Melissas Memoiren
Melissas Memoiren - # 6

Crossdressing und selbst Erlebtes... Erdachtes
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Malvine
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Re: Melissas Memoiren

Post 76 im Thema

Beitrag von Malvine »

Hallo Melissa,

es war mir eine Ehre heute in deine Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen zu dürfen. Dein Schreibstil lies mich bei jedem Teil deiner Geschichte mitfühlen und die eigene Gefühle wieder präsent werden. Ich freue mich schon auf weiter Berichte aus deinem Werdegang.
Im Gegensatz zu dir habe ich die Verwandlung zu Malvine schon durch und kämpfe jetzt mit mir und der Erklärung gegenüber meiner Frau - aber die Gefühle und der Seelenfrieden ähneln sich doch sehr.

Malvine
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manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 77 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hier ist Melissa - Teil 2

Meine Freundin kam durch die Tür und blieb vor mir stehen. Sie musterte mich, ihr Gesichtsausdruck sah aus wie eine Mischung aus Schock und Bewunderung. Ich quälte mich zu einem unsicheren Lächeln, während wir uns an den Händen nahmen. Es lag eine merkwürdige Spannung in diesem Moment. Da war eindeutig Liebe und tiefes Vertrauen, aber auch die Berührungsangst vor einer vermeintlich fremden Person und einfach eine gewisse Unsicherheit auf beiden Seiten. Von mir fiel ganz viel ab in diesem Moment, ich zitterte immer noch, aber war gleichzeitig extrem glücklich, dass die Katze aus dem Sack war. Zum ersten Mal überhaupt war dieser Teil meiner Identität offen sichtbar für eine andere Person. Ich hätte meine Freundin am liebsten fest gedrückt und geküsst, aber ich wusste, dass das irgendwie unangebracht gewesen wäre.

Recht schnell ging sie Richtung Schlafzimmer und zog mich hinterher, ins Licht, damit sie mich besser sehen konnte. Sie bestaunte meine Erscheinung, weil sie aus so vielen kleinen Elementen bestand. Ich drehte mich für sie um meine Achse, damit sie einen Rundumblick bekommen konnte. Sie war von meinem Make-up begeistert, wie ich in den Schuhen gehen konnte, sah erst jetzt richtig meine lackierten Fingernägel. Ich hatte an alles gedacht, jedes Detail, und es freute mich umso mehr, dass sie das wahrnahm und mich dafür lobte. Wir setzten uns auf das Bett und redeten eine Weile, über meine Aufregung (meine Hände und Stimme zitterten immer noch), über meine Verwandlung und darüber, wie harmlos das alles doch eigentlich war. Auch ein paar konkretere Fragen besprachen wir: Ob ich das jetzt öfter wollte - eindeutiges Ja. Ob ich auch als Frau nach draußen wollte - vermutlich schon. Innerlich war ich mir ziemlich sicher, aber ich wollte nichts überstürzen, deshalb antwortete ich eher vage. Dieses Gespräch war enorm wichtig: Ich hatte meiner Freundin, glaube ich, wieder einen großen Brocken Angst genommen. Einfach nur dadurch, dass ich mich ihr so ehrlich, so unfassbar verletzlich und schüchtern gezeigt hatte. Sie dankte es mir mit einer sehr ruhigen, vertrauensvollen Atmosphäre, in der ich mich sehr sicher und wohl fühlte.

Nach einiger Zeit gingen wir zusammen ins Wohnzimmer, weil meine Freundin weiterarbeiten musste. Ich setzte mich auf die Couch und machte es mir dort gemütlich. Mittlerweile hatte ich mich etwas beruhigt und war nicht mehr ganz so nervös. Statt sich an den Küchentisch zu setzen, blieb meine Freundin jedoch im Türrahmen stehen und stellte mir eine vorerst letzte, aber umso wichtigere Frage: "Wenn du das jetzt öfter machst, hättest du dann auch gern einen Namen?" Mich traf diese Frage nicht ganz unvorbereitet. Je klarer mir wurde, dass ich eine weibliche Seite habe, die auch ausgelebt werden will, desto öfter machte ich mir Gedanken um einen passenden Namen. Ich bejahte die Frage also in freudiger Erwartung, verriet aber meinen bisherigen Favoriten noch nicht und bat erst mal um unvoreingenommene Vorschläge. Zugegeben, meinem männlichen Vornamen einen weiblichen Anstrich zu geben, ist nicht ganz so einfach. Entsprechend schrecklich fand ich auch die ersten beiden Vorschläge meiner Freundin, die doch sehr stark und krampfhaft an meinen ursprünglichen Vornamen anknüpften. Auch Marie war durchaus im Rennen, fühlte sich aber irgendwie verbraucht an. Wohlgefühlt hatte ich mich mit diesem Namen auch nie so wirklich. Nach weiteren Vorschlägen, die zwar nicht schlecht, aber durch Freunde oder Verwandte vorbelastet waren, fiel zum ersten Mal mein neuer Name: "Melissa?", fragte meine Freundin. Da war er, mein heimlicher Favorit. Und schon als meine Freundin ihn aussprach, wusste ich: Das ist er! Melissa fühlte sich verdammt richtig an. Der Name passte irgendwie zu mir, ich konnte mich damit identifizieren und mochte seinen Klang. Wir gingen noch kurz unseren Bekanntenkreis durch, aber mit der einzigen Melissa darin hatten wir nichts mehr zu tun, zudem war sie uns nicht negativ im Gedächtnis geblieben. Es fühlte sich ein bisschen so an, als würde man einen Babynamen aussuchen. Am Ende war klar: Mein neuer Name war Melissa.

Ich fühlte mich großartig, irgendwie komplett und angekommen. Ich saß da auf der Couch, nicht als verkleidet als Frau, sondern als ich. Meine Freundin arbeitete im gleichen Raum, als wäre überhaupt nichts dabei. Und ich hatte endlich einen schönen Namen für diese Seite von mir. Das gab der Frau in mir eine Art Daseinsberechtigung, eine offizielle Bestätigung, dass es sie gibt. Die nächste Zeit saß ich einfach nur da und genoss meine Gefühle. Es machte sich eine tiefe Zufriedenheit breit, die das übliche, aber flüchtige Glücksgefühl beim Anblick meiner lackierten Fingernägel oder dem Rocksaum auf den bestrumpften Beinen noch übertraf. Es war einfach nur schön.

Beschwingt von diesem Hochgefühl zog ich mich später sogar noch um, um meiner Freundin auch mein zweites Outfit zu zeigen. Dieses bestand aus meinem weinroten Langarmshirt mit Schößchenrock und einer schwarzen PU-Leggings. Meine Strumpfhosen konnte ich dafür ausziehen, denn die Leggings verdeckten meine Beinhaare und meine Füße rasierte ich schon länger regelmäßig. Letztere steckte ich einfach wieder in dasselbe Paar Pumps. Ich war stolz, gleich zwei Outfits präsentieren zu können und auch meine Freundin mochte meine Wandlungsfähigkeit, wobei ihr die Leggings nicht ganz so gut gefiel. Im Wohnzimmer zog ich meine Pumps aus und legte mich etwas gemütlicher auf die Couch, was zum ersten Mal auch meine lackierten Zehennägel entblößte. "Du hast aber auch wirklich an alles gedacht", lächelte meine Freundin. Diese Aufmerksamkeit, diese Wertschätzung für diesen Aufwand, sie tat unglaublich gut.

