Im Kleidchen durchs Treppenhaus?
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missy
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Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 1 im Thema

Beitrag von missy »

Tja, das ist hier die Frage.
Ich bin so dermaßen innerlich zerrissen.
Ich will, ich will nicht, ich will, ich will nicht ...

Zwei männliche Kleidungsstücke, das Hemd und die Schuhe, reichen, damit ich männlich wahrgenommen werde.
Dass er Rest weibliche Kleidungsstücke sind, fällt niemandem auf.

Alle im Haus kennen mich ... als Mann.
Und meine Frau kennen sie auch.
Und sie schätzen uns ... so wie sie uns kennen.

Uns werden bestimmte Rollen zugeschrieben: Die Lieben, die Netten, die Freundlichen, die Hilfsbereiten.
Manchmal auch die Hilfsbedürftigen. (wg. Alter und Krankheiten)

Und ja, das Wort ist schon öfter gefallen: Ich bin eine "Stubentranse".
Ich glaube Liv hat hier im Forum mal von "Selbstverleugnung" gesprochen.
Da ist 'ne Menge dran.

Aber ich will auch niemandem vor den Kopf stoßen.
Wir - meine Frau und ich - mögen die meisten Menschen um uns herum.
Obwohl ich genau weiß, sie würden es nicht verstehen, wenn ich weiblich zurecht gemacht durchs Treppenhaus gehe.
Das ist für diese Menschen so weit weg wie für mich der Mars.

Nein, wir können nicht umziehen und woanders neu anfangen.

Ja, es ist auch die Angst vor Ablehnung.

Gleichzeitig ist es auch die Angst, ewig eine Stubentranse zu bleiben.

Soviel zu meiner Zerrissenheit.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass einige von euch diese Zerrissenheit nur zu gut kennen.

Liebe Grüße, missy
Toleranz ist lernbar, zu viel Toleranz ist heilbar.
Daniela04
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 2 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Missy
Ich verstehe Deine Lage voll und ganz. Auch wenn ich in einrm Haus mit gut abgeschirmten Garten lebe, habe ich eine ähnliche Situation: Nachbarn die mich als Mann kennen, im Dorf als engagierter Mann auch für gemeinnützige Zwecke kenne, deshalb geniesse ich meine Lage auch als Stubentrans.
Warum nicht mal einen Ausflug zu planen, wo Du gegebenenfalls mit Deiner Frau Deine Weiblichkeit ausleben kannst?
Ich überlege mir das ernsthaft, aber alleine ist das etwas schwieriger.
Lieber Gruss
Daniela
Zuletzt geändert von Daniela04 am So 11. Aug 2024, 21:33, insgesamt 1-mal geändert.
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 3 im Thema

Beitrag von NB-Sabine »

missy hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 20:58 Obwohl ich genau weiß, sie würden es nicht verstehen, wenn ich weiblich zurecht gemacht durchs Treppenhaus gehe.
Woher weißt Du das?

Ich glaube, das ist nur Deine Angst. Davon abgesehen ist natürlich die Frage, ob andere immer alles verstehen müssen oder ob sie einen nicht auch akzeptieren können, ohne alles zu verstehen.

Das ist natürlich nur das, was ich persönlich darüber denke...

Bisher haben sich meine eigenen Bedenken immer wieder als unbegründet/unnötig herausgestellt...ich wurde nie anders wahrgenommen oder behandelt nur weil ich anders gekleidet war...
Jede(r) ist anders bzw. einzigartig... ;)
Renée
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 4 im Thema

Beitrag von Renée »

Hi Missy,

wie wäre es mit folgender Idee. Such dir in deiner Nähe eine Lokation/Stammtisch/Selbsthilfegruppe (wie auch immer das heißen kann) mit Gleichsinnten und teste dich dort aus. Wenn du etwas mehr Selbstvertrauen gewonnen hast, dann Machst du das zu deinem Event mit Übernachtung. Mach dich in deiner Unterkunft chic und bummelst durch die Stadt und im Anschluss triffst du dich mit anderen.
So mache ich das in Leipzig. Im Hotel mach ich mich zurecht (cow) und spaziere durch die Läden. Am Abend geht es dann zur Rosalinde. (drink) Ist für mich Balsam für die Seele.

