Laila-Sarah hat geschrieben: Do 26. Okt 2023, 12:53Ob das so klappt mit der Akzeptanz ?
So im Rückblick auf diverse Emanzipationsbewegungen, nicht nur queere, wird Akzeptanz über die Zeit sowohl durch "Normalisierung" erzeugt, also alltäglichen Kontakt, als auch durch ein paar schrille Ränder. Beides ist nötig. Im LSB-Spektrum zum Beispiel Alfred Biolek
und Hella von Sinnen, Cornelia Scheel
und Dirk Bach. Auch Aktionen wie Rosa von Praunheims Fremdouting, so problematisch und zu kritisieren es war. Aber auch die sehr gesittete Aktion Standesamt von 94 usw.
Gerade die schrillen Aktionen dehnen den Möglichkeitsraum, den "wir andere" dann nutzen können. Das beobachten wir ja leider auch bei den queer-feindlichen Kräften: Verschiebung des Diskursfenster ("Overton-Window"), Normalisierung des vorher unsagbaren. Forschung zeigt (müsste ich raussuchen), dass neue Normalität nicht ohne schrille Vorarbeit funktioniert. Von "Stonewall was a riot" bis zu "CSD ist doch nur Party".
Mir ist schon klar, dass es für eher un-schrille Betroffene manchmal schwer auszuhalten ist, mit "denen" in Verbindung gebracht zu werden. Solche Fremdschäm-Momente hatte ich auch schon und ich wurde auch schon in Diskussionen verwickelt, in denen ich "die" irgendwie rechtfertigen sollte. Letztlich lief es aber darauf hinaus, dass "die" weiterhin "die schrillen" blieben und ich "das normale Wesen von nebenan".
Philosophisch betrachtet, finde ich es wichtig, sich nicht pauschal von "denen" abzugrenzen. Weder nach aussen, noch in den eigenen Gedanken. "Die" sind nicht so viel anders. Nur etwas weiter jenseits des eigenen Tellerrands und damit stellen sich zum Beispiel wunderbare Fragen nach Legitimität, die auch grundsätzliche Fixpunkte für Diskussionen liefern können. Ich hätte da eine interessante Episode zum Thema "Kannibale von Rotenburg"...
Im Grundsatz fordern "die" die gleichen Rechte wie "wir" ein. Damit meine ich nicht genau diese Sache mit den Gloryholes, sondern die Frage, in wie weit LSBTIQIA+ real sichtbar sein darf, was gesagt werden darf, was von der Normgesellschaft tabuisiert wird.
Zugespitzt: Was unterscheidet die Installation von Gloryholes vom Aufhängen von Kondom-Automaten? Vor 40 Jahren hätte beides ähnliche Aufregung erzeugt - nachdem der Begriff Gloryhole erklärt worden wäre. Dann kam HIV und
"TINAAAA, WAS KOSTEN DIE KONDOME?". Heute wird für safer sex geworben und natürlich werden Kondome auch in der Uni benutzt und nicht nur in den Studi-Buden. Offizielle Gloryholes sind also aus meiner Sicht ein spitzbübisch gewähltes, nicht wirklich ernst gemeintes Thema, dass Queerness in der Uni normalisieren kann. Je weniger sich darüber aufgeregt wird, desto lockerer wird es abgebügelt. Danach kommen dann zB die kostenfreien Menstruationsprodukte und Hygieneeimer auf
allen Toiletten, usw. Also "die normalen" Dinge.