Als es Abend wurde, holte meine Freundin zwei Weingläser aus dem Schrank, um mit mir anzustoßen. Auch das war eine Geste, von der ich zuvor höchstens geträumt hätte. Wir blickten uns in die Augen, und ich bedankte mich einfach nur für diesen wunderbaren Tag und dafür, dass ich so sein konnte, wie ich bin. Entgegen der ursprünglichen Planung durfte Melissa sogar noch zum Abendessen bleiben, bevor ich dann wehmütig ins Bad ging, mich abschminkte, die Nägel ablackierte und duschte. Es ist wohl nicht überraschend, dass ich an diesem Tag überglücklich einschlief. Vorerst war ich am Ziel meiner Träume. Melissa war geboren, sie wurde zwar nicht geliebt, was ich auch nie erwartet hätte, aber liebevoll akzeptiert. So konnte es weitergehen.
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Re: Melissas Memoiren

Post 78 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Liebe Melissa,
und wir danken dir für diesen weiteren und sehr berührenden Teil deiner Lebensgeschichte. (flow) (flow) (flow)
Es ist einfach super schön was du erleben konntest und es du dir eine liebevolle und verständnisvolle Partnerin an deiner Seite hast. Genieße die Zeit mit ihr in vollen Zügen und halte sie für immer fest.

Auf den nächsten Teil freue ich mich schon sehr.

Viele liebe Grüße
Kathrin
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Re: Melissas Memoiren

Post 79 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Rückschläge

Eigentlich war alles perfekt. Mein letztes großes Problem war vermeintlich gelöst: Ich war vor meiner Freundin als Crossdresser geoutet, sie hatte mich endlich en femme gesehen, und beides führte nicht zu einem großen Streit, oder gar zu einer Trennung. Im Gegenteil: Es stärkte unsere Beziehung; dieses Glas Wein als Melissa zusammen mit meiner Freundin zeugte von tiefem gegenseitigem Vertrauen und einer gemeinsamen Basis, auf der wir aufbauen konnten. Der Wille, diesen Weg gemeinsam zu gehen, war da. Aber die Arbeit war dadurch noch lange nicht vorbei. Ich denke sogar, dass sie nie ganz erledigt ist, in keiner Beziehung, aber schon gar nicht in so besonderen Konstellationen. Mir war das durchaus bewusst. Mehr noch: Immer wieder sagte ich mir: "Jetzt verkack"™ es bloß nicht!" Und genau das war der Fehler, denn ich versuchte es zu sehr.

Mein erstes Mal (selbstbestimmt) en femme war ein Meilenstein. Es war ohne Frage unglaublich befreiend und schön, aber diese Befreiung hatte auch einen Haken: Ich wollte das wieder, und ich wollte es oft. Ich hatte das alles erwartet, las damals schon oft und noch unangemeldet im Forum und wusste um die "zweite Pubertät", die mir bevorstand: Sich ausprobieren, eine schiere Sucht entwickeln, shoppen, einen Stil finden, mehr Make-up ausprobieren, shoppen, zu kurze Kleider und zu hohe Schuhe tragen, die eigenen Skills verbessern, und nochmal shoppen. Und ich las mehrfach auch all die wertvollen Tipps, vor allem für diese wilde Zeit: Langsam angehen lassen, der Partnerin Zeit geben, sie nicht überfordern, es nicht übertreiben, viel kommunizieren. Wie bringt man diese beiden Pole zusammen? Den Drang und die Rücksicht, das Herausbrechen jahrelang unterdrückter Gefühle und das langsame, umsichtige Heranführen der Partnerin an diese unbekannte Seite? Für mich lautete die Antwort leider: gar nicht.

Was nicht heißt, dass ich es nicht versucht habe. Nachdem meine Freundin Melissa zum ersten Mal zu Gesicht bekommen hatte, überwog bei mir natürlich die Euphorie. Anfangs ging ich auch sehr offen damit um und fuhr auch gut damit. Etwa einen Monat nach meinem ersten Auftritt nutzte ich einen freien Tag, um schminken zu üben. Meine Freundin wusste davon, denn sie saß währenddessen im Wohnzimmer und arbeitete. Außerdem hatte ich ihr bereits im Vorfeld gesagt, dass ich ein paar neue Make-up-Produkte kaufen und ausprobieren wollte, was ich dann auch tat. Ich schminkte mich also zwei Stunden lang, machte ein paar Bilder nur für mich, und schminkte mich wieder ab. Keine Klamotten, keine Schuhe. Eine für alle Beteiligten unspektakuläre Aktion. Aber lange hielt ich es nicht aus, bevor ich wieder mehr wollte. Mein Verlangen hatte auch damit zu tun, dass Melissa immer normaler und im Alltag präsenter wurde. Meine Sachen wanderten nach Absprache mit meiner Freundin in meinen regulären Kleiderschrank. Melissa wurde auch offiziell ein Teil von mir, was mich sehr freute. Gleichzeitig wurde ich dadurch regelmäßig mit der Möglichkeit konfrontiert, etwas hübsches anzuziehen. Immer öfter, wenn ich alleine zu Hause war, schlüpfte ich also in meine Unterwäsche, mein Kleid oder meine Pumps. Oder gleich alles zusammen. Und ich schwieg darüber, weil ich nicht die alten Ängste meiner Freundin wecken wollte, dass ich zu viel, zu oft oder gleich ganz Frau sein will. Das war ein großer Fehler, weil es mich zurück in die Heimlichkeit trieb, aus der ich mich vorher so mühsam herausgekämpft hatte. Ich hatte ein schlechtes Gewissen und vermied Verwandlungsschritte wie lackierte Nägel und Make-up, weil man Spuren dieser auch nach dem Entfernen eventuell noch sehen konnte. Das volle Programm musste ich also weiterhin bei meiner Freundin ankündigen.

