Gendern: allmählich alltäglich
Vor ein paar Tagen im Morgenmagazin der ARD: In der Rubrik "Der Internetdoktor" fiel der Studiogast Alexander Gerlach, Professor für Psychologie an der Universität Köln, durch vorbildliches Gendern auf. Er sprach mit der Beidnennung von Ärztinnen und Ärzten und blieb während des Interviews konsequent bei dieser Sprechweise. Nachahmenswert! Ein weiteres Genderevent wurde uns zugetragen: In einer Erste-Hilfe-Schulung, notwendig für jede Führerscheinprüfung, sprach der junge Referent in einem fort von Radfahrenden oder von Personen, die verletzt Beistand benötigen. Zwei Beispiele, wie Gendern allmählich alltäglich wird.
Nicole Diekmann, Redakteurin im ZDF-Hauptstadtstudio, hat sich vom Gendern verabschiedet. Halt, stopp, nicht so ganz, sie verzichtet nur auf den Glottisschlag, die gesprochene Minipause an der Stelle im Wort, wo das Genderzeichen sitzt. Die Fernsehjournalistin, die als eine der ersten mit dieser Ausdrucksweise auf Sendung ging, war die vielen Protestschreiben leid: "Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass Beiträge, die mir am Herzen liegen, in die ich viel Arbeit und Energie stecke, kaum noch inhaltlich diskutiert werden, weil sich die ganze Diskussion nur auf die Sprache lenkt, die ich verwende", erklärte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie nutzt nun vorrangig die anderen Methoden der geschlechtergerechten Sprache — und macht die Erfahrung, dass sich niemand mehr aufregt. Bei einem ist sich Nicole Diekmann aber sicher: "Das generische Maskulinum wird keine Zukunft haben".
Momentan sieht es so aus, als sei das gemäßigte Gendern mehr und mehr von Erfolg gekrönt. In dem Artikel des RND, der hinter einer Paywall steckt, komme auch ich als Autorin des Buches "Genderleicht" zu Wort: Die exzessive Verwendung des Sternchens habe zwar die Debatte um geschlechtergerechte Sprache befeuert, aber von hier aus müsse es weitergehen, so werde ich zitiert. Die Buchveröffentlichung hat mir viele Gelegenheiten verschafft, über elegantes Gendern mit den Mitteln der deutschen Sprache zu sprechen. Viele Redaktionen halten es so wie es unter dem Artikel vermerkt ist: "Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nutzt in seinen Beiträgen ebenfalls verstärkt die Beidnennung der männlichen und weiblichen Form sowie geschlechtsneutrale Begriffe".
Hat der Genderstern dennoch eine Chance? Wird er gar in Gesetze und Verordnungen einziehen? Die Verfassungsrechtlerin Anna Katharina Mangold hat in einem Interview mit der Legal Tribune Deutschland einen interessanten Vorschlag zur Güte gemacht: "Ich halte Formulierungen wie "šder*die Minister*in"˜ nicht nur sprachlich für wenig gelungen", erklärt die Juraprofessorin, die sich sich 2021 in einem Gutachten zur geschlechtergerechten Umarbeitung der brandenburgischen Landesverfassung für den Genderstern ausgesprochen hatte: "Wir sollten für Amtsbezeichnungen ganz neue Formulierungen finden, die nicht geschlechtsspezifisch sind". Mehr Respekt für die Vielfalt der Geschlechter und dazu kreativ umdenken bei der Gesetzgebung: Das wäre doch mal wünschenswert. Diese und weitere interessante Artikel zum Genderthema finden Sie übrigens auf unserer Seite Gesprächsstoff.
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Re: Aus dem genderleicht„Newsletter | Gendern: allmählich alltäglich
Nunja, Beidnennung...
Ist klar, dass ich da nicht mit zufrieden bin, oder?
(Aus mindestens zwei Gründen)
(Aus mindestens zwei Gründen)
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