Hallo Helga,
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24
Auch wenn wir immer wieder lesen können, dass dies die beste Entscheidung des Lebens war. Diese Berichte sind subjektiv, beinhalten keine Langzeiterfahrungen und blenden unangenehme Aspekte meistens einfach aus.
ich kenne mehrere Transfrauen, die sich für die GaOP entschieden haben. Drei, die das vor 20, 6 und 3 Jahren gemacht haben, reden sehr offen mit mir und ja es wurden durchaus auch Fakten genannt, die nicht so optimal waren. Aber in der Summe sind sie sehr zufrieden und sehen es als vollkommen richtige Entscheidung. Natürlich muss man sich danach um seinen Körper kümmern, wenn das Ergebnis erhalten bleiben soll. Das ist mir durchaus bewusst.
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24
Die so oft zitierte Schwimmbaddusche oder Damenumkleide kann bei deiner Entscheidung kein Kriterium sein. Ich habe noch kein Schwimmbad erlebt, in dem ich gezwungen war mich vor Anderen zu entblößen. Es gibt überall Einzelumkleiden und in der Regel auch Separées in den Duschen. Zur Not bleibt das Unterteil halt an, dann wird wenigstens auch der Chlor aus dem Stoff ausgewaschen.
Wenn nicht im Schwimmbad, dann in der Reha. Ich war, bzw. bin aktuell in einer ambulanten orthopädischen Reha und dort gibt nur Gemeinschaftsduschen. Auf die Problematik als leider noch nicht operierte Transfrau dort zu duschen, angesprochen, meinte die Rehaklinik das aussitzen zu müssen. Ich bin da nicht so empfindlich, wenn mir jemand auf das Ding schaut, aber ich möchte keine Streiterei in der Dusche mit Cis-Frauen.
Da man meinte das weiterhin aussitzen zu müssen, kam dann der Träger meiner Reha, die Rentenversicherung ins Spiel und forderte die Rehaklinik auf eine Lösung zu finden. Die Lösung mit dem Schild, dass die Dusche besetzt ist, habe ich zweimal genutzt und dann wurde mir das zu blöd, weil logischerweise jeder gafft, was die Claudia für ein Schild an der Tür der Dusche aufhängt. Eine nette Frau hatte mich darauf angesprochen, weil sie schon ahnte, warum. Sie hat selber eine transidente Person in der Familie und fand das Thema Dusche auch entwürdigend.
Die Reha habe ich nur noch widerwillig mitgemacht und schweißtreibende Anwendungen verweigert, weil das mit dem Duschen nicht klappte. Logischerweise ist damit die Reha nicht wirklich gut gelaufen und eine Besserung meiner Rückenprobleme ist nicht eingetreten. Das hat nun ein Nachspiel und es ist denkbar, dass ich die Reha woanders wiederholen kann, wo die Situation in den Duschen besser ist.
Selbst bei meinem Museumsbahnverein ist das besser gelöst. Dort gibt es einen Duschkabine für die Frauen in der Herrendusche. Gut, wir müssen halt an den duschenden Herren vorbei laufen, aber anders geht es dort nunmal nicht wegen der örtlichen Gegebenheiten.
Helga hat geschrieben: So 18. Sep 2022, 21:24
Bei den vorstehenden Beschreibungen der "großen" Lösung frage ich mich (ohne eine Antwort zu erwarten) wieviele Transfrauen, zudem im gesetzen Alter, haben den ernsthaft penetrierenden Geschlechtsverkehr? Mit zunehmenden Alter nimmt die ohnehin geringe Zahl der potentiellen Partner exponentiell ab, die wenigen Verbliebenen können bestenfalls noch mit Unterstützung blauer Pillen. Ich schätze da ist mehr Wunschdenken als Realität im Spiel.
Ich finde es langsam etwas daneben, wie Du Dich hier aufführst. Lass uns Transfrauen unser Leben so gestalten, wie wir es möchten. Es ist doch egal ob ich es mir mit einem Kerl oder mit einem Spielzeug mache. Das ist meine ganz persönliche Sache, die Dich als vermutlich gar nicht betroffene Person absolut nichts angeht.
Ich habe mir meine Transidentität nicht ausgesucht. Um die 20 Jahre, unbewusst vielleicht sogar noch mehr, beschäftigt mich das Thema. Ich musste es wegen der Pflege meiner Mutter ewig vorher schieben. Das ist nicht lustig. Das hat mich mental teilweise extrem belastet.
Der erste Ausgang als Claudia heute vor 18 Monaten war eine Befreiung. Ich fing an wieder aufzublühen. Ich merke doch, wie richtig es sich jetzt anfühlt. Die GaOP ist dann der krönende Abschluß und ich warte sehnlichst auf den OP-Termin, der aber wohl erst in knapp zwei Jahren sein wird, wenn ich nicht vorher rein rutsche.
Liebe Grüße
Claudia