Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?
Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ? - # 2

Crossdresser, Transgender DWT... Plauderecke - was sonst nirgendwo passt
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Wally
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 16 im Thema

Beitrag von Wally »

Lieber Hotte,
Hotte hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 01:41 Da mache ich aber andere Erfahrungen in meinem Umfeld, Wally. Niemand hat Angst, ich könne ihn:sie verklagen. Vielleicht liegt es daran, dass ich offen trans* lebe und darüber schreibe.
Beides tue ich auch. Trotzdem wundert es mich nicht, dass Du da weitgehend andere Erfahrungen machst: ich bin MzF, Du FzM. Die beiden Richtungen sind nicht spiegelsymmetrisch zueinander, sie stellen sich höchst unterschiedlich dar und haben höchst unterschiedliche Folgen für den Alltag. Beispiel "Passing": für Dich als TransMann ist es im Alltag die Ausnahme, dass Du spontan überhaupt als "trans" wahrgenommen wirst; für mich als TransFrau ist das die leidige Regel. Sowohl die sozialen als auch die individuellen Rollenerwartungen im Zielgeschlecht sind völlig unterschiedlich, ebenso die Art, wie unsere jeweilige Präsentation interpretiert wird. Den "Tunten-Effekt" z. B., der den meisten von uns MzF zeitlebens so zu schaffen macht, gibt's bei Euch FzM gar nicht - ebenso wenig wie die spezifischen, homophoben Berührungsängste seitens Hetero-Männern, für die ein TransMann gerade wegen seiner Herkunft eher harmlos und unverfänglich erscheint. Ich hab's halt so geschildert, wie es sich mir aus der Sicht einer TransFrau darstellt.
Hotte hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 01:41 (...) Es passiert immer wieder mal, dass ich als "Frau" angesprochen werde. (Zuletzt am Montagfrüh in einem Chat in einer neuen App.) Es reißt mir jedes Mal den Boden unter den Füßen weg. Am Montag habe ich fünf Stunden gebraucht, bis ich angezogen war und einkaufen gehen konnte.
Da zeigt sich ein weiterer, entscheidender Unterschied zwischen uns beiden: Du bist offenbar sehr viel jünger als ich (ich bin 75). Ich habe Jahrzehnte gebraucht, bis ich - mit professioneller Hilfe in einer Psychotherapie - überhaupt erst mal kapierte, was mit mir los war. Und ich habe weitere Jahrzehnte gebraucht, dieses Wissen in eine entsprechende Lebensführung umzusetzen und endlich ein gesundes, stabiles Selbstbewusstsein darin aufzubauen. Wenn mich heute jemand mit "Herr" anspricht, obwohl ich im luftigen Sommerkleid mit Pumps vor ihm stehe, kostet mich das ein Lächeln, es wirft mich nicht mehr aus der Bahn. Ich nehm's ihm nicht mal übel, ich kann's verstehen: meine zwitterig wirkende Erscheinung hat ihn halt verwirrt. In den allermeisten Fällen geschieht sowas nicht böswillig, sondern nur als Ausdruck von Verunsicherung und Hilflosigkeit: in irgendeiner Form - man will ja nicht unhöflich sein - muss man so jemanden nun mal ansprechen...

Dass Dir solch eine souveräne Selbstsicherheit noch fehlt, ist keine Kritik, sondern eine zwangsläufige Folge Deiner Lebenssituation. Auch wenn die Voraussetzungen dafür heute ungleich besser sind als in früheren Jahrzehnten, dauert es doch immer noch viele Jahre, da hin zu kommen. Man kriegt das nicht geschenkt, man muss lange und hart daran arbeiten. Die Meisten aus meiner Generation haben das überhaupt nie geschafft.
Hotte hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 01:41 Mit Blick auf die AFD und den Rechtsruck bin ich sehr viel besorgter als in den letzten Jahren. Ich habe wieder Angst vor Übergriffen. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, ob und wohin ich das Land verlassen könnte, wenn es schlimmer wird.
Gerade mit Blick auf die AfD kann ich Dich - und Andere, die das aktuell ebenfalls ansprachen - beruhigen: ich war vor der Corona-Krise etliche Jahre (2015-2020) aktives Mitglied der AfD. Zwar vom offiziellen Auftritt her damals noch in der männlichen Rolle, aber als bekennende Transsexuelle habe ich mich dort - neben meinem zahnärztlichen Beruf - explizit mit dieser Thematik eingebracht, Vorträge gehalten, diskutiert, Anträge gestellt. Ausgerechnet dort fand ich für das Thema entschieden öfter Interesse für Gespräche und Bereitschaft zum Zuhören als in meinem gesamten, privaten wie beruflichen Umfeld! Okay - das war halt auch ein politisches Thema, insofern in einer Partei naheliegend; wie es mir damit in anderen Parteien ergangen wäre, darüber kann ich nur spekulieren. Aber angefeindet wurde ich in der AfD deswegen nie (eher schon mal als angeblicher Ärzte-Lobbyist, da gab's wirklich Vorurteile). Ich war dort jahrelang als wiederholt gewähltes Mitglied in einem Bundesgremium (Bundesfachausschuss 8/Gesundheit) tätig. Von Transen-Hass fand ich keine Spur.

