HERZBLUT - MEINE TRANSITION
HERZBLUT - MEINE TRANSITION - # 3

Lebensplanung, Standorte
Dunja
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 31 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo Anette,
Annette hat geschrieben: Mo 31. Okt 2022, 19:56 Darf ich fragen, wie (falls betroffen) eure eigenen Erfahrungen sind?
meine GaOP ist 6 Monate und 2 Tage her.
Meine Meinung, die beste Entscheidung meines Lebens.
Ich wurde in den Lubos Kliniken, in Pasing von Dr. Markowsky operiert, am 29.4.22.
Mir geht es auch so, ich war mit einigen der Schwestern per Du.
In 22 Tagen ist das Vorgespräch zur Korrektur, die am 20.12. stattfindet.
Ich freue mich fast. Fast deshalb, weil ich wegen meinem Job gerne darauf verzichten würde.
Ich hatte Dr Markowsky bereits beim Entlassgespräch gesagt, dass ich diese OP nicht machen lasse. Sein Kommentar:

Sie können darauf nicht verzichten.

Seit ich als Frau lebe, bin ich schlagfertiger, da aber nicht. Ich habe Ihn nicht gefragt, was er weiß und ich nicht, warum ich nicht darauf verzichten kann.
Heute habe ich Ahnungen.
Weihnachten im Krankenhaus, geplant, no Problem, bin Happy.
Geht es doch um mich, damit mein Körper meinem Geist entspricht.
Ach ja, ich war 20 Tage im KH, 1, 2 Stellen wollten nicht so heilen, wie ich das wollte, 1 Infekt kam noch dazu.
LG Dunja
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst.
(Zitat aus dem Film "Plötzlich Prinzessin")
Bibi Melina
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 32 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

hallo Annette

meine erste OP war am 17.4.2019 ich berichte dir gerne wie es mir dabei ergangen ist ich hoffe das dieses gestattet ist