So wie Ende August 2020, etwa drei Monate nachdem ich zum ersten mal Melissa sein durfte. Ich war am Wochenende alleine zu Hause und hatte deshalb nochmal Lust auf das volle Programm. Schon allein das hätte mir zu denken geben müssen: Warum hatte ich Lust darauf, weil ich alleine war? Meine Freundin reagierte eher gleichgültig. Auch das kommt mir heute wie ein frühes Warnsignal vor. Sie entfremdete sich damals immer mehr von meiner weiblichen Seite, wollte am liebsten gar nichts davon wissen, wirkte oft ablehnend. Sie fing offenbar wieder an, es zu verdrängen, weil sie immer noch Ängste hatte. Statt ihr diese zu nehmen und das Gespräch zu suchen, hielt ich Melissa bewusst von ihr fern. Es wurde wieder schwerer, über das Thema zu sprechen und ich rutschte wieder in alte Muster. Immerhin hatte ich es geschafft, sie über meine Pläne zu informieren, und so konnte ich mich nochmal, ohne schlechtes Gewissen, von Kopf bis Fuß verwandeln. Ich trug die gleichen Outfits wie beim ersten Mal, also zuerst mein schwarzes Kleid und dann meine PU-Leggings und ein weinrotes Langarmshirt mit Schößchenrock. Von diesen Outfits gibt es auch die ersten Bilder von Melissa, die ich an diesen Beitrag anhänge. Zu dem Anlass bestellte ich mir auch ein Paar cremefarbene Sandaletten, weil ich endlich mal offene Schuhe wollte, durch die man meine lackierten Nägel sehen kann. Auch wenn sie von vorne und oben gut aussahen und sehr bequem und stabil waren, habe ich sie wieder zurückgeschickt, weil sie an der Ferse leider nicht richtig passten. Der Rest des Tages verlief aber erfolgreich, ich fühlte mich gut und war zufrieden, auch wenn es allein, ganz ohne Feedback und Reaktionen, etwas seltsam war. Meine Freundin fragte nicht nach, wie es gelaufen war. Ich erzählte auch von mir aus nichts. Das Schweigen wurde bedrückender.

Im Herbst zogen wir um, was Melissa automatisch auf die Tagesordnung brachte. Wir mussten gemeinsam dafür sorgen, dass alle Sachen sicher verstaut waren und auch nur von uns ausgepackt wurden. Die Gespräche darüber machten die Situation wieder etwas normaler, fast schon im positiven Sinne komisch, weil wir auf einmal "partners in crime" waren. Wir wollten einfach beide ein ungewolltes Outing vor unseren Familien, die beim Umzug halfen, verhindern. Doch das war nur ein kleiner Lichtblick, denn beim Einzug passierte der nächste Fehler: die Kiste mit Melissa-Sachen stand in einer Ecke in der Abstellkammer, und dort blieb sie zunächst. Sie einfach wieder in den Schrank zu räumen, traute ich mich nicht. Melissa wurde schrittweise wieder in den Hintergrund gedrängt. Ausdrücklich nicht von meiner Freundin, sondern vor allem von mir selbst.

Im Winter zog ich erneut heimlich meine Sachen an und verschlampte beim Ausziehen unbemerkt meine Unterhose. Als meine Frau von der Arbeit kam, fragte sie nach wenigen Minuten mit vorwurfsvollem Ton: "War Melissa wieder zu Besuch?" Ich fragte sie überrascht, woher sie das wisse. "Deine Unterhose"¦", antwortete sie. Ich schämte mich, und es herrschte kurz betretenes Schweigen, dann redeten wir über etwas anderes. Die Einschläge kamen näher. Auch der Kauf von neuen Sachen wurde unangenehmer. Die erfolglose Sandalettenbestellung hatte ich noch mit Freude abgesprochen und es entstand damals keine negative Spannung. Später plante ich, Kunstnägel zu bestellen, da teilte mir meine Freundin in eher ablehnendem Ton mit, dass ich doch bestellen könne, was ich wolle. Ich tat das dann auch, aber wir redeten nicht mehr darüber. Einen neuen, knalligen Lippenstift kaufte ich dann schon, ohne ihr etwas davon zu sagen.

Es kam also, wie es kommen musste: Melissa musste nochmal raus, aber ich schaffte es nicht, darüber zu reden. Also machte ich es einfach. Meine Freundin arbeitete, ich war im Home Office, und nach einem frühen Feierabend legte ich los. Ich wollte mich mal so richtig aufbrezeln, mit kräftigem Lidschatten und knallroten Lippen. Zu meinem Erstaunen gelang mir das ganz gut. Ich probierte zum ersten Mal die Kunstnägel aus, die meinen Nägeln eine schöne, feminine Mandelform verliehen. Ich lackierte sie ebenfalls knallrot. Aus Mangel an Alternativen trug ich wieder mein einziges Kleid und die schwarzen Pumps. Ich war sehr glücklich, fand das Ergebnis sehr gelungen und mich selbst sogar fast ein bisschen sexy. Ich setzte mich auf die Couch und begann gerade den Nachmittag en femme zu genießen, als meine Freundin nach Hause kam - viel früher als sonst. Ihr Blick sagte alles: Wut, Trauer, vor allem Enttäuschung. Es kam gar nicht zu einem richtigen Streit, denn ich wusste direkt, dass ich versagt hatte. Wir weinten beide. Sie klagte über ihre Ängste, die ich durch meinen Rückzug in die Heimlichkeit eher genährt hatte, als sie ihr zu nehmen: dass ich eine Frau sein wollte, dass Melissa eine Konkurrenz zu ihr war, dass ich doch Sex mit Männern oder anderen Crossdressern wollte. Mein aufreizendes Styling an dem Tag trug sicher auch seinen Teil dazu bei. Wir waren also wieder ganz am Anfang. Ich versuchte mich zu erklären, berichtete von meiner Angst, sie zu überfordern und dem Drang mich endlich auszuleben, den ich verspürte, jetzt wo Melissa offen existierte.

Wir redeten sehr lange, es flossen einige Tränen, aber am Ende waren wir uns einig, es nochmal zu versuchen mit Melissa. Diese gemeinsame Basis, von der ich am Anfang schrieb, sie war immer noch da. Ich entschuldigte mich und gelobte Besserung. Es wurde uns bewusst, dass wir uns beide mehr mit der Situation und dem jeweils anderen auseinandersetzen mussten. Die ersten Maßnahmen waren vielversprechend: Wir einigten uns darauf, dass Melissa wieder einen Platz im Schrank bekommen sollte. Auch eine Anmeldung hier im Forum diskutierten wir an diesem Tag zum ersten Mal. Der Gesprächsfaden war wieder hergestellt, wenn auch auf schmerzhafte Art und Weise. Vielleicht brauchten wir aber auch diesen Schuss vor den Bug, um die Bedürfnisse und Ängste des anderen besser zu verstehen und ernst zu nehmen. Wir sind an dieser Krise definitiv gewachsen, und sie war der Beginn von etwas wunderbarem"¦
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Malvine
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Re: Melissas Memoiren

Post 80 im Thema

Beitrag von Malvine »

DANKE!!! für die Vorsetzung deiner eigenen Geschichte, dafür das du deine Höhen und Tiefen hier mit uns teilst.

Malvine
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kathrin84
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Re: Melissas Memoiren

Post 81 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallo Melissa,
danke für diese sehr emotionale Fortsetzung deiner Memoiren. (smili) Ich finde es so wahnsinnig mutig von dir so offen über alles zu sprechen. Damit machst du mir und anderen nicht nur mut, sondern warnst uns auch vor Fehlern.
Danke. (dr)

Liebe Grüße
Kathrin
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Re: Melissas Memoiren

Post 82 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

To shave or not to shave

In der Folge unseres kleinen Tiefpunktes hatten wir uns vorgenommen, radikal ehrlich zueinander zu sein. Das fiel nicht immer leicht, und ich schaffte es auch sicher nicht immer, aber allein der Versuch führte zu deutlich mehr Berührungspunkten zwischen meiner Freundin und meiner weiblichen Seite. Ich begann, öfter laut zu denken. Sagte ihr einfach, wenn mir ein Outfit einer anderen Frau gut gefiel. Versteckte mein Interesse an Schuhen, Make-up und Nagellack nicht mehr, sondern redete einfach offen darüber. Und ich kommunizierte endlich meine Bedürfnisse, meine Wünsche und Probleme im Hinblick auf die Frau in mir. Melissa bekam mehr Raum, war präsenter. Ich ließ gar nicht erst zu, dass einer von uns beiden das Thema verdrängen konnte.