Echten Ressentiments und sogar (zum Glück immer noch selten) offenem Hass gegen Transgender begegne ich dagegen in den letzten Jahren zunehmend im politischen "Publikum": z. B. in den - als große Ausnahme noch unzensierten und deshalb gerade auch von deutschen und österreichischen "Rechten" viel frequentierten - Kommentarspalten der Schweizer "Weltwoche". Dort kann man immer noch unmittelbar und weitgehend ungefiltert lesen, was angeblich "Rechte" schreiben, und vor allem, wie sie zu einzelnen Aussagen (per Like-/Dislike-Button) stehen. Sonst filtern unsere Medien das ja systematisch aus; man kriegt stattdessen fast nur noch präsentiert, was Linke über Rechte erzählen... - Was ich dort über unsere Thematik lese (bzw. auch die Reaktionen, wenn ich in eigenen Kommentaren dagegenhalte), bereitet auch mir in letzter Zeit zunehmend Sorge. Aus dem jeweiligen Kontext entnehme ich dann allerdings meistens, dass das nicht auf einem "Rechtsruck" beruht, eher im Gegenteil: man zeigt sich zunehmend genervt von der als arrogant bevormundend und krass inkompetent agierend empfundenen Politik der Ampelkoalition - in vielen Politikfeldern, nicht nur in Sachen "Gender". Und weil Transgender derzeit vorwiegend in der Ampelpolitik öffentlich in Erscheinung treten, wirft man uns dann auch pauschal mit dieser Politik in denselben Topf.

Bitte, bitte: nehmt Letzteres jetzt einfach mal als Randbemerkung aus meiner persönlichen Erfahrung, als meine 10 Pfennig zu Euren diesbezüglichen Äußerungen zur Kenntnis, und gut isses. Ich fände es sehr schade, wenn das spannende Thema, das Vicky-Rose hier dankenswerterweise aufgemacht hat, wieder mal in einem wüsten Polit-Kampf "gegen Rechts" verpuffen würde. Sowas gehört einfach nicht hier her.
Herzliche Grüße
Wally
Alicia
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 17 im Thema

Beitrag von Alicia »

Wally hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 00:51 Mein Respekt denjenigen, die sich durch diesen doch sehr lang gewordenen Text bis hierher durchgebissen haben.
Bisher habe ich das Thema nur lesend begleitet, doch der Beitrag von Wally hat mich total geflasht. Ich hätte zwar nie die Geduld aufgebracht, meine Gedanken so ausführlich darzulegen, doch Wally spricht mir in ihren ersten beiden Artikeln voll aus der Seele. Vielen herzlichen Dank dafür.
Als Küken im Forum und auf der Crossdresser-Bühne gehen mir genau diese Gedanken ständig im Kopf herum. Wer bin ich? Als was definiere ich mich? Wie kann ich den Umgang mit der Öffentlichkeit meistern, wenn ich en femme unterwegs bin? Wie weit kann ich in der Männerrolle gehen, ohne von anderen in eine Schublade gesteckt zu werden, in die ich nicht hinein will?