(888)
Liebe Grüße
Renée

Wenn jemand zu Dir sagt "Das geht nicht". Denk daran, es sind seine Grenzen, nicht Deine.
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 5 im Thema

Beitrag von Daniela04 »

Liebe Renée
Solche Selbsthilfegrupoen gibt es leider nur wenige, aber Deine Idee ist gut. Gehst Du dann voll en femme oder im Hybrid-Modus?
Zuletzt geändert von Daniela04 am So 11. Aug 2024, 22:06, insgesamt 1-mal geändert.
Ich will einfach der sein, der ich wirklich bin: ein Mann, der seine mittlerweile erkannte sehr bedeutende Weiblichkeit vertieft kennenlernen möchte.
Juliane
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 6 im Thema

Beitrag von Juliane »

Moin Missy,

warum nur lese ich so oft das Wort Kleidchen und nicht Kleid, hier und anderswo?

Kleidchen ist, zumindest für mich, so etwas, was kleine Mädchen tragen. So kurz, dass knapp
der Hintern bedeckt ist. Dazu dann unten weit abstehend. Würdest du so wirklich, außer zu
einer Mottoparty, ausgehen?

Ein Kleid kann so viele Stile haben. Lang, kniedeckt, kniefrei, oder auch Mini. Und dazu dann
als Etuikleid, körpernah, oder unten weit schwingend. Es kann die Problemzonen so wunderbar
kaschieren helfen und es macht süchtig im Kleid unterwegs zu sein.

Meine Nachbarn, Freunde und die gesamte Sippe kennen, akzeptieren, oder schätzen sogar
"die Juliane". Wenn man(n) selbstbewußt und stilvoll gekleidet daherkommt, wenn man(n)
ladylike gekleidet ist, ist mir bisher noch keiner komisch, oder schräg gekommen.

Einfach einmal woanders ausprobieren. Muss beim ersten Mal ja nicht gleich im eigenen Haus
geschehen.

Viel Erfolg, )))(: Juliane
Die mich kennen mögen mich. Die mich nicht mögen können mich. Frei nach Konrad Adenauer
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 7 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Missy,

da muß ich Juliane absolut zustimmen. Wenn du dich authentisch und stilvoll kleidest, dann werden dich deine Nachbarn auch als Mensch wahrnehmen und achten.
Wenn du aber die einschlägigen Klischees von "Transen" bedienst, dann wird auch die Reaktion entsprechend ausfallen.


Bist du unsicher, was deinen Stil angeht, dann poste doch hier ein paar Bilder von möglichen Outfits - und du wirst konstruktive Kritik und Lob erhalten.
Und ob es dann noch eine Perücke und Makeup braucht, ist dann die nächste Frage.
Ich für mich kann sagen, ja das brauche ich, denn ohne fühlt es sich falsch an.

LG
Malvine
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 8 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Malvine,
Malvine hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 22:57 Wenn du aber die einschlägigen Klischees von "Transen" bedienst, dann wird auch die Reaktion entsprechend ausfallen.
Hmm, kommt vielleicht aufs Umfeld an, aber so einfach ist es nicht.

Meine eigenen Erfahrungen sind differenzierter:
Mit auffälliger Kleidung ziehe ich mehr Aufmerksamkeit und damit Blicke auf mich. Auffällig ist nicht das selbe wie "einschlägige Klischees". Es gibt sehr schöne Kleider, die sich durch raffinierten Schnitt, Material, Farbe oder Muster vom Einheitsbrei abheben.

In der Regel kann man das im voraus ganz gut abschätzen und sich überlegen, ob man diese Aufmerksamkeit haben möchte oder nicht.

Aufmerksamkeit bedeutet Sichtbarkeit. Ich gehe raus, weil ich gesehen werden möchte. So wie ich bin. Die Kleidung unterstützt das, dementsprechend wähle ich sie aus.

Warum sollte ich im Kleid durchs Treppenhaus huschen, wenn ich gar nicht möchte, dass die Nachbarn mich so sehen?

Liebe Missy, versuche doch mal, diese Frage für dich zu ergründen. Was ist die Motivation für das Kleid im Treppenhaus? Warum möchtest du das tun?

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 9 im Thema

Beitrag von Renée »

Daniela04 hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 22:05 ... Gehst Du dann voll en femme oder im Hybrid-Modus?
Hybrid auf dem Weg mit dem Zug dort hin. Und dann dort zurecht machen mit Make up und wenn das Wetter es zulässt im Kleid und passenden Schuhen en femme weiter.
Wobei bei mir eh alle Sachen aus der Damenabteilung kommen. Wenn das Wetter also so gar nicht mitspielen dann halt nur Make up und Haare zurecht machen. Der Rest ist Selbstbewusstsein und weibliche Bewegungen. Das kommt mit der Zeit und Übung.
Bei den Kleidern und Oberweite schau ich, dass ich mich wohlfühle und es authentisch rüber kommt.
Liebe Grüße
Renée

