Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte
Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte - # 2

Lebensplanung, Standorte
Maike
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 16 im Thema

Beitrag von Maike »

Helga hat geschrieben: Di 20. Feb 2024, 21:30 Gerade bei Praxen mit "Trans- Erfahrung" wird leider viel zu schnell und viel zu oft der Weg in die Transition empfohlen.
Puh, eine steile These. Gibt es hierfür empirische Belege? Heißt eine Transition gleich HRT und GaOp? Aber wäre eine Diskussion hierzu für Helen in ihrem Thread hilfreich? Wenn das ein Thema ist, sollten wir es ggf. separat fortführen.

Ich entnehme den Posts von Helen, dass sie derzeit unter ihrer Situation sehr leidet. Ich kann das auch sehr gut nachvollziehen, weil sich wohl unsere Situation sehr ähnelt: Langjährige Ehe, sehr spätes Outing, schwierige Suche nach Lösungswegen, weil wir uns lieben und unsere Beziehung erhalten wollen etc.
In dieser Situation habe ich (!) sehr gute Erfahrung mit externer Hilfe gemacht: schnelle Erstberatung in einer kommunalen Anlaufstelle - dann Psychotherapie, die auch eine Paar-Therapie wurde. Natürlich gibt es bei Therapeut:innen unterschiedliche Qualitäten und auch die "Chemie" zwischen Therapeut:in und Patient:in muss stimmen. Ich und unsere Ehe haben von der Psychotherapie nur profitiert. Das jahrzehntelange Unterdrücken meiner Transidentität hat natürlich Spuren bei mir und in unserer Ehe hinterlassen. Ich war zunehmend gereizt und frustriert und hatte am Ende keine Kraft mehr für das Verstecken/Unterdrücken. Das Outing und meine Transition waren (und sind) ein Risiko für unsere Ehe, da meine Frau ihren Mann nicht verlieren möchte und sich ein Leben (24/7) mit einer anderen Frau (derzeit) nicht vorstellen kann. Allerdings möchten wir beide unsere Ehe fortführen, da wir uns (immer noch) lieben. Gemeinsam und mit Hilfe unserer Therapeutin suchen wir nun nach einem Weg, der für uns beide gangbar ist. Aktuell ist unsere Ehe so gut wie schon lange nicht mehr und uns beiden geht es deutlich besser! Wir haben eine "Variante" gefunden, die für uns (und unsere Familie) wunderbar tragfähig ist. Ob das auf Dauer aber so bleibt, kann niemand garantieren. Das ist meine individuelle Situation und Erfahrung. Es gibt aber auch andere Wege, wie die Beiträge hier zeigen. Und das ist auch das wertvolle an diesem Forum. Es zeigt verschiedene Erfahrungen und Biographien auf und gibt Inspiration. Was davon auf die eigene Lebenswelt zutrifft, muss man dann jedoch selbst herausfinden.
Helen67 hat geschrieben: Di 20. Feb 2024, 17:48 Da ist jede/jeder anders gestrickt, ich tue mir unheimlich schwer, jemandem wehzutun, noch schwerer bei einem geliebten Menschen.
Liebe Helen, wenn Ihr Euch liebt, dann solltet Ihr gemeinsam versuchen, einen Weg zu finden. Dass es gelingt, kann Dir niemand garantieren. Meine Erfahrung (und die anderer) kann Dir vielleicht Mut machen, die nächsten Schritte zu gehen. Denn Deine derzeitige Situation scheint auf Dauer nicht tragfähig zu sein - so war es zumindest bei mir. Ich wünsche Dir viel Erfolg!
LG Maike
Es ist wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst!
Helen67
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 17 im Thema

Beitrag von Helen67 »

Helga hat geschrieben: Di 20. Feb 2024, 21:30 ch frage mal ganz unumwunden: Was erwartest du von der HRT?
Naja, ich erwarte mir natürlich ein weiblicheres Aussehen, aber es schlägt sich sicher auch in der Psyche nieder.
Mit über 50 ist natürlich einiges "eingefahren", der Körper und die Gesichtszüge, aber auch das Verhalten.
Dass die HRT kein Wundermittel ist, weiß ich, trotzdem würde das meiner Transition enorm helfen (meine Meinung)
Helga hat geschrieben: Di 20. Feb 2024, 21:30 Eine Psychotherapie kann helfen, muss sie aber nicht,
Würde mir sicher helfen, meine Frau ist aber leider strikt dagegen.
Helfen würde es, wenn ich Kontakt zu anderen Transgendern hätte, ist hier auf dem Land äußerst schwierig.
Aussprechen, zusammen was unternehmen, das wär's eben...
Der beruflich und private Stress lenkt zwar ab, ist aber auf Dauer auch nicht gut.