am Tag vor der OP kam ich ins kh München Bogenhausen mit etwa 20 min Verspätung was auch dem FlixBus verschuldetet war aber was will man machen wenn auf der strecke von meiner Heimat nach München ewig Stau auf der Autobahn ist.
dann kam ich erstmal zur Aufnahme damals war das noch unkompliziert da alles vor Korona war und im MVZ vom ersten bis ins dritte Stockwerk hoch Papiere zusammen holen und dann ab in die chirurgische Klinik wo man mich gleich in den ersten Stock weiter empfahl dort hieß es erstmals warten bis ich ins zimmer kam.
ich hatte Glück in dem zimmer wo ich reinkam lag schon jemand aber ich bekam das Bett am Fenster und bekam auch gleich den wohlbekannten begrüßungs- Drink serviert eine ganze Flasche davon sollte ich davon trinken.
nun war es so das ich damals nie Blockade hatte heißt ich habe den Drink nicht runter gebracht es ging nicht.
so bin ich rüber ins Schwestern zimmer und habe gesagt das ich es nicht schaffe dieses Getränk zu mir zu nehmen aber man wollte mir das damals nicht glauben und so wurde ich wieder zurück geschickt.
ich versuchte es nochmal aber (wie sagt m,an im schwäbischen) es ging ums verrecken nicht dieses Gebräu zu trinken.
so bin ich nochmal ins Schwesternzimmer und da war auch der Chirurg dr markovsky (hoffe habe den Namen richtig geschrieben) und klagte trotz seiner Anwesenheit mein leid und fragte auch ob man nicht was anderes hatte zum abführen aber nein und dr markovsky sagte auch das wenn ich das Getränk nicht nehme meine OP gefährdet sei worauf ich nur erwiderte das dieses mir sonnenklar sei aber ich leider das nicht zu mir nehmen könnte.
nach etwa 5 Minuten kam eine Schwester und brachte mir ein Glas voll mit dieser Flüssigkeit worauf ich mir dachte ok das schaffste.
zu dem Zeitpunkt hatte ich auch eine Cola bei mir stehen so habe ich abwechselnd ein Schluck von dem mittel und gleich danach ein Schluck Cola zum nach spülen bis das Glas leer war .
kindlich wie ich war jubelte ich mit dem Worten babala und bin zu den Schwestern hin und habe berichtet das ich es geschafft habe und eins kann ich euch sagen was man dabei danach rennt ohh weia.
eigentlich wollten die noch bei mir einen Einlauf machen aber an dem Tag hatte ich eh die flotte Marie zu Besuch und so wurde ich davon verschont da der Magen Darm Trakt sowieso fast leer war und es am nächsten Tag zur OP gehen konnte.
am Tag der OP wurde ich um 6:00uhr früh geweckt und musste dann unter die dusche um frisch zu sein wegen der OP was ich Dusel vergessen habe noch ein Foto zu machen vom Unterleib vor der OP aber na ja was solls m 6:45 wurde ich in den OP geschoben und um 7:15 Uhr begann die OP heißt ich lag mit ausgestreckten armen auf dem OP Tisch und man wollte mir die Maske aufsetzen worauf ich nur sagte die Maske bitte zum Schluss mit der habe ich von früheren OPs schlechte Erfahrung gemacht und dieses wurde auch respektiert.
das letzte was ich wusste und denken konnte war oh Herr in deine Hände befehle ich meinen Geist und weg war ich.
als ich wieder zu mir bzw. den ersten klaren Gedanken fassen konnte da wusste ich Bibi jetzt hast du es geschafft im leben, jetzt bist du genau da wo du immer hinwolltest.
10 min nachdem ich wieder auf dem zimmer war und schwach wie ich war von der OP her rief ich meine damals beste Freundin an sagte ihr das die OP gut verlaufen war und sang ihr das Lied von abba The Winner take it all vor was ich nicht wusste sie war beim einkaufen brach da weinend an der Kasse zusammen vor Glück weil ich es geschafft hatte.
was mir dann auch aufgefallen das die Zimmernachbarin nicht mehr da war auf anfrage bei der Krankenschwester berichtete man mir ich hätte so viel Terz gemacht das sie auf ein Einzelzimmer bestanden hatte
doch das war mir alles egal ich schwelgte im Glück oder um besser auszudrücken das Glück war zu dem Zeitpunkt wie eine Bettdecke in das man sich wohlig einkuscheln konnte endlich da zu sein wie man immer hinwollte mit warp 9,97 durhs ziel geschossen man waren das berauschende Gefühle durch die medis von der OP war ich auch wie in Watte gehüllt aber das sollte sich spätestens am nächsten morgen vorbei sein.
am 2 Tag sollte ich aufstehen was mit Hilfe von der Krankenschwester die sehr nett war (das gilt übrigens auch für die alle Schwestern im kh) half sie mir aus dem Bett und ich sollte einmal ums Bett laufen na ja laufen war Zuviel gesagt ich watschelte eher wie Ente ums Bett das ich nicht gequakt habe war da aber auch alles.
15 min nach dem ersten aufstehen bin ich nochmal aufgestanden da es mich nach einer Zigarette lüstete bin ins Schwesternzimmer die sogenannte Base gewatschelt und habe angefragt wann ich meine erste fluppe den rauchen dürfe?
eine Zeitlang kam nur öhhm und ähhm bis sich eine schwester ein Herz faste und meinte nach dem Mittagessen sollte ich das versuchen wenn es klappt ist gut wenn nicht dann sollte ich noch ein paar tage warten.
nach dem Mittagessen bin ich dann zur Terrasse wo man rauchen durfte erst bin ich die eine stufe nicht hochgekommen aber mit viel mühe hat das dann doch geklappt und habe gleich 2 hintereinander geraucht wenn man schon dort ist sollte sich das auch lohnen.
ich hatte in den 2 Wochen viele Gespräche gehabt intensive Gespräche und bin da auch in ein regelrechtes Fettnäpfchen getappt und ich gebe dazu da könnte man einen 40 tonner drin versenken.
ich hatte mit einigen transmänner gesprochen gehabt habe die seiten der Frau gerühmt und es absolut nicht verstanden gehabt zu dem Zeitpunkt (ich wiederhole zu dem Zeitpunkt nicht das hier ein shitstorm losgeht) wieso die sich dann operieren lassen darauf bekam ich die frage wieso habe ich dann?c
und da wurde mir einiges klar ich entschuldigte mich dafür und für mein Unwissen aber man verzeihte mir recht schnell.
am 4 Tag nach der OP gingen mir die Zigaretten aus und ich musste irgendwie Nachschub besorgen so bin ich jetzt ohne Witz mit Katheder und stend drin zur tanke aber wie angestellt das man den Katheder nicht sah?
ich habe mir vom Bademantel die Schnur oder Kordel um den Bauch gebunden den Katheder daran eingehängt vorher natürlich leer gemacht so das der nicht zu schwer war und dann darüber das Kleid angezogen da es recht warm zu der Jahreszeit konnte ich das Kleid wunderbar tragen aufgefallen ist das niemand.
als ich wieder zurück war von der tanke zurück war tat mir der ganze Unterleib weh aber ich sage euch das hat sich gelohnt gehabt.
3 tage vor der Entlassung habe ich mich tatsächlich gefragt wie lebt Frau eigentlich? nur beantworten konnte mir das niemand bis heute nicht
und dann kam die Entlassung ich hatte das Glück beim flixbus das ich damals einen nigel nagel neuen Bus bekam mit super sitzen drin wo man auch 2.5 stunden sitzen konnte und so recht bequem in die Heimat kam.
als ich dann zuhause war man wollte mich abholen was nicht geklappt hatte und ich ein Taxi nehmen musste kam ich in meine alte Bude und musste mich Erstmal umschauen ob ich hier wirklich wohnen würde.

