Treue, Betrug, Verrat, Lüge..
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Intergeschlechtliche Menschen, Crossdresser, Transgender, Transidente: Diskussionen über partnerschaftliche Aspekte, Rat und Tat für PartnerInnen und Familie
Frieda
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Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 1 im Thema

Beitrag von Frieda »

Liebe Community❣️

Ich spreche hier alle an, die sich für dieses Thema interessieren. Auch äußern kann sich hier wer möchte❣️☺️


In letzter Zeit hat man hier im Forum wieder etwas mehr von Partnerinnen lesen können.
Vor allem ein neues/altes Thema wurde immer wieder mal angesprochen, welches seine Aktualität nicht zu verlieren scheint. Ehrlich gesagt mache ich mir die ganzen Jahre immer wieder mal darüber Gedanken, warum es von seiner Aktualität nichts verliert?!
Mir geht es um das Thema "Treue, Betrug, Verrat, Lüge .." oder wie auch immer die Betroffenen es selbst für sich betiteln möchten.
Wiederholt passiert es, dass Partnerinnen sich hier mit diesem Thema zu Wort melden, nachdem ihr Partner sich geoutet hat, oder sie selbst herausgefunden haben, dass ihr Partner sich ihnen nicht anvertraut hat, sie nicht (von Anfang an) mit einbezogen hat zum Thema Trans.

Ich möchte hier keine Fronten entstehen lassen, im Gegenteil❣️
Irgendwie habe ich immer wieder mal den Gedanken in mir, mich dazu zu äußern, eben, weil dieses Thema so massiv steht.
Unter dieser Wahrnehmung des Betruges, leidet nicht nur die Partnerin, sondern ihr Partner, die Beziehung, evtl. das Familienleben und was für mich noch viel schlimmer ist, unter dieser ICH - Wahrnehmung leidet auch der Fortschritt im Thema Trans.

Die Partnerinnen, die dieses Thema jetzt durchleben und hier sich auch noch dazu äußern, sind ebenso Vorreiter im Thema Trans, wie unsere Partner. Ich bin davon überzeugt, dass es außerhalb des hier Schreiben könnens, Leser/Leserinnen gibt, denen unsere Worte hier sehr wichtig sind. Ich frage mich: Wie wollen wir eine verbesserte Welt erschaffen, wenn wir an alten Denkmustern festhalten?!
Alte Denkmuster sind unteranderem eben für mich die Aussagen von Partnerinnen, belogen und betrogen worden zu sein, weil der Partner uns gegenüber schweigt/schwieg.
Ich finde es wenig gewinnbringend für beide Seiten, sich in diesem Denken festzubeißen und dort wie ein bockiges Kind sitzen zu bleiben.
In meiner Wahrnehmung könnte wahres Mitgefühl und Wertschätzung ein echter Türöffner sein.

Mich persönlich stört es sehr, wenn wir hier wiederholt lesen, dass die Partnerinnen sich betrogen und belogen fühlen. Für mich suggeriert dies, der Partner ist schuld! Sorry ich sehe das nicht so absolut. Warum? Mich treibt ein Gedanke. Es gab unteranderem hier Äußerungen von Partnerinnen jahrzehntelang belogen worden zu sein. Und das Schlimme was ich dabei finde, dass die Partnerinnen uns gegenüber nur einen Ist-Zustand erzählen. Ich glaube/vermute, dass Trans-betroffene Menschen seit Jahrzehnten sich alleine gelassen fühlen. Ich habe den Gedanken in mir, dass Transmenschen seit ihrer Kindheit erleben, wie anders und im schlimmsten Fall falsch sie sind. Ich glaube, dass es Schlüsselerlebnisse für Transmenschen gab, die sie in dieses Schweigen getrieben haben. Die Welt vor 20, 30 Jahren war eine noch verkapptere Welt als heute. Wir wissen doch alle, wieviel Mut, Kraft, Zeit und Energie es gebraucht hat, damit gleichgeschlechtliche Beziehungen gelebt und anerkannt werden. Trans ist da der nächste Schritt. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, wenn man als Kind erlebt, wie sein Umfeld sich abwertend über Homosexualität/Transsexualität äußert. Und wenn ein solches Kind selber spürt und erlebt, wie sehr es sich nach der Kleidung oder gar einem Leben des anderen Geschlechts sehnt, dann macht das etwas mit einem solchen kleinen Wesen❣️

Und jetzt mal Tacheles:
Denkt ihr (die sich betrogen fühlenden Partnerinnen) ernsthaft, ihr tragt das größere Leid, nur, weil ein zu tiefst verletzer erwachsener Mensch sich nicht frisch fröhlich einer Gesellschaft öffnet, die ihn Zeit seines Lebens ablehnt, verspottet, ausschließt, geschweige denn wahrhaftig wahrnimmt wie er ist?
Ganz ehrlich, in meiner Welt nehmt ihr euch echt zu wichtig❣️
Unsere Partner tragen noch immer sehr sehr viele Baustellen mit sich herum, die (so meine Meinung) dazu führen können, lieber zu schweigen. Und ich glaube auch, dass sie oft genug gezwungen vor einer Entscheidung standen, und sich zwischen "Pest oder Colara" entscheiden mussten. Vermutlich entschieden sie sich viel zu oft fürs Schweigen, eben um Spott, Scham, Bloßstellung oder Verlust vorzubeugen.
Ganz ehrlich, ich finde es oft sehr schlimm, wie ihr diesbezüglich denkt. In meiner Wahrnehmung, fehlt da ein riesen Haufen Einfühlungsvermögen um euren Partner ohne jegliche Vorhaltungen verstehen zu können, verstehen zu wollen.

