in der letzten Nacht, die ich schlaflos im Bett gelegen habe wie in vielen anderen vorher auch, habe ich beschlossen, dieses neue Thema zu eröffnen. Ich möchte damit ein Feuer entzünden für die Freude, die entstehen kann, endlich das ausleben zu können, was man so lange Zeit unterdrücken musste. Hier im Forum werden viele bedrückende Situationen beschrieben und diskutiert. Auch ich habe das Forum in einer solchen Situation gefunden und bin hängen geblieben. Es hat mir geholfen, motiviert und Riesenkräfte verliehen, meine Situation innerhalb märchenhaft kurzer Zeit zu ordnen und letztlich ist ein komplett neuer Mensch entstanden. Dieses Gefühl möchte ich mit euch teilen und euch zur Diskussion einladen. Ich möchte denjenigen helfen, die noch in ihrer Verzweiflungsschleife gefangen sind, sie motivieren, ihre eigene Situation zu reflektieren und zu verbessern, so wie mir die "alten" Häsinnen geholfen haben. Es sollte sich aber niemand gezwungen fühlen, an der rosaroten Wolke-7-Nummer teilzunehmen, denn es gibt genügend andere interessante Themen hier.
Ganz uneigennützig (grins) sehe ich das Forum auch als Korrektiv, falls ich anfange zu sehr und zu schnell abzuheben. Schließlich möchte ich nicht den Ikarus geben und mich am Freudenfeuer verbrennen (die griechische Mythologie kannte m.E. leider keine fliegenden Frauen). In einem solchen Fall wäre meine Situation hinterher schlimmer als vorher und das gilt es auf jeden Fall zu vermeiden.
Ich kenne mich sonst gar nicht als Quasselstrippe, das muss wohl durch die neu entdeckte Weiblichkeit geweckt worden sein (Hilfe, böses Klischee!). Wenn ich meine andere Korrespondenz betrachte, so ist diese sehr sachlich geprägt von Fakten und physikalischen Gesetzen, kurz und knackig auf den Punkt und ohne große Ausschweifungen. Ich bin auch bei keinem sozialen Netzwerk aktiv (für mich eher asozial und hetzend) und kommuniziere auch nicht über Messangerdienste, denn der Großteil, was hier ausgetauscht wird, ist mir zu banal und zeitraubend. Hier im Forum bin ich plötzlich ganz anders gestrickt und neugierig. Begeistert formuliere ich Beiträge und bin anschließend natürlich auf euere Reaktionen gespannt. Da ich hier im Forum noch im Welpenschutz bin, kann ich selbst nur Bilder über einen Dropbox-Account teilen und nicht über meine Galerie. In der Umkehrung kann ich euere verlinkten Galerie-Bilder derzeit nicht sehen, weshalb ich mich an den entsprechenden Diskussionen nur eingeschränkt beteiligen kann.
Nun gut, dann kann es endlich losgehen. Wie ihr in meinen bisherigen Beiträgen nachlesen könnt, bin ich noch keine zwei Wochen im Forum aktiv und habe mich vorher schon wochenlang durch die Themen gelesen und gestaunt. Damit haben die schlaflosen Nächte begonnen und ich habe realisiert, dass meine aktuelle mentale Situation mehr als verfahren war und ich etwas ändern musste. Dass sich meine Gefühle in den Begriff des Crossdressings packen lassen.
Begonnen hat die Geschichte, wie bei den meisten hier, schon in der Pubertät. Es verlieh mir ein wohliges Gefühl, mich in den Kleidern meiner Schwester zu bewegen und gelegentlich in deren Nachthemdden zu schlafen. Da es scheinbar Niemandem aufgefallen ist und mich niemand damit konfrontiert hat, musste ich wohl oder übel selbst damit fertig werden. Für mich war dies erregender als mich mit gleichaltigen Mädchen zu beschäftigen. Vielleicht lag es auch daran, sehr schüchtern gewesen zu sein und den offensiven Anmachversuchen der Mädels wenig entgegensetzen zu können. All die Jahrzehnte dümpelte das so vor sich hin. Der Drang, in die weibliche Rolle zu schlüpfen bedeutete meistens, Kleidung des anderen Geschlechts kurz mal anzuziehen, erregt zu sein, wegwischen und zurück in die angestammte Rolle bis der Druck wieder hoch genug war. Auch die Gefahr, entdeckt zu werden, war immer präsent und ein Teil der Zeit im Fummel ging dafür drauf, die Umgebung zu scannen. Auch der Frust, die schönen Klamotten wieder ablegen zu müssen, tat sein übriges. Die Intervalle wurden in der letzten Zeit immer kürzer, so dass die Notwendigkeit wuchs, mich eingehend damit zu beschäftigen. So landete ich um die Jahreswende beim CD-Forum und habe mich lange nicht getraut, dort anzumelden. Ich haderte mit mir, ob das überhaupt für mich zutreffend ist, ob ich mich derart anderen gegenüber offenbaren kann. Aus der heutigen Sicht ein Volltreffer.
Wie in anderen Beiträgen ausführlich beschrieben habe ich mich letzten Sonntag gegenüber meiner Frau geoutet und habe bei ihr offene Türen eingerannt. Ein Umstand, den die wenigsten unter euch so vorfinden werden, der mich aber zum derzeit glücklichsten Menschen macht. Ephraim Kishon schrieb über seine Perle immer von der Besten aller Ehefrauen, voller Empathie und Verständnis, was ich in meinem Fall unkommentiert übernehmen kann.
Gestern Abend war meine Frau mit einer Freundin im Theater, so dass ich die Möglichkeit hatte, mich herauszuputzen. Als sie nach Hause kam, durfte sie zum ersten Mal Alicia kennenlernen: Im Netz-Catsuit, Oberweite und Pumps, dem neuen wadenlangen Kleid, roten Fingernägeln und dezentem Lippenstift. Sie war sehr angenehm überrascht über die Kleiderauswahl und überschüttete mich mit Lob. Funfact am Rande: Beim Umarmen der neuen Frau im Haus regte sich dort der Maschinenraum und da ich auf den Miederslip verzichtet habe, umarmte sie doch wieder deutlich merklich einen Kerl. Ich hätte versinken mögen, Sie nahm es aber sportlich und tröstete mich.
Anschließend saßen wir in fester Umarmung auf der Couch und sahen den zufällig passenden ZDF-Beitrag über Transgender. Ein war ein dermaßen saustarkes und wärmendes Gefühl, mich in weiblichen Kleidung nicht mehr verstecken zu müssen.
Der geplante Stadtbesuch am Freitag (eigentliches Ziel war der Ostermarkt) steht schon unter einem neuen Motto: Nachtwäsche und Morgenmantel.
So endete der Abend mit einem Nachthemd im Bett, doch der Schlaf wollte sich nicht einstellen, wobei sich der Kreis in diesem Beitrag schließt.
Das Frühstück und das Schreiben dieses Textes war ein Genuss mit Blick auf die noch lackierten Nägel. Doch hat dies jetzt leider ein Ende, da die Arbeit ruft. Von dem wohligen Gefühl kann ich aber noch eine Weile zehren.
Eine Fortsetzung des Blogs wird garantiert.
Liebe Grüße, Alicia