ja so war das meine erste OP und ob ich mich wieder entscheiden müsste im nächsten leben das ganze auf mich zu nehmen ein ganz klares ja
denn die schwersten im klinik München Bogenhausen waren alle sehr nett die mit Patienten/rinnen super Gespräche auch ich vermisse das tatsächlich
und Annette mir geht es mit dem Lied von abba (the winner take it all) auch stets die tränen denn mit diesem Lied verbinde ich alles was ich erlebt habe während der Transition und im kh und der Heilungszeit

mit lieben Gruß und ich hoffe da einen erfahrungsbericht abgeben zu können

eure Bibi-Melina )))(:

PS falls gewünscht erzähle ich auch meine 2te op erlebnisse bzw wies in münchen passing war
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Annette
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 33 im Thema

Beitrag von Annette »

Bibi-Melina hat geschrieben: Mo 31. Okt 2022, 22:03 ich berichte dir gerne wie es mir dabei ergangen ist ich hoffe das dieses gestattet ist...
Hallo Bibi

Ganz klar ist dies gestattet, und Danke sehr für deinen sehr ausführlichen Bericht!

Ich bin mit der Bahn dorthin gefahren, zwei Tage zuvor. Ich hab eigentlich nichts weiter gemacht, als zu warten und meine Gedanke niederzuschreiben (das bringt mich jetzt auf eine Idee...). Gleich beim Einchecken kam der erste Hammer: meine bereits anwesende Zimmernachbarin und ich, wir kannten uns bereits! Dank einer anderen Userin aus diesem Forum, mit der ich im vergangen Dezember nach meinem GaOP-Erstgespräch verabredet war. Sie hat mich damals mit zu ihrer SHG eingeladen, und dort habe ich meine künftige Zimmernachbarin kennengelernt. Sehr schöne Erfahrung!