Verliert euch bitte nicht in euren selbsterzeugten Verletzungen, sondern stellt euch mit liebendem Herzen an die Seite eures Lieblingsmenschen, und stärkt und unterstützt euch gegenseitig auf dem Weg den ihr zukünftig Hand in Hand zusammen gehen könnt❣️

Namaste 🙏
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 2 im Thema

Beitrag von Stefanie1963 »

Liebe Frieda,

erstmal vielen Dank für deine Überlegen zu diesem in vielen Beziehungen großen Problem.

Manche von uns, die in einer Beziehung leben, stehen oder standen doch genau vor diesem Problem. Ich kann dabei doch nur aus meiner Erfahrung berichten. Oft genug das Thema gestreift, auf "positive" Reaktionen gelauert, aber leider meistens enttäuscht worden.
Dann die Politik der kleinen Schritte: Eine langsame Transition, eine quasi schleichende Entwicklung. Auch dabei einige Male eine Zurückweisung erlebt. Immer mit der Angst über die Zukunft der Beziehung verbunden, vor allem wenn Kinder da sind.

Auch war ich Anfangs vllt. nicht so stark wie jetzt, evtl. mir meiner Selbst auch nicht so sicher. Auch heute ist dieses Thema seitens meiner Partnerin nicht unbedingt willkommen. Eine gewisse Toleranz ist da, aber keine offensive Unterstützung.

Wenn dann PartnerInnen dann reklamieren, doch in einer vertrauensvollen Beziehung zu leben und alles miteinander zu teilen, deshalb eine große Enttäuschung verspüren wenn "plötzlich" heraus kommt, das der oder die Partnerin Trans ist, stellt sich vllt. doch die Frage, ob es vorher keine Anzeichen gegeben hat, ob dieses Thema nicht doch vllt. schon mal zaghaft angesprochen wurde.
Natürlich sind wir alle erwachsene Menschen und sollten über so imminent wichtige Fragen offen sprechen können, aber "¦..

Jede Medaille hat eben zwei Seiten. Die Beziehungsperson, die sich enttäuscht fühlt sollte sich vllt. selbst die Frage stellen, ob ein Outing zu einem früheren Zeitpunkt nicht vielleicht die Beziehung zu stark belastet hätte und ob Frau selbst damit klargekommen wäre.
Waren die Befürchtungen, das ein sich Öffnen gegenüber einem Partner oder einer Partnerin schwerwiegende Konsequenzen hätte unbegründet? Denn gerade diese Angst führt doch zur Verheimlichung der eigenen Präferenz.

Natürlich ist es dann umso schlimmer, wenn nach langer Zeit dann doch das Ganze herauskommt und die Beziehung nicht haltbar ist.
Deshalb verstehe ich auch diejenigen, die sich betrogen fühlen und die Grundlage ihrer Beziehung in Frage stellen.

Ich hoffe, dass alle in einer Partnerschaft lebenden verstehen, dass dieses nicht verheimlicht wurde, um die andere Seite zu verletzen, sondern oft eine tiefe Angst vor den möglichen Konsequenzen dahinter steckt.

LG Stefanie
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 3 im Thema

Beitrag von Stina »

Liebe Frieda!
Erst einmal lieben Dank für dieses Thema! Ich gebe zu,das triggern mich. Ich habe mal meine ersten posts hier gelesen. Habe versucht,zu reflektieren, was "damals" das größte Problem war. Auch ich habe von Verletzungen geschrieben. Vom Hintergangenwerden. Aber auch von Selbstzweifel. Und das ist der springende Punkt: warum hat er sich mir nicht anvertraut? Bin ich es nicht wert? Nicht verständnisvoll genug? Was ist mit MIR verkehrt?
Nun ist ja ein bisschen Zeit vergangen und ich sehe das ganze gelassener. Dabei hat zum einen der Austausch mit anderen CDs geholfen,zum anderen aber auch manchmal ein "Rüffel " an der richtigen Stelle. Wir Partnerinnen sind natürlich nicht der Nabel der Welt, aber wir lieben unsere Männer/ Frauen, sonst wären wir nicht hier! Zu verstehen kostet Zeit ,Geduld und Hingabe. Und Verständnis,auch von der anderen Seite.
Kein Mensch ist frei von Fehlern. Aber es liegt allein an uns,daran zu arbeiten und unser(gemeinsames) Leben so zu gestalten, dass beide erfüllt leben können.
Schönes Wochenende wünscht euch, Stina
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 4 im Thema

Beitrag von Frieda »

Liebe Stina❣️ )))(:
Stina hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 16:16 .. Und das ist der springende Punkt: warum hat er sich mir nicht anvertraut? Bin ich es nicht wert? Nicht verständnisvoll genug? Was ist mit MIR verkehrt?
Genau, dass ist der springende Punkt für die Partnerin (die dies denkt). Aber es ist halt nicht der einzige Punkt worum es geht.

Stina hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 16:16 Nun ist ja ein bisschen Zeit vergangen und ich sehe das ganze gelassener. Dabei hat zum einen der Austausch mit anderen CDs geholfen,zum anderen aber auch manchmal ein "Rüffel " an der richtigen Stelle. Wir Partnerinnen sind natürlich nicht der Nabel der Welt, aber wir lieben unsere Männer/ Frauen, sonst wären wir nicht hier! Zu verstehen kostet Zeit ,Geduld und Hingabe. Und Verständnis,auch von der anderen Seite.
Diese Reflexion von dir zeigt ganz deutlich, dass es ein Prozess ist und nicht etwas entgültiges, wie man anfangs glauben könnte.

