Dali hat geschrieben: Do 17. Mär 2022, 08:06
Die Frage ist aber auch, woher kommt den diese Angst und Unsicherheit. Jetzt mal die "Chaoten" außen vor gelassen.
Wenn ich mir die letzten Monate so ansehe, haben uns etliche Politiker und Experten soviel Mist erzählt, und auch absichtlich gelogen, das ich mich sehr schwer damit tue, überhaupt noch etwas in dieser Richtung zu glauben.
Und auch wenn ich mir Talkshows ansehe, so haben mir viel zu oft Kritiker gefehlt, um eine gute Diskussion anzuregen. Es waren immer alle der gleichen Meinung und haben sich viel zu oft selber auf die Schultern geklopft.
Wie kann das sein, wenn in Deutschland z.B. nicht einmal 60% der Bevölkerung einen vollständigen Impfschutz haben. Theoretisch müssten dann 4 von 10 geladenen Gästen zumindest kritisch gegenüber der Impfung sein. Ich kann nicht glauben, dass es in Deutschland 40% Verschwörungstheoretiker gibt.
Also mir haben in den reichlich Sendungen zum Thema keine Kritikys gefehlt. Ich wüsste nicht, welche Argumente sie hätten bringen können. Mir hat schon die seltsame Auswahl an Leuten oft gereicht. Bei Plasberg zum Beispiel, der rein auf Quote, Krawall und vorführen aus ist. Viel zu oft wurde in TV-Sendungen die
false balance inszeniert, die ich
hier beschrieben habe.
Eine echte Meinungsbildung muss doch auch die Kompetenz der Personen einbeziehen. Die Auswahl an Gästys für eine informative Sendung sollte nicht das aktuelle Meinungsbild spiegeln - dafür reichen Umfragen - sondern in den verschiedenen Aspekten kompetenten Menschen die Möglichkeit fundierter Aussagen geben. Die Aufgabe der Moderatorys und Jounalistys ist, diese allgemeinverständlich zu machen, durch Nachfragen, Paraphrasierung, usw.
Reine Meinungen sind völlig witzlos, wenn sie nicht auf guter Sachkenntnis beruhen.
Einem Kubicki zB kann ich eine breite Erfahrung über politische Verhältnisse, Durchsetzbarkeit und auch Stimmung in seiner Wähly-Blase abnehmen. Vielleicht hat er auch eine gewisse WIrtschaftskompetenz, aber zu medizinischen Themen, Epidemiologie, Mutationen oder Impfungen hat er maximal die gleiche Sachkompetenz wie du oder ich. Trotzdem wurden seine Meinungen dazu idR stehengelassen oder gar in anderen Medien weitergetragen. Und warum Wagenknecht eingeladen wurde, ist mir völlig unklar. Ich habe keine einzige fundierte Aussage von ihr gehört.
Sowas ist einfach Unfug, aber keine Grundlage für Meinungsbildung.
Kritisierbar war und ist mE, dass von denen, die entscheiden müssen aber keine Expertys sind, zu viel "feste Überzeugung" (aka "Bauchgefühl") als feststehende Tatsache verbreitet wurde, was dann später revidiert werden musste, statt auch mal klar zu sagen: "Wir haben aktuell keine besseren Erkenntnisse, aber wir können auch nicht darauf warten, sondern müssen jetzt einen
best guess Kompromiss zwischen totalem Schutz und notwendigem am-Laufen-halten hinkriegen. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt, weil einiges gesetzlich nicht möglich ist [zB Föderalismus] oder nicht so schnell organisiert wrden kann".
Von Totalausfällen wie Laschet, Lautsprechern wie Söder, unverantwortlichen Selbstdarstellern wie Streeck (mit PR-Agentur...) und strauchelnden Rumeierern wie Spahn mal abgesehen, fand ich die Lage aber ziemlich klar: "Das Zeug ist gefährlich, potenziell tödlich. Wenn wir's laufen lassen brechen Wirtschaft und Gesellschaft zusammen. Bleibt möglichst zuhause, reduziert (Fremd)kontakte, schützt euch (FFP2, Hygiene, Frischluft), lasst euch impfen. Es ist nicht klar, wie lange es dauert und was an Mutationen noch kommt."
Was 40% Verschwörungsgläubige angeht: Nunja, doch, schon. Nicht alle hardcore, aber zumindest nicht mit beiden Beinen in der Realität. Sonst würden keine Homöopathika verkauft, nicht gependelt, (Akupunktur)genadelt, seltsame Kuren, Horoskope etc gekauft. Naja und die Religionen hätten keine treuen Kundys.
Der Schritt ins magische Denken ist klein und beginnt in der Regel dort, wo eins mit Komplexität überfordert ist aber aus irgendeinem die Plausibilität nicht ausreichend in Frage stellt. Da wird dann zu gerne denen gefolgt, die eine vermeindlich einfache, schnelle Lösung versprechen - die leider zu oft Unfug ist.
Es werden Verhältnisse falsch eingeschätzt. Zum Beispiel die Risiken von Covid vs Impfung, oder der wissenschaftlich fundierte Konsens (also seriöse Forschungsergebnisse) vs
fringe Behauptungen. Statt Expertise wird scheinbarer Autorität, Sympathie oder dem leichtesten Weg vertraut (Drosten+Ciesek+Ado+Brinkmann+Watzl vs Bakhdi+Schiffmann+etc).
Doch, 40% kommt hin. Frag mal rum, wer esoterische Praktiken verwendet, "alternative" Medizin, irgendwelche Abnehmkuren, wer an göttliche Schöpfung, UFOs, Geister glaubt oder an Mondlandung, Evolution, Kennedyermordung, Viren zweifelt. Es sind erschreckend viele. Und das schlimme ist, dass für viele diese Dinge gleichwertig neben fundierten wissnschaftlichen Ergebnissen stehen. Sogar bei Naturwissenschaftlys.
Da fehlt für unsere komplexe Welt einfach viel "Plausicheck", also Medien- und Wissenschaftskompetenz.