Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF
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Anne-Mette
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Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Immer mehr Sportverbände schließen transgender Athletinnen von der Frauen-Kategorie aus — weil sie körperliche Vorteile gegenüber biologischen Frauen haben. Aber jetzt sorgt eine Studie für Aufsehen, weil sie diese These auf den Prüfstand stellt.

https://www.deutschlandfunk.de/transgen ... t-100.html
Jaddy
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Re: Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 2 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Die Studie im Volltext (engl) gibt's hier:
https://bjsm.bmj.com/content/early/2024 ... 023-108029
(mit PDF Download)

Interessante Idee. Sehr wenige Teilnehmende. Und sie schreiben unter Limitations, dass die Auswahl der VP und die Methoden keine Rückschlüsse zulassen, was die HET mit den Sportergebnissen zu tun hat. "This study does not provide evidence that is sufficient to influence policy for either inclusion or exclusion."

Übrigens hier ein paar Artikel über die Haupt-Autorin des Artikels, Blair Hamilton:
https://prideoftheterraces.com/2020/11/ ... nt-page-1/
https://www.theargus.co.uk/news/2004542 ... s-call-up/
und ein DW-Kommentar von ihr:
https://www.dw.com/de/meinung-transfrau ... a-62221409
MoreThan2m
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Re: Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 3 im Thema

Beitrag von MoreThan2m »

Ich kann jetzt mal aus meiner eigenen Erfahrung berichten. Das ist natürlich nicht repräsentativ.
Ich habe früher selber Leistungssport betrieben (2x Deutscher Meister in der Leichtathletik) und kann meinen Körper daher sehr gut einschätzen.

Ich bin bis zu meiner Transition vor 2,5 Jahren sehr viel gelaufen. Marathon 3:30 bis zu 90km in der Woche. 3600km im Jahr
Meine Garmin Uhr liefert mir meinen VO2Max Wert um den Fitnesszustand zu messen.
Der Wert gibt an, wieviel Sauerstoff der Körper unter Belastung maximal aufnehmen und verwerten kann.
Ich hatte extrem gute Werte von 52-54.... Nachdem ich mit der HET begonnen habe ist der Wert relativ schnell auf ca 46 abgesunken.
Danach hat er sich auf ca 44 stabilisiert. Nach der GAOP ist er runter auf 38 gedroppt.... Und ich bekomme den nicht mehr hoch.
Mit dem runtergehen der Werte ist auch die Leistung beim Laufen eingebrochen... (Km Leistung von 4:20 auf unter 6)
Zudem kommt der massive Kraftverlust. Um dies auszugleichen hätte ich wohl meinen Trainingsumfang deutlich steigern müssen. Dazu bin ich aber nicht bereit.
Dieser Leistungsverlust hat mich am Anfang schon sehr genervt, aber er war ja abzusehen. Ich akzeptiere das jetzt und es ist auch gut so.
Meine letztjährige Alpenwanderung hat mir auch zum ersten Mal Grenzen aufgezeigt, die ich früher locker geschafft hätte... Echt krass.

Ich denke spätestens 2 Jahre nach dem Beginn der HET Transition ist man Kraft und Ausdauermäßig auf Frauenniveau.
Das einzige was man mir allerdings nicht nehmen kann das sind meine langen Hebel (SChrittlänge, Armlänge, Körpergröße (203cm)). Dies führt natürlich bei einigen Disziplinen zu einem Vorteil. Ich denke da nur mal an Basketball.

LG Julia
Aria
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Re: Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 4 im Thema

Beitrag von Aria »

MoreThan2m hat geschrieben: Di 30. Apr 2024, 08:51 Ich denke spätestens 2 Jahre nach dem Beginn der HET Transition ist man Kraft und Ausdauermäßig auf Frauenniveau.
Das einzige was man mir allerdings nicht nehmen kann das sind meine langen Hebel (SChrittlänge, Armlänge, Körpergröße (203cm)). Dies führt natürlich bei einigen Disziplinen zu einem Vorteil. Ich denke da nur mal an Basketball.
Mein VO2max liegt bei 41. Wie der vor der HET war, weiss ich nicht. Ich habe meine sportliche Ausdauer um Welten ausgebaut, seit ich in HET bin. Das hat aber sehr viel mit meiner Psyche zu tun, da es mir nun einfach sehr viel besser geht und ich viel Energie habe. Dennoch werde ich es aber nie mehr über ein solides Maß an sportlicher Ausdauer schaffen, da mir einfach Jahrzehnte der Übung fehlen. Wenn ich mich aber mit Frauen vergleiche, die eine ähnliche Grundausdauer haben, will heissen, dass wir in etwa gleich lang sportlich aktiv in der gleichen Disziplin sind, schlage ich die in jedem Fall. Ich führe es auf die Grundsubstanz an Muskelmasse zurück, die mir einfach genetisch gegeben ist. Von daher finde ich es einfach unfair, wenn spät transitionierende trans Frauen in Wettkämpfen mit cis Frauen antreten.