Was den Willkommensdrink anbelangt, da hat es keinerlei Probleme gegeben, die zwei Flaschen gingen gut runter. War wohl ein vorzüglicher Jahrgang! Meine OP dauerte etwa fünf Stunden, und diese ersten Stunden danach, was hab ich geheult. Und ich heule immer noch, wenn ich nur daran denke! Es war der grösste und schönste Augenblick aller Zeiten... Beschwerden und Komplikationen hat es keine gegeben, alles lief wie aus dem Lehrbuch. Mental waren wir dort alle eh gut drauf, und das diensthabende Personal, sowie die anderen Patient(inn)en immer bereit für nette Gespräche.

Meinen gesamten Aufenthalt in der Klinik habe ich akribisch genau dokumentiert, in meinem persönlichen GaOP-Logbuch. Mehr davon später...

Abgeholt wurde ich von meinem besten Freund, der hat sich doch tatsächlich die Mühe gemacht, allein wegen mir, 1200 km (hin und zurück) mit dem Auto zu fahren. Alles in allem war diese OP die beste Entscheidung meines Lebens, und ich würde es immer wieder tun. Wenn ich eines richtig gemacht habe, dann das!

Nochmals danke für deinen Bericht,
nette Grüsse von Annette
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 34 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

Annette hat geschrieben: Di 1. Nov 2022, 20:30 ! Meine OP dauerte etwa fünf Stunden, und diese ersten Stunden danach, was hab ich geheult. Und ich heule immer noch, wenn ich nur daran denke
hallo annette
ja so wars bei mir auch nach der op meine war damals auf 6 studnen angesetzt gewesen und als ich wieder auf dem zimmer war kam kurz darauf einer der ärzte vorbei gehuscht teilte mir mit das die op sehr gut verlaufen sei ohne komplikationen und bevor ich was fragen konnte war er auch wieder weg
nun bin ich ja in einem mit klosterschwestern gross geworden und hatte ja wie im beitrag erwähnt ein bett am fenster also habe och zum fenster raugeschaut in den himmel und unter tränen was mir heute noch passiert den engel des herrn gebetet als dank dafür das alles gut gegangen ist.
was ich nicht erwähnt habe und noch nah holen möchte ist nach dem dritten tagb der op hatte man bei mir den verband weggemacht und ich bat die krankenschwester mir vom unterleib ein bild zu machen nachdem dies geschehen war schickte eines davon meiner damals besten freundin und sie sagte ich zitiere wortwörtlich "melina wenn ich nicht wüsste das das voher anders war würde man meinen ich wäre damit geboren worden"
wie auch du denke ich gerne an die zeit zurück aber wer weiss was da noch kommt.
zur zeit kämpfe ich noch mit dem sozial gericht wegen brust korrektur und aufbau und hoffe das sich da noch was tut

mit lieben gruß die Bibi-Melina
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 35 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo Annette,
Bibi-Melina hat geschrieben: Mo 31. Okt 2022, 22:03 nun war es so das ich damals nie Blockade hatte heißt ich habe den Drink nicht runter gebracht es ging nicht.
Annette hat geschrieben: Di 1. Nov 2022, 20:30 Was den Willkommensdrink anbelangt, da hat es keinerlei Probleme gegeben, die zwei Flaschen gingen gut runter. War wohl ein vorzüglicher Jahrgang!
Wie war, das kann ich bestätigen, war bei mir genauso, fast.
Die 2. Flasche wurde mühsamer, die Keramikabteilung hat den Trinkfluss doch recht häufig unterbrochen. :lol:

Dunja
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 36 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

Dunja hat geschrieben: Di 1. Nov 2022, 23:03 die Keramikabteilung hat den Trinkfluss doch recht häufig unterbrochen.
na ja das kam bei mir etwas später nur eins kann ich sagen wos mal angefangen hatte hörte das nicht mehr so schnell auf huiuiui
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Re: HERZBLUT „ MEINE TRANSITION

Post 37 im Thema

Beitrag von Annette »

EHEFRAU, -BETT UND -BEZIEHUNG (Juni 2020 bis "¦)

Nun ist es ja ganz schön, wenn alles bisher so glatt gelaufen ist, und ich nichts Schlimmeres als über die Schmerzen der Epilation zu berichten weiss. Seit dem Moment meines Outings hat meine Frau an meiner Seite gestanden und trotz der Gewissheit, dass ich begonnen hatte, ihr als Lebenspartner(in) allmählich zu entgleiten, hatte sie nie in Betracht gezogen, mich zu verlassen. Sie wusste, gerade jetzt brauche ich ihre Unterstützung mehr denn je.

