Sind wir "falsch" oder wertvoll ?
Sind wir "falsch" oder wertvoll ? - # 2

Lebensplanung, Standorte
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 16 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Helga hat geschrieben: Mi 25. Okt 2023, 21:21 Unsere Selbstsicht darf nicht davon abhängig sein, wie andere uns sehen oder sehen könnten.
Da bin ich ganz bei Dir.

Jedoch, Geschlechtsmerkmale sind auch Kommunikation. Wir setzen sie ein, damit andere (und wir selber) uns so sehen, wie wir gesehen werden wollen. Eine Unabhängigkeit von Geschlecht und dessen Merkmalen ist vor diesem Hintergrund gar nicht möglich. Es ist die Bedeutung, die wir dem Geschlecht geben, und damit die Notwendigkeit des Ausdrucks, die für diese Abhängigkeit sorgt.

Wenn ich Dich richtig verstehe, geht es Dir darum, den Zwang zur Übereinstimmung körperlicher Merkmale und dem gefühlten Geschlecht aufzubrechen. Damit bin ich einverstanden. Aber ist es dann nicht ein Widerspruch, dass wir uns darum bemühen, möglichst wenig im Körpergeschlecht aufzufallen ? Warum nutzen wir dann Silikoneinlagen, tragen Damenbekleidung oder decken den Bartschatten ab ? Und das, obwohl viele gar nicht vor die Türe gehen ?

Du hast Recht, eine Trennung von Gefühl und Merkmalen würde uns Leid ersparen. Dann bräuchten wir kein Crossdressing. Wollen wir das wirklich ? Ist nicht gerade der Ausdruck unseres Geschlechtsempfindens wesentlich ? Und ohne Mittel, das auszudrücken, ist das nicht möglich. D.h. in dem wir Geschlechtsmerkmale nutzen, um uns auszudrücken, verbinden wir Geschlechtsmerkmal und Geschlecht. Ich wäre sicherlich nicht glücklicher ohne diese Ausdrucksmöglichkeiten.

Wir performen Geschlecht. Was es aber aus meiner Sicht nicht geben darf, ist eine Wertung der Performance, sondern eine bedingungslose Akzeptanz. Ich denke, das ist auch Deine Kernbotschaft, oder ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 17 im Thema

Beitrag von Patricia »

Helga hat geschrieben: Fr 20. Okt 2023, 20:38
Sophia69 hat geschrieben: Di 17. Okt 2023, 01:22 Aber dennoch macht es vielleicht einen Unterschied, wenn du dich als Frau siehst und den weiblichen Körper als den für dich begehrenswerten empfindest, dann hätte ich mich im Rückblick äußerst ordentlich gefreut, wenn ich an mir herunter schaue und in einem Frauenkörper stecken würde.
Dieser Satz liefert einen wichtigen Anhaltspunkt darüber, was eigentlich falsch ist. Was haben wir im Sinn, wenn wir von Frauenkörper schreiben oder reden? Vermutlich eine 90-60-90 Figur mit schmalen Schultern, breiten Hüften, schlanker Taille, langen Beinen, die in gleichmäßig geschwungener Linie in einen wohlgeformten Po übergehen, einem schlanken Hals, weichen Gesichtszügen mit kleiner Nase, einer Körpergröße von 170cm, Füßen in Schuhgröße 38, Händen in Handschuhgröße 7, einem Busen in Körpchengöße B-C, Haare nur auf dem Kopf, dort aber schön füllig, und natürlich eine Vagina, die allerdings nur sichtbar wird, wenn der Betrachter sich in eine Position begibt, die sehr intimen Beziehungen vorbehalten ist.
Dieser Aussage möchte ich sehr entschieden widersprechen. Ich wünsche mir keinen "perfekten" Frauenkörper. Ich wünsche mir aber zutiefst einen Frauenkörper. Dabei geht mein Wunsch aber nicht nur auf das äußerliche Erscheinungsbild zurück, sondern auch auf die Funktionalität. Egal ob ich mich einer GAOP je unterziehen werde oder nicht, ich werde niemals schwanger sein können. Ja, ich weiß, tausende Frauen können das aufgrund irgendwelcher genetischer Defekte auch nicht, aber die durchschnittliche, nicht "perfekte" Frau schon. Ich beneide so ziemlich jede Frau darum, als Frau geboren worden zu sein. Es geht hier nicht um irgendwelche Klischees, sondern einfach um das Gefühl in mir. Das ist einer der vielen Punkte, welche die Geschlechtsdysphorie bzw. Geschlechtsinkongruenz für mich ausmachen. Es geht darum dass mich ein Mensch anschaut und einfach instinktiv eine Frau wahrnimmt ohne dies bewusst zu entscheiden