Ein Thema, das dadurch erschreckend und vielleicht auch fahrlässig schnell auf die Tagesordnung kam, war das Rasieren meiner Beine. Das kommt mir deshalb so vor, weil damit erstmalig eine nach außen sichtbare Veränderung mit eindeutigem Melissa-Bezug zur Diskussion stand. Und das recht kurz nach einem Streit, in dem es unter anderem um die Frage ging, ob ich nicht doch "mehr will". Aber es beschäftigte mich schon seit einiger Zeit enorm, wie ich dem Wildwuchs dort unten Einhalt gebieten konnte, und so beschloss ich, die Sache anzugehen. Es ging allerdings viel weniger um das Wie, denn das lag ja auf der Hand, sondern erst mal um das Ob, und dann natürlich um das Was-sagen-die-anderen. Heute muss ich über diese Gedanken schmunzeln, aber vor gar nicht langer Zeit nahmen diese Fragen sehr viel meiner Gehirnkapazität in Anspruch, und ich weiß, dass es vielen hier ähnlich geht oder ging. Wie kam ich also zu einer Lösung?

An der Stelle lohnt sich ein kleiner Rückblick: Meinen ersten Kontakt mit glatten Beinen hatte ich ja in der
manchmal_melissa hat geschrieben: Do 11. Nov 2021, 19:21 Ferienfreizeit
ein paar Jahre zuvor schon gehabt. Allerdings konnte ich es da nicht so richtig genießen, weil das Gefühlschaos zwischen der Freude über die Verkleidung zur Frau und dem verkrampften Versuch, sie mir nicht anmerken zu lassen, jede andere Empfindung dämpfte. Dazu kam noch das Schamgefühl, weil ja rasierte Beine in diesem Kontext eine Art Demütigung darstellten, über die sich die anderen amüsierten. Ich war also insgesamt recht froh, dass die Haare sehr schnell wieder nachwuchsen, und hatte jede Erinnerung an das Gefühl rasierter Beine schnell verloren.
manchmal_melissa hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 20:40 In der Folge
kamen ja ein paar Verkleidungen dazu, mit der Mottowoche als vorläufigem Highlight meiner weiblichen Karriere. Statt die Beine zu rasieren, entdeckte ich damals mehrere Lagen von Strumpfhosen als reversible Alternative.

Weil mir eine Beinrasur damals völlig utopisch schien, übernahm ich diese Vorgehensweise auch später für meine selbstbestimmten Verwandlungen zu Melissa. Es wurde Usus, mir unter jedem Kleid drei Lagen Strumpfhosen über die unrasierten Beine zu streifen. Das war ein schönes Gefühl und vor allem Ritual, weil so schichtweise auch der Kopf in den weiblichen Modus umschalten lernte.

Aber auf Dauer, das heißt spätestens ab dem dritten Mal, nervte es auch. Es war ziemlich heiß unter den Strumpfhosen, und meine Beine sahen zwar von Weitem glatt aus, aber so viel Stoff wirkte nicht wirklich natürlich, sondern sah eher nach Wollstrumpfhose aus. Vor allem beschränkten sie mich sehr in der Wahl meiner Klamotten und Schuhe. So gern hätte ich auch mal Sandaletten unter einem Kleid getragen, aber das ging nicht. Ich schaffte mir Alternativen wie die Leggings, von der ich bereits berichtete. Aber so richtig passte das auch nicht, und ich musste meine Füße schon bis mindestens an die Knöchel rasieren, damit keine Haare unter der Hose herausschauten.

Die Füße rasierte ich ja schon länger, und durch die zuvor beschriebenen Probleme rasierte ich auch immer mehr Haare über dem Knöchel mit. Und seit jeher rasierte ich auch meine Brust und meinen Intimbereich. Bei letzterem wurde ich mit der Zeit auch immer großzügiger, rasierte also auch Teile der Oberschenkel. Dadurch bot sich das groteske Bild, dass mein Körper komplett enthaart war, bis auf den Bereich der Beine, der mit kurzen Hosen und geschlossenen Schuhen sichtbar war. Das erschien mir soweit irgendwie alles "normal" und innerhalb der gesellschaftlichen Norm (obwohl es ziemlich bescheuert war), aber vor den Beinen hatte ich einfach Skrupel. Allerdings wurde mir der Anblick im Spiegel langsam unangenehmer. Meine "rasierte Radlerhose", gefiel mir immer weniger, aber immer noch besser, als nichts zu rasieren. Ich wusste, dass ein Kahlschlag absolut nicht schlimm gewesen wäre, trotzdem zierte ich mich. Ich las viele schlechte Artikel in mehr oder weniger seriösen Online-Medien. Beine rasieren: pro und kontra. Oder: die fünf besten Ausreden für rasierte Beine. So versuchte ich mich irgendwie davon zu überzeugen, dass ich das durchziehen konnte. Dabei hatte ich eigentlich nur Angst vor negativen Reaktionen. Und ich wollte mir mal wieder nicht so recht eingestehen, dass ich das selbst wollte.

Getreu unserer neu gewonnenen Offenheit erzählte ich meiner Freundin davon. Nicht gleich, dass ich meine Beine rasieren wollte, denn da schien ich mir ja selbst noch nicht sicher zu sein. Sondern dass mir meine Beinbehaarung so nicht gefiel, was ja auch der Wahrheit entsprach. Ich sagte es einmal, zweimal, bis in mir der Entschluss gereift war, es zu versuchen. Meine Freundin war nicht so begeistert, aber mit dem Hinweis, dass sie ja im Notfall nachwachsen, ließ sie mich gewähren. Kurze Zeit später stand ich im Bad und trimmte meine Beinhaare mit dem Elektrorasierer, bevor ich sie in der Dusche nass rasierte. Es fühlte sich mal wieder surreal an, etwas zu tun, was ich mir oft vorgestellt, aber lange nicht ernsthaft in Erwägung gezogen hatte. Es war wieder so ein Moment der Selbstermächtigung, der verdammt gut tat.

Und das Ergebnis war es absolut wert: Ich fühlte mich wohl in meiner glatten Haut. Endlich gab keine Grenze mehr, an der die Haare wieder losgehen. Alles sah schön und gepflegt aus. Spätestens als ich die Rasur eine Woche später zum ersten Mal wiederholte, wusste ich, dass es dabei bleiben würde. Es war ein Melissa-Tag, und ich hatte am Abend vorher schon meine Nägel lackiert. In dem Zusammenspiel sahen meine Beine unverhofft weiblich aus, und ich genoss den ungewohnten Anblick in der Badewanne. Außerdem fühlte sich die weibliche Kleidung an meinem Körper viel intensiver an als mit den dämpfenden Haaren.