Liebe Grüße
Helen
Momo58
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 18 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Kontakt zu anderen Transgendern...ist hier auf dem Land äußerst schwierig
Oh wie recht du doch hast. Geht mir genauso. Im Landkreis in dem ich wohne gibt es 26 Transgender, aber nur zu einem habe ich persönlichen Kontakt, zu einem anderen wenigstens noch per Email. Eine weitere transidente Frau traf ich mal in einer Selbsthilfegruppe. Die hat sich inzwischen aufgelöst. Ein weiterer Kontakt kam dann nie zustande. Der Rest versteckt sich aus Angst vor Repressalien im Dorf. Dieses Angst ist aber nicht gut. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass im Dorf die meisten Bürger dich so akzeptieren wie du bist. Es gibt aber trotzdem Einzelfälle, die dich nicht akzeptieren werden.

Es ist soo schade dass deine Frau so mauert. Auch wenn du deine weibliche Seite lebst bist du doch immer noch du selbst. Leider erkennt sie es nicht. Das mit dem beruflichen Stress war bei mir auch so. Ich flüchtete mich in Arbeit, teilweise auch am Wochenende. Geholfen hat es nur kurzfristig.
Leider wird dir irgendwann nichts anderes übrig bleiben als dich für dich selbst zu entscheiden. Dafür wünsche ich dir alle Kraft die du brauchst.

Liebe Grüße
Manuela
Wir alle sind nur ein unbedeutendes Staubkorn im Universum
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 19 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Helen67 hat geschrieben: Do 22. Feb 2024, 17:22 Dass die HRT kein Wundermittel ist, weiß ich, trotzdem würde das meiner Transition enorm helfen (meine Meinung)

Helga hat geschrieben: ↑Di 20. Feb 2024, 21:30
Eine Psychotherapie kann helfen, muss sie aber nicht,

Würde mir sicher helfen, meine Frau ist aber leider strikt dagegen.
Hmmm...

du wirst für die meisten endokrinologischen Praxen ein Indikationsschreiben von einer Fachperson für Psychologie
brauchen oder du brauchst das Glück das du einen Arzt findest der dir so Rezepte für die HRT ausstellt.
Oder du gehst in die Grauzone der DIY Medikation.

Darüber hinaus finde ich es schon wichtig das man im Prozess ein klein wenig psychologische Begleitung hat.

Und ganz trocken gefragt, was hat deine Frau strikt dagegen das du egal aus welchem Grund diese Begleitung hättest?
Was wenn du in einer Depression steckst, allein nicht den Weg daraus findest?
Das ist eine ichs sags deutlich ungute Meinung. Eine verhindernte Meinung.
Helen67 hat geschrieben: Do 22. Feb 2024, 17:22 Naja, ich erwarte mir natürlich ein weiblicheres Aussehen, aber es schlägt sich sicher auch in der Psyche nieder.
Das ist die falsche Haltung dazu, du kannst gewisse Vorstellungen haben, erwarten darfst du aber nichts.
Damit meine ich nichts, es wird das passieren, was dein Körper, die Hormone dir geben möchten.
Nicht mehr, nicht weniger..
möchtest du da drüber raus wirds operativ-was uns wieder zu einer psycholoischen Fachperson bringt, die dir
dazu ein Schreiben aufsetzen muss...zumindest für die überwiegende Anzahl der Behandler in Deutschland.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 20 im Thema

Beitrag von Helga »

Helen67 hat geschrieben: Do 22. Feb 2024, 17:22 Helfen würde es, wenn ich Kontakt zu anderen Transgendern hätte, ist hier auf dem Land äußerst schwierig.
Aussprechen, zusammen was unternehmen, das wär's eben...
Liebe Helen,
du hast das große Glück in einem Forum angemeldet zu sein, das mit einem sehr großen Mitgliederpool das gesamte Spektrum des sehr breit gefassten "Trans"- Bereiches abdeckt. Nutze die Möglichkeiten, die das Forum dir bietet. Schreib dir einfach mal von der Seele, was du in einer Psychotherapie ansprechen würdest. Das Forum weist auf Veranstaltungen hin, hält Adressen von Selbsthilfegruppen parat, über die PN- Funktion kannst du dich mit anderen Forumsteilnehmern verabreden.
Und vor allem: Lies, wie andere mit ihrem "Trans-Sein" umgehen. Ausgehend von deinem Namenszusatz sind wir der gleiche Jahrgang. Ich habe früher darunter gelitten, dass ich keine Möglichkeit hatte an Informationen zu kommen, die mir hätten helfen können zu erklären was in mir vorgeht. Das ist heute zum Glück anders, wobei die allgemeinen Medien sich gerne auf das stürzen, was ein wenig Sensation verspricht. Ein Fachforum ist da definitiv die bessere Informationsquelle.
Da du erst zwei Hände voll an Beiträgen geschrieben hast, kannst du vermutlich noch keine Bilder sehen. Bilder, insbesondere die hier eingestellten, sagen mehr als tausend Worte.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 21 im Thema

Beitrag von Patricia »

