Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
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Flodur
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Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
Zensus Erlebnisbericht
Da ich Null Soziale Kontakte habe, nur zu Hause rumhänge und/weil ich auch kein Geld habe, habe ich mich als "Erhebungsbeauftragter" für den Zensus gemeldet.
Im Zuge dessen hatte ich zunächst Kontakt mit den Mitarbeitern der Erhebungsstelle und besuchte danach circa 100 Haushalte, hier "auf dem flachen Land" in Sachsen.
(Unterwegs mit dem Rad merkt man schnell, dass es nicht wirklich flach ist!)
Seit meinem Outing vor nun über zehn Jahren laufe ich alltäglich in Kleidung herum die üblicherweise als Damenkleidung bezeichnet wird, d.h. in Kleidern (meistens) und Röcken (10-15% der Zeit), niemals mit Hose. Davon hab ich wirklich genug getragen in meinem Leben.
Erhebungsstelle/Schulung
Weder die Mitarbeiter noch die andern "Schüler" haben eine Bemerkung gemacht, mich merkwürdig angeguckt oder auch nur geblinzelt. Ich wurde genauso behandelt wie alle anderen "normal(*)" gekleideten.
(* : Ich war der einzige mit Rock und Kostüm, alle Frauen hatten Hosen an — ja, die Männer auch.)
Unterwegs
In meinem Bereich waren etwa 50% der zu Befragenden Rentner.
Ein Pärchen sagte sie wären erschrocken als sie mich sahen und riefen die Erhebungsstelle an, ob die jemand anders schicken könnten. Bei meinem zweiten Besuch waren sie aber dann doch willig mit mir zu reden. Von meinen "Vorgesetzten" kam übrigens keinerlei Rückmeldung oder Bemerkung wegen dieses Telefongesprächs.
Eine Frau, die ich im Garten angesprochen hatte, führte mich ins Haus und sagte zu ihrem Mann: "Da ist ein Mann vom Zensus" und dann zu mir gewandt "oder Frau?".
Ich darauf: "Mann ist schon in Ordnung."
Ein Mann meinte an einem heißen Tag neidisch als er mich im kurzen leichten Sommerkleid an seinem Gartentisch sah: "Na sie haben sich ja vernünftig angezogen bei dem Wetter. (Aus dem Rest des angenehmen Gesprächs weiß ich, dass das nicht Ironie war.)
Etwa fünfmal wurde mir was zu trinken angeboten.
Mindestens 15 Mal wurde ich sehr freundlich empfangen und wir haben nach der Befragung noch etwas geschwätzt.
Sechsmal reagierten die Leute unhöflich oder grob. Das waren "Zensusverweigerer".
(Laut Gesetz ist Verweigerung mit bis zu 5000€ strafbar. Nicht mein Problem!)
Ich denke, die Haltung war aus Prinzip, nicht wegen meines Auftretens.
Alle anderen waren mindestens neutral, aber jedenfalls ohne scheele Blicke oder Worte.
Also:
mindestens 15% ++
über 75% +/-
etwas mehr als 5% -?
Eventuell war das für dex eiex oder anderex von Interesse.
Da ich Null Soziale Kontakte habe, nur zu Hause rumhänge und/weil ich auch kein Geld habe, habe ich mich als "Erhebungsbeauftragter" für den Zensus gemeldet.
Im Zuge dessen hatte ich zunächst Kontakt mit den Mitarbeitern der Erhebungsstelle und besuchte danach circa 100 Haushalte, hier "auf dem flachen Land" in Sachsen.
(Unterwegs mit dem Rad merkt man schnell, dass es nicht wirklich flach ist!)
Seit meinem Outing vor nun über zehn Jahren laufe ich alltäglich in Kleidung herum die üblicherweise als Damenkleidung bezeichnet wird, d.h. in Kleidern (meistens) und Röcken (10-15% der Zeit), niemals mit Hose. Davon hab ich wirklich genug getragen in meinem Leben.
Erhebungsstelle/Schulung
Weder die Mitarbeiter noch die andern "Schüler" haben eine Bemerkung gemacht, mich merkwürdig angeguckt oder auch nur geblinzelt. Ich wurde genauso behandelt wie alle anderen "normal(*)" gekleideten.
(* : Ich war der einzige mit Rock und Kostüm, alle Frauen hatten Hosen an — ja, die Männer auch.)
Unterwegs
In meinem Bereich waren etwa 50% der zu Befragenden Rentner.