So habe auch ich mehr als die Hälfte meines Lebens das weibliche Ich in mir unterdrückt oder immer nur sehr kurz daheim ausgelebt. Die Wendung gabs im März dieses Jahres, als ich mich meiner Frau offenbarte. Das brachte so viel ins Rollen, so dass ein Ende des Prozesses noch lange nicht absehbar ist. In einer sehr konservativ ( vielleicht auch reaktionär ) eingestellten (ländlichen) Nachbarschaft habe ich noch sehr große Vorbehalte, als Frau auf die Straße zu gehen. Das geschieht derzeit immer nur außerhalb der eigenen Stadtmauern. Ebenso werde ich mich in meinem beruflichen Umfeld bis auf Weiteres nicht outen, da die Konsequenzen schwer bis gar nicht abschätzbar sind. Aber die paar Jahre werde ich noch überleben bis zur Rente, schließlich habe ich Jahrzehnte im eigenen Saft geschmort.

Deshalb sind Wallys Worte so wohltuend. Mal sehen, wohin die Reise geht, und welchen der vielen Begriffe ich für mich annehmen kann. Vielleicht auch nur queer, was für mich ein Sammelbegriff für alle nicht "normgerechten" Personen ist.
Eine Lebensweise zu erfinden ist nichts. Sie zu verinnerlichen, ein Anfang. Sie zu leben ist alles.
(Frei nach Otto Lilienthal)
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 18 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wally hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 15:43 Aber angefeindet wurde ich in der AfD deswegen nie
Hi Wally,

Deine Erfahrungen will ich nicht absprechen, aber das die AfD in dieser Frage harmlos ist, kann ich nicht akzeptieren. Ich habe nur kurz gegoogelt:

https://www.queer.de/detail.php?article_id=46676
https://www.dw.com/de/rechte-desinforma ... a-68216840
https://www.rnd.de/politik/afd-beatrix- ... G6TAU.html
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ ... n-100.html
https://www.tagesschau.de/faktenfinder/ ... n-100.html

Gerade das Plakat im letzten Link erinnert mich fatal an Wahlkämpfe in der Weimarer Republik. Klar wird Dir niemand ins Gesicht spucken. Noch nicht. Aber letztlich dienen Menschen wie Du als Feigenblättchen, aber die Richtung der AfD ist klar und eindeutig. Ist die AfD erst einmal an der Macht, wird auch eine Alice Weidel Probleme bekommen ...

Wir sollten aus der Geschichte lernen. Jedes totalitäre Regime geht immer in Richtung der Kontrolle von Menschen. Transmenschen sind weder eine Ausnahme noch ein Einzelfall. Die Nazis haben auch vorher gesagt, dass sie Andersdenkende mit Hasstiraden und Lügen verfolgt haben. Wie haben die Leute gedacht ? "Es wird schon nicht so schlimm werden" war allgemeine Stimmung unter den Menschen. Die Parallelen sind mehr als deutlich.

Ich bleibe dabei: Die AfD ist eine gefährliche Partei, die uns massiv bedroht. https://sowi-online.de/kontroverse/absi ... rholt.html Wir sollten den Tatsachen ins Auge sehen und nicht bei veralteten Äußerungen der Partei stehen bleiben. Ich befürchte, sie wird an der Macht Menschen zu vernichten versuchen, die anders denken und fühlen. Die AfD bedroht uns massiv und versucht die Gesellschaft gegen uns (und nicht nur gegen uns) aufzuwiegeln. Das lässt sich nicht schön reden ...
Viele Grüße
Vicky

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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 19 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 19. Jul 2024, 07:08 Klar wird Dir niemand ins Gesicht spucken. Noch nicht.
Ähm, doch? Hängt wohl von der Umgebung ab und die politische Gesinnung bzw Wahlverhalten wird nicht erfasst, aber solche Sachen passieren täglich. Ich kenne die Erzählungen aus meinem persönlichen Umfeld, meine eigenen Erfahrungen und die aus meiner Community.

Mit rechten Leuten in Regierungen kommt erstens eine inoffizielle Legitimation dazu. Wer sich vorher nicht getraut hat, fühlt sich dann ermutigt, selbst wenn es keine offiziellen Aufforderungen gibt. Das wurde überall beobachtet, wo rechtspopulistische Parteien Ämter bekamen: USA, Ungarn, Polen, Italien, Niederlande, etc. Motto: "Jetzt sind wir am Drücker"; als ob sämtliches Recht auf einmal ausser Kraft gesetzt wäre.

