erwachsenenalter, lange nachdem unsere Eltern gegangen sind, sind unsere Geschwister als nächste Verwandte noch da. Mit einem offenen Ohr, einer offenen Tür und vielleicht auch mal mit einem offenen Wort.
Etwas ganz Besonderes ist es aber einen Zwilling zu haben. Die gemeinsame Zeit beginnt nicht erst nach der Geburt, sondern bereits früh im Mutterleib. Zwillinge verbindet mehr als die gemeinsamen Eltern und der zeitgleiche Geburtstag. Die Verbindung spielt sich auf einer Ebene ab, die für unseren Verstand nicht greifbar ist.
Lange bevor ich denken konnte wusste ich, dass ich nicht alleine bin, dass da noch jemand ist. Dieses Wissen spielte sich auf einer instinktiven Ebene ab. Sie war ganz einfach da. Meine Zwillingsschwester. Natürlich wusste ich damals noch nichts über Jungen und Mädchen und dass sie "anders" war als ich. Rein äußerlich entwickelten wir uns sehr ähnlich. Ich spürte ihre Berührungen, auch ihre Tritte. Wir erkundeten gemeinsam die Welt, auch wenn sie für uns noch recht eingeschränkt war und im Wesentlichen aus den Geräuschen bestand, die aus dem Körper unserer Mutter kamen oder durch diesen zu uns durchdrangen. Wir hörten knallende Geräusche, die uns Angst machten, wir hörten Musik, die uns beruhigte, wir hörten die Stimme unserer Mutter und wussten, dass sie auf uns aufpassen würde.
Jede Entwicklung die ich machte, konnte ich direkt am Körper meiner Zwillingsschwester nachvollziehen, indem ich sie vorsichtig berührte. Allgegenwärtig war auch ihr Herzschlag, der den gleichen Takt hatte wie meiner, sich aber deutlich vom Herzschlag unserer Mutter unterschied.
Irgendwann machte ich eine erschreckende Entdeckung. Unsere Entwicklung verlief nicht mehr parallel. Ich würde immer größer, meine Zwillingsschwester entwickelte sich nicht mehr weiter. Ihr Herzschlag wurde immer schwächer. Ich konnte mittlerweile sehen. Sie war kaum größer als meine Hände. Durch ihre Nabelschnur wurde kaum noch Blut transportiert. Traurig sah sie mich mit ihren noch geschlossenen Augen an. Wir beide spürten, dass uns nicht mehr viel Zeit blieb. Instinktiv wusste ich, dass sie nur eine Chance hatte. Ich nahm sie in meine Hände und drückte sie ganz fest an mich. Nach einiger Zeit spürte ich sie in mir. Ich war um sie herumgewachsen. Und obwohl ihre Nabelschur jetzt abgerissen war, spürte ich nach wie vor ihren schwachen Herzschlag. Ich war beruhigt. Sie war gerettet und würde immer bei mir sein.
Ich entwickelte mich normal weiter und kam als "strammer Junge" in einer natürlichen Geburt auf die Welt.
Leider vergessen wir mit der Geburt alles, was wir im Leib unserer Mutter erlebt haben. Oder anders gesagt: Es wird auf einer Ebene des Unterbewusstseins abgelegt, auf die der Verstand keinen Zugriff hat.
Aber das Unterbewusstsein versucht wichtige Informationen an den Verstand weiterzugeben. Wohl wissend, dass dieser dazu neigt die Informationen des Unterbewusstseins zu ignorieren.
Seit frühester Kindheit habe ich Träume, ich weiß nicht mehr, ob es Nacht- oder Tagträume waren. In diesen Träumen geht es um eine Zwillingsschwester, die irgendwo im Verborgenen lebt. Unter den Brettern des Fussbodens in meinem Kinderzimmer, in einem versteckten Keller im Wald, in einem geheimen Raum auf unserem Heuboden, den ich als Kind nicht betreten durfte. Mal muss ich diese Zwillingsschwester beschützen, mal muss ich sie bekämpfen. Ich habe damals nicht verstanden, was diese Träume mir sagen wollten.