Stina hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 16:16 Kein Mensch ist frei von Fehlern. Aber es liegt allein an uns,daran zu arbeiten und unser(gemeinsames) Leben so zu gestalten, dass beide erfüllt leben können.
Schönes Wochenende wünscht euch, Stina
Danke für diese wundervollen, lieben Worte von dir❣️🙏
Euch ebenso ein schönes WE☺️

Namaste 🙏
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 5 im Thema

Beitrag von Zita »

Frieda hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 14:56
[ ... ] Ich glaube/vermute, dass Trans-betroffene Menschen seit Jahrzehnten sich alleine gelassen fühlen. Ich habe den Gedanken in mir, dass Transmenschen seit ihrer Kindheit erleben, wie anders und im schlimmsten Fall falsch sie sind. Ich glaube, dass es Schlüsselerlebnisse für Transmenschen gab, die sie in dieses Schweigen getrieben haben. [ ... ]
Ja, genau dieses Gefühl von Einsamkeit und des Falsch-sein war es, dass mich mein Leben über begleitet hatte. Ich habe dieses Schweigen sogar soweit getrieben, dass ich es vor mir selber verschwiegen habe und lange nicht wusste, woher diese Einsamkeit in mir kam. Objektiv war ich nie alleine. Ich hatte immer liebe Menschen um mich herum. Doch trotzdem war da immer in mir ein ganz tiefes Gefühl der Einsamkeit und des irgendwie Falsch-seins. Als ich dann das erstemal an der Hamburger SHG teilnahm und dort all die anderen Crossdresser erlebt hatte, hatte ich vom ersten Moment an ein geradezu physisches Kribbeln am ganzen Körper und gespürt. Es war auf einmal ein Gefühl von Zugehörigkeit, wie ich es, soweit ich zurückdenken konnte, noch nie hatte. Ich wusste bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht, wie es sich anfühlt, wenn diese tief sitzende Einsamkeit nicht vorhanden ist.

Liebe Grüße
Zita
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 6 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo zusammen,

ja das kenne ich alles.

Angefangen als Kleinkind (ca 3 Jahre alt), haben mir meine Mutter und eine Tante mir ein Dirndel meiner jüngeren Schwester angezogen. Sie hatte es geschenkt bekommen, und war noch zu klein, mir als älterem Kind passte es bereits. Dieses Ereignis wurde damals teilweise auf Super 8 festgehalten. Etwas moderneres war in den endenden 60er Jahren nicht bekannt oder üblich. Gab es damals schon was anderes um sich bewegende Bilder festzuhalten.
Es ist eindeutig erkennbar, daß ich glücklich war und mich wohlfühlte. Das änderte sich schlagartig als mein Vater kam und herumtobte, wie es sein kann, daß seinem Sohn ein Dirndel angezogen wurde...
Ab da war ich am weinen.
Erinnern kann ich mich, dass während meiner gesamten Kindes- / Jugendzeit dieses Bildmaterial geeigneten Besuchern vorgespielt wurde, mit entsprechenden Erlauterungen.
Da habe ich mich stets zur Schau gestellt gefühlt, wie ein Zoobewohner.

Und an diese Homo - feindlichen Äußerungen....
Wie oft sind die gefallen.

Und Trans*?
Da kann ich mich nicht erinnern.
Gab es das damals noch nicht? Also in den 70 /80er Jahren.
Wie hatte sich ein Mensch mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zu verhalten?
Unter anderem eine Frau heiraten und eine Familie gründen.

Und dann?
Wie oft habe ich falsch gefühlt. Immer so sein, wie es die Gesellschaft erwartet.

Wie sollte ich mit meiner Frau über ein solches Thema reden.
Alle vorsichtigen Anfangsversuche zeigten sofort, das ist ein Thema, damit kommt meine Frau nicht klar.
Was wird bei einem Outing aus der Ehe? Was mit den Kindern.

Es ging alles Gut.
Eine Ehe - hat exestiert.
Eine Familie für die Kinder - hat exestiert.

Mein Seelenleben? Fehlanzeige.

Emotional - irgendwann eine WG.

Und dann ...
Meine Frau hatte eine Ahnung, Irgendwas ist nicht "normal". Gibt es eine andere Frau?
Sie wollte Erklärungen.
Und ich... war es leid, alles zu leugnen, für die Ehe, für die Familie. Endlich wollte ich meine Last loswerden und nicht mehr ausweichen.

Und dann ....
Du hast mich belogen...
Du hast mich betrogen...
Du ..... mich an.
Warum hast Du so etwas wichtiges nicht schon vor der Ehe gesagt?
Warum lässt Du mich eine Ehe mit so einem Menschen eingehen?

Ich fühle mich schlecht. Ich fühle mich schuldig.

5 Wochen später...
Zieh bitte aus. Ich kann damit nicht leben.

Wofür habe ich das alles gemacht?
Für mich?
Für die Ehe?
Für die Familie?
Wer hatte die gößere Last / Belastung?

Ein Outing, und nichts ist mehr wie es war. Und so wird es auch nie wieder werden, so das Signal.

Also Zeit, etwas zu ändern, für mich.

14 Monate später:
HET
21 Monate später:
NÄ/PÄ
Und heute... 27 Monate später
Der Termin für die GaOP ist gemacht,
Das Leben ist umgekrempelt, ein neuer Job, eine neue Heimat, eine neue Partnerin - eine Frau mit transidentem Hintergrund.

Als Frau. Als ich.

