Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de
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Anne-Mette
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Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 1 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Ein paar Gedanken über das Schreiben von trans Autobiografien anlässlich der Neuerscheinung "Frau mit Nebenwirkungen" von Inès Adler.

https://www.queer.de/detail.php?article_id=48587
Marlene K.
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 2 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Ich habe diese tolle Frau Nora Eckert jetzt schon mehrfach erleben dürfen. Sie fasziniert mich zunehmend. Dafür bin ich sehr dankbar.
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Céline
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 3 im Thema

Beitrag von Céline »

Danke fürs Teilen :)
Ich kann das nur bestätigen. Nach den vielen Jahren des Versteckens oder Unterdrückens haben sehr viele das Bedürfnis endlich in die Welt hinauszuschreien : Hier bin ich...
Da nehme ich mich nicht davon aus. Es war eine Befreiung und fallenlassen einer riesigen Last. Zudem Befreit Schreiben die Seele und ich selbst sehe für mich darin eine Therapie
Hier ein Bericht darüber https://schreibenwirkt.de/expressives-schreiben/
Und ich persönlich schreibe sehr gerne, wenn auch nicht mehr soviel weil ich hoffe vielleicht damit einen kleinen Beitrag zu leisten um Anderen ein wenig zu helfen Ihren Weg zu finden.
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag
Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
C.B.
Andrea aus Sachsen
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 4 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Als ich vor einigen Jahren voller Euphorie meine Transition begann, hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, meine Biografie zu schreiben. Ich hielt es für eine gute Sache, etwas von mir der Nachwelt zu überlassen. Wahrscheinlich würden auch Menschen in ähnlichen Situationen aus meiner Geschichte lernen können und wichtige Impulse für ihren eigenen Weg finden.
Doch als sich das Ganze bei mir immer mehr zum Trauerspiel entwickelte, gab ich das Vorhaben auf. So eine Geschichte könnte bestenfalls als abschreckendes Beispiel dienen, was keine(r) lesen möchte.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Helga
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 5 im Thema

Beitrag von Helga »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 25. Feb 2024, 20:05 Doch als sich das Ganze bei mir immer mehr zum Trauerspiel entwickelte, gab ich das Vorhaben auf. So eine Geschichte könnte bestenfalls als abschreckendes Beispiel dienen, was keine(r) lesen möchte.
Liebe Andrea,
beim lesen dieser Zeilen kamen mir spontan zwei Gedanken:
Erstens, ich glaube nicht, dass die Leserschaft deine Vita als Trauerspiel betrachten würde. Und wenn es zweitens in einigen Teilaspekten doch so sein sollte, haben Andere, die sich mit der gleichen Thematik beschäftigen, durchaus das Recht zu lesen, dass es auch Rückschläge und Probleme gibt. Aufgepimpte Erfolgsstorys interessieren niemanden mehr.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
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Malvine
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 6 im Thema

Beitrag von Malvine »

Andrea aus Sachsen hat geschrieben: So 25. Feb 2024, 20:05 was keine(r) lesen möchte.
Bist du dir da wirklich sicher? Schönwetter-Biographien locken keine hinterm Ofen vor...Was andere Menschen interessiert sind Beschreibungen, wie andere, ähnliche Menschen mit den Herausforderungen des Alltags um gehen, wie sie Rückschläge bewerten, welche Abgründe sich auf tun. Wir wissen alle, das Leben ist kein Ponyhof und kein Wunschkonzert, wir müssen es so nehmen, wie es kommt.
Insoweit finde ich es auch etwas schade, dass dein Tagebuch nun im geschützten Bereich angesiedelt ist. Mich würde interessieren, wie es dir inzwischen geht...

Malvine
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Andrea aus Sachsen
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 7 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Hallo Malvine,
ich hatte nicht vor, eine "Schönwetter-Biografie" zu schreiben. Rückschläge gehören zweifellos zum Leben dazu. Doch wenn sich daraus keinerlei Lösungen bzw. Auswege zeigen, ist das nicht nur für mich frustrierend, für andere wäre es kaum hilfreich.
Wenn ich das, was ich zuletzt in mein "Tagebuch" geschrieben habe, in einem Satz zusammenfassen sollte, dann so: Viel versucht, aber nichts erreicht!
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Annette
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 8 im Thema

Beitrag von Annette »