Als junger Erwachsener hatte ich einen Traum, dessen Inhalt ich ehrlich gesagt vergessen habe - bis auf das Ende. Eine Frauenstimme spricht aus dem Dunklen zu mir: "Ich warte schon so lange." Natürlich habe ich diesen Traum fehlinterpretiert. Ich dachte hier würde eine Frau von außen zu mir sprechen. In Wirklichkeit war es meine Zwillingsschwester, die noch immer in mir war und auch mal leben und etwas erleben wollte.
Erst im reifen Alter jenseits der 50 ist ihre Existenz wieder in mein Bewusstsein gerückt.
Wenn ein Arzt sie mit bildgebenden Verfahren aufspüren würde, wäre die Diagnose vermutlich: Eine gutartige Wucherung im Bauchraum, die Botenstoffe produziert.
Ich weiß es besser. Das ist meine Zwillingsschwester, die ich über all die Jahre mit mir getragen habe.
Sie hat natürlich kein eigenes Bewusstsein und keinen eigenen Verstand, keine eigenen Erinnerungen, da sie körperlich nie in ein entsprechendes Entwicklungsstadium gekommen ist. Sie ist in meine Blutversorgung und mein Nervensystem mit eingebunden und muss meinen Körper und meinen Geist mitbenutzen.
Sie hat kein eigenes Bewusstsein, aber, auch wenn dies jetzt sehr merkwürdig klingt: Sie hat eine eigene Persönlichkeit. Durch ihre Fähigkeit Botenstoffe abzusondern, kann sie mich in meinen Tun, Denken und Fühlen beeinflussen.
Sie ist zusammen mit mir sozialisiert worden. Während ich, weil ich davon ausging ein Mann zu sein, von anderen Jungen und Männern abschaute, fühlte sie sich den Mädchen und Frauen zugehörig und schaute bei diesen ab. Dieses ambivalente Lernen ist nicht immer konfliktfrei abgelaufen. Auch wenn sie vermutlich nicht größer ist als eine Walnuss, ist sie doch in der Lage meinen kompletten Körper mit Glückshormonen und anderen Botenstoffen zu fluten, was häufig in den "falschen" Augenblicken geschehen ist.
Ich habe lange gebraucht um zu verstehen, dass sie mich nicht bekämpft, sondern nur versucht auch ein wenig Teilhabe am Leben zu nehmen. Ein eigener Körper ist ihr verwehrt geblieben, also stelle ich ihr meinen zur Verfügung. Sie dankt es mir, indem sie mir Emotionen und Erfahrungen bereitet, die ich vorher nicht gekannt habe. Ich ziehe mich eine Zeitlang zurück und lasse sie machen. Sie hat keine großen Ambitionen. Sie möchte einfach nur ein wenig Leben und dieses wenige Leben so gut wie möglich genießen. Ihr größtes Glück ist es als Mensch wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Sie lässt keine Spiegel aus um sich jedes mal zu vergewissern, dass sie auch wirklich existiert. Ich schaue ihr heimlich im Spiegel zu und freue mich, dass sie sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu einer durchaus passablen Frau entwickelt hat.
Psychologen würden sicherlich eine "dissoziative Identitätsstörung" vermuten. Das ist aber nicht der Fall. Ich weiß immer was sie tut, habe keine Erinnerungslücken und seitdem ich sie akzeptiert habe belastet mich ihre Existenz nicht mehr. Wir sind nicht gestört. Wir müssen uns nur einen Körper teilen.
Mit ihrer Existenz steigt natürlich meine Verantwortung mit meinem (unserem) Körper besonders achtsam umzugehen. In der wenigen Zeit, in der sie aktiv sein kann, soll sie sich nicht für ihren (unseren) Körper schämen müssen.