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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 10 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Liebe Missy,

ich möchte nur kurz auf zwei Punkte eingehen:
Lana hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 23:56 Warum sollte ich im Kleid durchs Treppenhaus huschen, wenn ich gar nicht möchte, dass die Nachbarn mich so sehen?
Ich denke, hier legt Lana den Finger in die Wunde. Wenn ich von mir ausgehe, spüre ich sozusagen zwei Welten in mir, die scheinbar im Widerspruch stehen. Die eigene innere Welt und die äußere Welt. Und die habe ich nur schwer in Deckung bringen können. Erst wenn ich beides zusammen bringen kann, fühle ich mich "ganz". Dem im Weg stehen Ängste und Wertungen. Die Ängste musst Du selber ergründen und überwinden. Da erlaube ich mir nicht, mich zu äußern. Aber welche Fragen, die man Dir stellen könnte, tun Dir richtig weh ? Hier würde ich bei mir selber bohren, um mit meinen Ängsten umzugehen. Wertungen und Bewertungen sind das Andere. Du glaubst zu wissen, wie man Dich bewertet ? Oder projezierst Du Deine Bewertungen über Dich selber auf andere ? Z.B. im Sinne von, was bin ich als Transgender-Mensch wert ? Es kann sein, dass Du Ablehnung erfährst. Glaubst Du, dass Euch (wieso Euch ? Es geht um Dich) die Anderen nicht mehr schätzen, weil Du Kleider trägst ? Woher weißt Du das ?
missy hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 20:58 Zwei männliche Kleidungsstücke, das Hemd und die Schuhe, reichen, damit ich männlich wahrgenommen werde.
Dass er Rest weibliche Kleidungsstücke sind, fällt niemandem auf.
Du unterschätzt Dein Umfeld. Wenn sie etwas nicht ansprechen, heißt das nicht, dass sie es nicht merken. Ich bin sogar überzeugt, dass sie wissen, dass Du nicht in die Normkategorie fällst, auch wenn sie sich vielleicht keinen echten Reim darauf machen können. Es gibt viele Gründe, warum sie Dich nicht ansprechen. Und es gibt viele Wege, wie Du damit umgehen kannst. Was für Dich passt, musst Du auch selber herausfinden. Das reicht von nichts anderes tun, über einfach Kleider tragen bis hin zum aktiven Ansprechen.

Deinen inneren Konflikt mit Deiner inneren under äußeren Welt kannst nur Du alleine lösen. Was willst Du also tun ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 11 im Thema

Beitrag von Dani_77 »

Hallo Missy,
ich lese da sehr viel von dem, was mich auch jahrelang beschäftigt, eher gequält hat.

Unzählige Male habe ich mich zu später Stunde aus dem Haus geschlichen und gehofft, dass mich niemand erkennt.
Aber das machte mich nicht glücklich.

Ich habe mein Umfeld langsam vorbereitet, also flache Sandalen, enge Skinny Jeans/Jeggings und dazu ein damen T-Shirt mit Spitze oder ein schlichtes Top.
Es erfolgte eine leichte Steigerung über viele Jahre.

Ich habe es dann im Freundeskreis, Nachbarn und Familie irgendwann gesagt, da ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, ohne hohe Schuhe und co. rauszuzgehen.

Niemand, absolut niemand hat das am Ende gewundert.
"Das haben wir uns immer schon gedacht und haben uns gedacht, es muss ihm halt gefallen", sagte etwa mein Freundeskreis.

Ein Pärchen, was ich seit meiner Kindheit kenne hatte mal gedacht, ich bin schwul, da ich immer viel Schmuck getragen habe, eher gepflegt war und ansich schon immer viele Schuhe hatte, darunter viele bunte Chucks, die man natürlich barfuß trägt :) Jaja die Stereotypen, da sind sie wieder.

Es haben dem Grunde nach alle einen grünen Hacken gemacht, als ich mit der Sprache raus bin.

Ich würde an deiner Stelle einfach wie oben auch schon geschrieben wurde in normaler Damenkleidung rausgehen.
Ich persönlich finde eine enge Jeans mit Pump oder Sanlatten immer genial, dazu ein unauffälligs Top - passt.

Ich bin viele Jahre in normaler Männerkleidung aber mit High Heels oder Pumps raus, es gab dazu tatsächlich auch Komplimente von den Damen :)
Gesicht natürlich immer glatt rasiert.

