Vor einigen Wochen hatte ich ein aufregendes Erlebnis: Andrea fuhr zum ersten Mal mit der Bahn. Ich hatte hier (viewtopic.php?f=6&t=3816) davon berichtet.
Das Ganze war so faszinierend, dass ich es möglichst schnell wiederholen wollte. Die Gelegenheit dazu bot sich diese Woche nach dem Treffen der Selbsthilfegruppe Transsexualität in Chemnitz. Ein bisschen hatte ich ja nachgeholfen, dass an diesem Abend niemand zu Hause war und ich wieder als Andrea heimfahren konnte. Eigentlich sollte der Bericht den Titel "Andrea fährt zum zweiten Mal mit der Bahn" tragen, aber ein anderes Erlebnis hat das, was ursprünglich als Höhepunkt des Tages geplant war, beinahe in den Schatten gestellt.
Aber der Reihe nach: Bereits im Vorfeld stand wieder die Frage, was ich wohl anziehe. Da ich für Andrea bisher nur ganz wenig Winterbekleidung besitze, habe ich mir ein beiges Strickkleid gekauft. Dazu trug ich blickdichte anthrazitfarbene Strumpfhosen, Stiefel und einen cremfarbenen Anorak. Auch die erste eigene Handtasche sollte eingeweiht werden.
In der Selbsthilfegruppe traf ich an diesem Tag sechs Betroffene. Außer mir trugen alle Hosen — bei den eisigen Temperaturen draußen irgendwie verständlich.
Als Besonderheit hatte sich an diesem Abend ein Reporter einer (für meine Begriffe nicht ganz seriösen) Zeitung angekündigt, um für einen Artikel über unsere Problematik zu recherchieren. Angeblich hatte er sich vorbereitet und dabei herausgefunden, dass Transvestiten noch nicht operierte Transsexuelle seien. Ich möchte bloß wissen, wo der das gelesen hat. Aber auch an anderen Beispielen zeigte sich, welches (Un)wissen unter Außenstehenden über unsere Sache vorherrscht.
Die Gespräche wurden stellenweise sehr emotional geführt, und der Reporter war von der Vielschichtigkeit der Problematik sehr beeindruckt. Allmählich wurden seine Sorgenfalten immer größer, wie er das Ganze in 50 Zeilen, die ihm zur Verfügung standen, unterbringen soll. Probleme hatte er unter anderem auch, sexuelle Identität und sexuelle Orientierung zu unterscheiden. Ich bin nun sehr gespannt, was da für ein Artikel herauskommt und werde versuchen, mir ein Exemplar zu besorgen und euch vorzustellen.
Schließlich kam dann noch der Höhepunkt des Tages, die Heimfahrt als Andrea. Um es vorweg zu nehmen, es war phantastisch! Schon auf dem Weg zum Bahnhof stellte ich mit erstaunen fest, dass mir trotz -10-°C Außentemperatur gar nicht kalt war, außer an den Händen vielleicht. Ich glaube, das könnte mein Lieblings-Winteroutfit werden. Insbesondere war ich überrascht, wie locker ich die Sache im Vergleich zu meinem ersten derartigen Ausflug nahm. Kaum noch ängstliche Blicke auf Passanten, fast schon wie selbstverständlich durch die Bahnhofshalle, zum Fahrkartenautomat und in den Zug. Auch das mulmige Gefühl während der Fahrt — war es überhaupt noch da? Nur beim Aussteigen erlebte ich eine Schrecksekunde. Auf dem Bahnsteig stand ich plötzlich einer ehemaligen Schulfreundin gegenüber, die in der gleichen Straße wohnt. Einen Augenblick haben wir uns in die Augen gesehen. Ich habe mir (hoffentlich) nichts anmerken lassen und bin weitergegangen. Ob sie mich erkannt hat oder etwas ahnt?
Das Besondere auf dem letzten Stück meines Weges war, dass ich keinem einzigen Menschen begegnet bin, was auch für meine (kleine) Heimatstadt ungewöhnlich ist. Vielleicht lag es am Wetter. Dadurch konnte ich aber den Blick zu dem herrlichen Sternenhimmel genießen (eine kleine Leidenschaft von mir).
Ich hoffe, dass euch mein Bericht gefallen hat. Ich habe auch wieder ein Erinnerungsfoto gemacht und würde mich über eure Reaktionen (auch kritische) freuen.
Ein besonderes Erlebnis (so entstehen Presseartikel)
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Andrea aus Sachsen
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Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
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Re: Ein besonderes Erlebnis (so entstehen Presseartikel)
Moin,
herzlichen Dank für den schönen Bericht.
Gruß
Anne-Mette
Wir hatten auch mal die Presse zu Gast:
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