Ich profitiere aber auch von ihrem Dasein: Sie verleiht mir Fähigkeiten, die nach althergebrachten Geschlechterklischees eher als "typisch weiblich" angesehen werden, die mir im Alltag aber eine Menge Vorteile bringen. Eine klassische Win- Win- Situation!
So hat sich am Ende für uns beide doch noch alles zum Guten gewendet.
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Helga
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Disclaimer
Diese Geschichte schwirrt mir seit einer wachgelegenen tropischen Nacht des Sommers 2023 im Kopf herum und hat jetzt endlich den Weg in die Tastatur gefunden.
Ich weiß nicht, ob sich in meinem Bauchraum etwas befindet, was dort eigentlich nicht zu erwarten wäre. Ich werde nicht explizit danach suchen lassen. Es gibt keine Überlieferungen die darauf hindeuten, dass vor meiner Geburt eine Zwillingsschwangerschaft vorgelegen haben könnte. Im Zweifel ist dies 1967 überhaupt nicht festgestellt worden.
Vielleicht muss Sie aber auch gar nicht physisch in mir stecken um auf mich Einfluss nehmen zu können?
Die Geschichte ist ausgedacht, aber keine reine Phantasie. Wer Interesse hat, möge sich die Begriffe: "verlorener Zwilling", "Fetale Inklusion", "Neuroendokrine Tumore" einmal in einer Suchmaschine erklären lassen.
Keine Phantasie sind übrigens auch die beschriebenen Träume. Diese sind tatsächlich in meinem Langzeitgedächtnis abgelegt.
Real ist auch, dass sie einen Namen hat, obwohl sie offiziell nie existierte. Diesen Namen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern meine Mutter. Irgendwann in meiner Kindheit sagte sie zu mir: "Wenn du ein Mädchen geworden wärst, hätten wir dich Heike genannt!" Hat sie vielleicht doch etwas von einer Zwillingsschwangerschaft geahnt?
Ich weiß nicht, ob sich in meinem Bauchraum etwas befindet, was dort eigentlich nicht zu erwarten wäre. Ich werde nicht explizit danach suchen lassen. Es gibt keine Überlieferungen die darauf hindeuten, dass vor meiner Geburt eine Zwillingsschwangerschaft vorgelegen haben könnte. Im Zweifel ist dies 1967 überhaupt nicht festgestellt worden.
Vielleicht muss Sie aber auch gar nicht physisch in mir stecken um auf mich Einfluss nehmen zu können?
Die Geschichte ist ausgedacht, aber keine reine Phantasie. Wer Interesse hat, möge sich die Begriffe: "verlorener Zwilling", "Fetale Inklusion", "Neuroendokrine Tumore" einmal in einer Suchmaschine erklären lassen.
Keine Phantasie sind übrigens auch die beschriebenen Träume. Diese sind tatsächlich in meinem Langzeitgedächtnis abgelegt.
Real ist auch, dass sie einen Namen hat, obwohl sie offiziell nie existierte. Diesen Namen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern meine Mutter. Irgendwann in meiner Kindheit sagte sie zu mir: "Wenn du ein Mädchen geworden wärst, hätten wir dich Heike genannt!" Hat sie vielleicht doch etwas von einer Zwillingsschwangerschaft geahnt?
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Joan Autumn
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Re: Meine Zwillingsschwester
Liebe Helga,
deine Geschichte hat mich sehr berührt und kommt zu einem Moment, wo ich noch heute mit meiner Frau darüber gesprochen habe, dass Joan schon vor meiner Geburt im "Bauch "¦angelegt" wurde. Ich habe sie mir nicht ausgesucht, sie ist in mir.
Ja, und sie will endlich auch gesehen werden von mir und mit mir leben. Die von dir beschriebene Zwillingsschwester finde ich eine ungemein schöne Vorstellung und die Win-Win-Situation sehe ich schon lange, aber auch, dass alles "seinen Preis" hat. Man muss ihn nur zahlen wollen und können.