Reaktionen gab es - natürlich - kaum. Meine Freundin bezeichnete den Anblick und das Gefühl nur als ungewohnt, gewöhnte sich aber schnell daran und mag heute meinen glatten Körper. Ansonsten fragte mich nur mein bester Freund, ob ich unter die Radfahrer gegangen sei. Das verneinte ich lachend mit dem Hinweis auf die vielfältigen Vorteile von rasierten Beinen (Ich sage nur: Sonnencreme). Es hat sich also durch und durch gelohnt, diesen Schritt zu gehen. Vielleicht das Wichtigste: Mit der körperlichen Barriere zwischen meiner männlichen und meiner weiblichen Seite fiel auch gleichzeitig eine psychische. Ich nahm Melissa nun noch stärker als das wahr, was sie ist: keine Verkleidung, sondern ein Teil von mir.
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manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 83 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Melissa allein zu Haus

Die Entscheidung, meine Beine zu rasieren, hatte nach innen und außen Signalwirkung. Ich öffnete mich meiner Freundin immer weiter und ließ meine weibliche Seite mehr und mehr zu, sodass sie einen festen Platz in unserem gemeinsamen Alltag bekam. Nicht, dass sie ständig sichtbar gewesen wäre. Aber sie war einfach da. Und zwar nicht als unausgesprochener Elefant im Raum, sondern als bewusster Teil von mir und unserer Beziehung. Ich hatte seit diesem Zeitpunkt, innerhalb eines lose gesteckten Rahmens, alle Freiheiten. Ich konnte mich nach Belieben in Melissa verwandeln, Klamotten und Schuhe shoppen oder einfach mal schminken üben. Und dieses Mal hatte ich überhaupt keinen Grund mehr, etwas zu verheimlichen. Es klingt wie der Himmel auf Erden und war es am Anfang auch, aber dann kam ein Gefühl auf, das ich in diesem Zusammenhang nicht erwartet hätte: Langeweile.

Spätestens nach der dritten Komplettverwandlung war ich zunehmend enttäuscht, weil alles so eintönig war. Das Schminken machte Spaß und ich lernte jedes Mal dazu. Ich hatte viel Freude daran, neue Kombinationen an Kleidern, Röcken, Blusen, Hosen und Schuhen auszuprobieren. Ich genoss es, mir in aller Ruhe und ohne Angst meine Nägel zu lackieren, mich fertig im Spiegel zu sehen, ein paar schöne Bilder zu machen. Aber dann hatte ich plötzlich nichts mehr zu tun. Es war paradox, weil sich alles so fantastisch anfühlte, nur um dann in einer großen Leere zu gipfeln. Hier war ich also, eine Frau, die so hart für ihre Existenz gekämpft hatte, doch nun eingesperrt in die eigenen vier Wände, ohne Kontakt zur Außenwelt. Fernsehen, arbeiten, staubsaugen, kochen en femme war zwar schön, aber da musste einfach mehr sein.

Meine Freundin merkte, dass ich mit der Situation unzufrieden war. Mehr noch, sie wusste sehr genau, was in mir vorging. "Du willst raus, oder?", fragte sie eines Tages sehr direkt, als wir uns über Melissa unterhielten. Am Anfang war ich noch zögerlich, denn allein das zum Ziel zu erklären, kam mir wie ein großer Schritt vor. Ich wusste gar nicht, ob ich mich so zeigen konnte. Ich wusste gar nicht, ob ich das wirklich wollte, ob es das Risiko, erkannt zu werden, wert war. Doch wir tauschten uns weiter regelmäßig über das Thema aus und ich dachte viel darüber nach. Eigentlich wusste ich mal wieder sehr genau, was ich wollte, und ich gestand mir relativ schnell ein: Ja, ich will nach draußen!

Schnell merkte ich, dass dieses Eingeständnis tatsächlich ein großer Schritt war. Die bloße Möglichkeit einer zuvor eher theoretischen Sache setzte eine ganze Reihe von Denkprozessen in gang. Ich verlor mich in schönen Vorstellungen von Tagen und Aktivitäten en femme, die vorher so unendlich weit weg schienen. Ich träumte mich an Orte, in Outfits, in Situationen, die mein Herz höher schlagen ließen. Das tat ich auch schon vorher, aber jetzt, wo das alles Realität werden konnte, empfand ich es nochmal intensiver. Doch es gab auch einen schier endlosen Berg an Herausforderungen: Bisher war ich zum Beispiel mit meinem Passing ganz zufrieden gewesen. Wenn man das überhaupt so nennen konnte, denn bisher musste ich ja keinen fremden Blicken standhalten. Jetzt musste ich damit rechnen, dass genau das irgendwann passierte, und die Vorstellung legte meine eigene Messlatte nochmal deutlich höher. Auch meine Garderobe war lange nicht alltagstauglich und musste dringend ausgebaut werden, denn ich wollte ja nicht als weit und breit einzige Frau in Kleid oder Pumps auffallen.

Ich musste und wollte also in vielen Belangen besser werden. Ich sprach mit meiner Freundin darüber, und wir waren uns schnell einig, dass ich vor allem Austausch brauchte. Über das Forum hatten wir bereits früher gesprochen, also schlug vor, mich dort anzumelden. Sie fand das eine gute Idee, und so erstellte ich noch am selben Tag eine neue E-Mail-Adresse auf den Namen Melissa und registrierte mich damit hier im Forum. Meine digitale Identität war geschaffen, was mir ungeahnte Glücksgefühle bescherte. Ich hätte nie gedacht, dass ein paar Klicks so eine tiefe Zufriedenheit auslösen können.

Von diesem Zeitpunkt an hat das Forum mich begleitet. Ich fühlte mich unglaublich gut verstanden und aufgenommen durch die zahlreichen Antworten auf meine Vorstellung. Ich verbrachte viel Zeit mit Lesen und schreiben im Forum, und bald freute ich mich über die vielen Bilder, die ich endlich anschauen konnte. Da sind und waren richtige Vorbilder dabei. Ich holte mir die ersten Tipps ab und lernte in kurzer Zeit schon sehr viel dazu. Noch viel wichtiger war aber der Austausch über scheinbar belanglose Themen, der einfach nur zeigte: Ich bin nicht allein.