Zweitens dehnen solche Leute in Ämtern in der Regel ihren exekutiven Spielraum maximal aus. Nur ein aktuelle Beispiel, und das benötigt nicht mal die amtlich erwiesenermassen Rechtsextremen: Die bayrische Schulministerin Stolz (FW) versucht jetzt, per Anweisungen aus dem Ministerium nicht nur Paarformen wie "Schülerinnen und Schüler" zu verbieten, die ihre Kolleg*innen selber fleissig nutzen, sondern auch alle Materialien, die andere Formen als das Maskulinum enthalten. Das heisst, dass insbesondere Bücher, Texte, etc betroffen wären, die tendenziell inklusive schreiben, wie zum Beispiel der Bundeszentrale für politische Bildung, speziell für Schüler*innen erstellte Broschüren von Gesundheits- oder Familienministerium, zum Beispiel deren Regenbogenportal, usw.

Heisst: Moderne, aktuelle Aufklärung zu Geschlecht und Sexualität soll in bayrischen Schulen aller Altersklassen nicht mehr stattfinden. Selbst Zeitungsartikel zu ganz anderen Themen wären raus. Natürlich wären auch die Schulbibliotheken betroffen.

Das ist kein Nebeneffekt! Das ist das eigentliche Ziel! Und dies ist nur das Vorspiel. Nur Bayern, nur Schulen. Macht euch da keine Illusionen. Wir sind von Bathroom Bills (Toilettenregelung nach Geburtsgeschlecht) und Book Bans (Bücherverbote) in öffentlichen Bibliotheken nur Millimeter entfernt. Was Orban in Ungarn veranstaltet hat, De Santis in Florida, die PIS in Polen, Meloni jetzt in Italien anfängt, das ist in Deutschland genauso möglich. Wo Landesrecht es hergibt dann auch zuerst in Bayern[sic!], Thüringen, Sachsen, ...

Macht euch auch keine Illusionen über die Resilienz unserer demokratischen Strukturen. Es braucht nur wenige Leute in Ämtern und eine ignorante Masse, die sich der Stimmung anpasst. Die Regeln sind nicht für aktive Angriffe ausgelegt. Siehe das Thüringen Projekt, gut erklärt in der Anstalt vom Oktober 2023, mit Faktencheck. Wer juristischen Tiefgang mag: Das Thüringen-Projekt.

"Ins Gesicht spucken" wird da eher eine der harmloseren Folgen sein.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 20 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Jaddy hat geschrieben: Fr 19. Jul 2024, 10:51 "Ins Gesicht spucken"
Hi Jaddy, ich stimme Deiner Berurteilung zu, aber meine Bemerkung bezog sich einzig auf Wally. Sie hat diese Erfahrung offensichlich im Kontext mit der AfD noch nicht gemacht. Ich bin mir aber sicher, dass das nicht so bleiben muss.
Wally hat geschrieben: Do 18. Jul 2024, 15:43 Ich fände es sehr schade, wenn das spannende Thema, das Vicky-Rose hier dankenswerterweise aufgemacht hat, wieder mal in einem wüsten Polit-Kampf "gegen Rechts" verpuffen würde. Sowas gehört einfach nicht hier her.
Das sehe ich auch nicht ganz so, denn die öffentliche Diskussion um unsere Themen sind auch in der politischen Diskussion zentral. Es muss klar sein, dass wir uns nicht als minderwertige und gesellschaftszerstörende Kräfte denunzieren lassen. Und wenn wir in der Öffentlichkeit bestehen wollen, brauchen wir die Unterstützung der breiten Masse, die für unser Anliegen Verständnis zeigt. Ich glaube aber, wenn wir uns in (in meinen Augen) kleinlichen Diskussion um Begriffe verzetteln, setzen wir uns selber ins Aus. Auch wir haben Bedürfnisse und Interessen, die definitiv nicht zerstörerisch für die Gesellschaft sind. Im Gegenteil, wir schaffen mehr Toleranz und Offenheit durch unsere Anliegen. Wir wollen, dass Menschen sich angstfrei und nach eigenen Bedürfnissen entwickeln können. Das steht im Gegensatz zu populistischen Ideen, die Menschen in ein Korsett zwingen wollen. Wir müssen raus aus der Täter-Opfer-Umkehr der AfD. Alleine schaffen wir das nicht. Aber wir sind ein Seismograph für die aktuellen Entwicklungen.
Viele Grüße
Vicky

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Wally
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 21 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe Vicky,

Ist Dir Godwins law ein Begriff?

"As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one." (Mike Godwin, 1990)
"Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an."

