Andrea macht sich schick
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Andrea aus Sachsen
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Andrea macht sich schick
Die Geschichte über mein bisher beeindruckendstes Erlebnis als Andrea begann eigentlich vor etwa 4 Jahren. Damals hatte ich im Internet das Atelier Changeable in Dresden entdeckt (http://www.atelier-changeable.de). Ich las, dass man sich dort unter professioneller Hilfe zur Frau verwandeln und sich anschließend von einer Mitarbeiterin des Ateliers auf dem Weg in die Öffentlichkeit begleiten lassen kann. Diese Idee faszinierte mich sofort und ließ mich seit dem nicht mehr los. Ein Lebenstraum, von dem ich nie geglaubt hatte, dass er Wirklichkeit werden könnte, rückte damit plötzlich in greifbare Nähe. Nachdem sich durch die Trennung von meiner Frau (nicht "deswegen") seit einigen Monaten meine Möglichkeiten fürs Crossdressing etwas gebessert hatten, suchte ich nach einer passenden Gelegenheit, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Eine Möglichkeit dazu bot sich kurzfristig Anfang dieser Woche.
Bei uns begannen gerade die Winterferien und meine Tochter habe ich für die erste Woche bei Verwandten untergebracht. Ich hatte zwei Tage "Urlaub als Frau" gebucht und machte mich auf den Weg nach Dresden. Ich nahm einen ganzen Koffer meiner Damenbekleidung mit (etwa die Hälfte meines Gesamtbestandes), in der Hoffnung, einiges davon würde dem kritischen Blick einer erfahrenen Stylistin standhalten.
Das Atelier Changeable besteht seit 2002 und wird seit etwa einem Jahr von zwei (Bio-) Frauen (Mutter und Tochter) praktisch als Familienunternehmen betrieben. Durch ein kleines Missverständnis musste ich vor der Tür des Ateliers erst einmal 20 Minuten warten, aber zum Glück fiel das Wetter gegenüber den vergangenen Tagen deutlich milder aus, so dass ich nicht erfroren bin. Nachdem ich mich bei einer Tasse Tee und einem ersten Gespräch aufwärmen konnte und sich meine Aufregung etwas gelegt hatte, ging es endlich los. Ich durfte mir zuerst ein Outfit aussuchen und wählte aus meinem Sortiment einen blau-weiß gepunkteten Rock und eine weinrote Satinbluse.
Dann ging es ans Schminken. Davon hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung und bereits nach den ersten Schritten kamen mir erste Zweifel, ob das nach meinem Besuch anders sein könnte. Obwohl sich meine Betreuerin viel Mühe gab, mir alles zu erklären, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, das später einmal selbst hinzukriegen. Als mein Gesicht nach etwa einer Stunde fertig "bemalt" war, überzeugte mich das Ergebnis zunächst nicht. Aber als mir die Perücke aufgesetzt wurde, traute ich meinen Augen kaum. Einfach phantastisch! War das überhaupt noch ich selbst?
Bei einer Perücken- und Stilberatung musste ich mit Erstaunen feststellen, dass fast alle meiner mitgebrachten Stücke für gut zueinander und zu meinem Typ passend befunden wurden. Von meinem Talent zum Modegestalter wusste ich bislang gar nichts. Einziger Kritikpunkt war eine zu kleine Armbanduhr, die meine Hände unnötig groß erscheinen lässt. Für den weiteren Verlauf meines Besuches brauchte ich mir somit keine Sachen auszuleihen, außer ein Paar Silikonbrüste, davon hatte ich noch keine. Das Tragegefühl hat mich aber überzeugt, sodass ich mir demnächst selbst welche besorgen werde.
Das Ganze wurde dann auf Fotos festgehalten, von denen ich einige in meine Galerie gestellt habe. Für den Weg nach draußen empfahl mir meine Betreuerin einen kniebedeckenden engen schwarzen Rock, die bereits erwähnte weinrote Bluse und dazu schwarze Strumpfhosen und Pumps. Das hätte ich von mir aus nicht gemacht, da es sich mit dem engen Rock nicht so leicht laufen lässt. Nach einer Probe aufs Exempel wurde mir aber ein eleganter weiblicher Gang bescheinigt und ich willigte ein. Wir hatten ja keine größeren Wegstrecken vor und ein irres Gefühl ist es allemal.
