"Unzutreffende Anrede kann teuer werden" (für Firmen)
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Jaddy
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"Unzutreffende Anrede kann teuer werden" (für Firmen)

Post 1 im Thema

Beitrag von Jaddy »

In einer Zeitschrift für Personalmanagement erschienen:
https://www.humanresourcesmanager.de/ar ... er-werden/

Bezieht sich auf den Fall René_ Rain Hornstein gegen die Bahn wg binärer Anrede-Zwangsauswahl.
Auch wenn der vorliegende Fall im allgemeinen Zivilrecht spielt, ist die Situation weitgehend auf das Arbeitsrecht übertragbar, schreibt doch das Benachteiligungsverbot des Paragraf 19 AGG das Benachteiligungsverbot aus Paragraf 2 Absatz 1 Nr. 1 AGG fort. Es ist also ohne weiteres denkbar, dass Mitarbeitende die Argumentation des Oberlandesgerichts Frankfurt nutzen und — gerade in einem konfliktträchtigen Arbeitsverhältnis — den Arbeitgeber in Haftung nehmen. Die Anwendungsfälle sind vielfältig: Bewerberportale, Intranetprofile, Reise- und Abrechnungsportale — sie alle enthalten möglicherweise Eingabemasken, bei denen Anredeformen vorgegeben sind und keine Möglichkeit besteht, dieses Feld schlicht leer zu lassen.

Es ist daher jedem Unternehmen anzuraten, die Anredeformen in seinen Portalen zu kontrollieren. Hier ist es inzwischen nicht mehr nur zeitgemäß, die Auswahl zu erweitern, sondern es ist — wie das Urteil zeigt — auch rechtlich geboten. Mehr noch: Unternehmen sollten den Blick weiten und im Rahmen eines funktionierenden Diversity Managements sicherstellen, dass die Kommunikation im Unternehmen die Vielfalt der Belegschaft abbildet.
Hinweis von mir: Die Anrede stellt keine Auswahl des Geschlechts dar und hat mit dem amtlichen Eintrag nichts zu tun. Das ist im Artikel ein bisschen missverständlich. Das Gericht hat das aber so festgestellt: Wir können (aus rechtlicher Sicht) jederzeit und willkürlich jede Anrede angeben, die wir wollen.

Und so rein praktisch hat die Anrede keinen wirklichen Zweck. Es wäre einfacher für alle, sie an möglichst vielen Stellen wegzulassen oder generell optional zu machen. Amazon, Ikea, Ebay, Otto und andere machen das schon so.

Letzter Hinweis: "Divers" ist keine Anrede... (hatte ich schon ein paar Mal)
Susi T
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Re: "Unzutreffende Anrede kann teuer werden" (für Firmen)

Post 2 im Thema

Beitrag von Susi T »

Hihi, ich habe die Anrede Divers schon seid sehr vielen Jahren genutzt/angekreuzt, vorallem bei Bestellungen und Portalen. Das bedeutete einfach das die Anrede Herr oder Frau entfallen ist und nur mein Name dort stand.
Das waren meine ersten Schritte unter dem Regenbogen
(rbw)

Ganz einfach und spielend leicht umzusetzen, wird schließlich schon seid etlichen Jahren immer mehr angeboten.
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Jaddy
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Re: "Unzutreffende Anrede kann teuer werden" (für Firmen)

Post 3 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Tira hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 12:11 Das bedeutete einfach das die Anrede Herr oder Frau entfallen ist und nur mein Name dort stand.
...
Ganz einfach und spielend leicht umzusetzen, wird schließlich schon seid etlichen Jahren immer mehr angeboten.
... wenn sie es denn so umsetzen. So wird es (generell) sogar von der Duden-Redaktion empfohlen.

Ich hatte aber auch schon mehrfach Varianten von "Sehr geehrtes Divers (vorname) (nachname)". Ein Verein hat wohl intern "weder Herr noch Frau" mit "U" oder "unbekannt" kodiert, so dass ich "Sehr geehrt U (nachname)" und "Sehr geehrt Unbekannt (nachname)" bekam.

Sehr schön auch Firmen, die einerseits binäre Anrede abfragen, dann aber im Versand nicht weitergeben. In den Briefen, Mails und auf dem Paketaufkleber steht dann immer - also egal was du ankreuzt - "Herr/Frau (vorname) (nachname)".

Noch eine Umdrehung schräger sind die Versende-Services für Mail und Briefe, die bei "Fehlern" - also kein definitives Herr oder Frau in der Datenschnittstelle - anhand des Vornamens die Anrede raten - statt wenigstens dann auf die obige Standard-Lösung zu gehen.

Es scheint für ziemlich viele Menschen gedanklich nicht möglich zu sein, in Bezug auf andere auf geschlechtliche Mutmassungen zu verzichten.
Susi T
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Re: "Unzutreffende Anrede kann teuer werden" (für Firmen)

Post 4 im Thema

Beitrag von Susi T »

Ok solche Wildwüchse kenn ich auch. Besonders beliebt ist es auch die Ursprungs-Adresse bei Paypal auszulesen, obwohl bei der Bestellung und im Firmenkonto eine andere Anrede/Name eingetragen ist, die mit der Paypalversandadresse übereinstimmt. Da hab ich auch schon nette Kontakte gehabt, denn letzendlich gehts da sogar um Datengeheimnisse.
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