Es ist wirklich schräg. Jede Menge Unterstellungen, und keine davon wirklich fundiert.
Ich habe aus dem PDF zum Auswahlverfahren zitiert. Natürlich haben die Leute nicht entsprechend der statistischen Verteilung geantwortet. Deshalb wurden ja aus den 2236 Rückmeldungen per reiner Merkmalsverteilung 1000 mögliche Kombinationen von 160 Teilnehmenden gebildet, die jede für sich genau den statistischen Anforderungen entsprechen, was Alter, Bildungsabschluss, geografische Verteilung, vegetarisch/oder nicht betrifft. Davon wurde eine Variante öffentlich ausgelost. Nur die Nummer aus 000 bis 999. Das ist schon ziemlich durchdacht und an der repräsentativen Zusammensetzung der 160 Leute besteht offenbar kein Zweifel. Die Algorithmen sind übrigens öffentlich. Links sind im PDF.
Wie im Einsetzungsbeschluss vorgesehen, unterstützte ein wissenschaftlicher Beirat den Bürgerrat. Der Beirat setzte sich aus elf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anerkannter Hochschulen und Forschungseinrichtungen zusammen, die von den Fraktionen des Deutschen Bundestags benannt wurden. Der wissenschaftliche Beirat beriet den Bürgerrat bei der Auswahl von Expertinnen und Experten und stellte sicher, dass diese fachlich ausgewogen erfolgte. Darüber hinaus gaben die Mitglieder aus wissenschaftlicher Perspektive Rückmeldung zu den Empfehlungsentwürfen des Bürgerrates.
Die Liste dieser Leute ist öffentlich. Ist irgendeine wissenschaftlich seriöse Einrichtung nicht vertreten, die sollte?
Auch die Moderation wurde offenbar nur von - natürlich statistisch ebenso repräsentierten - eher extremen, nicht so mit diversen Gruppen kompatiblen Leuten kritisiert, die in der Diskussion mit den anderen 150 Leuten keine Schnitte hatten. Staudenecker einerseits, einer "mit entgegengesetzten Ansichten" andererseits. Siehe FAZ-Artikel. Einzelne scheinen auch das Prinzip Konsensfindung nicht zu teilen - was eben nicht einfach Meherheitsentscheidung ist. Siehe die Priorisierungswerte, die Begründungen, die Minderheitsvoten, usw.
Es kann übrigens durchaus sein, dass bestimmte Ansichten der Teilnehmenden wissenschaftlich nicht haltbar sind. Das würde ich auch beim Thema Ernährung annehmen. Mythen a'la "ohne Fleisch geht es nicht" oder "der Mensch braucht Kohlehydrate" o.ä. Es ist natürlich unangenehm, wenn die eigenen Glaubenssätze wissenschaftlich nicht haltbar sind und ja, ich kenne durchaus Menschen, die in solchen Fällen eher "Ideologie" oder "Manipulation" annehmen, als die Studien zu überprüfen bzw ggf die bisherigen Annahmen zu korrigieren. Ich meine, es gibt Leute, die die Existenz von Viren leugnen, oder den Klimawandel, oder oder oder. Würde mich wirklich wundern, wenn unter einer repräsentativen Gruppe nicht auch einzelne solche dabei sind.
Und dennoch: Die Empfehlungen sind erstaunlich moderat, oder? Keine Verbote, keine Zuckersteuer, kein "Veggi-Day". Im Gegenteil. Mehr Transparenz und Übersicht, Orientierung an fachlicher Expertise, also DGE. Vor allem für Menschen, die ihr Essen von anderen bekommen, wie in Einrichtungen, Kliniken, etc. Eher gutes Essen wird günstiger über die Mehrwertsteuer, damit mehr Menschen es sich leisten können. Europäisch regionale, insbesondere Bio-Lebensmittel auf 0%. Fleisch der Haltungsformen 3 und 4 günstiger als "Billigfleisch" aus Massentierhaltung. Sogar die Kompensation der Steuereinnahmeausfälle über geringere Gesundheitskosten wurde bedacht.
Aber selbst wenn alle Empfehlungen umgesetzt würden, könnten alle weiterhin alles essen wie bisher. Nix links-grün.
Das klingt schon so, als ob ein repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung in einer strukturierten, zielführenden Diskussion lebbare und eben allgemein konsensfähige Ideen erarbeiten kann. Und darum ging es mir hauptsächlich. Um einen Prozess, der sowohl sach- als auch teilhabeorientiert ist. Der wirklich repräsentativ ist und die Dominanz der lauten, in der Regel unterkomplexen Positionen und Personen so herunter regelt, dass Konsens möglich ist.
Gerade die Konsensfindung zur Zuckersteuer, die schliesslich ohne eindeutige Positionierung, sondern mit differenziertem Statement endete, finde ich äusserst interessant. Kein "Durchsetzen" der einen oder anderen Position, sondern den Dissens offen lassen.
All das finde ich in den Unterstellungen absolut nicht wieder. Keine Reflektion der ganzen
Dokumente, Prozesse, Berichte, sondern nur Bezug auf eine einzelne Person, die dann in ausdrücklich gegen solche Konsensprozesse eingestellten Medien vorgeschoben wurde - ohne stichhaltige Beweise für irgendwelche Parteinahme zu liefern.
Nein, das ist nicht "unendlich viele Zitate anfügen, die eine Meinung bestätigen". Ich beziehe mich auf die offiziellen und öffentlichen Dokumenten des Rats und der Begleitung selber. Nicht auf - ich sag's mal vorsichtig - interessegeleitete oder profitorientierte Medien mit klarer Zielgruppenansprache. Natürlich ist das einfachste, im Zweifel eine große Verschwörung zu unterstellen, die von allen Fraktionen, Expert*innen, Moderation und n-2 gelosten Bürger*innen gedeckt wird. Oder wurden etwa alle ~160 so geschickt manipuliert? Wie glaubwürdig soll das sein?
Es ist desbalb ein bisschen billig, ohne weitere Belege irgendwem Parteilichkeit vorzuwerfen, wenn das von den tatsächlich Betroffenen überhaupt nicht bestätigt wird. Manipulation ist da also keineswegs eindeutig.
Und was das restliche Derailing angeht: Siehe oben. Nichts davon trifft zu. Weder Kosten, noch Verbote, noch Erziehungsmassnahmen. Zu Tode fressen ist weiterhin Privatsache. Bratwurst & Pommes würde bzw wird es weiterhin geben. Weder dies noch anderes würde verboten. Ich frag mich also, wie irgendwer, di*er die Quellen verstanden hat, überhaupt zu solchen Behauptungen kommen kann.