Medizinische Behandlung mag nicht für jeden Transmenschen das richtige sein, dennoch ist sie für viele von uns enorm wichtig, denn sie verändert so einiges. Sie hilft uns den Körper an das Gefühl anzugleichen. Das nimmt unheimlich viel Leidensdruck heraus. Sei es die Körperbehaarung, die sich verändert, die Muskelmasse, das Wärmeempfinden, die Gefühlslage, die Fetteinlagerungen und so Einiges mehr.

Sicherlich geht es letztendlich darum sich selbst zu akzeptieren und von Klischees zu befreien, nur finde ich es wichtig Klischees und Geschlechtsdysphorie nicht über einen Haufen zu werfen.

LG
Patricia
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 18 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Helga hat geschrieben: Fr 20. Okt 2023, 20:38 Was haben wir im Sinn, wenn wir von Frauenkörper schreiben oder reden? Vermutlich eine 90-60-90 Figur
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 1. Nov 2023, 22:58 Ich wünsche mir keinen "perfekten" Frauenkörper.
Danke Patricia,

genau so sehe ich as auch. Ich bin ü60 und ich orientiere mich körperlich an Frauen meines Alters und Statur. Ich bin groß, schlank und möchte natürlich auch für mich selber attraktiv sein. Aber eben nicht auf einer klischehaften Ebene. Es ist mir bewusst, dass ich keine 30 Jahre mehr bin und will das auch gar nicht sein.

Was ich allerdings mache, ist experimentieren. Das fehlte mir in meinen jungen Jahren und so habe ich vielleicht auch Kleidung in meinem Schrank, die für eine Frau Ü60 ungewöhnlich ist. MIt der gehe ich aber nicht auf die Straße. Stichwort: Supermini. Das lasse ich mir aber auch nicht nehmen oder schlecht reden.

Es gibt so viele attraktive Frauen in meinem Alter, an denen ich mich orientieren kann. Eine Frau kann in jedem Alter attraktiv sein. Es kommt nur darauf an, mit welchem Weltbild man sie anschaut.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 19 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Do 2. Nov 2023, 06:39 und möchte natürlich auch für mich selber attraktiv sein.
Keine Ahnung ob du wirklich verstanden hast bzw kannst, was Patricia sagte. Es geht dabei nicht um Attraktivität - wie auch immer die in welchem Alter aussehen mag - und auch nicht darum, welches Röckchen man wann, wie tragen kann oder darf. Es geht ihr nicht um Äusserlichkeiten, Attraktivität oder sonstwas eher Oberflächlichem, worüber sich hier gerne unterhalten wird. Patricia hat es schon angeschnitten, es geht um die absolute Sehnsucht einfach nur cis-weiblich zu sein - mit allem, absolut ALLEM was dazu gehört. Schwanger werden können bzw mal sein, ist so ein Wunschtraum. Aber dann natürlich auch mit der Kehrseite dieser Medaille: Regelblutungen mit all ihren Begleiterscheinungen. Es gibt noch so einige Sachen mehr, die ich absolut in Kauf nehmen würde aber das tut jetzt hier nichts weiter zur Sache. Mir geht es hier zu oft nur um die schönen Sachen. Die ganzen negativen Nebeneffekte werden gerne ausgeblendet oder erst gar nicht mitgedacht. Kann auch gar nicht, weil man manchmal erst in diesen Schuhen laufen muss, um komplett zu verstehen - un damit meine ich nicht nur die Stilettos in der Freizeit, für die schönen Stunden.
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 20 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Aria hat geschrieben: Do 2. Nov 2023, 19:12 Keine Ahnung ob du wirklich verstanden hast bzw kannst, was Patricia sagte.
Keine Ahnung, ob Du wirklich verstanden hast, was ich meinte. Mir ging es im Kern um die Frage, ob es "uns" darum geht, den "perfekten" Frauenkörper zu haben. Diese Frage hat Helga aufgeworfen. Ich kenne sehr gut die Sehnsucht, die Patricia beschreibst. Auch mich treiben solche Gedanken um. Mir ging es hier aber auch um eine Relativierung. Auch "Äußerlichkeiten" haben ihre Berechtigung, denn sie wurzeln im Inneren.

