Der Unsinn besteht vor allem darin, dass Blome nur Überschriften wiedergibt, aber weder die Inhalte darunter, noch die tieferen Zusammenhänge. Ich unterstelle da durchaus Absicht, denn er hat ja die
PM des Statistisches Bundesamts komplett gelesen.
Allein die bereinigten 6%, also ein Drittel der Lohnlücke, sind nicht durch unterschiedliche Jobs, Teilzeit, etc erklärbar. Das ist schon mal ein Skandal an sich, der sich nicht durch Tarifverträge allein lösen lässt. Schon sehr billig, das auf die Gewerkschaften abzuschieben.
Was Blome allerdings vor allem auslässt sind die Gründe für die
zwei Drittel der 18%: Ein Kind zu haben bedeutet heutzutage ein erhebliches materielles Risiko, und zwar hauptsächlich für Frauen. Fehlende Betreuungsplätze, unflexible Arbeitszeiten, "mit Kind" geht häufig nur Teilzeit und Alleinerziehende sind idR ebenfalls Frauen. Berufswahl, Erwerbsunterbrechungen und Teilzeit sind aber mit Kind häufig nicht freiwillig, sonder bedingt durch reale strukturelle - sprich: auch politische - Benachteiligung im Sinne fehlender Optionen. Das führt dann quasi zwangsläufig bei Frauen mit Kindern, bei denen das Modell der Ehe mit (gut bezahltem!) Alleinverdiener und gemeinsamem Rentenanspruch nicht klappt, zu erheblichen Lohneinbussen und danach Altersarmut.
Thematisiert wird dieser Zusammenhang nach dem was ich an Artikeln gefunden habe nur in der taz:
Dass sich diese Kluft so bald wie möglich schließt, dafür kämpft die
Equal-Pay-Day-Kampagne. Flankiert wird sie von Gewerkschaften und Parteien. Als größtes Problem bei der Schließung der Gender Pay Gap nennt die Kampagne den fast dreimal höheren Anteil von Frauen an Teilzeitarbeit, der vor allem aus deren Übernahme von Care-Arbeit resultiere, also der meist unbezahlten Fürsorgearbeit wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Haushalt. Gleichzeitig stellt die Kampagne Lösungsansätze wie die 4-Tage-Woche, Jobsharing und Digitalisierung zur Diskussion.
(
https://taz.de/Equal-Pay-Day/!5993651)
Die Equal-Pay-Day Kampagne (Link oben) und alle, die sich konkret mit dem Thema beschäftigen, sind nämlich längst über Blome hinaus und konzentrieren sich auf diese strukturellen Benachteiligungen. Siehe
"Studien und Fakten".
Und deshalb ist Blomes Kommentar unterkomplex, irreführend und unsinnig.