Ein schönes Wochenende wünscht Euch
Dunja
Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als Angst.
(Zitat aus dem Film "Plötzlich Prinzessin")
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 7 im Thema

Beitrag von Frieda »

Liebe Dunja❣️☺️
Dunja hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 17:09 Und dann ...
Meine Frau hatte eine Ahnung, Irgendwas ist nicht "normal". Gibt es eine andere Frau?
Sie wollte Erklärungen.
Und ich... war es leid, alles zu leugnen, für die Ehe, für die Familie. Endlich wollte ich meine Last loswerden und nicht mehr ausweichen.

Und dann ....
Du hast mich belogen...
Du hast mich betrogen...
Du ..... mich an.
Warum hast Du so etwas wichtiges nicht schon vor der Ehe gesagt?
Warum lässt Du mich eine Ehe mit so einem Menschen eingehen?

Ich fühle mich schlecht. Ich fühle mich schuldig.
Genau Dunja, dass sind diese Momente die ich meine, in denen es mir das Herz zerreißt, wenn ich dies von Partnerinnen hier lese!
Genau dieses ist das festsitzen in diesen einen Moment und das dann oft auch noch im nur ICH-Denken.
Ehrlich, mir tut das echt weh, weil ichs gemein finde. Es ist egoistisch, sich dann nur diese Fragen immer und immer zu stellen. So öffnet sich kein Gegenüber!
Michi&ich haben oft darüber schon gesprochen. Diese Verletzungen die die Partnerin da empfindet hält sie im Ich-Denken fest. Sie erhält kaum die Chance darüber nachzudenken, was das alles mit ihrem Partner gemacht hat und macht.
Es ist so traurig, weil eigentlich könnten beide sich gegenseitig auffangen und einen Weg gemeinsam finden. So führt oft genug dieses Denken "ICH bin betrogen worden" zu Rissen in der Beziehung, die viel zu oft nicht wieder gekittet werden können, was echt traurig ist.


Ich danke dir herzlichst für deine Worte, liebe Dunja❣️
Ich wünsche dir alles Liebe❣️

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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 8 im Thema

Beitrag von heike65 »

Dunja hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 17:09

Und Trans*?
Da kann ich mich nicht erinnern.
Gab es das damals noch nicht? Also in den 70 /80er Jahren.
Wie hatte sich ein Mensch mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zu verhalten?
Unter anderem eine Frau heiraten und eine Familie gründen.

Und dann?
Wie oft habe ich falsch gefühlt. Immer so sein, wie es die Gesellschaft erwartet.

Wie sollte ich mit meiner Frau über ein solches Thema reden.
Alle vorsichtigen Anfangsversuche zeigten sofort, das ist ein Thema, damit kommt meine Frau nicht klar.
Was wird bei einem Outing aus der Ehe? Was mit den Kindern.

Es ging alles Gut.
Eine Ehe - hat exestiert.
Eine Familie für die Kinder - hat exestiert.

Mein Seelenleben? Fehlanzeige.

Emotional - irgendwann eine WG.

Und dann ...
Meine Frau hatte eine Ahnung, Irgendwas ist nicht "normal". Gibt es eine andere Frau?
Sie wollte Erklärungen.
Und ich... war es leid, alles zu leugnen, für die Ehe, für die Familie. Endlich wollte ich meine Last loswerden und nicht mehr ausweichen.

Und dann ....
Du hast mich belogen...
Du hast mich betrogen...
Du ..... mich an.
Warum hast Du so etwas wichtiges nicht schon vor der Ehe gesagt?
Warum lässt Du mich eine Ehe mit so einem Menschen eingehen?

Ich bin ja nun in etwa in dem gleichem Alter, und sorry , auch wenn Trans in den 80 ern kein Thema war, ich habe meine Frau 1984 kennengelernt, und sie wusste recht schnell das ich eine feminine Seite habe, wie weit das ging oder gehen könnte war mir und somit auch ihr nicht bewusst. Aber wenn ich eine dauerhafte Beziehung eingehe und mir dieses Teil meines Ichs bekannt ist, ist es meine verdammte Pflicht dieses meiner/m Partner/in mitzuteilen. Wenn ich mich nicht trauen sollte mich zu offenbaren ist es aus meiner Sicht die falsche Beziehung. Das mag jetzt hart und absolut klingen, aber auch in den 80ern konnte man (in meinem Fall mit der Partnerin ) darüber reden.
Klar kann manche Frau das Verschweigen nach 20 oder 30 Jahren akzeptieren, aber sie kann sich auch betrogen und hintergangen fühlen.
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 9 im Thema

Beitrag von Blossom »

heike65 hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 18:06 Aber wenn ich eine dauerhafte Beziehung eingehe und mir dieses Teil meines Ichs bekannt ist, ist es meine verdammte Pflicht dieses meiner/m Partner/in mitzuteilen. Wenn ich mich nicht trauen sollte mich zu offenbaren ist es aus meiner Sicht die falsche Beziehung. Das mag jetzt hart und absolut klingen, aber auch in den 80ern konnte man (in meinem Fall mit der Partnerin ) darüber reden.
Meine ersten Gedanken, als ich deinen Beitrag gelesen habe, waren: "Ich glaub' mich tritt gerade ein Pferd"!

