männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
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Anne-Mette
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männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Es war so etwas wie der Auftakt der modernen Gender-Wars, die mit TERFs, DeSantis und dem Gegenwind für ein Selbstbestimmungsgesetz bis heute und teilweise erfolgreich Menschenrechte von geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten angreifen.
https://www.maenner.media/gesellschaft/ ... h-gedenkt/
Die Überschrift steht dort so; die persönliche Einordnung mögen alle selbst vornehmen.
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Jaddy
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Queer.de hatte auch einen Artikel, bei dem aber nicht so raus kam, dass Hirschfeld sich auch stark in Sachen trans engagiert hat.
Allein aufzuschreiben und sich Gedanken zu machen, dass trans (damals noch Transvestismus) etwas anderes als schwul ist. Und nicht zu vergessen der "Transvestitenschein", den er mit den Berliner Behörden ausgehandelt hat, mit dem sich genderdiverse Personen trotz der Gesetze gegen das tragen "geschlechtsuntypischer Kleidung" bewegen konnten. Crossdressing war strafbar.
Eine vergleichbar wenig pathologisierende Herangehensweise gab es meines Wissens erst 60 Jahre später wieder und etliche "Fachleute" sind da immer noch nicht angekommen.
Allein aufzuschreiben und sich Gedanken zu machen, dass trans (damals noch Transvestismus) etwas anderes als schwul ist. Und nicht zu vergessen der "Transvestitenschein", den er mit den Berliner Behörden ausgehandelt hat, mit dem sich genderdiverse Personen trotz der Gesetze gegen das tragen "geschlechtsuntypischer Kleidung" bewegen konnten. Crossdressing war strafbar.
Eine vergleichbar wenig pathologisierende Herangehensweise gab es meines Wissens erst 60 Jahre später wieder und etliche "Fachleute" sind da immer noch nicht angekommen.
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Anne-Mette
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Auch der Tagesspiegel äußert sich:
Pionier der Sexualwissenschaft: Als die Nazis das Institut von Magnus Hirschfeld zerstörten
Der Arzt Magnus Hirschfeld machte Berlin in den 1920ern zum weltweiten Zentrum der Sexualwissenschaft. Vor 90 Jahren plünderten die Nazis sein Institut und verbrannten seine Bibliothek.
https://www.tagesspiegel.de/wissen/pion ... 88801.html
Pionier der Sexualwissenschaft: Als die Nazis das Institut von Magnus Hirschfeld zerstörten
Der Arzt Magnus Hirschfeld machte Berlin in den 1920ern zum weltweiten Zentrum der Sexualwissenschaft. Vor 90 Jahren plünderten die Nazis sein Institut und verbrannten seine Bibliothek.
https://www.tagesspiegel.de/wissen/pion ... 88801.html
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Inga
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Hallo,
Zwar habe ich schon im Schulunterricht gelernt und immer wieder erinnert, dass die Bücherverbrennung vor 90 Jahren ein frühes sichtbares Zeichen der Naziherrschaft war, wie zerstörisch die Nazis mit abweichenden Haltungen umzugehen gedenken. Dass aber ein Drittel der Bücher aus den Beständen des Magnus-Hirschfeld-Instituts waren, und diese schon tagelang vorher dafür ausgesucht waren, ist mir dies Jahr neu dazu gekommen. Es gibt der ganzen Schreckens-Aktion ein neues Licht. Uff. Was ist da so lange verheimlicht worden? Warum?
Da gehört zur Aufarbeitung der Geschichte auch die Aufarbeitung der Geschichte des Erinnerns.
Danke für den Link und den Beiträgen hier!
Liebe Grüße
Inga
Zwar habe ich schon im Schulunterricht gelernt und immer wieder erinnert, dass die Bücherverbrennung vor 90 Jahren ein frühes sichtbares Zeichen der Naziherrschaft war, wie zerstörisch die Nazis mit abweichenden Haltungen umzugehen gedenken. Dass aber ein Drittel der Bücher aus den Beständen des Magnus-Hirschfeld-Instituts waren, und diese schon tagelang vorher dafür ausgesucht waren, ist mir dies Jahr neu dazu gekommen. Es gibt der ganzen Schreckens-Aktion ein neues Licht. Uff. Was ist da so lange verheimlicht worden? Warum?
Da gehört zur Aufarbeitung der Geschichte auch die Aufarbeitung der Geschichte des Erinnerns.
Danke für den Link und den Beiträgen hier!
