Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich
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Maike
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Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 1 im Thema

Beitrag von Maike »

Hallo Ihr Lieben,

gerne greife ich den Vorschlag von Malvine auf und wir starten einen neuen Thread um den tollen Austausch hier
viewtopic.php?p=357402#p357402
separat fortzusetzen.

Unsere Biographien, Erfahrungen und Empfindungen sind ja (teilweise) unglaublich ähnlich - mit all ihrer Individualität. Vielleicht können wir uns gegenseitig weiter Mut machen und wir finden Wege zum Glücklichsein!

Ein Gedicht hat mich in letzter Zeit sehr bewegt - es trifft perfekt meine aktuelle Gefühlswelt:

"Meine Seele hat es eilig" von Mario de Andrade aus San Paolo; er lebte von 1893 bis 1945 und war Dichter, Schriftsteller Essayist, Musikwissenschaftler.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe. Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.
Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeit zu kämpfen.
Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.
Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.
Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.
Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.
Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.


Deswegen gehe ich auch nach vielen Jahrzehnten endlich meine Transition an - meine (weibliche) Seele hat es nämlich sehr eilig!

LG Maike
Es ist wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst!
Ulrike-Marisa
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 2 im Thema

Beitrag von Ulrike-Marisa »

Moin,

...ein schönes Gedicht, das uns alle angeht und das ausdrückt, was ganz viele von uns vermutlich so auch sehen und fühlen; danke...

Grüße, Ulrike-Marisa :wink:

...ich bin das, was ich bin und nicht das, was andere in mir zu sehen glauben...
Sylvia H
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 3 im Thema

Beitrag von Sylvia H »

In der Tat, ein gutes Gedicht, das mich zudem sehr nachdenklich macht. Natürlich weiß man um diese Tatsachen, aber seinen Weg dann letztlich auch wirklich zu gehen"¦. Leichter gesagt als getan.

Sylvia
Jasmine
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 4 im Thema

Beitrag von Jasmine »

Ein schönes Gedicht. Corona hat mich zwar zurückgeworfen aber ich gehe fest entschlossen meinen Weg weiter.
Liebe Grüße Jasmine
Plisseedreher70
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 5 im Thema

Beitrag von Plisseedreher70 »

Hallöchen,
ich finde diesen Thread sehr interessant und auch gewissermaßen wichtig.
Eigene Gefühle, auch wenn sie abseits des Üblichenen liegen, sollten niemals verdrängt oder ingnoriert werden. Die Seele und das Wohlbefinden können ein Leben lang darunter leiden.
Wenn ich mir vorstelle, von jung an nie Satinröcke oder Kleider anziehen zu können (dürfen),
mein Leben hätte düster ausgesehen! Zum Glück habe ich mich nie selbst angelogen.
Gruß Plissi
Bin Mann, bleibe Mann, aber festliche Glanzkleider überziehen ist für mich berauschend!
Lorelai74
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 6 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hallo Maile,

Oh das Gedicht kenne ich gut.
Ich hab es 2018 gefunden /bekommen und fand es zuerst sehr wahr.

Dann hatte ich aber doch das Gefühl ich würde gerne darauf "antworten".

Den folgenden Text hab ich damals dazu geschrieben und teile ihn gerne nochmal hier.
Wunderbaren Sonntag Dir
Lori

Das Gedicht enthält viel Weisheit.
Nur der Eile würde ich widersprechen.

Eile ist eine Illusion, die auf unserem Glauben basiert das wir bisher oft Zeit verschwendet haben. Und darauf das wir jetzt weniger Zeit haben um Sinnvolleres damit anzufangen.

Aber wir haben keine Zeit verschwendet.

Alle Erfahrungen auf unserem Weg haben uns zu den Fragen und Einsichten von heute geführt.

Wenn wir Eile denken, dann richten wir zwischen guter Zeit und "schlechter" Zeit und das lässt uns leiden, weil wir denken wir hätten sie besser "nutzen" können.

Aber es ist doch so:
Nur weil wir Zeit für Feste oder das Treffen mit Menschen verbracht haben, die uns nicht weiterbringen, ob wir Zeit damit verbracht haben um Mittelmäßigkeit zu erleben, spüren wir das wir anderes Bedürfen.

Du hast bestimmt schon gespürt, das jeder Moment, den wir achtsam leben sich vollkommener anfühlt. Das sich jeder Moment in dem wir nicht richten, nicht über "das ist schön" oder "das ist nervig" entscheiden uns weniger leiden lässt.

Das Wesentliche sind wir selbst.
Das größere Selbst das in uns ist.
Und dieses Selbst kann sich aus den Verwirrungen des Alltags so erheben wie der Lotus aus dem schlammigen Wasser - rein und unbefleckt, schön und klar- wenn wir es wollen.

Aber dafür müssen wir unsere inneren Richter ins Schweigen fallen lassen.

Lass uns an den Schönheiten und Freuden freuen denen wir in unseren Momenten erleben, und lass uns über unsere Unvollkommenheiten und die der anderen Lächeln.

Wir Menschen sind so.

Lass uns versuchen uns nicht zu ärgern oder wütend zu werden. Lass uns nicht geizig sein mit unserer Zeit und lass uns frei werden von den Dingen um uns. Denn oft Besitzen nicht wir sie, sondern sie uns.

Lass uns versuchen ganz wahrhaftig Wir zu sein wenn wir beinander sind, ohne jede Maske und Schauspielerei, dann berühren sich unsere Herzen und wir können miteinander wachsen.