Ein Pärchen sagte sie wären erschrocken als sie mich sahen und riefen die Erhebungsstelle an, ob die jemand anders schicken könnten. Bei meinem zweiten Besuch waren sie aber dann doch willig mit mir zu reden. Von meinen "Vorgesetzten" kam übrigens keinerlei Rückmeldung oder Bemerkung wegen dieses Telefongesprächs.
Eine Frau, die ich im Garten angesprochen hatte, führte mich ins Haus und sagte zu ihrem Mann: "Da ist ein Mann vom Zensus" und dann zu mir gewandt "oder Frau?".
Ich darauf: "Mann ist schon in Ordnung."
Ein Mann meinte an einem heißen Tag neidisch als er mich im kurzen leichten Sommerkleid an seinem Gartentisch sah: "Na sie haben sich ja vernünftig angezogen bei dem Wetter. (Aus dem Rest des angenehmen Gesprächs weiß ich, dass das nicht Ironie war.)
Etwa fünfmal wurde mir was zu trinken angeboten.
Mindestens 15 Mal wurde ich sehr freundlich empfangen und wir haben nach der Befragung noch etwas geschwätzt.
Sechsmal reagierten die Leute unhöflich oder grob. Das waren "Zensusverweigerer".
(Laut Gesetz ist Verweigerung mit bis zu 5000€ strafbar. Nicht mein Problem!)
Ich denke, die Haltung war aus Prinzip, nicht wegen meines Auftretens.
Alle anderen waren mindestens neutral, aber jedenfalls ohne scheele Blicke oder Worte.
Also:
mindestens 15% ++
über 75% +/-
etwas mehr als 5% -?
Eventuell war das für dex eiex oder anderex von Interesse.
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Lina
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Re: Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
Wie weißt man sich da eigentlich aus.
Jeder kann ja behaupten von der Zensus zu sein, und jeder weiß ja auch nicht ohne Recherche, wie ein entsprechender Dienstausweis aussieht.
Bei mir sind bis jetzt alle die behaupteten offizielle Umfragen oder vom GEZ zu sein kalt abgewiesen worden, weil sie sich schon an der Türklingel/am Türtelefon sich wenig vertrauenserweckend verhalten haben. Wenn Echte dabei waren, dann wären sie selber Schuld.
Jeder kann ja behaupten von der Zensus zu sein, und jeder weiß ja auch nicht ohne Recherche, wie ein entsprechender Dienstausweis aussieht.
Bei mir sind bis jetzt alle die behaupteten offizielle Umfragen oder vom GEZ zu sein kalt abgewiesen worden, weil sie sich schon an der Türklingel/am Türtelefon sich wenig vertrauenserweckend verhalten haben. Wenn Echte dabei waren, dann wären sie selber Schuld.
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Flodur
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Re: Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
Erst mit Ankündigung des Besuchs mit offiziellem Vordruck.
Dann mit "Dienstausweis"
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Lina
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Re: Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
Das macht natürlich Sinn.
Ich habe mal, nachdem ein angeblicher GEZ Mitarbeiter sich ziemlich unmöglich verhalten hatte, beim NDR angerufen um überhaupt festzustellen, ob er echt war. Die hatten offenbar keine Ahnung wo ihre Mitarbeiter wann wären.
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Olivia
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Re: Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
Hallo Flodur,
danke für diesen "Erlebnisbericht" - das Ergebnis lässt ja hoffen, dass sich in der Gesellschaft und den dort vorherrschenden Anschauungen doch etwas zum Positiven verändert hat!
Viele liebe Grüße von
Olivia
danke für diesen "Erlebnisbericht" - das Ergebnis lässt ja hoffen, dass sich in der Gesellschaft und den dort vorherrschenden Anschauungen doch etwas zum Positiven verändert hat!
Viele liebe Grüße von
Olivia
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rika
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Re: Erlebnisbericht eines Zensusbeauftragten
ich bin auch ein Beauftragter und besuche die Menschen im Nachbarort. Allerdings habe ich nur 40 Adressen, aber mit immerhin ca. 160 Personen.
Ich trage dabei immer Hosen, auch wenn sie wie die Schuhe aus der sog. Damenabteilung sind.
Wie sagt man hier so schön: die Mensche sind wie die Leut' und so erlebe ich einen wahrhaftigen "Mikrozensus".