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Jaddy
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Als wir zur Schule gegangen sind, war alles, wofür Hirschfeld stand noch verboten oder mindestens gesellschaftlich tabuisiert. Homosexualität vor allem und trans gab es in Westdeutschland offiziell erst ab 1981; pathologisiert etc.
Wen hätten diese Informationen über Hirschfelds Institut berührt? Welches Medium hätte das gebracht? In welchen Lehrplan über Diskriminierung wäre das aufgenommen worden - sofern es solche Unterrichtseinheiten da überhaupt schon gab?
Dies gibt aber Gelegenheit, sich umzuzuschauen, welche Themen heute "vergessen" werden. Weche Gruppen heute mit ihren Diskriminierungserfahrungen nicht durchdringen und_oder mit "ach die, naja" oder gar Zustimmung zur Diskrminierung abgetan werden. Und wenn sich da was ändert, hat's immerhin was gebracht
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Lana
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Daran habe ich Zweifel, wenn du die zitierten Aussagen zum Beispiel auf Menschen anwenden würdest, die sich während der letzten drei Jahre für ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit rechtfertigen mussten und gezielt diskriminiert wurden. Nur als Beispiel: 2-G Regelung.Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 10:19Dies gibt aber Gelegenheit, sich umzuzuschauen, welche Themen heute "vergessen" werden. Weche Gruppen heute mit ihren Diskriminierungserfahrungen nicht durchdringen und_oder mit "ach die, naja" oder gar Zustimmung zur Diskrminierung abgetan werden. Und wenn sich da was ändert, hat's immerhin was gebracht![]()
Klarstellung:
Ich möchte hier keine neue Coronadiskussion.
Aber ich würde mich freuen, wenn diese Vorgänge als krasse gesellschaftliche Fehlleistung im Sinne von institutionalisierter und staatlich sanktionierter Diskriminierung gesehen würden. Zustimmung zu dieser Form von Diskriminierung gab es auch hier im Forum, wo man sich ansonsten gerne sehr tolerant und "woke" gibt.
LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Jaddy
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Spannende Frage. Es gibt ja einige Ansätze zur Evaluierung, aber noch keine echte Diskussion oder Aufmerksamkeit.Lana hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 10:51Daran habe ich Zweifel, wenn du die zitierten Aussagen zum Beispiel auf Menschen anwenden würdest, die sich während der letzten drei Jahre für ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit rechtfertigen mussten und gezielt diskriminiert wurden. Nur als Beispiel: 2-G Regelung.Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 10:19Dies gibt aber Gelegenheit, sich umzuzuschauen, welche Themen heute "vergessen" werden. Weche Gruppen heute mit ihren Diskriminierungserfahrungen nicht durchdringen und_oder mit "ach die, naja" oder gar Zustimmung zur Diskrminierung abgetan werden. Und wenn sich da was ändert, hat's immerhin was gebracht![]()
Klarstellung:
Ich möchte hier keine neue Coronadiskussion.
Aber ich würde mich freuen, wenn diese Vorgänge als krasse gesellschaftliche Fehlleistung im Sinne von institutionalisierter und staatlich sanktionierter Diskriminierung gesehen würden. Zustimmung zu dieser Form von Diskriminierung gab es auch hier im Forum, wo man sich ansonsten gerne sehr tolerant und "woke" gibt.
Wenn ich drüber nachdenke und den Komplex vergleiche mit zum Beispiel unterschwelligem und strukturellem Rassismus, fallen mir zwei Dinge auf.
Zum einen gab es bei Rassismen nie auch nur ansatzweise Evidenz, dass andere Personen gefährdet sein könnten, sondern lediglich frei erfundene Behauptungen(1). Es gab keine neuartige, akute Gefahrenlage, also mit messbaren Opfern, berechtigter Angst, offensichtlicher Überlast von Systemen (auch wenn die vorher vorsätzlich marode gemacht wurden) und so weiter. Es gab keinen politischen Zeitdruck, gegen diese Gefahrenlage bei unsicherer Faktenlage und wenig tatsächlichem Wissen vorzugehen.
Zum anderen ist für eine Aufarbeitung vermutlich tatsächlich ein zeitlicher Abstand nötig. Um emotionalen Abstand zu gewinnen, tatsächliche Fakten zu generieren und diese dann ohne die Aufregung der damaligen Zeit zu diskutieren. Beim Corona-Thema sind wir da nach meiner Einschätzung noch nicht. In meiner Bubble kristallisieren sich jetzt ein paar hardcore Panik-Menschen heraus, die wie Kaninchen auf die (immer kleiner werdende) Schlange starren und sämtliche anderen Risiken vollkommen vernachlässigen, mit denen sie schon immer gelebt haben. Umgekehrt verbeissen sich hartnäckige Pandemie-Leugnys (keine in meiner Bubble) in die 0,3 Promille mutmasslicher Post-Vac-Fälle und folgen da vor allem einem verschwörungsgläubigen Anwalt, der das gerade medial pusht. Die große Mehrheit hingegen ist froh, das Thema größtenteils ignorieren zu dürfen - also von den aktuell schwer Kranken, Sterbenden und long-covid Betroffenen mal abgesehen. So ein ganz kleines bisschen wie nach '45, denke ich. Alle irgendwie beschädigt, aber coping.