Nicht die Kleidung macht die Frau, sondern die Frau macht die Kleidung. Und ich denke, Du unterschätzt die Bedeutung von Kleidung. Sie ist Kommunikation, Selbstdarstellung und individueller Ausdruck. Zu "Oberflächlichem" wird es in dem Augenblick, wenn das alles ist, worüber wir reden. Aber selbst dann hat es seine Berechtigung. Auch die oft geschmähte Erotik hat ihre Berechtigung.

Wir sind alle Menschen mit individuellen Sehnsüchten, Schwerpunkten und Besonderheiten. Das steht bei mir an erster Stelle, wenn mir Menschen begegnen. Ich muss mich ja nicht gemein machen, mit der Sichtweise von ihnen, nur weil sie vielleicht auch ihr Transsein in Form von Kleidung darstellen. Für mich gibt es keine "oberflächliche" oder "ernsthafte" Transmenschen. Es gibt für mich nur Menschen, die ihre Sicht auf die Welt kund tun.

Wenn mir das nicht gefällt, ist das mein Problem. Es gibt eben nicht nur meine Perspektive. Und genau das ist ja das Wertvolle. Darum ging es mir in diesem Strang. Wo ist das Wertvolle, das in uns steckt ? Ein Aspekt: So wie Frauen und Männer individuell sind, sind das auch Transmenschen. Viele sehen im Geschlecht klischeehafte Rollen, unser Beitrag ist in diesem Kontext, das Aufzeigen dieser Klischees, in dem wir sie nutzen, unterlaufen wir diese. Und wenn wir sie unterlaufen, stellen wir uns selber in Frage. Letztlich geht es um die unbeantworteten Fragen, Was ist weiblich, was männlich ? Was macht die Frau zur Frau und den Mann zum Mann ?

Bei der Auseinandersetzung mit dieser Frage stoßen wir auch an unsere eigenen Grenzen. Was ist ein "ernsthafter" Transmensch, was ein "oberflächlicher" ? Ist die Sehnsucht nach einem weiblichen Körper mit allem was dazu gehört der Maßstab. Ist es die Kleidung ?

Wer will das beurteilen und warum sind diese Frage überhaupt relevant ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 21 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 07:20 Letztlich geht es um die unbeantworteten Fragen, Was ist weiblich, was männlich ? Was macht die Frau zur Frau und den Mann zum Mann ?
Hey Vicky..

Gegenfrage: was würde es für die Leben aller bedeuten alle möglichen Parameter exakt an "weiblich" oder "männlch" zu knüpfen?
Was wenn du dann nur einem Parameter nicht entsprichst? Das ist nicht zielführend für ein erfülltes Leben.

Was macht wen zu wem? Ich kann dir sagen, das nicht du das alleine bist, sondern auch was andere über dich denken.
Weil beides einfach valide ist. Selbstbestimmung kann auch eine Überhöhung gegenüber anderen sein.
Was nutzt Selbstbestimmung wenn es niemand sonst so sieht? Wäre das nicht Egoismus?

Jemand mag dich, jemand mag dich nicht. Auch damit muss man klar kommen. Du - andere Person.

Unterm Strich lebe ich lieber, bevor ich mein Leben an Fragen aufhänge die niemand je beantworten kann.
Denn Zeit ist in einem Leben endlich.

Alles Liebe Marie (flo)
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 22 im Thema

Beitrag von Laila-Sarah »

Hallo,

hier Mal ein Gedankenexperiment von Anne-Mette, was mir damals sehr geholfen hat. Jede Mal ein paar Stunden Kopfkino mit diesem Szenario:

Angenommen ihr lebt in einer Welt wo ihr der einzige Mensch seit. Keine anderen Menschen. Keine Referenzen, Aufzeichnungen, nichts. Sagen wir mal ihr habt irgendwelche Roboter als Gesellschaft und Tiere.

In dieser Welt. Wärt ihr mit eurem Ich oder eurem Körper unzufrieden? Hattet ihr OPs nötig? Würdet ihr Veränderung wünschen?

Ganz ehrlich nachdenken und antworten. Und als Umkehrschluss: ist euer eigentliches Problem mit eurem Körper oder selbst? Oder mit der Gesellschaft? Oder besser gesagt mit der Akzeptanz in der Gesellschaft?

Hat mir damals sehr geholfen. Vielleicht hilft es euch auch weiter.

