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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
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Christel_Inter
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Post 1 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Aus gegebenen Anlass wurde im aktuellen Heft der KISS Schwerin ("Hilf Dir SELBST" 9/2022) ein Beitrag von mir zum Motto "ankommen" abgedruckt... (Hintergrund: Intergeschlecht)
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Mein Kleidungsstil verfolgt nicht das Ziel "FRAU", sondern mein Sein als Ich-Bin-Ich - ein Inter*-Mensch! ÜBRIGENS: Mein Name ist amtlich "Christel"
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Susi T
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 2 im Thema

Beitrag von Susi T »

Danke, sehr schön geschrieben.
Mir kommt es manchmal vor, als wenn das noch ein ganz großes Tabu-Thema ist und dann denk ich mir:
" Sind wir nicht alle ein bisschen Inter*"?
Sicherlich nicht so daß es nötig ist es in ein Krankheitsbild reinzupacken, aber die Welt ist nunmal nicht Schwarz/Weiß
Und ob es überhaupt nötig ist, alles in Schubladen zu packen?
Ein bisschen Beschränktheit ablegen würde manchen sicherlich helfen, auch in der Medizin^^
Liebe Grüße Tira (flo)
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Christel_Inter
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 3 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Tira hat geschrieben: Mo 26. Sep 2022, 13:22 Mir kommt es manchmal vor, als wenn das noch ein ganz großes Tabu-Thema ist und dann denk ich mir:
"Sind wir nicht alle ein bisschen Inter*"?
Sicherlich nicht so, daß es nötig ist, es in ein Krankheitsbild reinzupacken, aber die Welt ist nunmal nicht Schwarz/Weiß
Und ob es überhaupt nötig ist, alles in Schubladen zu packen?
Ein bisschen Beschränktheit ablegen würde manchen sicherlich helfen, auch in der Medizin
Tira, der Gedanke an das Tabu liegt gar nicht so fern. Das Dilemma, in dem wir stecken, ist ein dickes Paket Weitergabe von unlogischen Denkmodellen. Um allein im Bild des Daumen-Abdrucks auch nur einen Doppelgänger zu finden, müssten wir auch in die Gräber steigen und dort suchen. Selbst die Iris unserer Augen ist einzig für das jeweilige Individuum. Das wissen wir und wir legen sogar großen Wert darauf, dass wir EINZIGARTIG sind. Und doch wollen wir uns einreden (lassen), dass ausgerechnet bei der Ausprägung dessen, was wir "Geschlecht" nennen, nur zwei Ausprägungen denkbar und gültig sind. Und das im 20ten und 21ten Jahrhundert, also in einer Epoche, die vor Forschungstiefe und -breite nur so strotzt und es darum längst besser weiß. Allein weil das Wissen aber nicht in die vorhandenen und zu engen Schuhkartons passt, wird es geleugnet und als falsch abgelehnt. Selbst die Weißkittel, die mit dem Wissen schon im Grundstudium der Medizin konfrontiert wurden, gehen hin und widersprechen dem. - ein klassisches Tabu! - Ganz besonders eifrige Fromme* (wir sollten sie richtiger als "Fundamentalisten" bezeichnen) hauen dann auch noch brutal mit den heiligen Schriften um sich; ohne zur Kenntnis zu nehmen, dass sie sich grundlegend verirrt haben, weil ihre menschenverachtende Rede einem billigen Nachlesen der angeblichen Quellen nicht mal annähernd Stand hält.