Probier dich einfach aus, spreche mit den Menschen, die dich mögen und lieben, warum sollten sie das nicht mehr, nur weil du dein äußeres deinem inneren anpasst?
Es gibt natürlich viele Menschen, die damit gar nichts anfangen können oder es als Bedrohung empfinden, aber das muss ja nicht dein Problem sein.
Dein Körper - deine Entscheidung
Dein Leben - deine Gefühle
Das geht niemanden was an!
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 12 im Thema

Beitrag von MelanieD »

Hach, wie sich die Gefühle gleichen... Paar Tage alleine zu Hause und sogar die Nachbarn im Urlaub, was für ein schönes Gefühl mal im Kleid in den Garten zu gehen zu können! Ich bin inzwischen ohnehin sehr selten "Melanie", und wenn ich in den letzten Jahren mal draussen war, dann eigentlich nie im Kleid ins Auto gestiegen, sondern erstmal rausgefahren, eben auch weil ich mich weder Nachbarn gegenüber outen wollte, noch Familie stören.

Das ist mein individueller Kompromiss, muss natürlich jede für sich spüren, was für einen selber und das eigene Umfeld passt.

Was dann das 'rausgehen angeht, ist meine Lieblingszeit vor allem im Herbst und morgens oder abends. Da gehen Strumpfhosen (puh, war eigentlich zu warm für alles außer Badehose am letzten Wochenende). Läden sind nicht so voll und die Leute eigentlich eh alle mit sich selbst beschäftigt. Irgendwo in einer belebten Fußgängerzone kann ich auch entspannen und kann dann zumindest innerlich lächeln. Und noch viel mehr wenn es irgendeinen netten Kontakt gibt, so wie wenn mich eine entgegenkommene Frau anlächelt, wenn wir bei einem Absatz feindlichen groben Gitter auf dem Gehsteig aufeinander Rücksicht nehmen :-)
missy
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 13 im Thema

Beitrag von missy »

Ihr Lieben,

ich bedanke mich ganz herzlich für eure Rückmeldungen, Ideen, Anregungen, Denkanstöße etc. (yes) (yes) (yes)

Zunächst einmal tut es gut, nicht allein da zu stehen.
Dann ist da natürlich viel, worüber ich mir Gedanken machen werde.

Das erste, was mir direkt aufgefallen ist, liebe Juliane, ist meine Ausdrucksweise. "Kleidchen" ist völlig falsch gewählt. Meine Kleider sind für mich alle "Kleidchen". Aber ganz bestimmt keine Schlampenkleidchen, anstößig, offenherzig oder so. Mein Fehler: blöd ausgedrückt. Macht der Gewohnheit. Ich hatte vor einiger Zeit ein Bild von mir eingestellt mit kurzen dunklen Haaren und dezentem, längeren Kleid. Da hast du sehr positiv reagiert.

Bei "Kleidchen durchs Treppenhaus" ging es mir um ein offenkundiges, eindeutiges Outing im direkten Umfeld.

Dann ging mir der Gedanke über ein personenbezogenes Outing durch den Kopf. Anfangen könnte ich bei einer guten Freundin von meiner Frau und mir. Wir sehen diese Freundin nur recht selten, sind aber dann sofort wieder völlig vertraut. Da müsste ich auch keine Befürchtungen haben, dass um irgendwelche Ecken etwas zurück kommt. Dafür wohnen wir nicht nah genug beieinander. Und ich glaube, sie ist ziemlich weltoffen. Wäre einen Versuch wert.

Liebe Vicky_Rose, du hast nochmal deutlich herausgestellt, dass es um mich geht, nicht um uns im Sinne von meine Frau und mich.
Da bin ich nicht ganz bei dir. Klar geht es um mich, aber auch um meine Frau. Sie ist durch mein Verhalten direkt mit betroffen. Wenn "das Haus" oder Einzelne aus dem Haus negativ reagieren, dann kriegt sie das auch zu spüren. Und das ist das Letzte, was ich will.

Ach es gibt so viele Ansätze, die ihr aufgezeigt habt. Es ist mir spontan unmöglich alles aufzugreifen. Ich habe viel nachzudenken. Und das ist gut so. Danke.

Von Herzen, missy
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 14 im Thema

Beitrag von Liv »

missy hat geschrieben: Mo 12. Aug 2024, 17:46 Bei "Kleidchen durchs Treppenhaus" ging es mir um ein offenkundiges, eindeutiges Outing im direkten Umfeld.
Das habe ich mir beim Lesen deines Eingangspostings schon gedacht. Und wie bei PartnerInnen und im beruflichen Umfeld ist es nie gut, mit der Tür ins Haus zu fallen. Besser ist es immer VORHER das Gespräch zu suchen, anstatt einfach "im Kleidchen" darzustehen - am Besten unter vier Augen. Darüber zu sprechen klingt erstmal viel komplizierter als es einfach zu machen, aber die Wahrscheinlichkeit einer positiven Aufnahme ist deutlich höher.
Wobei jetzt natürlich die Frage ist, wie du zu deinen Nachbarn stehst. Ich verstehe darunter solche, mit denen man mal ein Bierchen auf dem Balkon trinkt oder die Bohrmaschine ausleiht. Da kann man ja einfach mal vorfühlen. Alle anderen, also solche die einfach ein Stock drunter leben und kaum grüßen - die sollten deiner Entfaltung nicht im Wege stehen. Einfach ignorieren (aber trotzdem grüßen).