Das zweite besuchte Haus hatte einen wunderschönen Garten und der Befragte war von einem wahrscheinlich intensiven Leben in Berlin gezeichnet. Sein Alter war 65 und an der rechten Hand waren die Nägel blau und an der linken lila lackiert.
Am übernächsten Tag besuchte ich ein junges Paar und der Herr trug die Nägel schwarz lackiert.
Die meisten Menschen sind sehr freundlich, eine Familie mit ausländischem HIntergrund fragte, ob sie auch mit Karte bezahlen kann. Gerade ältere Menschen finden meinen Besuch als kleines Ereignis und Ehre, dass ausgerechnet sie befragt werden.
Nur eine nicht ganz junge Dame war etwas daneben. Ich hatte mich wie immer 2-3 Tage vorher angemeldet und läutete. Sie öffnete die Tür und wurde gleich agressiv. ich hätte keine Maske auf (stimmt, ich stand mit Abstand vor der Türe), ihr Mann sei krank und was der ganze Sch. sollte, der ihr überhaupt nicht passte, da sie auch keine Zeit hätte. Ich fragte, ob ich am Folgetag nochmals kommen sollte - keine Antwort. Am nächsten Tag rief sie an, wo ich denn bleiben würde....
Manche Fragen lassen sich kaum beantworten: hat die Uroma Jahrgang 1941 in Anatolien einen Schulabschluss erlangt und wenn ja, welchen?
Ein Befragter antwortete gleich für die anderen 10 Bewohner/innen des Hauses mit: die 3 afghanischen Flüchtlinge seien nicht da und die Frau aus Polen schon seit Monaten nicht mehr gesehen worden. Seine Kinder (3 oder 4) hatten alle am 1.1. Geburtstag - na dann feiert es sich doch richtig.
Eine total nette Familie mit 2 Kindern hieß aber nicht gemäß meines Mantelbogens (das ist eines der Formulare) nicht Schmidt, sondern hatte das Haus bereits 2007 von dieser Familie gekauft.
15 Adressen habe ich noch hier liegen und freue mich auf weitere Begegnungen.
Schönen Feiertag.
Ekkehard
Ich trage dabei immer Hosen, auch wenn sie wie die Schuhe aus der sog. Damenabteilung sind.
Wie sagt man hier so schön: die Mensche sind wie die Leut' und so erlebe ich einen wahrhaftigen "Mikrozensus".
Das zweite besuchte Haus hatte einen wunderschönen Garten und der Befragte war von einem wahrscheinlich intensiven Leben in Berlin gezeichnet. Sein Alter war 65 und an der rechten Hand waren die Nägel blau und an der linken lila lackiert.
Am übernächsten Tag besuchte ich ein junges Paar und der Herr trug die Nägel schwarz lackiert.
Die meisten Menschen sind sehr freundlich, eine Familie mit ausländischem HIntergrund fragte, ob sie auch mit Karte bezahlen kann. Gerade ältere Menschen finden meinen Besuch als kleines Ereignis und Ehre, dass ausgerechnet sie befragt werden.
Nur eine nicht ganz junge Dame war etwas daneben. Ich hatte mich wie immer 2-3 Tage vorher angemeldet und läutete. Sie öffnete die Tür und wurde gleich agressiv. ich hätte keine Maske auf (stimmt, ich stand mit Abstand vor der Türe), ihr Mann sei krank und was der ganze Sch. sollte, der ihr überhaupt nicht passte, da sie auch keine Zeit hätte. Ich fragte, ob ich am Folgetag nochmals kommen sollte - keine Antwort. Am nächsten Tag rief sie an, wo ich denn bleiben würde....
Manche Fragen lassen sich kaum beantworten: hat die Uroma Jahrgang 1941 in Anatolien einen Schulabschluss erlangt und wenn ja, welchen?
Ein Befragter antwortete gleich für die anderen 10 Bewohner/innen des Hauses mit: die 3 afghanischen Flüchtlinge seien nicht da und die Frau aus Polen schon seit Monaten nicht mehr gesehen worden. Seine Kinder (3 oder 4) hatten alle am 1.1. Geburtstag - na dann feiert es sich doch richtig.
Eine total nette Familie mit 2 Kindern hieß aber nicht gemäß meines Mantelbogens (das ist eines der Formulare) nicht Schmidt, sondern hatte das Haus bereits 2007 von dieser Familie gekauft.
15 Adressen habe ich noch hier liegen und freue mich auf weitere Begegnungen.
Schönen Feiertag.
Ekkehard