Mir war von Kindesbeinen an bewusst, dass etwas nicht stimmt - nur was? Ich wusste, dass etwas mit meinem Spiegelbild nicht in Ordnung war, und irgendwann auch, dass ich viel lieber ein Mädchen sein wollte. Meine Mutter ist Schneidermeisterin und steht auch heute noch allem offen gegenüber. Also durfte ich Prinzessin spielen, zum Ballett und andere Mädchensachen machen. Und dennoch wurde ich in letzter Instanz als Junge sozialisiert. Wenn du seit Kindesbeinen zwischen den Geschlechtern stehst, mit Mädchen ab beginnender Pubertät nicht mehr spielen kannst, aber ob deiner Statur und femininen Art auch nicht zu den Jungs gehören kannst, weil sie dich ablehnen, schickanieren und ihre Gewalt an dir abreagieren - du versuchst der dir durch Geburt zugewiesenen Rolle zu entsprechen, laufend Theater spielst und etwas vorgaukelst, von dem du erwartest, dass es das ist, was das Umfeld von dir erwartet ... und du immer häufiger mitbekommst, wie über Menschen, die wie wir sind, gesprochen wurde, Ausgrenzung erfolgte ... dann fügst du dich irgendwann in dein Schicksal! Heiraten und Kinder in die Welt setzen, um den Schein zu waren, wird so selbstverständlich wie sein eigenes Ich zu verleugnen!

Und du sprichst hier von einer verdammten Pflicht?! Du wagst es, vorzuwerfen, dass im Falle von Feigheit, besser erst gar keine Beziehung eingegangen wird? Ja, geht's noch anmaßender?

Ich bin sogar 22 Jahre Soldat gewesen - eine Flucht in eine Männerwelt, um zumindest irgendwo Anerkennung meiner Person zu finden. Und das gelang trotz steter Depressionen sogar recht gut.

Und als ich, ich wähle deine Worte, meiner "verdammten Pflicht" nachgekommen und mich meiner Partnerin anvertraut, mich ihr als Mädchen gezeigt habe, hat sie sich vor Lachen auf den Boden geworfen - mit der Folge, dass sie mich in meinem Freundeskreis geoutet hat, ich künftig auf dem Sofa schlafen durfte und sie mir im Rahmen der von ihr eingeleiteten Scheidung, den Umgang mit meinen Kindern untersagen wollte!

Es ist meine "verdammte Pflicht"?!

Anscheinend hast du echt keine Ahnung, unter welchem Druck man steht. Was es mit einem macht! Meine anschließende Diagnose lautete: Suizidversuch infolge einer schweren manischen Episode! Es folgten stationäre psychiatrische Aufenthalte und noch vor 5 Jahren gab es suizidale Tendenzen!

Aber klar, man konnte ja in der 1980ern mit seiner Partnerin schon über alles reden, nicht wahr?!

Meine jetzige Lebensgefährtin hat sich in die Frau verliebt, die ich geworden bin. Ich bin ihre Kleine, ihre Süße, ihr Blümchen ... Sie ist das Sahnehäubchen auf all das, was ich aus eigener Kraft auf meinem Weg zur Frau geschafft habe, und ich bin ihr unendlich dankbar, dass es sie in meinem Leben gibt und sie mir eine Stütze ist, wenn es mal nicht so läuft, sie mich umarmt und auffängt, wenn mich, wie in den letzten Tagen infolge des Kriegsgeschehens Flashbacks aus der Bahn werfen - und sich schützend vor mich stellt, wenn es mal zu Anfeindungen kommt.

Aber dieses Glück haben wohl die wenigsten. ich kann gut verstehen, zu welchen Irritationen es führt, wenn in einer Ehe, ein Partner "plötzlich" zum Lippfisch mutiert und das Geschlecht wechseln möchte. Das hat in meinen Augen aber nicht das Geringste mit Verrat, Betrug oder Lüge zu tun - insbesondere dann nicht, wenn sich jemand zu Beginn der Hoffnung hingegeben hat, den Drang unterdrücken zu können.

Aber wie auch immer. Deine Bemerkung empfinde ich als enttäuschend, wenig einfühlsam und als Schlag ins Gesicht.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
Billie Jean King (*1943)
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 10 im Thema

Beitrag von Dunja »

Hallo Heike,
heike65 hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 18:06 Ich bin ja nun in etwa in dem gleichem Alter, und sorry , auch wenn Trans in den 80 ern kein Thema war, ich habe meine Frau 1984 kennengelernt, und sie wusste recht schnell das ich eine feminine Seite habe, wie weit das ging oder gehen könnte war mir und somit auch ihr nicht bewusst. Aber wenn ich eine dauerhafte Beziehung eingehe und mir dieses Teil meines Ichs bekannt ist, ist es meine verdammte Pflicht dieses meiner/m Partner/in mitzuteilen. Wenn ich mich nicht trauen sollte mich zu offenbaren ist es aus meiner Sicht die falsche Beziehung. Das mag jetzt hart und absolut klingen, aber auch in den 80ern konnte man (in meinem Fall mit der Partnerin ) darüber reden.
Klar kann manche Frau das Verschweigen nach 20 oder 30 Jahren akzeptieren, aber sie kann sich auch betrogen und hintergangen fühlen.
So ähnlich denke ich heute auch.
Damals war ich der Ansicht, das ist ein spleen, das ist verrückt, damit kann Mensch leben.
Heute bereue ich mein damaliges Verhalten.
Nicht umsonst heißt es "hinterher ist man schlauer".
Hinterher weiß jede_r, wie es besser gewesen wäre. Auch die, die der Ansicht waren, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Auch die wissen hinterher, welche Entscheidung, welches Verhalten besser gewesen wäre.

Mit dem was ich heute weiß, bin ich mir sicher, mich anders zu Verhalten / Entscheiden.

Leider kann niemand die Zeit zurückdrehen. Oder zum Glück?

Ich nehme ihr das auch nicht übel.
Tatsache ist, daß ich mir Vorwürfe, berechtigt oder nicht (es gibt einige Personen im familieären und bekanntenumfeld, die der Ansicht sind, zu unrecht), mache, dass es so kam wie es gekommen ist. Und ich daran schuld bin.