Ansonsten fallen mir da tausend Geschichten ein, die mir von anderen zu Ohren gekommen sind:
- Die Nachbarin die der Partnerin einen Wink gibt, dass immer wenn sie auf Reisen ist, eine große, blonde, stark geschminkte Frau zu Besuch kommt.
- Der Vermieter der eine Meldebescheinigung fordert für die neue Freundin, die seit einiger Zeit offenbar bei einem wohnt.
- Der Nachbar der sich wundert, dass die Treppenhausreinigung immer von einer fremden Frau gemacht wird.

Ohne offenes Gespräch ensteht evtl. eine Dynamik die sich schwer wieder einfangen lässt. Und das muss dabei gar nicht mal in die Richtung gehen von "Der Herr X von nebenan ist eine Transe".
missy hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 20:58 Und ja, das Wort ist schon öfter gefallen: Ich bin eine "Stubentranse".
Ich glaube Liv hat hier im Forum mal von "Selbstverleugnung" gesprochen.
Allein die Tatsache, dass Du das frei aussprechen kannst, ist ja schonmal ein erster Schritt. Ich weiß natürlich, dass der nächste Schritt (der auf die Straße) ein ungleich größerer ist. Aber er lohnt sich - egal in welchem Alter. Ich habe noch von keinem CD/TV/TS gehört, dass er/sie diesen Schritt bereut hat. Eigentlich bereuen alle, es nicht schon früher gewagt zu haben. Wie hier ja schon angesprochen wurde, muss es ja nicht vor der eigenen Haustür anfangen. Das ist eher die absolute Ausnahme. Ein Kurzurlaub in einer größeren Stadt oder auch in der Natur schafft Freiraum - evtl. auch vom Partner. Vielleicht gibt es ja dort auch Selbsthilfegruppen oder professionelles Coaching. Nur Mut!
Du wirst vermutlich in recht kurzer Zeit ausreichend Selbstbewusstsein und Stilsicherheit aufbauen, dass Du ohne großes Zögern durch dein Treppenhaus klackern kannst.

LG
Liv
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Re: Im Kleidchen durchs Treppenhaus?

Post 15 im Thema

Beitrag von Vesta »

missy hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 20:58 Zwei männliche Kleidungsstücke, das Hemd und die Schuhe, reichen, damit ich männlich wahrgenommen werde.
Hinzu kommen männliche Statur, männliche Frisur, männliches Gesicht, männliche Hände, ...
Du brauchst schon mehr als nur weibliche Kleidung, um als Frau wahrgenommen zu werden.

Und Leute, die dich kennen, werden dich ohnehin als Mann wahrnehmen. Eine einmal vorgenommene Geschlechtszuordnung wird nur sehr selten revidiert.
Daniela04 hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 21:30 aber alleine ist das etwas schwieriger.
Warum?
Renée hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 22:00 Such dir in deiner Nähe eine Lokation/Stammtisch/Selbsthilfegruppe (wie auch immer das heißen kann) mit Gleichsinnten
Unter diesem Gesichtspunkt stehe ich Selbsthilfegruppen kritisch gegenüber. Du kannst mit einer Selbsthilfegruppe in Frauenkleidern ausgehen, aber du kannst mit einer Selbsthilfegruppe nicht als Frau ausgehen. Dennoch, der erste Ausgang kann damit einfacher werden.

Denn Sinn einer Selbsthilfegruppe sehe ich darin, mit ebenfalls Betroffenen zu reden und Erfahrungen auszutauschen.
Daniela04 hat geschrieben: So 11. Aug 2024, 22:05 Gehst Du dann voll en femme oder im Hybrid-Modus?
Die Selbsthilfegruppe hat auch kein Problem, wenn du beim ersten Mal komplett als Mann kommst. Wie du magst und wie du dich traust, es ist deine Entscheidung. Die Gruppe ist (hoffentlich) tolerant.

Die ersten Ausgänge in Frauenkleidern oder als Frau würde ich übrigens nicht zu Hause machen, sondern erst einmal woanders, bis du genug Selbstsicherheit hast.
Antworten

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