Das wird noch ein bisschen dauern, und ich bezweifle, dass es bei der nächsten Pandemie o.ä. viel besser laufen wird.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hingegen ist grundsätzlich verschieden, weil die Betroffenen in der Regel keine Möglichkeit haben, die diskriminierungsauslösenden Merkmale abzulegen, also z.B. Hautfarbe, Herkunft, sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität. Es ist auch keine zeitliche Begrenzung absehbar, keine Verbesserung der Faktenlage und keine Motivation von staatlicher Seite, weil im Unterschied zu den Covid-Massnahmen die Diskriminierung wegen Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Sexualität der Mehrheit keine Probleme oder Aufwand bereitet. Wenn plötzlich alle vor dem Betreten einer öffentlichen Toilette ihr "Geschlecht" (welches auch immer) oder Abstammung nachweisen müssten, sähe das anders aus.
Beim Thema trans sind wir übrigens gerade wieder in einer Phase künstlicher Aufregung mit Mythen und Behauptungen, und obwohl hier massenweise Evidenz pro Akzeptanz und contra irgendwelcher bans vorliegt, hindert das Menschen mit bestimmter Agenda nicht daran, weiter Diskriminierung zu pushen.
Also mal zusammengerechnet hoffe ich, dass wir ingesamt mehr "woke" werden in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes, auch wenn es bei manchen und neuen Themen immer eine Weile braucht, bis sie menschenfreundlich und mitfühlend angegangen werden können.
(1) "die" klauen, morden, nehmen uns unsere Frauen weg, bereichern sich an <wasauchimmer>. Siehe die Propaganda von afd, npd & Co.
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Lana
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Re: männer* | Heute vor 90 Jahren: Nazis zerstören Hirschfelds Institut
Der springende Punkt ist ja gerade, dass diejenigen, die Diskriminierung verteidigen, immer mit einer Erklärung aufwarten können, warum es in ihrem besonderen Fall ganz anders sei, und sie daher gar nicht diskriminieren würden. Alle anderen aber schon.Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 13:06Wenn ich drüber nachdenke und den Komplex vergleiche mit zum Beispiel unterschwelligem und strukturellem Rassismus, fallen mir zwei Dinge auf.
Dein Argumentationsmuster kann verlustfrei auf jede Art von Diskriminierung übertragen werden.
Nebenbemerkung, weil es hier nicht um Corona geht:
Ich finde es nach wie vor unangebracht, Menschen mit einer anderen, womöglich ebenso fundierten Meinung wie du, herabzuwürdigen. Du scheinst ja niemand von denen persönlich zu kennen, so dass ich mich frage, wie du zu dieser Einstellung kommst?
Das ist doch genau das Problem:Jaddy hat geschrieben: Mi 10. Mai 2023, 13:06Wenn plötzlich alle vor dem Betreten einer öffentlichen Toilette ihr "Geschlecht" (welches auch immer) oder Abstammung nachweisen müssten, sähe das anders aus.
Beim Impfnachweis hat man keine Kosten und Mühen gescheut, um Diskriminierung zu etablieren und mit bis heute unbelegten (!) Behauptungen um sich geworfen(1).
Das könnte man am Eingang von Frauensaunen analog gestalten, wenn man die "Argumente" der Transgegner als Grundlage nähme. Das geschieht nicht, zumindest derzeit und hier.
Und nochmal: Das "Merkmal" geimpft/ungeimpft lässt sich ähnlich leicht ablegen wie die Kleidung des anderen Geschlechts. Trotzdem wird die strafrechtliche Verfolgung des letzteren inzwischen unbestritten als Diskriminierung anerkannt und sich zurecht über die Zustände vor 90 Jahren empört. Dabei hat Kleidung keine potentiellen Gesundheitsschäden für den Träger zur Folge.
LGL
(1) Die Ungeimpften seien angeblich unsolidarisch, ansteckend, verhindern das Ende des Ausnahmezustand, bringen meine Oma um, verlängern Schulschließungen etc.
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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