Ich weiß es ist nicht leicht das zu versuchen, ich scheitere selbst jeden Tag an manchen. Aber so wie sich die Blüte des Lotus Nachts schließt, so öffnet sie sich am nächsten Tag wieder.
Männlich / Weiblich: das sind doch bürgerliche Kategorien.
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 7 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Moin,

ja, das Gedicht ist sehr passend. Ich habe den folgenden Satz einmal heraus gepickt.
Maike hat geschrieben: Fr 4. Nov 2022, 18:51 ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Mir ist das bei einem Freund auch schon aufgefallen. Wir haben völlig unterschiedliche Lebenswege mit relativ wenig Kontakt, aber in den Schlussfolgerungen und Erkenntnissen sind wir uns sehr nahe. Ich habe das auch auf Reife zurück geführt. Aber was bedeutet Reife ? Sie hat mMn nicht unbedingt mit Lebensalter zu tun, sondern mit der Selbstreflexion. Diese ewige Frage, wer und was ich bin, die zu immer neuen Ergebnissen führt. Das Emanzipieren von Vorstellungen und Erwartungen anderer, die mein Leben so sehr bereichert. Ob ich jetzt mehr von mir weiß ? Teilweise, aber ich weiß, was ich nicht mehr will: Verstecken, tarnen und täuschen. Um ein Bild zu geben: Ich gehe erhobenen Hauptes en femme und ungeschminkt in eine 2nd-Hand-Boutique scherze mit Verkäuferin und Eigentümerin und bin einfach nur Frau. Auch dass ich plötzlich einer Kollegin gegenüberstehe, die nichts von Vicky weiß, bringt mich nicht mehr aus dem Konzept. Vielleicht ist das der Einstieg von Vicky im Büro.

Ich denke schon lange, wie sehr sich unsere Geschichten ähneln, obwohl wir total unterschiedlich sind. Vielleicht liegt es daran, dass uns das Thema zusammen die Wege gehen lassen. Wir unterstützen uns widersprechen uns und begleiten uns auf unserem Weg. Wir orientieren uns an den Gedanken anderer und bringen unsere Gedanken zur Orientierung ein, aber wir bleiben niemals stehen. Mir hat es viel Mut gemacht, hier zu lesen und zu schreiben und sehe, dass es Anderen auch so geht. Es hat mir auch Mut gemacht, Dinge zu wagen. Vor Jahren hätte ich mir nie zugetraut, "Frau" zu mir zu sagen. Heute ist das Empfinden und Leben ein Bestandteil meines Lebens. Es hat mich ungeheuer befreit, das zu tun. Lori schreibt:
Lorelai74 hat geschrieben: So 20. Nov 2022, 03:23 Aber dafür müssen wir unsere inneren Richter ins Schweigen fallen lassen.
Das sehe ich nicht so. Es ist nicht die innere Richterin, die zum Schweigen gebracht werden muss, sondern das innere Gesetzbuch muss umgeschrieben werden.

Präambel: Ich bin wertvoll, wie ich bin

-§1: Ich bin mir wichtig. Ich bin geschaffen, wie ich bin und ich habe das zu leben, wie ich bin.
-§2: Andere Menschen sind mir so wichtig, dass sie mich erleben dürfen, wie ich bin.
-§3: Sich verstecken, oder sich unter den Scheffel stellen ist nicht erlaubt.
-§4: Ich will immer daran arbeiten, ich dass -§1 ehrlich lebe.

Und jetzt kommt meine innere Richterin und sagt mir, ob ich dieses Gesetzbuch befolge. Dafür brauche ich die strenge, innere Richterin. Sie ist aber auch gnädig, wenn ich es wieder einmal nicht schaffe, offen und ehrlich lebe oder mich vor meiner Verantwortung vor mir selber drücke. Und das kommt oft genug vor.

Aber in den letzten Jahren wurde sie zunehmend zufriedener. Sie hat erkannt, dass ich immer mehr den Gesetzen folge. Darüber ist sie und ich sehr froh...
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Maike
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Re: Gefühlswelten - wie wird unsere Seele glücklich

Post 8 im Thema

Beitrag von Maike »

Vielen lieben Dank für die wertvollen Ergänzungen und Kommentierungen!

In der Tat, vielleicht ist der Begriff "Eile" in unserer Zeit doch nicht mehr so passend, v.a. wenn man ihn nach heutigen Maßstäben sieht. Eile im Sinne von Hektik, Geschwindigkeit, Multitasking, Stress, Dauerbelastung etc.
Eile würde ich aber auch interpretieren (und Mario de Andrade lebte ja von 1893 bis 1945 - also in einer "anderen Zeit"), dass mehr Achtsamkeit im Leben erforderlich ist. Mehr Konzentration auf das Wesentliche, auf die wichtigen Dinge im Leben. Hierzu zählt dann auch für mich (uns), sich endlich bewusst zu machen, wer man ist und was man will. Ich habe hierzu viele Jahrzehnte gebraucht. Ich schaue nicht (mehr!) mit Ärger und Traurigkeit zurück, sondern mache mir meine Endlichkeit bewusst und will endlich die verbleibende Zeit optimal und achtsam nutzen. So interpretiere ich für mich "Eile".

Lasst uns - gerade auch wegen so ähnlichen Biographien - weiter gegenseitig Mut machen, den eigenen Weg achtsam zu gehen und das Leben zu genießen. Mir haben Eure Berichte und Erfahrungen unglaublich Mut gemacht (auch die Berichte über Probleme, Hürden etc.) und den Weg vorbereitet!
Dafür herzlichen Dank! (he)
LG Maike
Es ist wie es ist. Aber es wird, was du daraus machst!
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