Konkret sieht es inzwischen so aus, dass Inter* (-geschlechtlichkeit) sich aus etwa 600 verschiedenen biologisch-medizinischen Wurzeln ergeben kann. Und es zeigte sich bereits, dass es wesentlich mehr Menschen gibt, die eigentlich in den Schuhkarton mit der Aufschrift "inter*" gehören. Doch die allermeisten sind sich ihres Status' gar nicht bewusst und das ist auch ganz OK so. - Denn was haben wir von der Einteilung, Frau, Mann oder was sonst zu sein? - Wir wurden geboren, wir sind aufgewachsen und wir sind einfach wie alle anderen auch auf diesem Globus vorhanden.
Unser Konflikt beginnt eigentlich erst (oder: nur!), wenn wir uns gegen ein von uns erwartetes Rollenklischee auflehnen, wenn unser Tun, Denken und Wirken nicht dem uns zugedachten binären Rollenmuster entspricht (Kleidung, Fähigkeiten, Denkweise, und wer weiß, welche Dummheiten da noch denkbar sind). - Wer aber legte fest, was "typisch Frau/Mann" ist. Am Ende des 19ten Jhd wurde den Jungs die Farbe ROSA als typisch passend zugewiesen (abgeleitet von ROT, die Herrschaftsfarbe) und den Mädchen "himmelblau" (abgeleitet vom Himmel, dem göttlichen), wie schnell wir manipulativ umgepolt werden können.
Inter* ist kein Krankheitsbild. Es sei denn, jemand leidet an seinem Gender-Status. Inzwischen gibt es erste Fachmediziner (Endokrinologen), die in diesem Spannungsfeld zwischen Frau - Inter* - Mann auch die richtige Schlussfolgerung wahrnehmen: Es wird in Zukunft eine wesentlich differenzierte und damit individualisierte Medizin geben; es wird auf den persönlichen Hormon-Status des Menschen bei Erkrankungen ankommen. Dann wird es nicht mehr nur um das Geschlecht, die Größe, das Gewicht und das Alter gehen, sondern um weitere Parameter.
Es gibt längst Fortschritte, die "draußen" kaum wahr genommen werden. Aufgrund meiner besonderen Bauart, habe ich mit einer Krebserkrankung und den folgenden Therapien rundherum viel Glück gehabt... bis auf die lästige Nebenwirkung, dass mir bei der Bestrahlung im Darmbereich ein kleines Sieb eingebrannt wurde, dass nach fünf Jahren wirksam wurde. Seit 2017 habe ich darum inzwischen neun OPs hinter mich bringen können (lästig, aber ich kann damit leben)... Und dabei hatte ich bislang mit zwei Kliniken zu tun... und beide Kliniken sehen auf meiner Versicherungskarte den Code für "männlich". Trotzdem gab es nur jeweils eine einmal gestellte Frage: "Sie sind damit einverstanden, wenn wir ihnen ein Bett in einem Frauenzimmer zuweisen?!" - Was ist das NEUE?, sie fragen und überlassen die Entscheidung mir! - Genauso die da und dort an mich gerichtete Frage nach der Anrede "Wie dürfen wir Sie anreden?" Ich überlasse es dann gerne den Fragenden, und biete als Alternative auch "mit dem Vornamen" an, auch damit lässt sich die höfliche Sie-Form wahren. Und ich staune gar nicht mehr, einer sagt's der anderen und es funktioniert besser, als viele ahnen. - Nach einer der OPs kam ich im Wachraum wieder zu mir und mich sprach die diensthabende Schwester an, "wie erklärt sich das eigentlich mit Ihnen und Ihrem Vornamen?" (lache jetzt nicht) nach zwanzig Minuten war ich nicht nur putzmunter, sondern am Bett standen vier Schwestern und wollten noch mehr zum Thema Inter* wissen.
Übrigens: Jetzt Anfach September lag ich mal wieder in der einen Klinik und neben mir im anderen Bett lag auch eine "Christel".
- Alles in Allem, ich habe ein meinem Leben (mit Ausnahme der Eltern) keinerlei Probleme mit meinem Sein gehabt, in den ersten fünfunddreißig Jahren war ich eher mir selbst das Problem, bis mir dann endlich eine freundliche Menschin sagte: "Sei doch einfach mal Du selbst!"
* = ich bezeichne mich selbst auch als fröhlich-fromme:n Christ:in
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Susi T
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 4 im Thema