Deshalb schreibe ich hier im Forum auch oft, wenn die Frage aufkommt - outen oder nicht -, outet euch.
Unsere Partner_innen verdienen es, ehrlich behandelt zu werden.

Hallo Blossom,
Wenn du seit Kindesbeinen zwischen den Geschlechtern stehst, mit Mädchen ab beginnender Pubertät nicht mehr spielen kannst, aber ob deiner Statur und femininen Art auch nicht zu den Jungs gehören kannst, weil sie dich ablehnen, schickanieren und ihre Gewalt an dir abreagieren - du versuchst der dir durch Geburt zugewiesenen Rolle zu entsprechen, laufend Theater spielst und etwas vorgaukelst, von dem du erwartest, dass es das ist, was das Umfeld von dir erwartet ... und du immer häufiger mitbekommst, wie über Menschen, die wie wir sind, gesprochen wurde, Ausgrenzung erfolgte ... dann fügst du dich irgendwann in dein Schicksal! Heiraten und Kinder in die Welt setzen, um den Schein zu waren, wird so selbstverständlich wie sein eigenes Ich zu verleugnen!
Wie war.

Liebe Grüße von Dunja
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 11 im Thema

Beitrag von Blossom »

Dunja hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 20:17 Und ich daran schuld bin.
Du schuld daran? Am Ende einer Beziehung stellt sich eine solche Zuweisung nicht mehr. Nicht umsonst wurde im Rahmen einer Scheidung die Schuldfrage abgeschafft. Wenn es dazu kommt, hat es immer an zwei Seiten gelegen, warum es letztlich nicht funktioniert hat. Aber niemals eine Seite allein. Auch würde ich niemals von "Schuld" sprechen, sondern von Versagen auf beiden Seiten.
Dunja hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 20:17 Deshalb schreibe ich hier im Forum auch oft, wenn die Frage aufkommt - outen oder nicht -, outet euch.
Unsere Partner_innen verdienen es, ehrlich behandelt zu werden.
Darauf antworte ich mal mit Volkmar Franz (Dichter und Aphoristiker): "Ein einziger Satz kann einen Menschen aufrichten, aber auch vernichten."
Unsere Partner*innen verdienen es, ehrlich behandelt zu werden? Bedeutet das nicht auch zugleich: Ihr/ihm evtentuell mit dem einen oder anderen vor den Kopf zu stoßen, sie/ihn gar zu verletzen? Und will ich das, wo ich den Menschen liebe? Wenn das so einfach wäre, würde wir an dieser Stelle kaum darüber diskutieren, nicht wahr?
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 12 im Thema

Beitrag von Sirenala »

Moin,

Ich finde es zu einseitig uns Partnerinnen einfach vorzuwerfen, wir wären wahnsinnig ich-bezogen und der Nabel der Welt, wenn wir uns belogen fühlen, wenn rauskommt/man es im besten Fall erzählt bekommt, dass ein Partner CD/trans/nonbinär ist.

Einerseits ist da das Gefühl, der Partner vertraut einem nicht. Die Überlegung, wenn er so locker über Monate/Jahre gelogen hat, was kann er noch verstecken. Andere eventuell vorhandene Probleme können damit zu tun haben. Kurzum - man kann erstmal sämtliche gemeinsamen Jahre hinterfragen.

Und natürlich ist irgendwo auch das Verständnis da, sollte zumindest da sein!, das Mitgefühl mit dem Partner, der es mit seinem Geheimnis in der Welt so nicht leicht hatte, sich selbst lange nicht annehmen konnte.

Aber das Verständnis heißt nicht, dass es im ersten Moment möglich ist, alles super rational zu sehen und verständnisvoll zu sein bis zum geht nicht mehr. Die Partnerin hat auch eine komplexe Gefühlswelt und da zu verlangen, das komplett zu vergessen, finde ich ganz schön anmaßend.

Hier wird bei allen Partnerinnen angemahnt, man müsse dem CD Zeit geben und natürlich probiert er sich dann aus und etc. Da fehlt mir dann das Verständnis für eine Partnerin, die eventuell einfach cis hetero ist und halt einfach auf ihren Mann steht und auch nichts an ihrem Mann mit Perücke und Rock findet.

Nebenbei erwähnt, dass ich aber so ein "sie erlaubt mir alle 2 Jahre mal mich umzuziehen und will aber nichts drüber wissen" auch nicht okay finde.
Wenns hart klingt aber - wenn man den anderen nicht akzeptieren kann wie er ist dann ist eben Trennung die einzige Lösung. Wenn man keinen Kompromiss findet mit dem beide wirklich gut umgehen können ist einer immer der Verlierer und das ist sowohl für den Mann als auch die Frau scheisse.