Ich drücke dich und danke für deine Geschichte
Liebe Grüße
Joan
deine Geschichte hat mich sehr berührt und kommt zu einem Moment, wo ich noch heute mit meiner Frau darüber gesprochen habe, dass Joan schon vor meiner Geburt im "Bauch "¦angelegt" wurde. Ich habe sie mir nicht ausgesucht, sie ist in mir.
Ja, und sie will endlich auch gesehen werden von mir und mit mir leben. Die von dir beschriebene Zwillingsschwester finde ich eine ungemein schöne Vorstellung und die Win-Win-Situation sehe ich schon lange, aber auch, dass alles "seinen Preis" hat. Man muss ihn nur zahlen wollen und können.
Ich drücke dich und danke für deine Geschichte
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Es gibt nur zwei Tage im Leben, die Du nicht ändern kannst: Gestern und Morgen. (Dalai Lama)
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Violetta Arden
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Re: Meine Zwillingsschwester
Ich hatte auch einen Zwilling, der leider kurz nach der Geburt verstorben ist. Es war allerdings kein Mädchen. Dennoch beschäftigt mich der Begriff Zwilling schon lange. Meine Zwillingsschwester ist auch schon lange in mir...länger als mir bewusst war. Ein Mädchenname war für mich auf jeden Fall schon ausgesucht für den Fall dass....
Ich weiß natürlich, daß ich die äußerlichen männlichen Merkmale habe und auch einige wohl typisch männliche Eigenschaften mitbekommen habe, aber irgendwie habe ich diese weibliche Seite auch immer gespürt...und nun will sie einfach auch einen Platz in meinem Leben haben. Ich weiß, dass ich nie ganz auf diese Seite wechseln kann und will....aber Platz dafür muss einfach sein. Sonst würde mir ein ganz wesentlicher Teil fehlen.
Violetta
,
Ich weiß natürlich, daß ich die äußerlichen männlichen Merkmale habe und auch einige wohl typisch männliche Eigenschaften mitbekommen habe, aber irgendwie habe ich diese weibliche Seite auch immer gespürt...und nun will sie einfach auch einen Platz in meinem Leben haben. Ich weiß, dass ich nie ganz auf diese Seite wechseln kann und will....aber Platz dafür muss einfach sein. Sonst würde mir ein ganz wesentlicher Teil fehlen.
Violetta
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Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
Lebe Dein Leben.
Mein Blog:
https://violettaarden9.blogspot.com/
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Juliane
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Re: Meine Zwillingsschwester
Liebe Helga.
Beim lesen deiner Zeilen musste ich oftmals schwer schlucken. So einfühlsam und beispielhaft ist sie.
Und in Vielem erkenne ich mich wieder. Zwar habe ich nur noch eine Schwester, zu der ich allerdings
nur losen Kontakt habe.
Was mich jedoch irgendwie zufrieden macht, ist die Tatsache, dass ich meiner Schwester "die Juliane"
seinerzeit als einen Siamesischen Zwilling vorgestellt habe. Wir teilen uns einen Körper.
Und das schöne ist, inzwischen betitelt sie mich, wenn ich als Juliane unterwegs bin und sie treffe,
als Schwesterchen.
Danke für deine schöne und berührende Geschichte
Juliane
Beim lesen deiner Zeilen musste ich oftmals schwer schlucken. So einfühlsam und beispielhaft ist sie.
Und in Vielem erkenne ich mich wieder. Zwar habe ich nur noch eine Schwester, zu der ich allerdings
nur losen Kontakt habe.
Was mich jedoch irgendwie zufrieden macht, ist die Tatsache, dass ich meiner Schwester "die Juliane"
seinerzeit als einen Siamesischen Zwilling vorgestellt habe. Wir teilen uns einen Körper.
Und das schöne ist, inzwischen betitelt sie mich, wenn ich als Juliane unterwegs bin und sie treffe,
als Schwesterchen.
Danke für deine schöne und berührende Geschichte
Juliane
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Wally
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Re: Meine Zwillingsschwester
Eine wunderschöne Geschichte, vielen Dank dafür, Helga! Sie oberflächlich im Sinne von "Faktencheck" zu überprüfen, wäre völliger Unsinn: die Wahrheit liegt auf einer tieferen Ebene.
