Transsexualität und Politik
Transsexualität und Politik - # 2

Lebensplanung, Standorte
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3889
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1028 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 16 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Hi Wally,

in Teilen kann ich deinen Worten folgen, bei anderen bin ich genau der entgegen gesetzten Meinung. So z.B.
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:00 Ich fürchte, dass schon die heute erreichte Mainstream-Haltung zu einem gewissen Teil gar nicht von echter, gelassener Toleranz, sondern eher von ängstlicher Verkrampfung geprägt ist.
Ich habe eher den Eindruck, dass die Verkrampfung auf einer ganz anderen politischen und gesellschaftlichen Ebene liegt. Es schätzungsweise damit zu tun, was man sehen will.
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:00 Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir die uns aktuell erwiesene Toleranz auch mal anerkennen und uns der Gesellschaft dankbar dafür zeigen.
Man könnte auch sagen, dankbar für etwas, was selbstverständlich ist ? Aber ich bin dankbar, dass die Gesellschaft bereit ist, sich zu verändern und dass die Repressionen geringer geworden sind.
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:00 Aber wenn wir uns - in einer Situation, in der es uns doch tatsächlich so gut geht wie nie zuvor - immer noch weiter zum "Opfer" stilisieren und paranoid Front gegen angebliche Transen-Hasser machen, dann wird das Pendel der so erpressten "Toleranz" irgendwann auch wieder zurückschlagen und die Diskriminierung zur self-fulfilling prophecy werden.
Auch hier sehe ich das anders. Wie sehr stilisieren wir uns zum Ofer ? Tatsache ist, dass die Übergriffe, die heute gezählt werden, längst wieder steigen. Das hat zwar unterschiedliche Gründe, aber sie sind existent und zwar in teilweise perfider Art. Ich habe noch keine Übergriffe persönlich erlebt, aber mein Opferdasein liegt darin, dass ich mich nur begrenzt zeige. Hierfür bin ich tatsächlich selber verantwortlich. Hintergrund sind aber die befürchtete Missachtung. Ist das wirklich nur Einbildung ?

Die von Dir angesprochene "erpresste Toleranz" ist in einem langen Prozess von vielen erkämpft worden. Von sich aus bewegt sich die Gesellschaft nicht oder in die falsche Richtung. Die Frauenbewegung oder die Freiheiten in unserem Land sind deutliche Beispiele. Diese gilt es immer wieder zu bewahren und auf Missstände aufmerksam zu machen, denn der Backlash ist bereits in vollem Gange. Und die Quellen hierzu liegen sicher nicht in der Gesellschaft im Allgemeinen, sondern an verschiedenen agitierenden Gruppen. Das ist keine "selfullfilling prophecy", sondern ein aktiver Angriff auf unsere Rechte. Wie sagte schon Karl Popper ? Keine Toleranz für Intoleranz.

Der Punkt ist für mich folgender: Ich bin in meiner Art für niemanden eine Gefahr oder eine Einschränkung. Andere mischen sich aber jenseits ihrer Person in meine Angelegenheiten. Das ist für mich nicht hinnehmbar und es für mich unerträglich, wenn ich dadurch als ein Mensch gesehen werde, der
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:00 paranoid Front gegen angebliche Transen-Hasser
macht.

Sorry Wally, das sind für mich verdrehte Schainargumente.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3970
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1227 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 17 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Errm, also "so gut wie nie zuvor" ist noch lange nicht "genauso gut wie cis(-bin) Personen". Übrigens auch für non-hetero Menschen nicht. Obwohl seit Wowereits "und das ist auch gut so" und vielen positiven Anstrengungen schon viele Jahre vergangen sind. Ein Blick zu queer.de, zum LSBTI-Monitoring oder simpel in eher "konservative" Medien reicht.

Übrigens jene Medien, die das Wort "woke" zum Schimpfwort machen. Machen wollen. Weil es Teil einer anti-queeren Haltung ist, die möglichst viel nicht-cis, nicht-hetero aus ihrem Umfeld draussen haben wollen. Ausgrenzen, unsichtbar machen, verdrängen. Und meist auch nicht-"urdeutsches", nicht-weisses, usw.