Und so passierten langsam zwei Dinge gleichzeitig: Ich fühlte mich, so wie ich bin, immer normaler. Es gab so viele andere da draußen, denen es genau so ging wie mir, alles ganz normale Leute. So sank meine Scham vor mir selbst und vor anderen auf einen neuen Tiefpunkt. Und ich konnte mich immer überzeugender in eine Frau verwandeln. Durch das Forum entwickelte ich mich handwerklich weiter, hatte Unmengen an Inspiration, Tipps und lernte über mir vorher unbekannte Gamechanger wie z. B. Hüftpolster. Beides zusammen ebnete für mich den Weg nach draußen. Ich wurde selbstbewusster und gleichgültiger. Trotzdem fühlte ich mich noch lange nicht bereit, es zu wagen"¦
Wally
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Re: Melissas Memoiren

Post 84 im Thema

Beitrag von Wally »

manchmal_melissa hat geschrieben: So 27. Aug 2023, 09:56 Und so passierten langsam zwei Dinge gleichzeitig: Ich fühlte mich, so wie ich bin, immer normaler. Es gab so viele andere da draußen, denen es genau so ging wie mir, alles ganz normale Leute. So sank meine Scham vor mir selbst und vor anderen auf einen neuen Tiefpunkt. Und ich konnte mich immer überzeugender in eine Frau verwandeln. Durch das Forum entwickelte ich mich handwerklich weiter, hatte Unmengen an Inspiration, Tipps und lernte über mir vorher unbekannte Gamechanger wie z. B. Hüftpolster. Beides zusammen ebnete für mich den Weg nach draußen. Ich wurde selbstbewusster und gleichgültiger. Trotzdem fühlte ich mich noch lange nicht bereit, es zu wagen"¦
Hallo Melissa,

Erst mal herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Bericht; ich habe ihn gestern komplett von Anfang an gelesen und mich darin in großen Teilen wiedererkannt. Andere Teile - wie die diffizile Abhängigkeit von der Partnerschaft oder der Stellenwert des Schminkens - waren für mich gerade deshalb aufschlussreich, weil das bei mir ganz anders ist. Auf jeden Fall insgesamt eine spannende und erhellende Lektüre.

Mein Rat zu Deinem jetzigen Stand: Lauf nicht in die Perfektionismus-Falle! Es macht zweifellos Spaß und tut gut, das "Passing" als Frau zu perfektionieren, ich tue es Tag für Tag mit Begeisterung. Aber ich tue das einzig für mich selber, zu meinem eigenen Vergnügen - eine notwendige Voraussetzung, um sich als Frau in der Öffentlichkeit zu zeigen, ist das NICHT! Das war früher mal so, vor Jahrzehnten; diese Zeiten sind Gottseidank schon lange vorbei. Heute dürfen wir MzF uns ungeniert auch als auf den ersten Blick erkennbare Transgender in der Öffentlichkeit bewegen und unsere Weiblichkeit offen zeigen; wir werden deswegen nicht mehr isoliert oder angefeindet. Bleib nicht in der Fehlervermeidung stecken, TU ES EINFACH! Zumal Du das große Glück einer Partnerin hast, die Dich da sogar unterstützt: das hilft nicht nur und stützt das Selbstbewußtsein - gemeinsam mit der Partnerin als Frau auszugehen macht zudem auch doppelt so viel Spaß! Es wäre eine Sünde, die Gelegenheit dazu ungenutzt vorbeiziehen zu lassen.
Herzliche Grüße
Wally
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 85 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Hallo Wally,
Wally hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 10:10 Es macht zweifellos Spaß und tut gut, das "Passing" als Frau zu perfektionieren, ich tue es Tag für Tag mit Begeisterung. Aber ich tue das einzig für mich selber, zu meinem eigenen Vergnügen - eine notwendige Voraussetzung, um sich als Frau in der Öffentlichkeit zu zeigen, ist das NICHT!
Danke für die Ergänzung, das wollte ich auch ausdrücklich nicht implizieren. Passing ist ein schwieriges Konzept, das spätestens dann überflüssig wird, wenn es keine (binäre) Schublade gibt, in die man hineinpasst oder hineinpassen will. Alle sollten sich so in der Öffentlichkeit zeigen (dürfen), wie sie sich wohlfühlen. Für mich persönlich ist eines der Ziele beim Rausgehen, weiblich gelesen zu werden, deshalb spielt Passing für mich eine so große Rolle. Ich würde mich mit einem "schlechten" Passing nicht wohlfühlen, mir verleiht es Sicherheit und Selbstbewusstsein.
Wally hat geschrieben: Mo 28. Aug 2023, 10:10 Bleib nicht in der Fehlervermeidung stecken, TU ES EINFACH!
In der Hinsicht kann ich dich beruhigen"¦ meine ersten Schritte en femme in der Öffentlichkeit sind bereits geplant. Mehr möchte ich zu diesem Zeitpunkt aber nicht verraten. (smili)

Liebe Grüße,
Melissa
manchmal_melissa
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Re: Melissas Memoiren

Post 86 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Freundinnen

Das Forum gab mir Halt; ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war. Im August 2021 machte ich mich nochmal zurecht, dann wurde es ein wenig ruhiger um Melissa. Ich übte im Herbst noch ein paar Mal, mich zu schminken, aber die nächste Komplettverwandlung folgte erst im nächsten Jahr. Dafür setzte ich mich in dieser Zeit öfter gedanklich mit Melissa auseinander. Ich fing an, diesen Thread zu schreiben, um meine Geschichte zu verarbeiten, andere daran teilhaben zu lassen und damit dem Forum etwas zurückzugeben. Unter anderem reagierte auch Kathrin darauf, mit der ich bis heute eine Brieffreundschaft pflege. Das Schöne an dieser Phase war, dass ich mir mittlerweile keinen Druck mehr machte: Statt mich zwanghaft zu schminken und gestresst in ein Kleid zu schlüpfen, nur weil es mal wieder Zeit war, und dann enttäuscht zu sein, weil sich das erhoffte Hochgefühl nicht einstellte, konnte ich die relative Ruhe genießen und auch mal nur in Gedanken Frau sein.

Ruhe war auch in der Kommunikation mit meiner Freundin eingekehrt. Eigentlich kein gutes Zeichen, aber es gab ja auch wenig zu erzählen. Mittlerweile waren wir verlobt, und der Alltag ließ in dieser Phase nach außen einfach wenig von Melissa zu. Als ich dann Anfang 2022 endlich mal wieder en femme auf dem Sofa saß, nutzten wir die Gelegenheit und unterhielten uns ein wenig über die aktuelle Situation. Wir fanden es grundsätzlich beide ganz gut, so wie es war, aber irgendwie fand meine Freundin keinen vernünftigen Zugang zu Melissa. Da war ihr Freund, ihr Verlobter, der ins Bad ging, und nach einiger Zeit kam Melissa heraus, eine Frau, damals noch relativ deutlich als biologischer Mann erkennbar, zu der sie absolut keinen Bezug hatte. Sie war nunmal nicht mit Melissa zusammen, sondern mit meiner männlichen Version. Unser Umgang miteinander war dann immer recht kühl: kein Küssen, kein Kuscheln. Ich konnte zwar verstehen, dass sie mit mir als Frau keine Zärtlichkeiten austauschen wollte, aber trotzdem war ich mit unserem eher distanzierten Verhältnis nicht zufrieden. Ich fragte mich, wie wir einen normaleren Umgang miteinander finden konnten. Wir mussten ja kein Paar sein, wenn ich Melissa war. Und so sagte ich spontan einen unscheinbaren Satz, der für mich nur eine logische Schlussfolgerung war, aber dessen Wirkung ich massiv unterschätzte: "Eigentlich will ich nur, dass wir Freundinnen sind."