Da es inzwischen schon spät am Nachmittag war, brachte meine Betreuerin mich und meine restlichen Sachen erst einmal in eine kleine Pension, in der ich übernachten sollte. Die Pension ist ein Familienbetrieb und wird allen, die mehr als einen Tag das Atelier Changeable besuchen, empfohlen. Leider war zu dieser Zeit wegen der Gedenkfeier zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens die Innenstadt gesperrt, sodass wir durch die verstopften Straßen auf dem Umweg viel Zeit verloren.
Für den Abend waren noch Essen in einem Restaurant und der Besuch einer kulturellen Veranstaltung geplant. Zu allen Veranstaltungen geht auf Wunsch eine Mitarbeiterin des Ateliers mit, die Kosten dafür muss aber der Gast tragen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit mussten wir statt dem Restaurant uns mit einem Imbiss am Veranstaltungsort begnügen. Das hat mich aber nicht weiter gestört.
Viel wichtiger war für mich die Erkenntnis, dass allein das Wissen um mein nun fast perfektes weibliches Aussehen wahrhaft magische Wirkung zeigte. Sämtliche Hemmungen rund um das Crossdressing waren plötzlich wie weggeblasen. Völlig entspannt gab ich meinen Anorak an der Garderobe ab, ging auf die Damentoilette und spazierte als Andrea inmitten der anderen Besucher herum, als wäre es das normalste auf der Welt. In der Pause hatte ich keinerlei Probleme, mit meiner männlichen Stimme mir am Imbissstand etwas zu bestellen und nach einem Programmheft zu fragen.
Übrigens, die Veranstaltung nannte sich "An Evening of Burlesque". Wer damit nichts anzufangen weiß (so wie ich vorher auch), kann hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Burlesque Für mich war es auf jeden Fall interessant, so etwas mal kennenzulernen. Selbstverständlich brachte mich meine Begleiterin nach der Veranstaltung zurück in die Pension.
Damit ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Um als Andrea auch die Nacht genießen zu können, hatte ich mir vorher ein knöchellanges Damennachthemd gekauft.
Fortsetzung folgt.
Bei uns begannen gerade die Winterferien und meine Tochter habe ich für die erste Woche bei Verwandten untergebracht. Ich hatte zwei Tage "Urlaub als Frau" gebucht und machte mich auf den Weg nach Dresden. Ich nahm einen ganzen Koffer meiner Damenbekleidung mit (etwa die Hälfte meines Gesamtbestandes), in der Hoffnung, einiges davon würde dem kritischen Blick einer erfahrenen Stylistin standhalten.
Das Atelier Changeable besteht seit 2002 und wird seit etwa einem Jahr von zwei (Bio-) Frauen (Mutter und Tochter) praktisch als Familienunternehmen betrieben. Durch ein kleines Missverständnis musste ich vor der Tür des Ateliers erst einmal 20 Minuten warten, aber zum Glück fiel das Wetter gegenüber den vergangenen Tagen deutlich milder aus, so dass ich nicht erfroren bin. Nachdem ich mich bei einer Tasse Tee und einem ersten Gespräch aufwärmen konnte und sich meine Aufregung etwas gelegt hatte, ging es endlich los. Ich durfte mir zuerst ein Outfit aussuchen und wählte aus meinem Sortiment einen blau-weiß gepunkteten Rock und eine weinrote Satinbluse.
Dann ging es ans Schminken. Davon hatte ich bis dahin überhaupt keine Ahnung und bereits nach den ersten Schritten kamen mir erste Zweifel, ob das nach meinem Besuch anders sein könnte. Obwohl sich meine Betreuerin viel Mühe gab, mir alles zu erklären, konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, das später einmal selbst hinzukriegen. Als mein Gesicht nach etwa einer Stunde fertig "bemalt" war, überzeugte mich das Ergebnis zunächst nicht. Aber als mir die Perücke aufgesetzt wurde, traute ich meinen Augen kaum. Einfach phantastisch! War das überhaupt noch ich selbst?