"Woke" ist entstanden(1) mit der Bedeutung "ich erkenne, dass gesellschaftliche Strukturen, in denen ich lebe, bestimmte Menschen aufgrund von willkürlichen Merkmalen benachteiligen". Ohne Not, ohne sinnvolle Begründung, just because (aka "weil ich's kann"). Woke bedeutet, sich im Bewusstsein dieser Realität besser zu verhalten, es nicht mehr zu tun, obwohl ich's könnte, und vielleicht sogar aktiv etwas gegen diese Diskriminierungen zu tun.

Natürlich ist "Wokeness" anderer für Menschen am anstrengendsten, je unbeschwerter und einfacher ihr Leben mit den Diskriminierungen ist, statt dass sie immer wieder darauf hingewiesen werden, dass die Betroffenen sich das nicht länger gefallen lassen.

"Woke" ist wie "Gutmensch" so ein Wort, dass eigentlich gar nicht umgewertet werden kann. Ausser ein Mensch will eben nicht nett und respektvoll sein. Das muss nicht aktiv feindlich mit gefestigtem zB rassistischen oder queer-feindlichem Weltbild sein. Einfache Ignoranz reicht.

Nicht "woke" sein zu wollen heisst mindestens, ausdrücklich die Diskriminierungen anderer Menschen zu ignorieren. "Anti-woke" gar, diese Diskriminierungen aktiv beibehalten zu wollen. Keine Ahnung, welcher Mensch sich so verorten und gleichzeitig zu "den Guten" zählen kann.

Im Vergleich mit den realen Diskriminierungen ist der Standpunkt zB von trans Gruppen doch eher lahm. Kein Mensch fordert Bevorzugung oder Priorität. Nur gleiche Teilhabe. Das gilt sogar für das "Paradestück" (Doro Bär), das SelbstbestimmungsGesetz. Da ist nichts, was cis-bin Personen irgendetwas wegnehmen oder sie einschränken würde - ausser dass "wir" uns keine Gewalt und keine Beleidigungen mehr gefallen lassen. Am besten wäre, wenn es wirklich keine Rolle spielte, ob Menschen trans und_oder nichtbinär sind, sondern in den 99% aller Bereiche, in denen das überhaupt keine Rolle spielt, einfach wie alle anderen auch behandelt würden, sprich: Eben gerade nicht markieren (als Ausnahme).

Dsa ist nun wirklich keine überzogene Forderung. Einzig einige anti-queere Kanäle stellen es so dar.

Ich verstehe, dass etliche bisher Unbedarfte zu Anfang etwas Nachhilfe brauchen. Das lässt sich aber in fünf Minuten erlernen. Wie frage ich respektvoll, welche Fragen lasse ich besser (vor allem im Beisein Dritter), aus welchen Sachen sollte ich mich raus halten. Hat sich bisher in 99% der Fälle mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten schnell klären lassen.


(1) USA, schwarze Bürgerrechtsbewgung der 19050er.
Lavendellöwin
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3224
Registriert: Do 6. Sep 2018, 15:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen:
Hat sich bedankt: 485 Mal
Danksagung erhalten: 796 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 18 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Hmmm...

tja, ähm...

links, rechts, rot, blau, Zirkus Maximus, Spiele fürs Volk...ich glaube Jesus hat sich zu Lebzeiten schon darüber gelangweilt.

Was soll das Ganze denn? Ich kann das wirklich nicht mehr. Vieles davon ist einfach nur profilieren auf Kosten anderer
und das schadet allen, weils unterm Strich völlig unlogisch ist, Energie und Luft zum Atmen verschwendet.

Was nötig ist, damit sich wirklich mal alle auf gleicher Höhe begegnen können, Fortschritt schaffen können,
ist diese Dinosaurier endlich sterben zu lassen.
Mal ehrlich jede ausserirdische Wesenheit die hier auftauchen könnte, aber in sich aus einem Guss daher kommt
würde sich über uns schlapplachen. Das ist einfach nur....doof. Nicht mehr nicht weniger.

Ich habe einen Kollegen der ist halb Italiener und halb Saudi-soll der sich jetzt für Spaghetti oder Koran entscheiden?
Das das keinen Sinn macht, sollte jeder Person einleuchten.

Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Wally
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 700
Registriert: Fr 7. Sep 2018, 23:37
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Hurlach
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 190 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 19 im Thema

Beitrag von Wally »

Vicky_Rose hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:41
Der Punkt ist für mich folgender: Ich bin in meiner Art für niemanden eine Gefahr oder eine Einschränkung. Andere mischen sich aber jenseits ihrer Person in meine Angelegenheiten. Das ist für mich nicht hinnehmbar und es für mich unerträglich, wenn ich dadurch als ein Mensch gesehen werde, der
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 14:00 paranoid Front gegen angebliche Transen-Hasser
macht.
Liebe Vicky,

Mit der paranoiden Front gegen angebliche Transen-Hasser warst gerade Du persönlich in diesem Forum am allerwenigsten gemeint - und ich denke, Du weißt das auch (moin)

Ich selber lebe aktuell seit zweieinhalb Jahren konsequent NUR noch in der weiblichen Rolle, mit Rock, Pumps, Bluse und Ohrhängern - aber trotz meiner Halbglatze OHNE Perücke: also wirklich für Jedermann auf den ersten Blick als Trans-Person erkennbar.

Wo ist da jetzt, bitte, die Intoleranz? Natürlich wird es sie gelegentlich - in Form verborgener Aversionen - noch geben. Mir selber gefällt auch nicht jedermanns Nase... Aber die Leute haben mir in diesen zweieinhalb Jahren NULL Intoleranz signalisiert, wirklich in KEINEM EINZIGEN Fall - und darauf kommt's doch wohl an. Weniger als null gelebte Intoleranz geht einfach nicht. Ich staune immer noch jeden Tag von Neuem darüber.

Und nein: das ist alles andere als selbstverständlich. Ich bin selber noch in einer strikt dualgeschlechtlichen Welt aufgewachsen und habe in den ersten Transsexuellen-Selbsthilfegruppen mühsam zu mir gefunden, die diesen Dualismus noch beinhart verinnerlicht hatten und gegenüber allem, was wir heute unter "transgender" verstehen, selber noch zehnmal intoleranter waren als heute jede beliebige Horde von Glatzköpfen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie sich auch mir beim ersten Anblick klar erkennbarer Transen der Magen umdrehte... Es war ein langer, steiniger, mühsamer Weg, mich von all diesen überkommenen Wert- und Moralvorstellungen zu emanzipieren. Dass diese Gesellschaft in ihrer Gesamtheit inzwischen so sehr über ihren eigenen Schatten gesprungen ist, das ist m. E. ihre beachtlichste Leistung überhaupt; noch vor 20 Jahren hätte ich das für unmöglich gehalten.

Selbstverständlich hat Popper recht mit seinem "keine Toleranz der Intoleranz" - in der Theorie. Popper war der größte aller Theoretiker; das sage ich anerkennend, nicht als Kritik! Dieser wissenschaftstheoretische Satz hat im heutigen Denken sehr zu Recht etwa denselben Stellenwert wie ehemals die "Sünde wider den Geist" bei den alten Kirchenlehrern.

Aber in der Praxis gilt es auch noch Anderes zu beachten: z. B. die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Sonst wird aus dem redlichsten Menschen nur allzu schnell ein Michael Kohlhaas.
Herzliche Grüße
Wally
Wally
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 700
Registriert: Fr 7. Sep 2018, 23:37
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Hurlach
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 190 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 20 im Thema

Beitrag von Wally »

Jaddy hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 15:22 Errm, also "so gut wie nie zuvor" ist noch lange nicht "genauso gut wie cis(-bin) Personen".
Hallo Jaddy,

Die Forderung "Es muß mir als Transperson genauso gut gehen wie allen Anderen" ist schlicht unrealistisch: es KANN nicht allen gleich gut gehen. Die "Normalos" können schließlich nix dafür, dass ich wegen einer angeborenen Veranlagung mein halbes Leben lang mit meinem eigenen Körper auf Kriegsfuß stand und deshalb ebenso lange auch keine Chance auf eine funktionierende Partnerschaft hatte - genauso wenig, wie ich dafür kann, dass es querschnittgelähmte Menschen gibt. Ich muß deswegen auch nicht bei jeder Bergtour ein schlechtes Gewissen haben... Es hat halt Jeder sein persönliches Päckchen zu tragen. Und dass man mir wegen meiner Identität willkürlich und unnötig das Leben schwer machen würde, das ist einfach nicht der Fall. Nicht mehr. Das war mal, ist lang her.

