Genderleicht: Gendern, auch jetzt
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Anne-Mette
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Genderleicht: Gendern, auch jetzt

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Beitrag von Anne-Mette »

Gendern, auch jetzt

Die Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit hinten anstellen, weil wir einen Krieg in Europa erleben? Nein. Es ist der richtige Zeitpunkt, sich mit feministischer Außenpolitik zu befassen. Birgit Raddatz vom ARD-Studio Brüssel hat eine gute Übersicht erstellt.

Auch jetzt ist es wichtig, genau hinzuschauen. Die Gender-Antennen begleiten uns in der Wahrnehmung von Nachrichten; sie lassen sich nicht abstellen. Anfangs hieß es noch: Ukrainer flüchten. Dann wurde klar, an der Grenze werden die Männer zurückgeschickt, sie sollen das Land nicht verlassen, sondern es verteidigen. Nun sehen wir im Fernsehen, wie Frauen und Kinder mit kleinem Gepäck und ihren geliebten Haustieren aus den Zügen aussteigen. Wenn wir uns in den Medien umschauen, sehen wir aber auch Frauen, die Militäruniformen anziehen. Weg von der Bedrohung wollen auch queere Menschen. Es sind eben doch Ukrainer*innen auf der Flucht.

Es ist an der Zeit, dass wir unser Bild der ukrainischen Frauen korrigieren, statt sie stereotyp mit Zwangsprostitution, Ausbeutung als billige Pflegekraft und Leihmutterschaft in Verbindung zu bringen. Die Historikerin Claudia Kraft von der Uni Wien im Interview von Meredith Haaf in der Süddeutschen (13.02.2022 Paywall):

"Ich habe mich selbst auch gefragt: Ist das jetzt nicht der Moment, wo alle zusammenrücken und sich gegen Putin verteidigen müssen, statt über Geschlecht zu reden? Aber in einer Gesellschaft, die schon sehr weit dabei fortgeschritten ist, demokratisch und pluralistisch zu werden, wie es bei der ukrainischen der Fall ist, sind Fragen wie die der Geschlechtergleichheit, der Anerkennung von Differenz und der Rechte von LGBTQI extrem wichtig. Man muss sie auch in Krisenzeiten betonen, auch und gerade weil Russland genau das nicht will."

Kaum war der Februar-Newsletter verschickt, veröffentlichte das Rheingold Institut am 17.2.2022 seine Studie zur Haltung zum Gendern von jungen Leuten zwischen 16 und 35 Jahren. Endlich eine seriöse Befragung mit ernstzunehmenden Ergebnissen. Vielen war der Sinn und die Bedeutung des Genderns nicht klar. Aber eine Meinung hatten sie: Die Mehrheit findet Gendern nervig, sinnlos oder übertrieben, genauso wie die Älteren. 44 Prozent jedoch hält die Diskussion für wichtig und gerechtfertigt, vor allem für junge Frauen ist sie ein wichtiges Signal auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung und einem moderneren Geschlechterverständnis.

Die Erkenntnis daraus: Zwei Jahre lang wurde in sämtlichen Medien Pro und Contra aufs Heftigste diskutiert, aber zu wenig erklärt. Naja, dafür sind wir ja da. Zum Beispiel im Podcast der Münchener Medientage: This is media NOW. Die neue Folge ab kommenden Freitag, 18.3.2022. Oder im Buch "Genderleicht. Wie Sprache für alle elegant gelingt" (Dudenverlag).

Christine Olderdissen
Projektleitung Genderleicht
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