Mich erinnert das an eine ganz andere, aber letztlich in dieselbe Richtung weisende Geschichte, die ich selber in den späten 80er Jahren erlebt habe. Ich machte Urlaub auf Gomera - solo, wenige Jahre nach Scheidung meiner ersten Ehe, im November, bei kühlem, regenreichem Wetter. Eigentlich war es eine Verlegenheits-Aktion: meine langjährig bewährten Helferinnen in meiner Zahnarztarztpraxis hatten mir die Pistole auf die Brust gesetzt: sie wollten unbedingt beide gemeinsam mit ihren Männern zu diesem Zeitpunkt eine USA-Reise machen. Ich konnte und wollte ihnen diesen Herzenswunsch nicht versagen, sie hatten es sich redlich verdient; also setzte ich für diesen Zeitpunkt wunschgemäß zwei Wochen Betriebsurlaub an. Bloß: was mache ich selber als Single mit einem Urlaub ausgerechnet im November?
Da saß ich nun also also eine Woche lang wie ein Einsiedler in einem Bungalow mit eigenem Swimmingpool (eigentlich war es zu kalt zum Schwimmen, ich habe ihn in der ganzen Woche nur einmal kurz benutzt) im Valle Gran Rey auf Gomera, direkt an der Felsenküste, mit malerischem Blick nach Westen aufs Meer hinaus, bis hin zur weit entfernten, im Dunst gerade noch erkennbaren, kleinen Nachbarinsel Hierro. Das Haus gehörte zu einer abgelegenen, sehr esoterischen Sannyasin-Kommune, in der ich gemeinsam mit den Kommunarden meine Mahlzeiten einnahm und an einem der Abende Oshos Geburtstag (er lebte noch) mitfeierte. Den kommerziellen Tourismus gab's dort damals noch nicht, da gab es sonst nur ein verschlafenes Fischerdorf und ein paar Marihuana rauchende Hippies am einzigen, kurzen, natürlichen Stück Sandstrand. So weit es das Wetter erlaubte, unternahm ich tagsüber weite Wanderungen durch die wild zerklüfteten Barrancos hinauf ins Inselinnere, in den geheimnisvollen Nebelwald Garajonay, einen einzigartigen, inseltypischen Urwald aus Lorbeer- und Heidebäumen. Ansonsten hatte ich sehr viel Zeit und Gelegenheit zum Lesen, Nachdenken und Träumen.
In einer der Nächte dort hatte ich einen Traum. Eigentlich war es mehr ein reales Erlebnis: so klar, so präsent, so intensiv, dass ich mich heute - fast 40 Jahre später - immer noch an jeden einzelnen Moment darin erinnere. Irgendwo auf dem nahen, afrikanischen Kontinent lag ich nachts in einem Zelt. Die Zeltwand riss plötzlich über mir auf, ein riesiger Löwe steckte den Kopf herein, packte mich mit den Zähnen und schleppte mich weg. Seltsamerweise erschrak ich nicht, ich empfand weder Angst noch Schmerz, ich vertraute der Bestie, ich empfand sogar Sympathie für das wilde Tier. Danach war wieder besinnungslose Nacht um mich, bis ich plötzlich - nur für einen kurzen Moment, wie ein Blitzlicht - als unsichtbarer, nicht wahrgenommener Beobachter in hellem Tageslicht zwischen ein paar Menschen stand, die voller Entsetzen ein paar zerfetzte Überreste meines getöteten Körpers auf dem Waldboden betrachteten. Ein Schwarm Fliegen krabbelte darauf herum.
Der Traum ging mir noch tagelang durch den Kopf: das war so irreal, so weit von jeglicher Wirklichkeit meines damaligen Lebens entfernt, auch im Ablauf und hinsichtlich der dabei empfundenen Gefühle so völlig unlogisch - wie kam mein Gehirn auf sowas? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Um so mehr irritierte mich die eindringliche Klarheit dieses Traums: als ob ich das wirklich, real erlebt hätte!