Noch ein Wort zu "woke": Nix gegen moralische Werte - aber alles gegen deren Verabsolutierung. Wer sich all die - teils aus erschütternder Unkenntnis, Naivität und Einseitigkeit generierten - Werturteile und Moralvorstellungen persönlich zueigen machen möchte, die heute unter dem Sammelbegriff "woke" aus Amerika rüberschwappen: bittesehr, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Der Punkt ist, dass "woke" mit dem Anspruch daherkommt, ALLEN Menschen dieses - in meinen Augen groteske - pseudomoralische Korsett überzustülpen. Diese übergriffige Intoleranz macht "woke" zu irgendwas zwischen einer aggressiv missionarischen, religiösen Sekte und einer totalitären Ideologie. Und genau deshalb wird "woke" auch bei all denen zum Schimpfwort, die sich davon zu Recht aggressiv und autoritär überfahren fühlen. Mit Sprache beschreibt immer noch das Volk seine Sicht der Realität - erst recht dann, wenn Linke wieder mal glauben, dem Volk mittels autoritärer Sprachvorschriften eine andere Realität aufzwingen zu können.

Ansonsten kommen wir beide aus völlig unterschiedlichen Denkwelten. Ich versuch's erst gar nicht, das aufzudröseln (smili)
Herzliche Grüße
Wally
Jaddy
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3970
Registriert: Fr 24. Okt 2014, 21:38
Geschlecht: a_binär / a_gender
Pronomen: en/en/ens
Wohnort (Name): nahe Bremen
Hat sich bedankt: 280 Mal
Danksagung erhalten: 1227 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 21 im Thema

Beitrag von Jaddy »

Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 18:00 Die Forderung "Es muß mir als Transperson genauso gut gehen wie allen Anderen" ist schlicht unrealistisch: es KANN nicht allen gleich gut gehen. Die "Normalos" können schließlich nix dafür, dass ich wegen einer angeborenen Veranlagung mein halbes Leben lang mit meinem eigenen Körper auf Kriegsfuß stand und deshalb ebenso lange auch keine Chance auf eine funktionierende Partnerschaft hatte
Danke für die Gelegenheit, das hier noch mal zu erklären. Gleichstellung und gleiche Rechte heisst nicht Gleichmacherei. Das wird häufiger mal verwechselt.

Es bedeutet, dass Menschen nicht ohne Not zusätzliche Steine in den Weg gelegt werden, mit denen andere - cis, etc - nicht zu kämpfen haben.

Also zum Beispiel den Job, die Wohnung, etc nicht zu kriegen weil du trans bist. Bei jedem Schwimmbadbesuch, jeder öffentlichen Toilette die berechtigte Sorge vor Diskriminierung zu haben weil du trans bist und insbesondere bei jedem Sport-Wettbewerb etc praktisch keine Chance zu haben weil du trans bist. Es gibt eine lange Liste. EIn paar Punkte habe ich hier aufgeführt und meine cis-Freudys sind in der Regel mittelmässig perplex, während meine trans- und insbesondere nichtbinären Freundys suefzend mit den Achseln zucken. Ich komme auf sechs von einunddreissig Punkten, die mich nicht betreffen, bzw die ich noch nicht erlebt habe.

Freut mich, wenn dich davon nichts betrifft oder noch nicht oder es dich nicht berührt. Da bist du im Vergleich zu anderen trans Personen offenbar gut dran. Ich könnte auch sagen privilegiert, denn genau das heisst es: Diese zusätzlichen Hürden betreffen dich nicht. Zum Beispiel, weil du binärgeschlechtlich bist. Weil du nicht mehr im Arbeitsleben bist. Weil du in deinem Umfeld keine transfeindlichen Menschen (mehr) hast (oder sie ihre Ansichten nicht dir gegenüber ausagieren) usw.