Bei einer Perücken- und Stilberatung musste ich mit Erstaunen feststellen, dass fast alle meiner mitgebrachten Stücke für gut zueinander und zu meinem Typ passend befunden wurden. Von meinem Talent zum Modegestalter wusste ich bislang gar nichts. Einziger Kritikpunkt war eine zu kleine Armbanduhr, die meine Hände unnötig groß erscheinen lässt. Für den weiteren Verlauf meines Besuches brauchte ich mir somit keine Sachen auszuleihen, außer ein Paar Silikonbrüste, davon hatte ich noch keine. Das Tragegefühl hat mich aber überzeugt, sodass ich mir demnächst selbst welche besorgen werde.
Das Ganze wurde dann auf Fotos festgehalten, von denen ich einige in meine Galerie gestellt habe. Für den Weg nach draußen empfahl mir meine Betreuerin einen kniebedeckenden engen schwarzen Rock, die bereits erwähnte weinrote Bluse und dazu schwarze Strumpfhosen und Pumps. Das hätte ich von mir aus nicht gemacht, da es sich mit dem engen Rock nicht so leicht laufen lässt. Nach einer Probe aufs Exempel wurde mir aber ein eleganter weiblicher Gang bescheinigt und ich willigte ein. Wir hatten ja keine größeren Wegstrecken vor und ein irres Gefühl ist es allemal.
Da es inzwischen schon spät am Nachmittag war, brachte meine Betreuerin mich und meine restlichen Sachen erst einmal in eine kleine Pension, in der ich übernachten sollte. Die Pension ist ein Familienbetrieb und wird allen, die mehr als einen Tag das Atelier Changeable besuchen, empfohlen. Leider war zu dieser Zeit wegen der Gedenkfeier zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens die Innenstadt gesperrt, sodass wir durch die verstopften Straßen auf dem Umweg viel Zeit verloren.
Für den Abend waren noch Essen in einem Restaurant und der Besuch einer kulturellen Veranstaltung geplant. Zu allen Veranstaltungen geht auf Wunsch eine Mitarbeiterin des Ateliers mit, die Kosten dafür muss aber der Gast tragen. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit mussten wir statt dem Restaurant uns mit einem Imbiss am Veranstaltungsort begnügen. Das hat mich aber nicht weiter gestört.
Viel wichtiger war für mich die Erkenntnis, dass allein das Wissen um mein nun fast perfektes weibliches Aussehen wahrhaft magische Wirkung zeigte. Sämtliche Hemmungen rund um das Crossdressing waren plötzlich wie weggeblasen. Völlig entspannt gab ich meinen Anorak an der Garderobe ab, ging auf die Damentoilette und spazierte als Andrea inmitten der anderen Besucher herum, als wäre es das normalste auf der Welt. In der Pause hatte ich keinerlei Probleme, mit meiner männlichen Stimme mir am Imbissstand etwas zu bestellen und nach einem Programmheft zu fragen.
Übrigens, die Veranstaltung nannte sich "An Evening of Burlesque". Wer damit nichts anzufangen weiß (so wie ich vorher auch), kann hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Burlesque Für mich war es auf jeden Fall interessant, so etwas mal kennenzulernen. Selbstverständlich brachte mich meine Begleiterin nach der Veranstaltung zurück in die Pension.
Damit ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende. Um als Andrea auch die Nacht genießen zu können, hatte ich mir vorher ein knöchellanges Damennachthemd gekauft.
Fortsetzung folgt.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Andrea macht sich schick
Und so ging mein Urlaub als Frau weiter:
Die Mitarbeiterinnen des Atelier Changeable kommen auf Wunsch früh in die Pension oder ins Hotel zum Schminken. Bei meinen diesbezüglichen Kenntnissen hatte ich gar keine Alternative, als dieses Angebot anzunehmen. Da ich als Andrea inzwischen keine Scheu vor fremden Leuten mehr hatte, ließ ich mich noch vor dem Frühstück schminken, denn ich wollte es mit den anderen Gästen im Frühstücksraum einnehmen und nicht, was auch möglich gewesen wäre, auf dem Zimmer. Leider war ich an diesem Tag der einzige Gast beim Frühstück.