LG
The trick is to keep breathing

I have big dreams and a small world in between
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 23 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

EmmiMarie hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 13:23 Gegenfrage: was würde es für die Leben aller bedeuten alle möglichen Parameter exakt an "weiblich" oder "männlch" zu knüpfen?
Was wenn du dann nur einem Parameter nicht entsprichst? Das ist nicht zielführend für ein erfülltes Leben.

Vielen Dank für Deine Anregungen.

Meine Fragen sind nicht ohne Grund unbeantwortet, da es Fragen sind, die aus den unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können. Und da kommt es auch zu Widersprüchen. Dem kann man aus dem Weg gehen oder sich damit beschäftigen. Wo wären wir heute, wenn man sich nicht mit den schwierigen Fragen beschäftigen würde ?
EmmiMarie hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 13:23 Jemand mag dich, jemand mag dich nicht. Auch damit muss man klar kommen.
Ja und nein. Was andere denken ist für mich zunächst sekundär. Als erstes betrachte ich mich selber und wie ich mit mir klar komme. Aber wie komme ich damit klar, wenn mich andere nicht mögen ? Hier sehe ich die prinzipielle Gefahr, dass man sich unter die Knute der Fremdbestimmung begibt, in dem man sich nach den Wertvorstellungen anderer richtet.

Bleiben wir bei den Parameter.
Da sind biologische Gegebenheiten. Die sind nachprüfbar und in meinem Fall eindeutig.
Da sind gefühlte Gegebenheiten. Die sind nicht nachprüftbar und in meinem Fall nicht eindeutig, aber mit starkem Übergewicht in eine Richtung.

Diese beiden Gegebenheiten stehen in einem Widerspruch. Wie kann ich mich hier nach der Meinung von Dritten richten ? Damit muss ich selber klar kommen. Für viele Transmenschen liegt mMn hier das Drama, weil Menschen in erster Linie das glauben, was sie sehen. Aber wie kann ich andere Menschen von meinem Gefühl überzeugen, wenn ich sie nicht damit konfrontiere ?

Und da sind eine Mege Talente, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Diese sind mehr oder weniger geschlechtlich konnotiert. Das sind aber gesellschaftliche Konstruktionen, die keineswegs Allgemeingültigkeit besitzen, sondern von vielen Randbedingungen abhängig. Sie taugen nicht für eine geschlechtliche Einordnung, obwohl das immer wieder versucht wird. Ich bin eine Konglomerat dieser "Parameter". Soll ich meine Qualitäten einer gesellschaftlichen Konstruktion unterwerfen, damit mich andere mögen ? Oder mag ich mich lieber selber und finde so die Menschen, die mich wirklich mögen ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 24 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:51 Wo wären wir heute, wenn man sich nicht mit den schwierigen Fragen beschäftigen würde ?

Hey Vicky...

ich verstehe dich. Schau, es ist für mich nicht der Ansatz, das ich mich mit allen "schwierigen" Fragen beschäftigen muss.
Ich nehme eine Frage wahr, ist nicht die richtige Zeit dazu lasse ich sie ziehen, das hält meinen Geist reiner und unbelasteder.
Und das find ich schick.

Vielleicht hilft mir das auch dabei weiter, wenn mich jemand nicht mag, das belastet mich wenig und zumeist hilft es mir
auch nicht nachtragend zu werden. Denn das gibt mir Unfrieden.
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:51 Aber wie komme ich damit klar, wenn mich andere nicht mögen ? Hier sehe ich die prinzipielle Gefahr, dass man sich unter die Knute der Fremdbestimmung begibt, in dem man sich nach den Wertvorstellungen anderer richtet.
Genau, wie ich vorher schrieb, es belastet mich nicht. Deswegen bin ich aber nicht fremdbestimmt, ich bin sogar frei davon.
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:51 Diese beiden Gegebenheiten stehen in einem Widerspruch. Wie kann ich mich hier nach der Meinung von Dritten richten ? Damit muss ich selber klar kommen. Für viele Transmenschen liegt mMn hier das Drama, weil Menschen in erster Linie das glauben, was sie sehen.
Das ist der Punkt, sie dürfen glauben was sie denken zu sehen, das deren Selbstbestimmung, das können die dir nicht und du ihnen nicht absprechen
sonst hast du ein Ungleichgewicht.
Das heisst auch nicht, das du dich danach richtest sondern andere als valide Personen annimmst.
Werde ich als Frau erkannt, sag ich ja auch nicht "hey, ich bin aber trans* achte da drauf", da bin ich still und freu mich einfach.
Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:51 Und da sind eine Menge Talente, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Diese sind mehr oder weniger geschlechtlich konnotiert. Das sind aber gesellschaftliche Konstruktionen, die keineswegs Allgemeingültigkeit besitzen, sondern von vielen Randbedingungen abhängig. Sie taugen nicht für eine geschlechtliche Einordnung, obwohl das immer wieder versucht wird. Ich bin eine Konglomerat dieser "Parameter". Soll ich meine Qualitäten einer gesellschaftlichen Konstruktion unterwerfen, damit mich andere mögen ? Oder mag ich mich lieber selber und finde so die Menschen, die mich wirklich mögen ?
Bei dem letzten Satz bin ich vollkommen bei dir, das wäre optimal.

