So war es auch nicht gemeint. Vielmehr sehe ich im Fortpflanzungstrieb einen sehr starken Treiber für geschlechtsbezogenes Verhalten. Tira hat angemerkt, dass das mit dem Älterwerden nachlässt:Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Also zunächst mal heisst, diese Zweigender-Teilung unserer gesamten Gesellschaft als willkürlich und übertrieben wahrzunehmen und nicht überall ganz so alternativlos-verbissen durchsetzen zu wollen ja nicht, sich Romantik, Sex oder Reproduktion zu verweigern. Auch die Arterhaltung ist bestimmt nicht in Gefahr, wenn wir Menschen nicht primär nach mutmasslichen Genitalien einteilen.
Da steckt sicher viel Wahres drin.Tira hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:52 Da spielt dann in jungen Jahren Sex und Vermehrung mit rein und verliehrt bei erreichen der Ziele zunehmend an Bedeutung. So das es Häufig nurnoch darum geht den erreichten Status zu erhalten.
Da unsere Persönlichkeit - und damit unsere Verhaltensweisen - in jungen Jahren geprägt und festgelegt werden, erscheint es mir nur logisch, dass dieses einmal verinnerlichte Verhalten in Bezug auf Vergeschlechtlichung im späteren Leben unhinterfragt weiter aufscheint. Es zeigt eine erstaunliche Persistenz in der Gesellschaft. Das ist der Punkt, an dem du dich gerne reibst.
Angeborene oder anerzogene Gewohnheit, siehe oben.Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Die Frage ist vielmehr, warum wir auch bei Menchen, mit denen wir weder Sex noch Kinder haben wollen, in jedem Satz ihre vermuteten Genitalien / Reproduktionsfähigkeiten markieren.
Letztlich ist es wie die berühmte Frage nach Henne oder Ei, ob es nun eine natürliche Bedingung menschlichen Daseins oder ein gesellschaftliches Konstrukt ist. Es ist unbestreitbar, dass eine große Zahl von Menschen diese Vergeschlechtlichung unbewusst und andauernd vornimmt, ohne sich viel dabei zu denken.
Nimmt man deine bewusste Übertreibung raus, findest du das überall:Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Ich mache mal einen Perspektivwechsel: Hier im "aufgeklärten Westen" erheben und echauffieren sich (zurecht) viele Menschen über die rigide Zweigeschlechtertrennung in vielen islamischen Ländern. Verhüllungsvorschriften, unglaubliche Handlungs- und Bewegungseinschränkungen für Frauen. Eine Begründung, mal sehr verkürzt: Frauen seien zu ablenkend und verführerisch und die Männer diesen Anreizen nicht gewachsen. Gefahr für die Moral und Sitten!
Aus meiner Perspektive folgt deine Sichtweise oben im Grundsatz der gleichen Idee (ich übertreibe leicht zwecks Verdeutlichung): Menschen als triebgesteuerte Wesen, die im Angesicht potenzieller Paarungspartnys nicht an sich halten können, ständig an Sex denken und deshalb die ganze Welt danach einteilen müssen. Quasi zwanghaft und alternativlos.
Schau dir einfach pubertierende Jugendliche an. Sobald ein Wesen vom anderen Geschlecht auftaucht, ändert sich ihr Verhalten schlagartig.
Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Daraus folgt dann im Endeffekt, dass der ganze Genderkram auch zwangsläufig ist. Können wir nix dran ändern, ist eben so. Natur(gesetz). Jede kritische Beschäftigung mit Gender als Konstrukt und irgendwelchen daraus abgeleiteten Normen ist deshalb a) sinnlos und b) gefährlich, weil "den Trieb" enthemmend. Menschen würden ohne Genderregeln zu ungehemmten Tieren(2).
Das ist kein Argument, und das weißt Du auch. Bei jedem Thema wird man irgendwo eine abseitige Meinung finden, die so schräg ist, um damit die ganze Diskussion in Frage zu stellen. Dass ein paar konservative Katholiken Blödsinn ablassen bedeutet noch lange nicht, dass dieser Punkt nicht diskussionswürdig wäre. Ich weise deine Folgerung zurück.
Nur weil das bei dir so ist, muss es bei anderen auch so sein?Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Aber absolut keinen Bedarf mir ständig "über die Genitalien des Gegenüber klar zu werden, um sich entsprechend verhalten zu können". Vor allem nicht an Backtheken.
Auch an der Backtheke zuckt dein Körper instinktiv zusammen, wenn es plötzlich ein schlagartiges, lautes Geräusch hinter dir gibt. Das ist eine Reaktion, die unbewusst stattfindet und aus den Zeiten stammt, als da noch der legendäre Säbelzahntiger aus dem Gebüsch springen konnte und man davor auf der Hut sein musste. Das ist immer noch in uns drin, auch ohne Gebüsch, aber mit Backtheke. Warum soll das beim Fortpflanzungstrieb so viel anders sein?
Missverstehst du mich absichtlich oder sind wir tatsächlich so verschieden? Man kann Vergeschlechtlichung im Alltag ganz prima betreiben, ohne an Genitalien zu denken. Geht beinahe von selbst, fast unbewusst.Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Ehrlich gesagt fände ich es ziemlich erschreckend, ständig an die mutmasslichen Genitalien anderer Leute zu denken. Ist das bei "euch" (allosxuellen Menschen) so?
Mag ja sein. Aber kein stabiler Überbau ohne solide Basis.Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Ich denke, dass es bei der Vergenderung im Alltag vielmehr gerade um "den damit gekoppelten kulturellen Überbau" geht. Nämlich genau um die konstruierten, internalisierten, naturalisierten Vorurteile, "wie Männer/Frauen eben sind", die Erwartungen usw. Heisst: Gender als Sammelbegriff dieses Überbaus ist inzwischen ziemlich vom Sex abgekoppelt.
In vielen Gesellschaften würde es die etablierte Ordnung zerstören. Selbst in Indien, wo es aus traditionell-religiösen Gründen schon seit ewigen Zeiten mehr als zwei Gender gibt, ist es nicht andersJaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 tl;dr Paarungstrieb reicht mMn nicht hin als Ursache für diese Mächtigkeit und Alldurchdringung des Konstrukts Gender. Vielmehr wurde Gender quasi eigenständig immer weiter entwickelt und über die Zeit hinweg auch drastisch modifiziert. Es ist so in das Gefüge und Weltbild naturalisiert / verinnerlicht, dass schon der Gedanke, etwas zu verändern, zu öffnen, vielfältiger zu machen, für viele Menschen bedrohlich ist.
Die Mehrheitsgesellschaft ist konservativ und lebt klischeehaft konservative Werte aus.
Die "Auswüchse" sind ganz sicher kulturell bedingt. Sie sind daher unterschiedlich ausgeprägt (siehe z.B. dein Vergleich mit konservativen muslimischen Gesellschaften). Unabhängig davon existieren sie aber überall. Selbst bei "Naturvölkern" mit matriarchalen Gesellschaften gibt es sowas.Jaddy hat geschrieben: Di 21. Mai 2024, 12:19 Es lohnt sich aber, Gender und seine Auswüchse nicht als naturgegeben zu betrachten und vor allem seine durchaus nicht zwangsläufigen Beeinträchtigungen für uns alle.
LGL