Du hast Leichtathletik gemacht, dann weisst du ja bestens über die unterschiedlichen Hürdenhöhen bescheid. Die der Frauen ist bei den 400 m 25 cm niedriger als bei den Männern. Wenn da nun eine 185 trans Frau gegen eine 167 cis Frau antritt, deren Verhältnis Körper/Rumpflänge obendrein ein ganz anderes ist, finde ich das einfach extrem unfair. Und so geht es mir bei vielen Sportarten, wo, zu dem Muskelmassen- noch der Körperproportionen-Vorteil dazu kommt.

Für mich gilt daher, dass late-onset trans Frauen nichts im Leistungsport von cis Frauen verloren haben. Anders sieht das bei early-onset aus. Hier sind die körperlichen Vorteile quasi nicht vorhanden und ein fairer Wettkampf kann stattfinden.
¡no lamento nada!
MoreThan2m
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Re: Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 5 im Thema

Beitrag von MoreThan2m »

Da stimme ich Dir zu! Wer später transitiert hat im Leistungssport nichts zu suchen.
Dein Beispiel mit den Hürden ist allerdings nicht ganz stimmig, sonst würden wir ja bei den Frauen auch nur großgewachsene Frauen auf der Disziplin sehen. Dem ist aber nicht so, da es auch noch auf andere Faktoren ankommt.
Wenn ich mit meine Größe eine Frauenhürde zwar einfach überlaufen kann komme ich aber durch den geringeren Abstand doch wieder ins Hintertreffen, da ich trippeln muss.. alles nicht so einfach.
Jaddy
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Re: Streit um transgender Athletinnen geht weiter | DLF

Post 6 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Aria hat geschrieben: Do 2. Mai 2024, 19:57Du hast Leichtathletik gemacht, dann weisst du ja bestens über die unterschiedlichen Hürdenhöhen bescheid. Die der Frauen ist bei den 400 m 25 cm niedriger als bei den Männern. Wenn da nun eine 185 trans Frau gegen eine 167 cis Frau antritt, deren Verhältnis Körper/Rumpflänge obendrein ein ganz anderes ist, finde ich das einfach extrem unfair. Und so geht es mir bei vielen Sportarten, wo, zu dem Muskelmassen- noch der Körperproportionen-Vorteil dazu kommt.
Eine interessante Sache. Es gibt diesen Satz, was der Unterschied zwischen Männern(tm) und Frauen(tm) ist: 10cm. Gemeint sind die Standardlängen. Diese 10cm bewirken zB, dass das Dreieck Lenkrad, Autositz, Pedal für kürzere Menschen ungünstig sind, die dann knapp hinter dem Lenkrad hängen müssen, statt entspannt mit Abstand, und das betrifft im Durchschnitt mehr Frauen als Männer.

Aber weltweit betrachtet sind die Unterschied noch beträchtlicher. Ich habe mal in meiner Lieblingsdatenquelle geschmökert: https://ourworldindata.org/human-height

Ergebnis: Die durchschnittlichen Körperlängen von erwachsenen Männern auf der Welt unterscheiden sich je nach Land und Region um bis zu 20cm. Die von Frauen ebenfalls.

Schön zusammen gefasst in dieser Grafik:
mean-height-males-vs-females.png
Zu sehen ist der Abstand von der Mitteldiagonalen. Das ist der landesinterne Unterschied zwischen Männern und Frauen. Durchschnittlich 10cm.
Interessanter finde ich aber, dass es durchaus viele Länder gibt, in denen die Frauen durchschnittlich deutlich größer gewachsen sind, als die Männer in anderen.
Zehn Zentimeter, aber in die andere Richtung. Statistisch.

Heisst zum einen: Bei Wettbewerben wie den von Dir beschriebenen Hürdenläufen, aber auch Laufen generell etc werden statistisch eine Menge Männer und Frauen aus bestimmten Ländern benachteiligt bzw andere bevorzugt. Und zwar innerhalb ihres cis Geschlechts bzw Liga. Bis zu 20cm Unterschied! Dass die benachteiligten Länder im globalen Süden liegen und die bevorzugten im Norden... nunja, das war erwartbar; nicht wahr?

Heisst zum anderen: Statistisch sind Frauen aus "einigen" Ländern den Männern aus "anderen" körperlich überlegen, während die Frauen aus den größenmässig (und anderweitig) benachteiligten Ländern sich dann wohl komplett aus dem Leistungssport verabschieden können. Falls es denn darauf ankommt.

Leistungssport ist nicht mal innerhalb seiner binären Klassen fair. Dazu hatte die kanadische Studie sehr eindeutige Befunde. Sie stellten fest, dass innerhalb der untersuchten Länder zwischen den Geschlechtern erhebliche Unterschiede in der Ressourcenverteilung bestehen. Übersetzt: Männer bekommen mehr Sportförderung und Unterstützung als Frauen. Die kanadische Studie sagt auch, dass diese unterschiedliche Förderung viel mehr Einfluss auf die Spitzenleistung hat, als die Unterschiede der Körper (nach Jahren der Hormonumstellung).

Und ich gehe jede Wette ein, dass die Unterschied zwischen den Ländern in Nord und Süd noch mal mindestens genauso unterschiedlich ist.

Ich finde also, dass die Frage der Fairness nicht so einfach cis/trans und nicht einfach anhand der Körpergröße beantwortbar ist.
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