Sag ich ja, du musst dich gar nichts unterwerfen, andere aber eben auch nicht. Du bist wie du bist eine valide Person, andere aber auch.
An der Stelle kann ich nur mal wieder den Prof zitieren der die Leitung in meiner psychosomatischen Klinik hatte, er sagte
"ab, raus ins Leben"

Alles Liebe Marie (flo)

/edit
grade ist mir eine Begebenheit mit einem lieben Kollgen zuletzt eingefallen.
Ich sage so beiläufig "sorry, wenn ich manchmal so "männliche" Verhaltensweisen an den Tag lege" er dann "wenn du damit klar kommst,
ist das für mich völlig okay". Er weiss nicht das ich trans* bin, kurz danach sind wir nochmal über das Thema gestolpert und ich habe
ihm ein paar Dinge über den Umgang mit Transgeschlechtlichkeit nahe gebracht da kam dann die Frage "aber du bist doch eine Frau?"
Ich habe nichts gesagt, denn ich hab noch was mit ihm vor (he)
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 25 im Thema

Beitrag von Aria »

Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:44 Angenommen ihr lebt in einer Welt wo ihr der einzige Mensch seit
Das habe ich schon so oft gehört und ist für mich immer wieder total irrelevant, da ich dann ja auch nicht der Mensch wäre der ich bin. Ich wäre ein Wesen ohne Geschlecht, das wahrscheinlich noch nicht mal menschlich aussehen würde und sonst absolut nichts mit meinem jetzigen Ich gemein hätte. Wie passt denn die Frage danach überhaupt noch zu dem, worum es dem Ersteller bei diesen Gedankenexperiment geht? Nichts. Von daher brauche ich mir diese Frage gar nicht stellen.

Ich lebe im Hier und Jetzt und wenn es mir mit meinem Sein, das auf dieses Leben geeicht ist, nicht gut geht, dann brauche ich nicht hinterfragen, wie es wohl auf Alpha Centauri wäre. Denn das würde mir hier absolut nicht weiterhelfen. Was mir hilft, habe ich erfahren, indem ich ausprobiert und für gut befunden habe. Hätte ich das nicht, hätte das kein gutes Ende genommen. Wem aber so ein Gedankenexperiment nützt, dem möchte ich gratulieren, denn dann ist es einfach nicht so, wie derjenige zuerst gedacht hat.
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 26 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 07:20 Und ich denke, Du unterschätzt die Bedeutung von Kleidung.
Ääh.....no....aber das führt hier jetzt zu weit.

Ausserdem kommt hier für mich kein erkennbarer Mehrwert bei dieser Diskussion raus.
Wenn du für dich wertvoll bist, warum denn dann immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema? Immer wieder hinterfragst du, stellst Theorien auf und zerdenkst das Thema bis ins kleinste Detail, ohne wirklich zu einem Schluss zu kommen. Warum lässt du nicht einfach mal alles gut sein und lebst drauf los?
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 27 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Aria hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 18:28 Warum lässt du nicht einfach mal alles gut sein und lebst drauf los?
Weil ich das so will und weil ich nicht alleine auf der Welt bin ...

Gegenfrage: Warum reagierst Du denn auf meine Posts, wenn da kein Mehrwert für Dich drinsteckt ?
Viele Grüße
Vicky

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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 28 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Vicky_Rose hat geschrieben: Sa 4. Nov 2023, 14:14 Weil ich das so will und weil ich nicht alleine auf der Welt bin ...
Hey Vicky...

du ordnest dich jetzt aber sicher nicht der Allgemeinheit unter und lässt dich fremdbestimmen, oder?
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 29 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Laila-Sarah hat geschrieben: Fr 3. Nov 2023, 14:44 Angenommen ihr lebt in einer Welt wo ihr der einzige Mensch seit. Keine anderen Menschen. Keine Referenzen, Aufzeichnungen, nichts. Sagen wir mal ihr habt irgendwelche Roboter als Gesellschaft und Tiere.

