Das sind interessante Fragen und ich wage mal eine Antwort aus meiner persönlichen Sicht.Salmacis hat geschrieben: Mo 26. Dez 2022, 01:09 Wäre eine Transition denn noch nötig, wenn es gar keine Geschlechterrollen gäbe? Kommt der Wunsch nach körperlicher Anpassung nur durch den gesellschaftlichen Druck auf eine trans Person? Gäbe es denn dann überhaupt noch Transidentität? Fragen über Fragen und keine Antwort in Sicht weil alles nur Theorie ist![]()
Für mich war immer die weibliche Geschlechterrolle interessant, also meine Rolle in der Gesellschaft, nicht so sehr das Körperliche. Als Mann habe ich mich immer unwohl und fehl am Platze gefühlt, weil ich als mentale Frau diese Rolle nicht wirklich ausfüllen konnte. Irgendwann habe ich es geschafft, die Seiten zu wechseln und nun war der gesellschaftliche Druck vorhanden, auch meinen Körper anzupassen, zumindest soweit das außen sichtbar ist (Busen, Haare Bart).
Gäbe es noch Transidentität, wenn das nicht so wäre? Ich denke ja, denn wir können bei allen gesellschaftlichen Veränderungen die Biologie nicht außer Acht lassen. Einerseits hat die Biologie zu all diesen gesellschaftlichen Normen geführt, andererseits ist Transidentität etwas, das in unseren Köpfen stattfindet. Unsrere Geschlechtsidentität (Kopf) passt nicht zum Körper. Selbst wenn alles Äußerliche passen würde, nicht. Jetzt kommt die Aufregerbehauptung, die ich mit meiner eigenen Erfahrung belegen kann: solange wir einen männlichen Testostronspiegel (Körper, Biologie) haben, werden wir mit unserer weiblichen Geschlechtsidentität (Kopf) nicht im Reinen sein. Das habe ich mit der HET erfahren: nach drei Monaten war das Testo runter und mir ging es zum ersten Mal im Leben wirklich gut. Seitdem bin ich ausgeglichen und nach einigen persönlichen Entwicklungen in meiner Mitte angekommen. Das äußerliche Leben in der weiblichen Rolle allein hätte das bei mir nicht bewirkt.
Jetzt komme ich noch mal kurz zu der Eingangsfrage: wenn Kleidung nicht geschlechtlich konnotiert wäre...
Für die, die den Kick suchen, wäre das doof. Für die, die damit ihre Rolle in der Gesellschaft definieren wollen, auch. Die müssten andere Wege finden. Um das Einheitsgrau der Männer aufzulockern sicher super, dann wäre ein Punkt der Gleichberechtigung abgehakt. Doch am Ende wird es immer Untersschiede in der Kleidung geben, weil Mensch die Kleidung nun einmal als Ausdruck seines Inneren gefunden hat. Auch die Geschlechtsspezifik bekommt Mensch sicher nicht mehr in die Tube zurück.