Beim Rückflug nach München fiel mir eine schon mehrere Tage alte, deutsche Zeitung in die Hand. Irgendwo auf Seite 4 oder 5 las ich in einer kurzen Meldung, dass ein junges, deutsches Mädchen bei einer von ihrer Schule organisierten Safari in Afrika - Namibia, Senegal, das weiß ich nicht mehr - umgekommen war. Sie hatten in einem Naturschutzgebiet in Zelten übernachtet; ein Löwe war in eines der Zelte eingedrungen, hatte das Mädchen gepackt, weggeschleppt und getötet. Konsterniert schaute ich auf das Datum der Veröffentlichung und zählte nach: es musste in der selben Nacht geschehen sein, in der ich den Traum hatte...
Ich war damals schon in Psychotherapie; ich wusste bereits, dass ich transsexuell war, ich konnte das bis in meine Kindheitsgeschichte zurückverfolgen. Aber im Anschluss an diesen Urlaub erlebte ich auf meinem transsexuellen Weg einen ungeahnten Energieschub, als ob ein Turbo zugeschaltet worden wäre, eine unbändige Lust, meine weibliche Seite zu leben, die bis jetzt - Jahrzehnte danach - auch nie wieder nachgelassen hat. Ich konnte es mir nicht anders erklären, als dass die Seele dieses getöteten Mädchens in jener Nacht zu mir gefunden hat und Teil meiner Person wurde. Noch jahrelang danach habe ich erwogen, die Eltern des Mädchens ausfindig zu machen, um ihnen zu übermitteln, dass sie lebt, und dass es ihr - uns - gut geht. Ob sie wohl für eine solche Nachricht offen gewesen wären? Oder hätte ich da mit einem vermeintlichen, schlechten Scherz ihren Schmerz nur noch vertieft? Ich weiß es nicht. Ich habe es nicht gewagt.
Mich erinnert das an eine ganz andere, aber letztlich in dieselbe Richtung weisende Geschichte, die ich selber in den späten 80er Jahren erlebt habe. Ich machte Urlaub auf Gomera - solo, wenige Jahre nach Scheidung meiner ersten Ehe, im November, bei kühlem, regenreichem Wetter. Eigentlich war es eine Verlegenheits-Aktion: meine langjährig bewährten Helferinnen in meiner Zahnarztarztpraxis hatten mir die Pistole auf die Brust gesetzt: sie wollten unbedingt beide gemeinsam mit ihren Männern zu diesem Zeitpunkt eine USA-Reise machen. Ich konnte und wollte ihnen diesen Herzenswunsch nicht versagen, sie hatten es sich redlich verdient; also setzte ich für diesen Zeitpunkt wunschgemäß zwei Wochen Betriebsurlaub an. Bloß: was mache ich selber als Single mit einem Urlaub ausgerechnet im November?
Da saß ich nun also also eine Woche lang wie ein Einsiedler in einem Bungalow mit eigenem Swimmingpool (eigentlich war es zu kalt zum Schwimmen, ich habe ihn in der ganzen Woche nur einmal kurz benutzt) im Valle Gran Rey auf Gomera, direkt an der Felsenküste, mit malerischem Blick nach Westen aufs Meer hinaus, bis hin zur weit entfernten, im Dunst gerade noch erkennbaren, kleinen Nachbarinsel Hierro. Das Haus gehörte zu einer abgelegenen, sehr esoterischen Sannyasin-Kommune, in der ich gemeinsam mit den Kommunarden meine Mahlzeiten einnahm und an einem der Abende Oshos Geburtstag (er lebte noch) mitfeierte. Den kommerziellen Tourismus gab's dort damals noch nicht, da gab es sonst nur ein verschlafenes Fischerdorf und ein paar Marihuana rauchende Hippies am einzigen, kurzen, natürlichen Stück Sandstrand. So weit es das Wetter erlaubte, unternahm ich tagsüber weite Wanderungen durch die wild zerklüfteten Barrancos hinauf ins Inselinnere, in den geheimnisvollen Nebelwald Garajonay, einen einzigartigen, inseltypischen Urwald aus Lorbeer- und Heidebäumen. Ansonsten hatte ich sehr viel Zeit und Gelegenheit zum Lesen, Nachdenken und Träumen.