Alles, was ich ihr in jenem schicksalhaften Augenblick offenbart hatte, trug ein gewaltiges Konfliktpotential, dennoch sind wir in der Lage gewesen, sachlich über alles reden zu können, ohne zu streiten. Nur darauf kam es jetzt an. Einfach ist es jedoch nie gewesen, auch bei ihr ein ständiges Wechselbad der Gefühle, sie zeigte sich völlig verunsichert, was die Zukunft bringen möchte. Aber wie gesagt, auf einmal sind wir miteinander klargekommen, im Gegensatz zu den schrecklichen Jahren zuvor.

Wir konnten wieder unbeschwert miteinander umgehen, endlich wurde wieder was zusammen unternommen, was während den vergangenen Jahren nahezu unmöglich gewesen ist. All die Jahre vor meinem Outing waren beziehungsmäßig, wie in vielem anderen auch, völlig an die Wand gefahren. In unserer Familie herrschte kalter Krieg, wir sprachen nur das Nötigste miteinander, wir mieden uns, schliefen in getrennten Räumen und niemand wagte auch nur einen Schritt in die richtige Richtung. Wenn ich heute zurückblicke, bin ich einfach nur zu feige gewesen, um frühzeitig mit meiner Wahrheit daherzukommen. Hätte ich damals gewusst, dass mein Outing so unkompliziert ablaufen würde, mit Sicherheit hätte ich es beizeiten getan und uns beiden damit viele Jahre an Frust und Ärger ersparen können.

Nun, all das hat sich gerade geändert, schlagartig! Durch mein Outing, wegen meiner Ehrlichkeit. Die Offenheit und Hilfsbereitschaft meiner Frau ist das schönste Geschenk gewesen, das sie mir je gemacht hat. Dafür bin ich ihr unendlich dankbar, immer noch.

Dann kam ihr Geburtstag. Der 50! Den ich natürlich total verschweisst hatte. Zu sehr bin ich mit mir selbst beschäftigt gewesen, wie auch mit all meinen Zukunftsplänen als Frau! Nur das existierte in meiner Gedankenwelt! Ohne es zu merken, bin ich meiner eigenen Selbstverliebtheit anheimgefallen. Am Morgen ihres Geburtstages fiel mir das gerade noch so ein, ich wollte sie zum Dinner einladen, doch leider zu spät. Sie hatte bereits was mit ihren Freundinnen. Damit habe ich es verkackt und mich praktisch selbst abgeschossen. Ich war völlig verzweifelt, erlag einem Heulkrampf und selbst da hat sie mich nicht im Stich gelassen. Sie umarmte mich, ließ mich ausheulen und zeigte einigermaßen Verständnis für mich. Erneut sagte sie, sie würde mich bis auf weiteres in allem unterstützen, sähe darin vielleicht so 'ne Art Bestimmung.

Um diese Zeit, im September 2020, hatten wir zum letzten mal Sex miteinander. Nicht wie Männlein und Weiblein, das wollte und konnte ich ohnehin nicht mehr. Nein, da sind zwei Frauen zusammen im Clinch gewesen. Für mich war das gut und richtig! Im Anschluss habe ich ihr gesagt, das werde ich niemals wieder vergessen: "Ich möchte so sehr eine Frau sein." Und sie sagte nur: "Ich weiss!" Allerdings hat sie mir kurz nach diesem letzten Akt ihre wahren Gefühle offenbart, nämlich dass sie es nicht mehr mit einer Frau treiben möchte, sondern weiterhin auf echte Männer stünde. Und obwohl diese Aussage für mich ja nichts anderes bedeutete als dass sie mich als Frau sieht, stimmte mich dies dennoch traurig. Aber wenn ich ehrlich bin, konnte ich sie verstehen, sehr gut sogar.