Das folgende bezieht sich nicht auf trans*Leute, sondern auf "nur" CD, das ist mir wichtig zu betonen. Aber wenn ich hier im Forum Themen lese, die dann in die Richtung gehen, man freut sich dass Kleidung so klar Geschlechtern zugeordnet ist weil man sich dadurch einfacher als Frau präsentieren kann und generell dieses Frauen an Äußerlichkeiten festmachen...ich finde, dass diese Denkweise ein Teil des Problems ist. Wenn die Gesellschaft weiterhin so krass an Gendernormen und Klischees festhält, dann wird es weiterhin schwieirg sein darüber zu reden dass man als Mann auch seine weibliche Seite hat oder gerne Kleider trägt weils einem halt gefällt. Ich würde mir hier mehr wünschen. Mehr Feminismus. Mehr Bekenntnis dazu auch wenn es unbequem ist. Manchmal bekommt man das Gefühl von einigen, dass man gerne hübsche Kleider mitnehmen möchte, aber die Nachteile die Frau jeden Tag im Alltag erlebt, die interessieren nicht und die gehen den CD ja auch nichts an. Wenn man im Alltag wie immer den cishetero Mann gibt und es einen nicht interessieren muss, dass Frau sich Kommentare über Haare MakeUp seinen Körper und Klamotten gefallen lassen muss egal was man denn nun trägt.
Ich würde mir wünschen dass gerade die CDs hier sich Gedanken über ihr Frauenbild machen. Sich Gedanken machen darüber, was sie denn aktiv dafür tun, dass sich andere Menschen irgendwann mal nicht mal mehr darüber Gedanken machen müssen, ob sie lieber Röcke oder Anzug tragen, bzw was die Gesellschaft dazu sagt.
Was im Zweifel auch geht ohne sich zu outen. Aber ein Ally sein. Für weiblich gelesene Personen und die queere Community in diesem Fall.
Und ich kenne euch alle hier kaum, deswegen bitte, fühlt euch nicht angesprochen wenn es nicht so ist. Aber es gibt so verdammt viele Männer, die nichtmal den Mund aufmachen, wenn Kollege x anzügliche Dinge über die Kollegin y sagt oder ungefragt Meinungen über das Aussehen anderer abgibt...und das ist einfach nur scheisse.

Dass es für Männer schwierig ist sich feminin zu geben hat so wahnsinnig viel mit toxic masculinity zu tun, dem Patriarchat und dem Frauenhass, mit dem wir aufwachsen - und bitte, wer den Frauenhass nicht sieht will ihn nicht sehen. Frauen werden als etwas schwaches wahrgenommen, als weniger Wert als Männer - natürlich trifft es auf Unverständnis wenn ein Mann freiwillig weniger wert sein will.

So, und nun steht es euch frei mich falsch zu verstehen oder konstruktiv zu diskutieren.
Sicherheitshalber - es tut mir trotzdem leid für jeden einzelnen von euch, dass ihr euch verstecken müsst oder zumindest das Gefühl habt. Das sollte nicht so sein, ganz sicher nicht.
Und mir tun die Frauen leid von den Leuten, die sich darüber austauschen wie sie Dinge verheimlichen können.
Vielleicht verdienen da beide einen anderen Partner.

Viele Grüße
Saskia
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 13 im Thema

Beitrag von Mary »

Ich finde die Diskussion darüber, wer sich wann schlecht fühlen darf oder gar schuld an etwas ist, sehr müßig. Letztlich ist es sehr subjektiv und es ist für einen selbst grad ein bestehendes Gefühl, eine bestehende Situation. Die zu relativieren, weil es wem anders ja noch schlechter geht, bringt niemanden voran.

Natürlich weiß ich, dass Geheimnisse nicht deshalb geheim sind um den anderen zu verletzten. Und das der Geheimnisträger auch leidet, unter Umständen noch mehr, als derjenige, vor dem etwas geheim gehalten wird, ist auch fraglos so. Dennoch ist auch die Verletzung der anderen Person real. Ob sie es nun als Betrug, Verrat oder "nur" als Enttäuschung empfindet.

Und so darf auch die Partnerin empfinden. Selbst wenn ihr das oben Genannte bewusst ist. Ob und wie die Situation aufgelöst wird, ist von vielen Faktoren abhängig und kann sicher nicht verallgemeinert werden.

Ich mag hier einfach auf niemanden mit dem Finger weisen. Menschen mögen bereit sein sich zu ändern und an sich zu arbeiten. Oder sie sind es nicht. Auch das mag man bedauern, ist aber eine zu akzeptierende Entscheidung. Und daraus resultiert auch, ob ich, um hier zum Thema zurückzukommen, eine Beziehung fortsetzen will oder nicht. Das Menschen im Falle einer Trennung dies nicht auf eine respektvolle Art tun können oder wollen, ist ein weiteres Thema. Das soll hier aber nicht weiter besprochen werden.
Wenn dir das Leben in den Hintern tritt, nutze den Schwung um vorwärts zu kommen....
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 14 im Thema

Beitrag von Violetta Arden »

Sirenala hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 20:37 Moin,

Ich finde es zu einseitig uns Partnerinnen einfach vorzuwerfen, wir wären wahnsinnig ich-bezogen und der Nabel der Welt, wenn wir uns belogen fühlen, wenn rauskommt/man es im besten Fall erzählt bekommt, dass ein Partner CD/trans/nonbinär ist.


So, und nun steht es euch frei mich falsch zu verstehen oder konstruktiv zu diskutieren.
Sicherheitshalber - es tut mir trotzdem leid für jeden einzelnen von euch, dass ihr euch verstecken müsst oder zumindest das Gefühl habt. Das sollte nicht so sein, ganz sicher nicht.
Und mir tun die Frauen leid von den Leuten, die sich darüber austauschen wie sie Dinge verheimlichen können.
Vielleicht verdienen da beide einen anderen Partner.