In einer der Nächte dort hatte ich einen Traum. Eigentlich war es mehr ein reales Erlebnis: so klar, so präsent, so intensiv, dass ich mich heute - fast 40 Jahre später - immer noch an jeden einzelnen Moment darin erinnere. Irgendwo auf dem nahen, afrikanischen Kontinent lag ich nachts in einem Zelt. Die Zeltwand riss plötzlich über mir auf, ein riesiger Löwe steckte den Kopf herein, packte mich mit den Zähnen und schleppte mich weg. Seltsamerweise erschrak ich nicht, ich empfand weder Angst noch Schmerz, ich vertraute der Bestie, ich empfand sogar Sympathie für das wilde Tier. Danach war wieder besinnungslose Nacht um mich, bis ich plötzlich - nur für einen kurzen Moment, wie ein Blitzlicht - als unsichtbarer, nicht wahrgenommener Beobachter in hellem Tageslicht zwischen ein paar Menschen stand, die voller Entsetzen ein paar zerfetzte Überreste meines getöteten Körpers auf dem Waldboden betrachteten. Ein Schwarm Fliegen krabbelte darauf herum.
Der Traum ging mir noch tagelang durch den Kopf: das war so irreal, so weit von jeglicher Wirklichkeit meines damaligen Lebens entfernt, auch im Ablauf und hinsichtlich der dabei empfundenen Gefühle so völlig unlogisch - wie kam mein Gehirn auf sowas? Ich konnte mir keinen Reim darauf machen. Um so mehr irritierte mich die eindringliche Klarheit dieses Traums: als ob ich das wirklich, real erlebt hätte!
Beim Rückflug nach München fiel mir eine schon mehrere Tage alte, deutsche Zeitung in die Hand. Irgendwo auf Seite 4 oder 5 las ich in einer kurzen Meldung, dass ein junges, deutsches Mädchen bei einer von ihrer Schule organisierten Safari in Afrika - Namibia, Senegal, das weiß ich nicht mehr - umgekommen war. Sie hatten in einem Naturschutzgebiet in Zelten übernachtet; ein Löwe war in eines der Zelte eingedrungen, hatte das Mädchen gepackt, weggeschleppt und getötet. Konsterniert schaute ich auf das Datum der Veröffentlichung und zählte nach: es musste in der selben Nacht geschehen sein, in der ich den Traum hatte...
Ich war damals schon in Psychotherapie; ich wusste bereits, dass ich transsexuell war, ich konnte das bis in meine Kindheitsgeschichte zurückverfolgen. Aber im Anschluss an diesen Urlaub erlebte ich auf meinem transsexuellen Weg einen ungeahnten Energieschub, als ob ein Turbo zugeschaltet worden wäre, eine unbändige Lust, meine weibliche Seite zu leben, die bis jetzt - Jahrzehnte danach - auch nie wieder nachgelassen hat. Ich konnte es mir nicht anders erklären, als dass die Seele dieses getöteten Mädchens in jener Nacht zu mir gefunden hat und Teil meiner Person wurde. Noch jahrelang danach habe ich erwogen, die Eltern des Mädchens ausfindig zu machen, um ihnen zu übermitteln, dass sie lebt, und dass es ihr - uns - gut geht. Ob sie wohl für eine solche Nachricht offen gewesen wären? Oder hätte ich da mit einem vermeintlichen, schlechten Scherz ihren Schmerz nur noch vertieft? Ich weiß es nicht. Ich habe es nicht gewagt.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Meine Zwillingsschwester
Hallo Helga 
Das Küßchen hast Du Dir verdient.