Beitrag von Susi T »

Hihi ja viel wahres dran und einiges kann ich aus persönlich Erlebten bestätigen, sowohl die guten als auch schlechten Dingen. Wir sollten dabei aber nie vergessen wie komplex die Biologie ist. Für einen selber ist es viel einfacher sich mit den eigenen Besonderheiten auseinander zu setzten und Lösungen zu finden, als für einen Arzt, der Tausende Patienten behandelt mit fast unendlich vielen Krankheiten. Teamwork würde manchmal Wunder wirken und dafür ist oft viel Geduld erforderlich und Geld/Zeit nicht vorhanden^^
Liebe Grüße Tira (flo)
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 5 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Christel_Inter hat geschrieben: Mo 26. Sep 2022, 16:16 Unser Konflikt beginnt eigentlich erst (oder: nur!), wenn wir uns gegen ein von uns erwartetes Rollenklischee auflehnen, wenn unser Tun, Denken und Wirken nicht dem uns zugedachten binären Rollenmuster entspricht
Moin,

ich würde das anders sehen. Vor allem wenn ich Deinen gelungenen Artikel lese. Das Problem beginnt mMn aber in dem Augenblick, in dem wir eine uns zugedachte Rolle annehmen und diese uns nicht entspricht. Dann erst kommen die Probleme der Auflehnung, die dann aber ganz anders gelagert sind.

Sind aber viele Probleme nicht von uns selber (mit-)verursacht und sind wir für unser Wohlbefinden nicht selber verantwortlich ? Ich sehe eine Gefahr darin, Probleme zu identifizieren, die im Außen liegen. Zu groß ist die Gefahr, dass wir unsere Verantwortung für uns selber von uns weg delegieren. Wie oft habe ich den Satz gelesen, dass man nicht akzeptiert würde ? Dabei sind es häufig die eigenen Ängste, die uns verharren lassen. Dann bekomme ich natürlich das, was ich ausstrahle von der Umwelt zurück.

Aber ist unsere Situation wirklich so schlecht ? Natürlich kommen viele Fragen auf, einige Menschen werden sich auch abwenden, aber haben diese Menschen uns verdient ? Und die Fragen kann man beantworten, denn wir wissen ja, dass viele Menschen unsere Bedürfnisse und Sichtweisen nicht kennen. Warum sind wir nicht Lehrende und gleichzeitig Lernende ?

Ich will die Probleme nicht kleinreden. Es gibt Gewalt und es gibt struktrelle Benachteiligung. Es gibt Menschen, die uns ablehnen. Aber die gibt es überall und für jeden. Aber ob unser Leben gelingt, liegt in unserer Verantwortung, nicht in den Umständen. Ganz nach dem Motto: wer es versucht, kann verlieren, wer es nicht versucht, hat verloren.
Viele Grüße
Vicky

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Post 6 im Thema

Beitrag von Bibi Melina »

Gibt's dazu auch einen link wo man den Artikel lesen kann?
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Susi T
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 7 im Thema

Beitrag von Susi T »

Das im Tread integrierte externe Bild läßt sich anklicken(wenige Sekunden am Handy mit dem Finger drauf verharren) und Z.b mit Bildvorschau ist dann der ganze Artikel zu lesen.
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Re: Hilf Dir SELBST „ ein Artikel

Post 8 im Thema

Beitrag von Christel_Inter »

Bibi-Melina hat geschrieben: Di 27. Sep 2022, 08:10 Gibt's dazu auch einen link wo man den Artikel lesen kann?
Aber Ja, den LINK gibt es:
https://www.kiss-sn.de/fileadmin/user_u ... kommen.pdf
Darin ist auch der Hinweis auf eine deutschsprachige "geschlossene" Telegramm-Gruppe zu finden, die sich an Inter*-Menschen richtet.
Externes Bild, es gelten die Datenschutz- und Nutzungsbestimmungen der ausgewählten Seite.Quelle: http://christel-pruessner.de/__andro-st ... _999_R.jpg
Und ich finde, diese Serie bei Kiss lohnt es, sie auch in den älteren Ausgaben zu durchblättern.
https://www.kiss-sn.de/service/selbsthilfejournal
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Beitrag von Susi T »

Schön, sogar incl. XXY. Auch wenn sich mittlerweile die Vermutung bei mir als unbegründet herausgestellt hat, ist es ja doch schön zu wissen, das es nicht völlig unter dem Radar läuft. Was man vermutlich für Menschen, die durch Abtreibungspille solch Symptome entwickelt haben, nicht zutrifft. Aber möglicherweise bin ich auch da nur zu dumm zum suchen, denn früher hatte ich mal Infos im Netz gefunden^^
Aber wie schon an andere Stelle geschrieben, alles relativ ^^
Und in der Normal-Trans Schublade zu sein, macht eh die Sache glaub in manchen Dingen leichter. Auch wenn ich das alles nicht so recht raffe.
Liebe Grüße Tira (flo)
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