Viele Grüße
Saskia
Toller Beitrag, liebe Saskia - ich sehe das auch ungefähr so - ich bin CD und bin sooo froh, dass ich eine verständisvolle Partnerin habe. Und ja, es ist wohl richtig, dass man sich als CD oder Part-Time-Lady die "Rosinen" des Frauseins herauspicken kann - in dem Fall das Verwandeln und sich in den Kleidern weiblich fühlen. Auf der anderen Seite bin ich aber "Feminist", denn ich bin sehr gegen die Unterdrückungen, Benachteiligungen, blödes Gerede und Ungerechtigkeiten, denen Frauen immer noch ausgesetzt sind. Und ich bin auch froh, meiner Liebste meine Vorlieben nicht verheimlicht zu haben. Sie ist prinzipiell auch nicht begeistert - aber lässt mich so sein, wie ich bin. Allerdings würde sie eine "komplette" Umwandlung wohl schwerlich mitmachen. Das ist aber für mich sowieso ausgeschlossen.
Alles LIebe und eine gute Zeit
Violetta
Mein weibliches Ich ist ein Teil von mir und lässt sich nicht mehr unterdrücken. Ungenützte Zeit lässt sich nie mehr zurückholen.
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Re: Treue, Betrug, Verrat, Lüge..

Post 15 im Thema

Beitrag von heike65 »

Blossom hat geschrieben: Sa 26. Mär 2022, 18:56 n, als ich deinen Beitrag gelesen habe, waren: "Ich glaub' mich tritt gerade ein Pferd"!

Mir war von Kindesbeinen an bewusst, dass etwas nicht stimmt - nur was? Ich wusste, dass etwas mit meinem Spiegelbild nicht in Ordnung war, und irgendwann auch, dass ich viel lieber ein Mädchen sein wollte. Meine Mutter ist Schneidermeisterin und steht auch heute noch allem offen gegenüber. Also durfte ich Prinzessin spielen, zum Ballett und andere Mädchensachen machen. Und dennoch wurde ich in letzter Instanz als Junge sozialisiert. Wenn du seit Kindesbeinen zwischen den Geschlechtern stehst, mit Mädchen ab beginnender Pubertät nicht mehr spielen kannst, aber ob deiner Statur und femininen Art auch nicht zu den Jungs gehören kannst, weil sie dich ablehnen, schickanieren und ihre Gewalt an dir abreagieren - du versuchst der dir durch Geburt zugewiesenen Rolle zu entsprechen, laufend Theater spielst und etwas vorgaukelst, von dem du erwartest, dass es das ist, was das Umfeld von dir erwartet ... und du immer häufiger mitbekommst, wie über Menschen, die wie wir sind, gesprochen wurde, Ausgrenzung erfolgte ... dann fügst du dich irgendwann in dein Schicksal! Heiraten und Kinder in die Welt setzen, um den Schein zu waren, wird so selbstverständlich wie sein eigenes Ich zu verleugnen!

Und du sprichst hier von einer verdammten Pflicht?! Du wagst es, vorzuwerfen, dass im Falle von Feigheit, besser erst gar keine Beziehung eingegangen wird? Ja, geht's noch anmaßender?

Ich bin sogar 22 Jahre Soldat gewesen - eine Flucht in eine Männerwelt, um zumindest irgendwo Anerkennung meiner Person zu finden. Und das gelang trotz steter Depressionen sogar recht gut.

Und als ich, ich wähle deine Worte, meiner "verdammten Pflicht" nachgekommen und mich meiner Partnerin anvertraut, mich ihr als Mädchen gezeigt habe, hat sie sich vor Lachen auf den Boden geworfen - mit der Folge, dass sie mich in meinem Freundeskreis geoutet hat, ich künftig auf dem Sofa schlafen durfte und sie mir im Rahmen der von ihr eingeleiteten Scheidung, den Umgang mit meinen Kindern untersagen wollte!

Es ist meine "verdammte Pflicht"?!

Anscheinend hast du echt keine Ahnung, unter welchem Druck man steht. Was es mit einem macht! Meine anschließende Diagnose lautete: Suizidversuch infolge einer schweren manischen Episode! Es folgten stationäre psychiatrische Aufenthalte und noch vor 5 Jahren gab es suizidale Tendenzen!

Aber klar, man konnte ja in der 1980ern mit seiner Partnerin schon über alles reden, nicht wahr?!

Meine jetzige Lebensgefährtin hat sich in die Frau verliebt, die ich geworden bin. Ich bin ihre Kleine, ihre Süße, ihr Blümchen ... Sie ist das Sahnehäubchen auf all das, was ich aus eigener Kraft auf meinem Weg zur Frau geschafft habe, und ich bin ihr unendlich dankbar, dass es sie in meinem Leben gibt und sie mir eine Stütze ist, wenn es mal nicht so läuft, sie mich umarmt und auffängt, wenn mich, wie in den letzten Tagen infolge des Kriegsgeschehens Flashbacks aus der Bahn werfen - und sich schützend vor mich stellt, wenn es mal zu Anfeindungen kommt.

Aber dieses Glück haben wohl die wenigsten. ich kann gut verstehen, zu welchen Irritationen es führt, wenn in einer Ehe, ein Partner "plötzlich" zum Lippfisch mutiert und das Geschlecht wechseln möchte. Das hat in meinen Augen aber nicht das Geringste mit Verrat, Betrug oder Lüge zu tun - insbesondere dann nicht, wenn sich jemand zu Beginn der Hoffnung hingegeben hat, den Drang unterdrücken zu können.

Aber wie auch immer. Deine Bemerkung empfinde ich als enttäuschend, wenig einfühlsam und als Schlag ins Gesicht.
Ja, und ich wiederhole es gern, wenn man sich dessen bewusst ist das man eine gegengeschlechtliche Seite hat ist es die verdammte Pflicht es dem Partner*in vor einer Heirat oder langfristigen Beziehung mitzuteilen. Meine Frau ist auch meine beste Freundin/Kummerkasten/Beraterin, wenn dem nicht so wäre hätte ich die falsche Frau geheiratet.
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