Helen67 hat geschrieben: Do 22. Feb 2024, 17:22 Naja, ich erwarte mir natürlich ein weiblicheres Aussehen, aber es schlägt sich sicher auch in der Psyche nieder.
Mit über 50 ist natürlich einiges "eingefahren", der Körper und die Gesichtszüge, aber auch das Verhalten.
Liebe Helen,
wie bereits geschrieben wurde, die HRT kann so einiges ändern. Die Betonung liegt hierbei definitiv auf kann und nicht auf wird. Grob gesagt sind die zu erwartenden Veränderungen um so geringer je älter du bist. Wenn du Pech hast werden die optischen Veränderungen so gering ausfallen, dass sie nicht wahrgenommen werden. Das Verhalten kann sich unter Umständen ändern, aber auch die Veränderungen an dieser Stelle sind eher sehr subtil.
Die Abhilfe an dieser Stelle ist oft eher seelischer Natur. Wobei einige von uns sagen, dass sich bei Ihnen seelisch nichts geändert hat.
Eine Transition und die HRT können beide definitiv eine drastische Wirkung auf das Zusammenleben haben. Erstens scheitern so einige Beziehungen daran, dass "er" (aus der Sicht der Partnerin) plötzlich zu einer "sie" wird. Das andere Problem ist die nachlassende Libido und die durch die Hormontherapie verursachte Impotenz, welche bei den meisten (allen?) mit der Zeit auftritt. Auch daran sind etliche Beziehungen zerbrochen.

Eine (vernünftige) Therapie würde in dem Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit helfen sich mit der Thematik auseinander zu setzen und sich etwas Zeit zu lassen um wirklich herauszufinden was du benötigst.
Meine Empfehlung wäre nichts zu übereilen und sich Zeit zu lassen wirklich herauszufinden was du benötigst.

Der Kontakt zu anderen transgendern, ihre Lebensgeschichten und die Art und Weise wie sie damit umgehen können auch sehr behilflich sein. Dazu ist dieses Forum sehr gut geeignet. Über den Tag verteilt findest du auch einige von uns in im Chat. Neue Mitglieder sind dort immer willkommen

Egal wie "erfolgreich" die Geschichten einiger von uns erschienen mögen, es sind individuelle Geschichten und niemand kann Dir garantieren, dass es bei Dir genauso wird.
Lass Dir Zeit und finde heraus was dich wirklich weiter bringt.

LG
Patricia
Sabine64
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 22 im Thema

Beitrag von Sabine64 »

Liebe Helen,
auch ich kann dich sehr gut verstehen und weiß nur zu gut, wie verzweifelt man sein kann. Ich kann auch viele der gut gemeinten Antworten verstehen und sie auch gutheißen. Die gleichen Argumente würde ich auch benutzen, würde mich empören über die Zwänge, in denen man meint zu stecken und die bei genauerer Betrachtung völlig unsinnig sind, wenn mich das jemand fragen würde. Denn das Leben gehört einem nur selbst. Das alles ist ganz ohne Zweifel auch richtig.

Soviel also zur Theorie. Dass die praktische Umsetzung all dieser positiven Einsichten aber für viele, mich eingeschlossen, sehr sehr schwierig bis fast unmöglich ist, macht ja diese Verzweiflung so stark. Denn, und jetzt muss ich natürlich von mir selbst berichten, ich ärgere mich nicht nur über diese ganzen Bedenken, die ich habe, die Schwierigkeiten, die man sich ausmalt und die einen daran hindern, so zu leben, wie man möchte bzw so, dass es sich "richtig" anfühlt, sondern ich ärgere mich auch sehr über mich selbst, dass ich mich nicht überwinden kann, mein Leben zu leben. Zu groß ist die Angst, wovor auch immer.

Dadurch, dass ich quasi mein ganzes Leben unausgeglichen gelebt habe, habe ich zwangsläufig mit vielen Problemen zu kämpfen gehabt (und immer noch) und meine Ehe ist bereits daran zerbrochen, auch ohne Outing. Das traue ich mich nach wie vor nicht. Aber vielleicht bekommt ihr das ja hin mit euch beiden, ich wünsche es dir sehr....

Viele Grüße, Sabine
Sabine64
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Re: Helen meldet sich zurück, leider ohne nennenswerte Fortschritte

Post 23 im Thema

Beitrag von Sabine64 »

hallo nochmal,
nachdem ich heute über das Thema wieder mal nachgedacht habe, habe ich heute einen Entschluss gefasst, mit dem ich vorerst recht gut zurecht kommen kann, denke ich. Ich nehme mir also jetzt vor, meine kleine Welt, die ich zu Hause habe, als Möglichkeit zu sehen, den weiblichen Teil ganz selbstverständlich zu leben und natürlich auch bewusst zu genießen. Und zwar jede einzelne Minute. Ich möchte mich jetzt ersteinmal von jeglichem Druck befreien, dass da weiterhin irgendetwas passieren muss. Irgendwie finde ich für mich diese Überlegung schlüssig und ich fühle mich gut dabei. Alles weitere wird man sehen... Vielleicht finde ich ja doch noch etwas Frieden mit dem Thema, denn schön ist es ja schon auch, heute fühle ich mich bereichert mit der Frau in mir. Hoffentlich hält das noch lange an! Und vielleicht hilft dir, liebe Helen, der Gedanke etwas weiter...

Viele Grüße
Sabine
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