Der Spruch war schon vor 35 Jahren, in den Anfängen des Usenet, in aller Munde, weil er sich tagtäglich bewahrheitete: egal wo, von wem und über was gerade gestritten wurde - irgendwann kam immer einer mit einem Nazi-Vergleich daher und markierte damit den Wechsel von Sachargumenten zu "Flames" (unfaire, persönliche Angriffe, bösartige Unterstellungen, Beleidigungen). "The thread went nazi and died" war damals der stehende Spruch für diesen täglich zu beobachtenden Vorgang.

Ist heute noch so - bloß mit dem Unterschied, dass Linke heute gar nicht mehr versuchen, zu argumentieren, sondern schon gleich von vornherein mit "Nazi" einsteigen: die klassische "Verschwörungstheorie". Man erkennt Linke zuverlässig daran: sie haben nichts anderes.

"Das Böse ist immer und überall." (Erste Allgemeine Verunsicherung, 1988)
(smili)
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 22 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Ich stimme Wally voll zu.

Jede antiwoke Argumentation wird von der woken Fraktion sofort ins Ultrarechte geschoben. Dabei reagiert z.B. Bayern nur auf das, was links-grüne Journalisten der ÖR ständig betreiben: eine Vergewaltigung der deutschen Sprache durch Vergenderung. Manche Texte sind kaum noch lesbar, geschweige sprechbar.

Ich war in der letzten Zeit viel draußen unterwegs und habe nur neutrale bis positive Reaktionen erfahren. Das extreme Bashing findet fast nur in der Sicherheit von Social Media statt. Zurück in die reale Welt. Beim CSD in MA holte ich mir ein Eis. Die Verkäuferin — 40-45a, gut gestylt — schien ziemlich genervt vom Andrang, erkannte mich nicht als Mann. Erst als ich sprach — ein kurzes Aufblitzen, dann wurde sie sehr freundlich und lächelnd. Auch bei meinen Verhandlungen zur Gala25 im Darstein wurde das Gesicht der eher verschlossenen Mitarbeiterin auf einmal viel heller und lächelnd, als ich ihr sagte, was das Publikum ist und Bilder zeigte.

Es macht keinen Sinn, seine/ihre komplexe Identität jemandem klar zu machen — was diese Person i.d.R. gar nicht interessiert - sondern eine Kommunikation zu gestalten, auch non-verbal, um bei meinem Gegenüber zu erreichen, dass er/sie mich so akzeptiert, wie ich bin.

Liebe Grüße Nora
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 23 im Thema

Beitrag von Wally »

Nora_7 hat geschrieben: Fr 19. Jul 2024, 23:36 Es macht keinen Sinn, seine/ihre komplexe Identität jemandem klar zu machen — was diese Person i.d.R. gar nicht interessiert - sondern eine Kommunikation zu gestalten, auch non-verbal, um bei meinem Gegenüber zu erreichen, dass er/sie mich so akzeptiert, wie ich bin.
Dazu fällt mir eine Beobachtung ein, die ich schon vor Jahrzehnten bei meinen allerersten, schüchtern-ängstlichen CD-Ausflügen gemacht habe, und die sich seitdem regelmäßig immer wieder bestätigt hat: im weiblichen Outfit - ganz egal, ob ich dabei als "trans" erkannt werde - begegnen mir speziell Frauen spontan sehr viel offener und freundlicher, als wenn ich als Mann unterwegs war. Als Frau kriege ich von Frauen viel öfter Blickkontakt und ein freundliches Lächeln, werde spontan auf irgend einen Smalltalk angesprochen, kann mit ihnen ganz ungezwungen Kontakt aufnehmen - die gläserne Wand, die Frauen gegenüber fremden Männern um sich herum zu tragen pflegen, ist da einfach weg. Auch das ist einer der Gründe, warum ich mich als Frau in der Öffentlichkeit so viel wohler fühle und nicht mal im Traum mehr daran denke, in die männliche Rolle zurückzukehren.
Herzliche Grüße
Wally
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 24 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Moin,
Wally hat geschrieben: Fr 19. Jul 2024, 20:27 "Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an."
nun ja - das ist keine "böse Absicht" von einigen wenigen Menschen, sondern einige Akteuere der Partei haben sich die Bezcihnung "hart erarbeitet".
Da sich die Partei nicht von diesen "Lautsprechern" trennt, wird sie in der Gesamtbeurteilung auf diese Art wahrgenommen, obwohl vielleicht auch einige Mitglieder (d/m/w) in der Partei sind, die eine andere Gesinnung haben.
Fragt sich nur, warum die nicht austreten oder dafür sorgen, dass diejenigen, die das Parteibild auf diese Art und Weise gestalten, gehen müssen, damit der Weg frei wird für eine neue Ausrichtung.

