Ich spreche hier alle an, die sich für dieses Thema interessieren. Auch äußern kann sich hier wer möchte
In letzter Zeit hat man hier im Forum wieder etwas mehr von Partnerinnen lesen können.
Vor allem ein neues/altes Thema wurde immer wieder mal angesprochen, welches seine Aktualität nicht zu verlieren scheint. Ehrlich gesagt mache ich mir die ganzen Jahre immer wieder mal darüber Gedanken, warum es von seiner Aktualität nichts verliert?!
Mir geht es um das Thema "Treue, Betrug, Verrat, Lüge .." oder wie auch immer die Betroffenen es selbst für sich betiteln möchten.
Wiederholt passiert es, dass Partnerinnen sich hier mit diesem Thema zu Wort melden, nachdem ihr Partner sich geoutet hat, oder sie selbst herausgefunden haben, dass ihr Partner sich ihnen nicht anvertraut hat, sie nicht (von Anfang an) mit einbezogen hat zum Thema Trans.
Ich möchte hier keine Fronten entstehen lassen, im Gegenteil
Irgendwie habe ich immer wieder mal den Gedanken in mir, mich dazu zu äußern, eben, weil dieses Thema so massiv steht.
Unter dieser Wahrnehmung des Betruges, leidet nicht nur die Partnerin, sondern ihr Partner, die Beziehung, evtl. das Familienleben und was für mich noch viel schlimmer ist, unter dieser ICH - Wahrnehmung leidet auch der Fortschritt im Thema Trans.
Die Partnerinnen, die dieses Thema jetzt durchleben und hier sich auch noch dazu äußern, sind ebenso Vorreiter im Thema Trans, wie unsere Partner. Ich bin davon überzeugt, dass es außerhalb des hier Schreiben könnens, Leser/Leserinnen gibt, denen unsere Worte hier sehr wichtig sind. Ich frage mich: Wie wollen wir eine verbesserte Welt erschaffen, wenn wir an alten Denkmustern festhalten?!
Alte Denkmuster sind unteranderem eben für mich die Aussagen von Partnerinnen, belogen und betrogen worden zu sein, weil der Partner uns gegenüber schweigt/schwieg.
Ich finde es wenig gewinnbringend für beide Seiten, sich in diesem Denken festzubeißen und dort wie ein bockiges Kind sitzen zu bleiben.
In meiner Wahrnehmung könnte wahres Mitgefühl und Wertschätzung ein echter Türöffner sein.
Mich persönlich stört es sehr, wenn wir hier wiederholt lesen, dass die Partnerinnen sich betrogen und belogen fühlen. Für mich suggeriert dies, der Partner ist schuld! Sorry ich sehe das nicht so absolut. Warum? Mich treibt ein Gedanke. Es gab unteranderem hier Äußerungen von Partnerinnen jahrzehntelang belogen worden zu sein. Und das Schlimme was ich dabei finde, dass die Partnerinnen uns gegenüber nur einen Ist-Zustand erzählen. Ich glaube/vermute, dass Trans-betroffene Menschen seit Jahrzehnten sich alleine gelassen fühlen. Ich habe den Gedanken in mir, dass Transmenschen seit ihrer Kindheit erleben, wie anders und im schlimmsten Fall falsch sie sind. Ich glaube, dass es Schlüsselerlebnisse für Transmenschen gab, die sie in dieses Schweigen getrieben haben. Die Welt vor 20, 30 Jahren war eine noch verkapptere Welt als heute. Wir wissen doch alle, wieviel Mut, Kraft, Zeit und Energie es gebraucht hat, damit gleichgeschlechtliche Beziehungen gelebt und anerkannt werden. Trans ist da der nächste Schritt. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, wenn man als Kind erlebt, wie sein Umfeld sich abwertend über Homosexualität/Transsexualität äußert. Und wenn ein solches Kind selber spürt und erlebt, wie sehr es sich nach der Kleidung oder gar einem Leben des anderen Geschlechts sehnt, dann macht das etwas mit einem solchen kleinen Wesen
Und jetzt mal Tacheles:
Denkt ihr (die sich betrogen fühlenden Partnerinnen) ernsthaft, ihr tragt das größere Leid, nur, weil ein zu tiefst verletzer erwachsener Mensch sich nicht frisch fröhlich einer Gesellschaft öffnet, die ihn Zeit seines Lebens ablehnt, verspottet, ausschließt, geschweige denn wahrhaftig wahrnimmt wie er ist?
Ganz ehrlich, in meiner Welt nehmt ihr euch echt zu wichtig
Unsere Partner tragen noch immer sehr sehr viele Baustellen mit sich herum, die (so meine Meinung) dazu führen können, lieber zu schweigen. Und ich glaube auch, dass sie oft genug gezwungen vor einer Entscheidung standen, und sich zwischen "Pest oder Colara" entscheiden mussten. Vermutlich entschieden sie sich viel zu oft fürs Schweigen, eben um Spott, Scham, Bloßstellung oder Verlust vorzubeugen.
Ganz ehrlich, ich finde es oft sehr schlimm, wie ihr diesbezüglich denkt. In meiner Wahrnehmung, fehlt da ein riesen Haufen Einfühlungsvermögen um euren Partner ohne jegliche Vorhaltungen verstehen zu können, verstehen zu wollen.
Verliert euch bitte nicht in euren selbsterzeugten Verletzungen, sondern stellt euch mit liebendem Herzen an die Seite eures Lieblingsmenschen, und stärkt und unterstützt euch gegenseitig auf dem Weg den ihr zukünftig Hand in Hand zusammen gehen könnt
Namaste