Meine Freundin sah mich plötzlich an, wie sie Melissa noch nie angesehen hatte. Gefühlt war in diesem Moment nicht nur das Eis gebrochen, sondern auch gleich komplett weggeschmolzen. Da war auf einmal diese Liebe in ihrem Blick, die sie bisher so sorgfältig vor meiner weiblichen Seite verborgen hatte. "Das kriegen wir hin", sagte mir ihre ganze Körpersprache, noch bevor sie den Gedanken auch aussprach. Wir nahmen uns in den Arm. Es klingt banal, aber ab diesem Moment wurde vieles einfacher. Mir schien, als könne meine Freundin mich nun auch sozial einordnen. Sie wusste plötzlich, was sie mit mir anfangen konnte: Sie bot mir zum Beispiel noch an diesem Tag an, ein kleines Fotoshooting mit mir en femme zu machen. Das war für mich ein Segen, musste ich doch bisher immer auf Selfies, Spiegel oder Selbstauslöser setzen. Sie gab mir dazu auch Tipps, wie ich posieren sollte und wies mich darauf hin, wenn mal wieder meine Mimik verkrampft wirkte. Es hat mir viel Spaß gemacht, und dieser Tag wird immer positiv in meiner Erinnerung bleiben. Ausnahmsweise nicht, weil ich mich en femme besonders wohl gewühlt habe oder mit meinem Aussehen zufrieden war, sondern weil ich mich geliebt fühlte. Melissa hatte ihre erste echte Freundin gefunden.

Unser Miteinander normalisierte sich in der Folge weiter. Wir unterhielten uns oft völlig unangespannt, eben wie zwei Freundinnen, über Make-up, Outfits, klassische "Frauenthemen". Auch materiell rückten wir etwas näher zusammen: Ich konnte ihren Nagellack mit verwenden und erbte sogar manchmal aussortierte Kleidungsstücke. Das wäre wenige Monate zuvor noch undenkbar gewesen. Im Gegenzug half ich meiner Freundin manchmal mit einem Klebe-BH aus oder lieh ihr mein Make-up, wenn sie gerade nichts passendes zur Verfügung hatte.

Ein besonders schönes Erlebnis hatten wir im März 2022. Ich hatte damals wieder wenig Zeit für Melissa, aber nochmal Lust, mir die Zehennägel zu lackieren. Also nahm ich ein bisschen Mut zusammen und fragte meine Freundin einfach, ob sie etwas dagegen hätte. Sie lächelte mich an: "Nicht, wenn du so lieb fragst." Damals wollte sie noch vermeiden, von Melissa (oder Teilen von ihr) überrascht zu werden. Ich lackierte also meine Nägel, epilierte frisch meine Beine und genoss den Anblick und das Gefühl. Seitdem habe ich regelmäßig lackierte Zehennägel, bekomme öfter ein Lob dafür und manchmal sogar einen Ausdruck des Erstaunens, wenn sie mal nicht lackiert sind.

Doch das war nur die Vorgeschichte. Ein paar Tage später machten wir einen Ausflug zum Chiemsee. Wir frühstückten lecker in einem Café am Seeufer und machten eine Bootstour zur Herren- und Fraueninsel. Auf letzterer gönnten wir uns zum Abschluss ein Bier in einer Gaststätte. Und als wir da so saßen, fing meine Freundin plötzlich zu grinsen an. "Ich musste gerade daran denken, wie deine Nägel aussehen", erklärte sie auf Nachfrage. Jetzt musste auch ich grinsen. Leider sind mir von dem Gespräch nur noch einzelne Fetzen in Erinnerung, aber die leuchten dafür umso mehr: Sie habe am Anfang ihre Probleme mit dem ganzen Thema gehabt, "aber mittlerweile find"˜ ich"˜s cool!" Das war natürlich Balsam für die Seele, aber es ging noch weiter: "Ich hab den, der reflektiert ist!", freute sie sich im Vergleich zu so vielen toxisch männlichen Artgenossen. Schließlich schloss sie ihre spontane Lobrede mit dem Satz: "Ich lieb dich dafür."

Ihre Worte machten mich unfassbar glücklich. Sie liebte mich nicht mehr trotz, sondern mittlerweile auch wegen Melissa. Diese Phase war ein weiterer Wendepunkt in unserer Beziehung. Es lief zwar vorher schon gut, aber jetzt erreichten wir eine neue Ebene. Wir waren Freundinnen, aber auch ein tief vertrautes Paar. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass diese Seite von mir mal so bereichernd für unsere Beziehung sein kann. Dadurch verbesserte sich auch meine eigene Selbstwahrnehmung noch einmal. Ich war nicht nur eine Last, ich war etwas wert. Voller Selbstbewusstsein ging ich die nächsten Schritte an. Langsam, aber stetig"¦
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kathrin84
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Re: Melissas Memoiren

Post 87 im Thema

Beitrag von kathrin84 »

Hallo Melissa,

ich finde es jedes mal wieder voll schön von dir das du uns so nah an deinen Gefühlen und deiner Geschichte Teilhaben lässt. (smili) Ich wünsche euch nur das Beste und würde mich freuen auch weiterhin so schöne Erlebnisse von dir lesen zu können. Ich bin sehr sehr glücklich mit dir so eine tolle Brieffreundin gewonnen zu haben. Danke. (flow)

Liebe Grüße
Kathrin
--make it shine--
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Re: Melissas Memoiren

Post 88 im Thema

Beitrag von manchmal_melissa »

Zwei aufregende Gespräche

Langsam, aber stetig - dachte ich zumindest. Doch im Frühjahr 2022 ging alles plötzlich ziemlich schnell. Es lag weniger an meinem neu gewonnenen Selbstbewusstsein als an mehr oder weniger glücklichen Zufällen, dass ich mich innerhalb kürzester Zeit gleich zwei Menschen öffnete. Und einer davon sollte mich auf meinem Weg maßgeblich voranbringen"¦

Das erste Outing hatte sich schon länger angekündigt. Meine Freundin hatte sich vor einiger Zeit beinah bei einem gemeinsamen Freund verplappert. Das war nicht weiter schlimm für mich, im Gegenteil. Ich hatte ihr bereits angeboten, dass sie ihm von Melissa erzählen darf, wenn sie jemanden zum reden braucht. Er ist selbst bisexuell, entsprechend oft redete er über queere Themen, sodass meiner Freundin schnell eine Andeutung zu viel über die Lippen ging. Da er natürlich sehr sensibilisiert ist, hakte er direkt bei ihr nach. Aber meine Freundin wollte mich nicht eigenständig outen und verwies ihn auf mich. Das war Fluch und Segen zugleich: Ich hatte einen sehr einfachen Gesprächseinstieg, aber das Thema stand auch meterhoch zwischen uns. Wir sahen uns danach öfter, wenn andere mit dabei waren, und diese Treffen waren einfach nur unangenehm. Er wusste, da ist was, ich wusste, dass er etwas ahnt"¦ Als wir uns dann endlich mal zu dritt im Biergarten verabredeten, wusste ich, dass es endlich soweit war.