Staatsanwaltschaft Frankfurt
Demonstranten dürfen Björn Höcke als "Nazi" bezeichnen
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Verfahren gegen einen Demonstranten eingestellt, der bei Anti-AfD-Protesten Björn Höcke als "Nazi" bezeichnete. Es handle sich hier nicht um eine strafbare Beleidigung, sondern um ein "an Tatsachen anknüpfendes Werturteil", so die Ermittler.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 25 im Thema

Beitrag von Lana »

Wally hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 08:34 Als Frau kriege ich von Frauen viel öfter Blickkontakt und ein freundliches Lächeln, werde spontan auf irgend einen Smalltalk angesprochen, kann mit ihnen ganz ungezwungen Kontakt aufnehmen - die gläserne Wand, die Frauen gegenüber fremden Männern um sich herum zu tragen pflegen, ist da einfach weg.
Das hatten wir kürzlich schonmal:
Lana hat geschrieben: Sa 25. Mai 2024, 22:13Ich habe nie wirklich verstanden, warum viele Frauen sich unbekannten Männern gegenüber so reserviert verhalten [...]

Eklatant ist der Unterschied für mich selbst spürbar, wenn ich als Frau gelesen werde. Dann ist diese Reserviertheit bei Frauen, denen ich begegne, wie weggeblasen. Die meisten sind sehr zugewandt und offen, so ganz anders als ich das aus männlichen Zeiten in Erinnerung habe.
Es hängt wohl damit zusammen, dass ein unbekannter Mann für Frauen potentiell bedrohlich ist. Zumindest so lange, bis sie einigermaßen sicher abschätzen kann, dass er harmlos ist.
Als Frau signalisiert du von vornherein, dass du nicht gefährlich bist. Dementsprechend erfährst du mehr Offenheit von anderen Frauen.

LGL
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 26 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Lana hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 09:24 Es hängt wohl damit zusammen, dass ein unbekannter Mann für Frauen potentiell bedrohlich ist. Zumindest so lange, bis sie einigermaßen sicher abschätzen kann, dass er harmlos ist.
Als Frau signalisiert du von vornherein, dass du nicht gefährlich bist. Dementsprechend erfährst du mehr Offenheit von anderen Frauen.
Sicher auch. Die Dame vom Hotel kennt mich aber nur im Männermodus und taute richtig auf, als ich auf die Details kam. Ich sehe bei den Frauen eine 60:40 Verteilung zwischen Neugier/Interesse/Verständnis vs Ablehnung. Bei Männern ist es umgekehrt.
LG Nora
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 27 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Nora_7 hat geschrieben: Fr 19. Jul 2024, 23:36 Jede antiwoke Argumentation wird von der woken Fraktion sofort ins Ultrarechte geschoben. Dabei reagiert z.B. Bayern nur auf das, was links-grüne Journalisten der ÖR ständig betreiben: eine Vergewaltigung der deutschen Sprache durch Vergenderung.
Sprache ist (in) Entwicklung. Dabei mag es Fehler und auch Unbequemlichkeiten geben.
Bei Genderleicht & Bildermächtig gibt es sinnvolle Hinweise, wie Sprache sich verändern kann, ohne den Menschen "auf die Füße zu treten", die mit manchen Entwicklungen ihre Probleme haben.
Manches mag ja auch für lesende Menschen nervig sein - und ich selbst mache finde einige Texte sind schwer(er) zu lesen und ich bin dann abgelenkt.
Ähnlich ist es mit Beiträgen im Radio oder im Fernsehen, die "künstlich" rüberkommen. Das mag auch an fehlender Gewöhnung liegen.