In dieser Welt. Wärt ihr mit eurem Ich oder eurem Körper unzufrieden? Hattet ihr OPs nötig? Würdet ihr Veränderung wünschen?
Damals: Unzufrieden. Mit genau den Features, die ich inzwischen hab ändern lassen.
Aus ästhetischen Gründen. Dinge die für mich einfach eklig aussehen oder sich anfühlen (bei mir und anderen) und die ich deshalb nicht an mir haben möchte/mochte.
Und zusätzlich gab/gibt es einzelne und den Gesamteindruck, die bei anderen sofort und unverrückbar eine geschlechtlichde Deutung auslösen, die ich auch nicht haben möchte.
Es ist also eine Misch-Motivation; reine Eigenwahrnehmung plus Reflektion durch andere.

Alles davon sind valide Gründe. Auch ein simples "weil es mir nicht gefällt" oder "ich will anders wahrgenommen werden".
Es gibt keinen Grund, sich mit irgendetwas abzufinden. Auch nicht mit der Umwelt. Richtig ändern können wir aber nur uns selbst.
Ob und was eins dagegen tut, ist dann rein persönliche Entscheidung.
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Re: Sind wir "falsch" oder wertvoll ?

Post 30 im Thema

Beitrag von Sophia69 »

Hallo zusammen,
falls ich es richtig verstanden habe, geht es Vicky Rose hier in diesem Thread darum, wie wir uns selbst sehen, als falsch (also mit irgendwelchen Mängeln behaftet) oder als wertvoll (wir sind gut, wie wir sind).
Meiner Meinung nach lässt dies nur Beiträge zu, in denen jede Person mit uns allen teilt, was sie dazu denkt, wie sie diesen Sachverhalt für sich sieht. Amüsant finde ich immer wieder, wie die eigene Auffassung zu diesem Thema genutzt wir, als Angriff (Zickerei) auf "anders Denkende". Toleranz, wie sie wir für uns einfordern, sollten wir vielleicht als erstes einmal unter uns praktizieren. Nun aber genug des gehobenen Zeigefingers meinerseits :lol: .
Zurück zum Thema: Um glücklich weiter zu leben, kann ich mich froh schätzen, dass ich mich zunächst einmal so annehme (auch körperlich) wie ich bin. Klar arbeite ich hier auch, wenn frau es nüchtern betrachtet, mit einigen Tricks der Selbsttäuschung, die ich weder für schlimm empfinde, noch für unangebracht. Da, zum Glück die Geschlechtsorgane von Männern und Frauen einen beträchtlichen Anteil an Übereinstimmung bzw. entwicklungsgeschichtlichen Parallelitäten aufweisen kann ich meinen Penis als Vagina deuten beziehungsweise annehmen. D.h.z.B., dass ich in der Fantasie als Frau mit meiner Frau Sex habe. Genauso bedeutet dies aber auch, dass ich nackt mit ihr im Bett liege und die meiste Zeit den Penis zwischen den Beien nach hinten einklemme, damit ich mich als Frau wohl fühle. Wenn es jetzt eine Fee gäbe, die mir anbieten würde, mich in eine cis Frau zu verwandeln, so würde ich keinen Bruchteil einer Sekunde zögern!
Ambivalent ergibt sich hieraus, dass ich auf der einen Seite mich annehmen kann so wie ich bin und mich auch als wertvoll empfinde, aber auf der anderen Seite ich, wie schon in einem Beitrag zuvor geäußert wurde, im Prinzip auf jede cis Frau neidisch bin, weil ich am liebsten auch eine wäre. Dies ist nicht so zu verstehen, dass ich es den anderen Frau nicht gönne (im Bezug auf den Neid) Frauen zu sein, sondern am liebsten eine von ihnen wäre.
Natürlich erschließt sich hier raus auch ein "besonderer Blick" auf die GaOP. Hierzu kann ich aber auch nur sagen, das muss jede mit sich selbst ausmachen, da helfen wenig oder gar nicht, gut gemeinte Tipps, denn wie wir alle wissen, gut gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße.

In diesem Sinne Wünsche ich uns allen, dass wir mindestens zufrieden, wenn nicht sogar glücklich werden, beziehungsweise bleiben.
Sophia
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