Moin Moin

Das mit dem Schreiben stimmt zu 100%. Da ich selbst sehr gerne und auch viel schreibe, und zudem dazu tendiere meine eigene kleine Geschichte in die Welt hinauszuschreien, ist es naheliegend, dass ich auch beabsichtige, dies zu tun. In der Tat habe ich schon grosse Teile meiner trans Biografie auf Papier, bzw. Festplatte gebannt. Für mich selbst eine sehr schöne Erfolgsgeschichte, denke ich mal... und dann kommt Malvine mit ihrem Beitrag daher...
Malvine hat geschrieben: So 25. Feb 2024, 20:55Schönwetter-Biographien locken keine hinterm Ofen vor...
Tja, liebe Malvine, wo du recht hast, hast du recht! 0815-Blümchenstories möchte niemand haben! Was die Leserschaft braucht, ist Spannung und Dramatik! Einen Plot voller Konflikte und Lösungen dazu. Dies gilt im vor allem im fiktionalen Bereich, aber auch bei Biografien! Kurz gesagt, das Lesepuplikum möchte unterhalten werden. Hinzu kommt, dass es anderen (trans) Lesern eventuell als Inspirationsquelle und als Ansporn dient, die eigene Transition voranzutreiben (bei mir war es jedenfalls so, einst habe ich viele trans Biografien regelrecht in mich hinein gefressen). Kurzum: egal ob Fiktion oder Non-Fiktion, bei einem gelungenem Plot dreht sich viel um Konflikt, Konflikt, Konflikt!

In wie fern betrifft das meine eigene Vita? Um es vorweg zu nehmen, meine gesamte Transition IST eine blumige Erfolgsgeschichte, sie war kurz aber äusserst intensiv, von Leichtigkeit und vielen wundervollen Erfahrungen geprägt. Und nein, ich möchte mich damit nicht brüsten, vielleicht hatte ich einfach nur Glück. War ja auch gut so. Doch könnte solch eine Story als Buch-Plot herhalten? Desöfteren wird mir gesagt: auf jeden Fall! Denn was sei inspirativer als eine Erfolgsgeschichte?! So einfach wird es wohl nicht sein. Zum anderen, so fällt mir gerade ein, verfüge ich dennoch über ein ungeheures Reservoir an Verzweiflung, Frust, Ängsten und Konflikten, mitsamt der damit einhergehenden Dramatik: all die verkorksten Jahre vor Outing und Transition, meine persönliche "Dunkelzeit".

So werde ich mich weiter bemühen, mein (trans) Leben chronologisch zu verfassen, um es zu gegebener Zeit zu veröffentlichen (falls alles richtig läuft). Denn Schreiben empfinde ich als ungeheuer befreiend und es beschert mir eine gewisse Genugtuung.

Im übrigen existiert bereits eine "verkürzte Kurzfassung" (6 A4-Seiten) meines trans Lebenslaufes auf einer Webseite über trans, und ist frei zugänglich... falls das jemand interessieren sollte, einfach fragen, ich schicke dann den Link.

So weit, so gut...
Liebe Grüsse aus Luxemburg

Annette
Jaddy
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Re: Lebensgeschichten Das große Mitteilungsbedürfnis von trans Menschen | queer.de

Post 9 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Ich gebe zu, ich lese bei weitem nicht jede Biografie. Vieles wiederholt sich. Vieles davon gleich traurig. Vielfach die gleichen Einstiege, die gleichen Schwierigkeiten, ähnliche Gefühle davor, während, "danach".

Und dennoch. Es ist toll und wichtig, dass diese Dokumentationen existieren. Denn jede Person trägt ein Teil zum Mosaik bei und kann vielleicht genau die Formulierung, genau den Gedanken liefern, di*er wichtig für eine andere Person ist.

Das können auch Berichte über's Scheitern sein. Auch über Detransition. Aber auch "blumige Erfolgsgeschichten". Gerade wenn es um trans joy geht. Die schönen Teile. Gender euphoria. Partnerschaftsmodelle. Neudefinitionen und andere Blickwinkel, wenn durch oder nach all dem Aufwand Dinge anders herauskommen, als vorher "geplant".

Ich finde es wichtig, dies beizutragen. So viele sind wir nicht. Wir sind darauf angewiesen, voneinander zu lernen. Cis Menschen können vieles nicht nachvollziehen und produzieren dann unpassende Lösungen. Das zeigt die Historie.

Übrigens trans joy und gender euphoria: Ich hab ein paar Bücher dazu auf meiner Platte. Auch zum aufbauen. Zum Beispiel
  • Laura Kate Dale: Gender Euphoria: Stories of Joy from Trans, Non-binary and Intersex Writers, ISBN 978-1-80018-056-7 (paperback), ISBN 978-1-80018-057-4 (ebook)"
  • Eve Greenwood, Alex Assan: When I was me; Moments of Gender Euphoria, ISBN 9781914548093; 80 gezeichnete Panels von 80 Menschen über besondere Momente
  • Freiya Benson: Trans Love, eISBN 978 1 78450 804 3; mit "Someone I love is trans" (L-J) und "What Could Non-Binary Love Look Like?" von Meg-John Barker
  • Ben Pechey: The Book of Non-Binary Joy: Embracing the Power of You, eISBN 978 1 78775 911 4
Und Blicke auch zurück in Rae Spoon, Ivan Coyote: Gender Failure, ISBN 978-1-55152-537-2 (epub). Toller Text "Gender Retirement"

Ich verleihe die auch gerne; DM reicht.
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