Jedoch ist
Dabei reagiert z.B. Bayern nur auf das, was links-grüne Journalisten der ÖR ständig betreiben: eine Vergewaltigung der deutschen Sprache durch Vergenderung"
bei weitem nicht festzustellen und "sehr weit hergeholt".
Jede antiwoke Argumentation wird von der woken Fraktion sofort ins Ultrarechte geschoben.
Viele Argumentationen machen sich mit denen von Rechten und Ultrarechten gemein. Es fehlt der Blick für die Gefahr, die von diesen Gruppen ausgeht.
"Die sind nicht so schlimm", ist ein zu schwaches Argument für Passivität und Verdrängen. Widerstand gegen die Gefahr ist angesagt und wurde in vielen friedlichen Demonstrationen gegen Rechts gezeigt.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 28 im Thema

Beitrag von Kerstin »

Anne-Mette hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 08:51 Staatsanwaltschaft Frankfurt
Demonstranten dürfen Björn Höcke als "Nazi" bezeichnen
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat ein Verfahren gegen einen Demonstranten eingestellt, der bei Anti-AfD-Protesten Björn Höcke als "Nazi" bezeichnete. Es handle sich hier nicht um eine strafbare Beleidigung, sondern um ein "an Tatsachen anknüpfendes Werturteil", so die Ermittler.
Auch wenn es jetzt OT wird erlaube ich mir zwei Anmerkungen
1.) Staatsanwälte sind Weisungsgebundene Beamte.
2.) Die verballhornung "Södolf" wird von einem bayrischen Gericht als Beleidigung eingestuft - obwohl es den Tatsachen entspricht.
Man sieht hier sehr gut wie unsere politmafia den Rechtsstaat mißbraucht.

BT
Ich finde es ja chic das ihr darüber diskutiert wieviel Transbezeichnungen nötig sind und bis jetzt war es auch eine gute, anregende Diskussion. Nur was macht ihr mit Leuten wie mir welche sämtliche trans Begriffe für sich ablehnen?
Ich brauche Informationen - eine Meinung bilde ich mir selbst.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 29 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Kerstin hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 13:32 Nur was macht ihr mit Leuten wie mir welche sämtliche trans Begriffe für sich ablehnen?
Machen tun "wir" ja gar nichts. Also ich zum Beispiel. Für dich persönlich kannst du Begriffe, Worte, Labels nutzen (und einfordern), wie sie dir gut erscheinen. So wie alle anderen für sich auch. Das ist ja gerade der Knackpunkt: Selbstbestimmte Identität (und die selbstbestimmten Bezeichnungen dazu) von anderen akzeptieren und respektieren, statt dass andere über dich bestimmen, dich benennen, usw.
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Re: Braucht es wirklich so viele Trans*-Bezeichnungen ?

Post 30 im Thema

Beitrag von Nora_7 »

Anne-Mette hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 11:40 Bei Genderleicht & Bildermächtig gibt es sinnvolle Hinweise, wie Sprache sich verändern kann, ohne den Menschen "auf die Füße zu treten", die mit manchen Entwicklungen ihre Probleme haben.
Da gibt es Unterschiede. Vieles verändert sich über die gesprochene Sprache. Hier & jetzt ist die aufdringliche Penetranz der ÖR und der Presse absolut nervig. Ein Erziehungsprojekt ohne Mandat.
Anne-Mette hat geschrieben: Sa 20. Jul 2024, 11:40 Viele Argumentationen machen sich mit denen von Rechten und Ultrarechten gemein. Es fehlt der Blick für die Gefahr, die von diesen Gruppen ausgeht.
"Die sind nicht so schlimm", ist ein zu schwaches Argument für Passivität und Verdrängen. Widerstand gegen die Gefahr ist angesagt und wurde in vielen friedlichen Demonstrationen gegen Rechts gezeigt.
Nicht 100%, das von Rechts kommt ist falsch, nur weil es AUCH von Rechts kommt. Das ist ein großes Dilemma in unserer Gesellschaft. Sobald Rechts etwas übernimmt, gilt es als Nazi-Argumentation und gilt bei Roten und Grünen als politisch nicht mehr korrekt. So vermasselt man auch gute Ideen.

Rechts hat sich auch nur so ausbreiten können, weil wir eine völlig uneinsichtige Regierung haben, die an den gefühlten Problemen der Bevölkerung vorbeigeht. Sehr viel Protestwahl. Interessant ist deshalb auch die stattfinde Wanderung vor Rechts zu BSW - und dami zur größten Statthalterin Putins. Stuft man die BSW als Links ein, muss sich der Kampf verstärkt auch gegen Links und Islamismus richten.

Nora_7
Schönheit ist weiblich, und ich bin auch gerne schön.
Ich kann alles tragen, wenn ich ein Mädchen bin
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