Danach konnte es endlich losgehen. Ich wollte Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt besichtigen und trug dazu mein beiges Strickkleid und alle Accessoires, wie auf dem Foto in meiner Galerie. Da ich sonst meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, habe ich das hier natürlich auch so gemacht. Von der Pension bis zum Stadtzentrum sind es 3 Stationen mit dem Bus und dann noch eine größere Strecke mit der Straßenbahn.
An der Bushaltestelle wies mich meine Betreuerin darauf hin, dass ein Teil der Schminke jetzt am Kragen meines Anoraks klebt. Bei der hellen Farbe des Anoraks sah das natürlich nicht gut aus. Also ging es noch einmal zurück um die Sache abzuwaschen. Zum Glück hatte ich ein Halstuch dabei, auf dem die Schminkfarbe nicht auffallen würde. Das band ich um und zog den Reißverschluss des Anoraks nicht ganz zu. Jetzt konnte mein erster Ausflug bei Tageslicht endlich beginnen.
Die Fahrt ins Zentrum einschließlich Umsteigen verlief völlig unspektakulär. Ich war es inzwischen ja schon fast gewöhnt, als Andrea Menschen um mich herum zu haben. Zuerst wollte ich die Frauenkirche sehen. Die ist auch wirklich sehenswert, sowohl von außen, als auch innen. Hinzu kommt noch eine Ausstellung im Keller der Kirche zu deren Geschichte, insbesondere dem Wiederaufbau von 1994 bis 2005 . Ich ließ es mir auch nicht entgehen, die Kuppel zu besteigen, von wo aus sich ein herrlicher Blick auf die Dresdner Altstadt bietet. Diesen Teil des Ausfluges unternahm ich ohne meine Betreuerin, da diese an dem Tag nicht so gut zu Fuß war. Probleme gab es dabei keine. Wie schon am Vortag, konnte ich mich als Andrea bereits so sicher in der Öffentlichkeit bewegen, dass ich eine Betreuung eigentlich nicht mehr bräuchte.
Wieder zu ebener Erde, war es bereits Mittag und wir gingen in eine Gaststätte. Natürlich habe ich meine Bestellung selbst aufgegeben und später nach der Rechnung gefragt. Doch selbst da, wo die Leute an meiner Stimme doch merken müssten, dass ich nicht "echt" war, kam keinerlei Reaktion.
Nachdem wir uns gestärkt hatten (das Essen war übrigens vorzüglich), wollte ich noch etwas Einkaufen. Am meisten hätte mich natürlich gereizt, mal Damensachen im Laden anzuprobieren, aber ich habe mich dann doch für Kosmetik entschieden, vor allen deshalb, weil ich hier noch auf die Beratung meiner Betreuerin angewiesen war. Sie war sogar so freundlich und hat mir für die gekauften Sachen eine handgeschriebene "Gebrauchsanweisung" verfasst. Vielleicht kriege ich damit später doch einmal ein brauchbares Ergebnis selbst hin.
Leider war die Zeit danach schon so weit fortgeschritten, dass ich schon langsam an die Heimfahrt denken musste. Ich wollte auf der Rückfahrt einmal kurz in Chemnitz Station machen und in der dortigen TS-Selbsthilfegruppe mein neues Outfit präsentieren. Die Zeit reichte gerade noch für einen kurzen Spaziergang durch den Zwinger (zu dieser Jahreszeit nicht ganz so attraktiv) und dann ging es per Bahn und Bus zurück zur Pension. Dort bezahlte ich die noch offenen Rechnungen und packte meinen Koffer. Es war inzwischen längst keine Frage mehr, dass ich die Heimfahrt als Andrea antreten würde. Dazu wechselte ich noch einmal mein Outfit, um nicht zweimal hintereinander in der Selbsthilfegruppe im gleichen Kleid zu erscheinen. Ich entschied mich zur Abwechslung mal für eine (Jeans-) Hose, kombiniert mit meiner weinroten Bluse.