Parallel dazu fand ich eines Tages eine Nachricht in meinem Forums-Postfach. Felice hatte mich angeschrieben: Sie hatte meinen Thread gelesen und in meinem Profil gesehen, dass wir in der gleichen Gegend wohnen. Nach einigen Nachrichten beschlossen wir, uns mal in München zu treffen und uns ein bisschen auszutauschen. Auch das war ein großer Schritt für mich. Es war zwar kein wirkliches Outing, weil sie ja von Anfang an von Melissa wusste, aber mit einer anderen, bisher fremden Person über etwas so persönliches zu reden, war neu und ungewohnt für mich.

Zunächst stand jedoch das Outing bei meinem Freund an. Wir trafen uns wie verabredet im Biergarten, meine Freundin war auch dabei. Wir sprachen lange über andere Themen, irgendwie traute ich mich nicht, die Initiative zu ergreifen. Aber das Gespräch lag in der Luft. Nachdem wir dann beschlossen, noch in seine WG zu gehen, fragte er auf dem Weg von selbst nach, was ich auf dem Herzen hätte. Ich war sehr nervös und zitterte. Mehrfach setzte ich zu einem Satz an, aber ich brachte nichts heraus. Und das, obwohl ich im Vorfeld das Gespräch mehr als einmal durchgespielt hatte. Ich weiß bis heute nicht, warum ich so ein großes Problem damit hatte. Vielleicht war das alles noch zu schambehaftet und ich doch noch nicht bereit, es mit anderen zu teilen. Meine Freundin sprang jedenfalls ein und übernahm, natürlich nicht ohne mich vorher zu fragen, das Reden. Das tat gut, denn ich wollte es ja unbedingt loswerden, aber allein hätte ich das wohl nicht geschafft. Sie erzählte ihm also von meiner weiblichen Seite und dass ich sie von Zeit zu Zeit ausleben wollte. Von außen betrachtet klang das alles gar nicht mehr so schlimm, mein Verhalten war mir fast peinlich. Entsprechend positiv war auch seine erste Reaktion: Er wollte wissen, wo jetzt das Problem sei. Und auf erfrischende Weise machte uns das klar, dass es eigentlich gar keins gab. Außerdem sagte er, er würde sich freuen, Melissa mal kennenzulernen.

Trotz dieser positiven Reaktion behielt ich das Outing nicht in sonderlich guter Erinnerung. Ich war auf der einen Seite sehr glücklich, dass er kein Problem damit hatte und dass es endlich raus war. Aber ich fühlte mich auch irgendwie leer und enttäuscht. Durch seine Reaktion fühlte sich das Thema positiv belanglos an, aber irgendwie wurde das Gespräch nicht der Bedeutung gerecht, die es für mich hatte. Er stellte zwar durchaus Nachfragen, aber die wirkten nicht wirklich an meiner Persönlichkeit interessiert, sondern waren mir eher unangenehm. Wir redeten noch lange, wir tranken viel Alkohol, zu viel für die sowieso nervenaufreibende Situation. Der Kater am nächsten Tag hatte also sowohl einen physischen als auch einen emotionalen Ursprung.

Rückblickend hätte es mir eine Warnung sein sollen, dass ich mich davor und während des Gesprächs unwohl fühlte. Trotzdem würde ich es nicht als Fehler bezeichnen, sondern höchstens die Begleitumstände. Denn auch, wenn es unangenehm war und wir seitdem nie wieder über das Thema gesprochen haben, hat es mich irgendwie weitergebracht. Und zwischen mir und meinem Freund steht seitdem kein riesiges Fragezeichen mehr. Zu einem Kennenlernen mit Melissa kam es bisher auch nicht, aber vielleicht ergibt sich ja irgendwann eine Situation, in der wir das nachholen und das Thema etwas normalisieren können.

Erfreulicher lief das Treffen mit Felice wenige Wochen später. Wir hatten uns im Männermodus in einem Brauhaus verabredet. Trotzdem war ich extrem aufgeregt. Noch nie hatte ich eine wildfremde Person aus dem Internet einfach in der Realität getroffen. Ich war mir zwar ziemlich sicher, dass sie, oder in diesem Fall er, nicht gefährlich war, aber ich war dennoch angespannt. Auf dem Hinweg, das ist mir noch sehr präsent, hörte ich ein einziges Lied auf Dauerschleife: "Ein Song reicht" von Kraftklub war in dieser Woche neu erschienen. Auch wenn es inhaltlich nichts mit dem Treffen zu tun hatte, beruhigte mich das Lied ein wenig. Es wurde für mich zu einer Art Soundtrack dieses folgenschweren Abends.

Im Brauhaus merkte ich schnell, dass meine Nervosität überflüssig war. Wir fanden uns schnell und fingen sofort an zu plappern. Nicht direkt über Crossdressing, sondern über Gott und die Welt. Erst später wechselten wir zum eigentlichen Grund für unser Treffen und tauschten uns lebhaft über unsere weiblichen Seiten aus. Es gab keine peinliche Stille oder unangenehme Momente, wir verstanden uns einfach auf Anhieb und waren auf einer Wellenlänge. Wir redeten über Äußerlichkeiten wie Perücken und Schuhe genauso wie über komplexere Themen wie den Umgang unserer Partnerinnen mit unserem gemeinsamen Hobby. Und es fühlte sich so normal an! Es war einfach herrlich erfrischend, mit einem anderen Mann in einem bayerischen Wirtshaus zu sitzen und angeregt über Make-up zu diskutieren. Gerade wenn man sich daran erinnert, wie allein man sich in jungen Jahren mit diesem Thema gefühlt hat.

Wir quatschten eine gefühlte Ewigkeit - bis das Restaurant schloss und wir als letzte rausgeworfen wurden. Es war sofort klar, dass das nicht unser letztes Treffen bleiben würde. Und es waren viele Dinge zur Sprache gekommen, die meinen Werdegang schon bald beeinflussen sollten. Ich hatte mehr Tipps in der Tasche, mehr Ideen, Ansatzpunkte und Verbesserungsmöglichkeiten, als ich mir vorher hätte vorstellen können. Allerdings war ich mir über deren Tragweite zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst. Trotzdem motivierten sie mich ungemein. Vielleicht war das genau der Tritt in den Hintern, der notwendig war, damit es mit Melissa nicht langsam und stetig, sondern eher steil bergauf ging. Beschwingt lief ich zur S-Bahn, zog meine Kopfhörer an und hörte wieder Kraftklub auf Dauerschleife. Was für ein verrückter Abend!
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Re: Melissas Memoiren

Post 89 im Thema

Beitrag von ChristinaF »

Mir gefallen deine Aufzeichnungen ausgesprochen gut. Einfach wie im richtigen Leben. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und freue mich schon auf die nächsten Einträge.
Liebe Grüße
Christina
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Re: Melissas Memoiren

Post 90 im Thema

Beitrag von petra0103 »

Hallo Melissa,
ich finde deine Aufzeichnungen total spannend. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.
Liebe Grüße
Petra
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