Ganz starker Text!
Du hast ausgedrückt, was ich schon immer so ähnlich im
Hinterkopf hatte, aber nie richtig fassen (packen) konnte.
Danke dafür.
Christiane
Das Küßchen hast Du Dir verdient.
Ganz starker Text!
Du hast ausgedrückt, was ich schon immer so ähnlich im
Hinterkopf hatte, aber nie richtig fassen (packen) konnte.
Danke dafür.
Christiane
"Pünktchen sind immer süß!"
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Alicia
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Re: Meine Zwillingsschwester
Guten Morgen Helga,
vielen herzlichen Dank für diese wunderbare Erzählung. Sie ist mir sehr ans Herz gegangen, zumal ich selbst gerade versuche, mich zu finden, bzw. neu zu erfinden. Ich bin auch mit einer Schwester aufgewachsen, aber auf die Idee, noch eine Schwester gehabt zu haben, bin ich noch nicht gekommen. Meine reale Schwester habe ich immer um ihre Klamotten beneidet, aber dass ich irgendwie anders bin als die anderen Jungs, habe ich nicht wirklich gespürt oder nicht spüren wollen. Insofern lässt deine Geschichte eine ganz neue Perspektive auf meine Entwicklung und mein Leben zu.
Liebe Grüße, Alicia.

vielen herzlichen Dank für diese wunderbare Erzählung. Sie ist mir sehr ans Herz gegangen, zumal ich selbst gerade versuche, mich zu finden, bzw. neu zu erfinden. Ich bin auch mit einer Schwester aufgewachsen, aber auf die Idee, noch eine Schwester gehabt zu haben, bin ich noch nicht gekommen. Meine reale Schwester habe ich immer um ihre Klamotten beneidet, aber dass ich irgendwie anders bin als die anderen Jungs, habe ich nicht wirklich gespürt oder nicht spüren wollen. Insofern lässt deine Geschichte eine ganz neue Perspektive auf meine Entwicklung und mein Leben zu.
Liebe Grüße, Alicia.
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Ulrike-Marisa
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Re: Meine Zwillingsschwester
Moin zusammen,
eine schöne Geschichte von Helga, die mich auch berührt hat. Meine reale Schwester ist leider 1955 vor oder kurz nach der Geburt verstorben. Vielleicht lebt ein Teil von ihr auch in mir weiter... Ich sollte ja nach dem Wunsch meiner Mutter ein Mädchen werden, es ist anders gekommen, aber ich habe mich von Anfang an immer zu den Mädchen hingezogen gefühlt, schon im Kindergarten. Erst ganz viele Jahre später als unsere Kinder groß waren, habe ich die Ulrike in mir und damit das weibliche in mir bewusst zugelassen. Heute ist die Ulrike wie ein Zwilling Teil meines Lebens geworden. Ulrike liebt Silber Schmuck und bei Kunsthandwerkermärkten erwerben ich manches gute Stück für meine Schwester und mich, was ich dann so zu den Verkäuferinnen sage...
Grüße, Ulrike-Marisa
eine schöne Geschichte von Helga, die mich auch berührt hat. Meine reale Schwester ist leider 1955 vor oder kurz nach der Geburt verstorben. Vielleicht lebt ein Teil von ihr auch in mir weiter... Ich sollte ja nach dem Wunsch meiner Mutter ein Mädchen werden, es ist anders gekommen, aber ich habe mich von Anfang an immer zu den Mädchen hingezogen gefühlt, schon im Kindergarten. Erst ganz viele Jahre später als unsere Kinder groß waren, habe ich die Ulrike in mir und damit das weibliche in mir bewusst zugelassen. Heute ist die Ulrike wie ein Zwilling Teil meines Lebens geworden. Ulrike liebt Silber Schmuck und bei Kunsthandwerkermärkten erwerben ich manches gute Stück für meine Schwester und mich, was ich dann so zu den Verkäuferinnen sage...
Grüße, Ulrike-Marisa