Also die Historie geschlechtergerechter Sprache im Deutschen beginnt meines Wissens irgendwo Ende der 1950er, in feministischen Kreisen. Dass die ziemlich intellektuell waren, nunja, irgendwo zwangsläufig, wenn sich Menschen mit Themen beschäftigen, dass sie lesen, was dazu bereits gedacht und geschrieben wurde. Das brodelte dann in den 60ern auch noch durch mehr akademische bzw studentische Kreise, wurde in den 70ern auch mal sichtbar, als Feminismus generell mehr Thema wurde und nahm in den 80ern mit feministischer Linguistik richtig Fahrt auf. Luise F. Pusch ("das Binnen-I"), Senta Trömel-Plötz, Marlis Hellinger als akademische Hauptfiguren, hab ich gelernt.
Wurde und wird seit Beginn immer gleich abgetan von jenen, die nicht betroffen sind -¯\_(ツ)_/-¯
Die von geschlechtlicher Diskriminierung betroffenen Menschen - also ~52% aller - haben übrigens die gleichen Sorgen, wie "die Bürger auf der Strasse". Sie haben bloss noch zusätzliche obendrauf, durch andere Menschen, weil sie keine Männer sind. Darum geht's. Und um die Ignoranz, mit der das abgetan wird.
Übrigens, was ist ein Glossar? "Glossare wurden in der Antike und im Mittelalter ... als Sammlungen erläuterungsbedürftiger Wörter (Archaismen, Dialektwörter, Fremdwörter, siehe Glosse) für das Grammatikstudium und als Hilfsmittel für die Erklärung von Texten (wie Homers und der Bibel) erstellt. ... In der Neuzeit ist ein Glossar im Bereich der Philologie und
Editionstechnik[=Redaktion] meist eine Liste von Wörtern mit sprachlichen Erklärungen, die den Wortschatz eines edierten Textes erschließt." [
Wiki]
In diesem Fall eine Zusammenstellung von
öffentlichten Zitaten von ÖR und anderen Medien rund um die wesentlichen Begriffe des Themas. Finde ich super, das alles mal beisammen zu haben. Vielen Dank für den Link. Manchmal liefern auch unseriöse Quellen sinnvolle Dinge (wenn sie Originale verlinken)
Die Redaktionsleute der ARD werden sicherlich auch sehr glücklich darüber sein. Schliesslich können nicht alle von ihnen auch alle diese Artikel, Begriffe und Symbole kennen und stets aktuell sein. Die Gefahr, bei einem Text oder Bericht etwas zu übersehen, zum Beispiel eine beiläufige Bemerkung einer interviewten Person nicht eingeordnet wird, ist ziemlich hoch bei diesem komplexen Thema.
Gestern habe ich übrigens zufällig die erste wirklich gute Sendung dazu gesehen. "aspekte" ist ja manchmal anstrengend, aber diese Sendung ist meines Erachtens preiswürdig. Sie legt den Fokus weg von den üblichen Bildern auf die meiner Ansicht nach viel zu vernachlässigte Frage. Schaut es euch vielleicht mal an:
"Hummus für den Frieden".
So. Gendern. Ich vermute schon, dass es ähnliche Glossare und Handreichungen auch zum Thema Genderkram gibt. Schon weil auch da kein Redaktionsmensch alle Feinheiten kennen kann. Also was tun, wenn ein Text inhaltlich und stilistisch auf Wahrheit, Klarheit und 1:30 geprüft werden muss und da "genderfluid" steht und keine Ahnung was das heisst? Wo schau ich das jetzt nach, damit ich gerade keinen Shitstorm der einen oder anderen Seite verursache? Und so ist das logischerweise mit all den tausenden Themen neben Nahost und Gendern. Wie kommt denn wohl das weltweit wirklich sehr hohe Qualitäts-Niveau der Nachrichten in D zustande? Warum merken wir schnell, wenn ein Bericht nur hingerotzt und nicht redaktionell gecheckt wurde?
Aber der Punkt ist: Es gibt viele solche Hilfsmittel. Wie gestern beschrieben und im öffentlichen Programm jederzeit sichtbar: Die einzelnen Redaktionen, Sendungen, Formate, Landesanstalten und Regionalprogramme machen es jeweils für sich. Die tagesschau zum Beispiel bleibt bei Doppelnennung. Die heute Redaktion stellt es den Frontleuten frei.
Den Shitstorm gibt es interessanterweise, wenn mal nicht genau Männchen (und vielleicht noch Weibchen) angesprochen werden. Jens Riwa im April 2022: "Guten Abend und willkommen zur Tagesschau" löste einen Medienrummel aus, während andere Redaktionen das schon lange so machen. "Der Traditionsbruch in der Live-Sendung lässt zahllose Zuschauer komplett irritiert zurück" - also komplett irritiert bin ich bei der Tagesschau eher durch die berichteten Ereignisse, aber hey, andere Menschen haben vielleicht eine andere Normalität.
Liebe Leute, ich lebe damit, dass 95% meiner Mitmenschen keine Ahnung haben, welche Probleme ihre Normalität mir zusätzlich macht. Die allermeisten lassen sich nett informieren und bemühen sich dann um ganz normalen anständigen Umgang. So wie das eigentlich sein sollte. Ca 5% wollen mich am liebsten vernichten, so wirklich real. Ein "interessantes Gefühl", wenn ich draussen unterwegs bin.
Sternchen und ob "Damen und Herren" in der Tagesschau weggelassen wird ist wahrlich nicht das größte Problem, denn auch wenn es vielen von euch so erscheinen mag: Alles jenseits von cis, binär, hetero, weiss und nichtbehindert ist gerade in bundesdeutschen Medien deutlich unterrepräsentiert gegenüber der Realität.
Es vermittelt ein deutlich verzerrtes Bild, blendet vieles aus und erzeugt in der Folge ein steigendes Unverständnis jener, die sich darauf verlassen und nichts anderes sehen und hören wollen. Die Realität ist aber da draussen und sieht nur mit mangelndem Kontakt wie eine Verschwörung aus. Leugnen und ranten hilft dagegen nicht.