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Bahnreisen als Andrea war der Zug diesmal überfüllt. So musste ich zunächst mit mehreren Mitreisenden auf engsten Raum stehen. Aber auch hier konnte ich keinerlei Reaktion zu meiner Person beobachten, außer dass sich eine Frau bei mir bedankte, nachdem ich ihren Koffer, der in einer Kurve umgekippt war, wieder aufgestellt hatte. An der nächsten Station suchte ich, da mir die Füße schon etwas wehtaten, einen der freiwerdenden Sitzplätze auf. Für die restlichen 30 Minuten Fahrzeit bis Chemnitz versuchte ich erstmalig mir bewusst zu machen, was hier eigentlich passierte. Ich war nun schon den zweiten Tag als Andrea unterwegs und keiner schien etwas zu bemerken, nicht einmal jetzt, da ich mehreren Leuten direkt gegenüber saß.
In Chemnitz angekommen, musste ich erst einmal kräftig durchatmen, nicht nur, weil die Luft in dem vollbesetzten Zug etwas stickig war, sondern auch, weil ich gerade etwas durchgezogen hatte, was ich selbst wenige Tage zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Wie durch einen Zufall entdeckte ich in einem Laden die Zeitung mit dem Artikel über die Selbsthilfegruppe, die ich gerade besuchen wollte. Ich verstaute meinen Koffer in einem Schließfach und ging zum different people. Diejenigen, die mich schon kannten, bemerkten natürlich meine Veränderung, aber auch über den Zeitungsartikel wurde viel diskutiert. Zu letzterem hatte ich hier (viewtopic.php?f=5&t=4018) schon näher berichtet.
Mit der Fahrt in meine Heimatstadt gingen die zwei erlebnisreichen Tage als Andrea dann endgültig zu Ende. Ich werde noch eine ganze Weile brauchen, um die Sache richtig zu verarbeiten.
Die Mitarbeiterinnen des Atelier Changeable kommen auf Wunsch früh in die Pension oder ins Hotel zum Schminken. Bei meinen diesbezüglichen Kenntnissen hatte ich gar keine Alternative, als dieses Angebot anzunehmen. Da ich als Andrea inzwischen keine Scheu vor fremden Leuten mehr hatte, ließ ich mich noch vor dem Frühstück schminken, denn ich wollte es mit den anderen Gästen im Frühstücksraum einnehmen und nicht, was auch möglich gewesen wäre, auf dem Zimmer. Leider war ich an diesem Tag der einzige Gast beim Frühstück.
Danach konnte es endlich losgehen. Ich wollte Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt besichtigen und trug dazu mein beiges Strickkleid und alle Accessoires, wie auf dem Foto in meiner Galerie. Da ich sonst meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, habe ich das hier natürlich auch so gemacht. Von der Pension bis zum Stadtzentrum sind es 3 Stationen mit dem Bus und dann noch eine größere Strecke mit der Straßenbahn.
An der Bushaltestelle wies mich meine Betreuerin darauf hin, dass ein Teil der Schminke jetzt am Kragen meines Anoraks klebt. Bei der hellen Farbe des Anoraks sah das natürlich nicht gut aus. Also ging es noch einmal zurück um die Sache abzuwaschen. Zum Glück hatte ich ein Halstuch dabei, auf dem die Schminkfarbe nicht auffallen würde. Das band ich um und zog den Reißverschluss des Anoraks nicht ganz zu. Jetzt konnte mein erster Ausflug bei Tageslicht endlich beginnen.
Die Fahrt ins Zentrum einschließlich Umsteigen verlief völlig unspektakulär. Ich war es inzwischen ja schon fast gewöhnt, als Andrea Menschen um mich herum zu haben. Zuerst wollte ich die Frauenkirche sehen. Die ist auch wirklich sehenswert, sowohl von außen, als auch innen. Hinzu kommt noch eine Ausstellung im Keller der Kirche zu deren Geschichte, insbesondere dem Wiederaufbau von 1994 bis 2005 . Ich ließ es mir auch nicht entgehen, die Kuppel zu besteigen, von wo aus sich ein herrlicher Blick auf die Dresdner Altstadt bietet. Diesen Teil des Ausfluges unternahm ich ohne meine Betreuerin, da diese an dem Tag nicht so gut zu Fuß war. Probleme gab es dabei keine. Wie schon am Vortag, konnte ich mich als Andrea bereits so sicher in der Öffentlichkeit bewegen, dass ich eine Betreuung eigentlich nicht mehr bräuchte.