Trotz aller Akzeptanz und Toleranz gab es jedoch immer wieder Kritik und Tadel. In all den vorhergegangenen Jahren hat es wohl nicht genügt, mein eigenes Leben an die Wand zu fahren, sondern ich musste erkennen, dass ich auch ihr Leben gehörig über einen Haufen geworfen habe. Auf die ständigen Diskussionen, alle im Rahmen gegenseitiger Empathie, habe ich jedoch zunehmend emotionaler reagiert, oft war mir aus nichtigem Anlass zum Heulen zumute (die noch kommende HET sollte das auch noch bestärken), nicht zuletzt wegen der Tatsache dass ich endgültig aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verbannt wurde. Sie wollte keine Frau neben sich im Bett haben, und trotz meines Verständnisses hat dies mir dennoch ziemlich weh getan.

Letztendlich jedoch überwogen Vernunft und Toleranz, immer wieder beteuerte sie, mich nicht verlassen zu wollen, jedenfalls nicht bevor ich das finale Ziel meiner Transition, die GaOP erreicht haben sollte. Und sie hat ihr Wort gehalten! Das werde ich nie vergessen! Nie hat sie sich mir gegenüber verschlossen, war an allem interessiert, hat mich emotional unterstützt, hat immer zu mir gestanden und mich in allen möglichen Situationen verteidigt. Nie hat sie sich je negativ über Trans geäußert, stattdessen ist sie immer sehr einfühlsam gewesen, hat sich sogar bereit erklärt, bei Bedarf als "Ansprechperson" in unserer SHG mitzuhelfen was die Sorgen und Interessen anderer Partner von Transmenschen anging. Das hatte sie dann auch gelegentlich getan, was sicherlich einigen anderen Transfrauen zugute kam. Sehr noble Geste von ihr, finde ich,"¦ das und so vieles mehr! Trotz der unumstößlichen Gewissheit, dass ich es gewesen bin, die ihr Leben praktisch über Nacht zerstört hatte. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Alles in allem ist meine gesamte Transition auch bei ihr eine emotionale Achterbahnfahrt gewesen, zum einen steht sie voll hinter mir, zum anderen möchte sie nicht einmal ansatzweise eine weitere Partnerschaft mit mir, einer Frau. Das war, und ist immer noch, eines unserer Hauptanliegen, und mittlerweile sind wir eine "WG unter Freundinnen". Und sollte sie eines Tages einen Kerl kennenlernen, so werde auch ich alles dransetzen, sie zu unterstützen. Ich denke, das bin ich ihr schuldig, denn so sehr ich mich über meine wahre Bestimmung freue, so sehr fühlt sie sich verunsichert und auch betrogen. Doch all dem und vor allem mir selbst begegnet sie mit Anstand und Größe!

Und nun möchte ich kurz innehalten, und meiner Weggefährtin, diesem lieben und wundervollen Menschen, gedenken, dessen Leben ich zu grossem Teil verbockt habe. Es tut mir leid! Es tut mir so unendlich leid, dass ich mich nie früher getraut hatte, ich war einfach nur feige. Natürlich hatte ich über all die Jahre mächtig Schiss sie zu verlieren, hatte Angst mich in der Gesellschaft zu outen, doch im Nachhinein gebe ich es zu. Ich war feige! Ich habe mein und auch ihr Leben versaut. Wie sehr wünsche ich mir, ich hätte mich beizeiten, also vor über 20 Jahren, outen können. Was hätten wir beide an Lebensqualität gewonnen! Dies ist auch ihr Hauptvorwurf, den sie mir nach wie vor macht, und ich verstehe, was sie damit meint. Ich denke zum Thema Outing und Transition habe ich ja alles richtig gemacht, doch leider hatte ich zu lange damit gewartet. Viel zu lange!

Es tut mir leid!

Annette CS
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