Da stecken einige seltsame Annahmen drin, Christiane.
Christiane hat geschrieben: Mo 1. Apr 2024, 12:39
Die mit dem Kreuz waren einfach eher da, als die mit dem Teppich - fertig.
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Aber die mit dem Teppich dürfen nicht erwarten, dass sich nur alles für sie jetzt ändert. Warum auch? Sie haben mit ihrer Ankunft hier, die Verhältnisse akzeptiert.
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Geht in ein islamisches Land und versucht dort einen christlichen Feiertag als gesetzlichen zu etablieren.
Auf die Reaktionen dort wäre ich gespannt. Zumindest würden sie wahrscheinlich deutlicher und härter ausfallen als hier.
Es geht nicht um einzelne Religionen, sondern um generelle Fairness und anderen möglichst wenig in ihr Leben einzugreifen. Es geht um staatliche Regelungen, die hochgradig einseitig sind.
Abgesehen davon waren die mit dem Gebetsriemen auch schon vor der gesetzlichen Festschreibung da. Die ohne Religion auch. Weimarer Reichsverfassung von 1919, übernommen ins Grundgesetz 1949. Das ist das, was heute gilt. Älter ist das nicht. Dort wird aber nur die Freiheit zur Festlegung garantiert. Feiertage sind Ländersache. Nur der 3.Oktober wurde bundesweit festgelegt im Einigungsvertrag.
Die Sache ist aber, dass sich die Bundesrepublik als Staat weltanschaulich neutral definiert. Keine Religion soll bzw.
darf bevorzugt werden. Die Kirchen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und damit absichtlich möglcihst weit von staatlichen Institutionen weg. Ebenso wie der Zentralrat der Juden, die Zeugen Jehovas, die Ahmadiyya Muslim Jamaat, die Israelitischen Kultusgemeinden, die Christian Science, die Bahai, einige Landesverbände des Humanistischen Verbands Deutschland, der Bund für Geistesfreiheit Bayern usw. Alle haben den gleichen Rechtsstatus und die gleichen Rechte und Pflichten.
Eigentlich dürfte es also entweder keine oder nicht nur christliche Feiertage geben.
Heisst: Erstens geniessen die christlichen Kirchen spätestens seit 1949
eigentlich keine gesetzliche Sonderstellung, zweitens gilt
eigentlich ein Gleichbehandlungsgrundsatz. Grundgesetz usw. Und zwar für alle Menschen und alle Weltanschauungen, egal wann sie angekommen sind, sogar egal welche Staatsbürgerschaft sie haben. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten.
Und
das ist, was Menschen, die nach Deutschland einwandern akzeptieren (müssen/sollen/wollen). Gleichstellung und Fairness, garantiert durch den Staat. Nicht die Dominanz einer Religion. Satz Nummer zwei ist deshalb vollkommen an der Sache vorbei.
Ich glaube langsam, diese freiheitlich-demokratischen Prinzipien sind vielen Menschen nicht klar - oder sie wollen sie nicht akzeptieren. Denn was du anführst, Christiane, ist das absolute Gegenteil. "Wir waren früher da, wir sind mehr, deshalb machen wir uns Gesetze, die uns bevorzugen. Weil wir's können. Eure Bedürfnisse sind uns egal, denn wir haben die Macht". Das widerspricht völlig den juristischen, philosophischen und politischen Grundlagen der FDGO Deutschlands spätestens seit 1949 (aber weit vorher hergeleitet und gut durchdacht). Es ist autoritär, chauvinistisch und undemokratisch in der Art von "Christians first", mit völlig aus blauem Himmel geholter Feindlichkeit gegenüber bestimmten Religionen.
Und völlig daneben finde ich die letzte Bemerkung. Dass es anderswo noch unfairer ist, kann ja wohl kein Massstab sein. Dass andere Menschen übles tun rechtfertigt ja nicht eigenes Fehlverhalten.
Dass überhaupt von islamischen Feiertagen angefangen wurde, finde ich auch erstaunlich. Darum geht es überhaupt nicht. Selbst mit weiteren jüdischen, islamischen, hinduistischen oder auch säkularen "stillen" Feiertagen wäre nichts besser. Im Gegenteil. Es geht nicht um mehr Übergriffigkeit, sondern um weniger.
Also: Feiertage okay. Auch ruhig weitere. Welche und wie lässt sich ja aushandeln. Etwas mehr Fairness wäre mE eine integrationsförderliche Sache. Aber was die Menschen damit machen (ohne sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen), sollte ihnen überlassen bleiben. Wenn Anders- und Nichtgläubige statt stillem Gedenken lieber in die Disko gehen wollen, dann sollen sie diese Freiheit haben.
Aber diese autoritär-chauvinistische Grundhaltung macht mir wirklich Sorgen.