Wieder zu ebener Erde, war es bereits Mittag und wir gingen in eine Gaststätte. Natürlich habe ich meine Bestellung selbst aufgegeben und später nach der Rechnung gefragt. Doch selbst da, wo die Leute an meiner Stimme doch merken müssten, dass ich nicht "echt" war, kam keinerlei Reaktion.
Nachdem wir uns gestärkt hatten (das Essen war übrigens vorzüglich), wollte ich noch etwas Einkaufen. Am meisten hätte mich natürlich gereizt, mal Damensachen im Laden anzuprobieren, aber ich habe mich dann doch für Kosmetik entschieden, vor allen deshalb, weil ich hier noch auf die Beratung meiner Betreuerin angewiesen war. Sie war sogar so freundlich und hat mir für die gekauften Sachen eine handgeschriebene "Gebrauchsanweisung" verfasst. Vielleicht kriege ich damit später doch einmal ein brauchbares Ergebnis selbst hin.
Leider war die Zeit danach schon so weit fortgeschritten, dass ich schon langsam an die Heimfahrt denken musste. Ich wollte auf der Rückfahrt einmal kurz in Chemnitz Station machen und in der dortigen TS-Selbsthilfegruppe mein neues Outfit präsentieren. Die Zeit reichte gerade noch für einen kurzen Spaziergang durch den Zwinger (zu dieser Jahreszeit nicht ganz so attraktiv) und dann ging es per Bahn und Bus zurück zur Pension. Dort bezahlte ich die noch offenen Rechnungen und packte meinen Koffer. Es war inzwischen längst keine Frage mehr, dass ich die Heimfahrt als Andrea antreten würde. Dazu wechselte ich noch einmal mein Outfit, um nicht zweimal hintereinander in der Selbsthilfegruppe im gleichen Kleid zu erscheinen. Ich entschied mich zur Abwechslung mal für eine (Jeans-) Hose, kombiniert mit meiner weinroten Bluse.
Im Gegensatz zu meinen bisherigen Bahnreisen als Andrea war der Zug diesmal überfüllt. So musste ich zunächst mit mehreren Mitreisenden auf engsten Raum stehen. Aber auch hier konnte ich keinerlei Reaktion zu meiner Person beobachten, außer dass sich eine Frau bei mir bedankte, nachdem ich ihren Koffer, der in einer Kurve umgekippt war, wieder aufgestellt hatte. An der nächsten Station suchte ich, da mir die Füße schon etwas wehtaten, einen der freiwerdenden Sitzplätze auf. Für die restlichen 30 Minuten Fahrzeit bis Chemnitz versuchte ich erstmalig mir bewusst zu machen, was hier eigentlich passierte. Ich war nun schon den zweiten Tag als Andrea unterwegs und keiner schien etwas zu bemerken, nicht einmal jetzt, da ich mehreren Leuten direkt gegenüber saß.
In Chemnitz angekommen, musste ich erst einmal kräftig durchatmen, nicht nur, weil die Luft in dem vollbesetzten Zug etwas stickig war, sondern auch, weil ich gerade etwas durchgezogen hatte, was ich selbst wenige Tage zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Wie durch einen Zufall entdeckte ich in einem Laden die Zeitung mit dem Artikel über die Selbsthilfegruppe, die ich gerade besuchen wollte. Ich verstaute meinen Koffer in einem Schließfach und ging zum different people. Diejenigen, die mich schon kannten, bemerkten natürlich meine Veränderung, aber auch über den Zeitungsartikel wurde viel diskutiert. Zu letzterem hatte ich hier (viewtopic.php?f=5&t=4018) schon näher berichtet.
Mit der Fahrt in meine Heimatstadt gingen die zwei erlebnisreichen Tage als Andrea dann endgültig zu Ende. Ich werde noch eine ganze Weile brauchen, um die Sache richtig zu verarbeiten.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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