Also wie gesagt: Diese Diskriminierungen existieren, auch wenn du sie nicht wahrnimmst. Sie sind unfair, willkürlich, unnötig und zum Teil systematisch bzw strukturell. Dazu gibt es reichlich Studien. Nicht nur für trans Personen, sondern auch <insert lange Liste von diskriminierten Gruppen>.

Nein, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du Dinge tust, die Behinderte nicht können. Du musst auch nicht dauernd dran denken. Aber wenn du zB eine Versammlung organisierst oder auch nur eine Gartenparty, wäre es "woke" - nett, respektvoll - darüber nachzudenken, wer in genau der Location und mit genau der Organisation nicht teilnehmen kann, weil Treppen, zu viele Flackerlichter, keine Wickeltische, keine alkoholfreien Getränke, keine Teilnahme für nicht hörende, keine nichtbinären Sanitärräume... usw.usf. Ja, eigentlich auch keine Möglichkeiten zu rauchen.

Und dann, ob oder wie das vielleicht geändert werden könnte. Einfach weil es anständig ist, Menschen keine zusätzlichen Schwierigkeiten zu bereiten. Das ist wie Tür aufhalten, Platz anbieten, usw.

Es ist ggf anstrengend und frustrierend, weil es nie 100%ig hinzukriegen ist. Das liegt auch an den Möglichkeiten - zum Beispiel verfügbaren Veranstaltungsräumen. Aber alles was hinzukriegen ist, ist besser als nichts. Und es wird von denjenigen bemerkt. Möglicherweise motiviert es auch andere, etwas an Gegebenheiten zu ändern.

Gleiches gilt für Menschen, die Häuser entwerfen, Satzungen schreiben, Läden gestalten, usw.

Vor allem wäre es schon gut, wenn ganz offensichtliche Bedarfe nicht aus Absicht oder Ignoranz ignoriert werden, zum Beispiel bei Menschen von denen eins genau weiss, dass sie kommen.
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3889
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1028 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Transsexualität und Politik

Post 22 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 16:37 Mit der paranoiden Front gegen angebliche Transen-Hasser warst gerade Du persönlich in diesem Forum am allerwenigsten gemeint - und ich denke, Du weißt das auch (moin)
Hi Wally,

das habe ich mir schon gedacht. Aber ich denke, die Wahl der Worte und was man wirlich meint, sollte man sorgfältig aufeinander abstimmen, denn sonst schüttet man das Kind mit dem Bade aus.
Wally hat geschrieben: Fr 9. Jun 2023, 16:37 Und nein: das ist alles andere als selbstverständlich.
Um es noch einmal ganz deutlich zu schreiben. Ich erwarte, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass man Trans und alle andere Menschen mit Respekt begegnet. Das ist allerdinge noch nicht ei jedem angekommen. Was ich allerdings nicht für selbstverständlich halte, sind die Veränderungen, die in den letzten vielleicht 20 Jahren möglich waren. Hier haben uns die technischen Möglichkeiten massiv in die Hände gespielt. Und davon ist sehr viel in die Gesellschaft eingeflossen. Dafür bin sehr dankbar, denn es hat mir neue Möglichkeiten eröffnet. Aber jensseits aller positiven Entwicklungen hat sich ein Widerstand etabliert, der uns durchaus noch zu schaffen macht. Es geht eben nicht nur in eine Richtung.

Jeder Mensch sieht die Welt durch seine eigenen Augen und hat seine eigenen Scheuklappen. Ich finde es richtig, auf die Errungenschaften mit einem positiven Blick zu schauen und Respekt zu zeigen, dass sich so viel in unserem Sinne verändert hat. Auf der anderen Seite bleibt noch viel zu tun, nicht zuletzt in unseren eigenen Herzen, damit sich die Welt noch mehr für uns öffnen kann. Die Beispiele der Realität zeigen aber auch, dass Transsein, noch nicht voll und ganz in Teilen der Gesellschaft angekommen ist.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Antworten

Zurück zu „Körper - Gefühle - Empfindungen“