kochy25 hat geschrieben: Mo 21. Feb 2022, 00:37
Ich schweife ab - wir waren bei der Quote. In diesem Fall kommt die quote nun jemand "zu gute" der nicht direkt gewählt wurde. Diese Person erfüllt aber nun nicht die für diese Quote notwendige Qualifikation - zumindest nicht im Sinne des Erfinders - vollständig. Für mich persönlich ist das wurscht - ob das da nun eine sie, ein er oder was auch immer ist.wegen mir kann Ganserer heute im Kleid, morgen im Dirndl und übermorgen im Hosenanzug dort auftauchen. Was mir persönlich wichtig ist, das alle (und damit meine ich alle die da im Bundestag Politiker spielen) einen guten Job machen und nicht nur Kohle kassieren.
Ob Ganserer die für den politischen Posten geeigneten Kenntnisse hat - das vermag ich derzeit nicht zu beurteilen. Ich kritisiere aber die Art und Weise wie diese Person an diesen Posten gekommen ist.
Sorry, Marco, aber für eine Meinung scheinst du reichlich zu wenig Ahnung von den beteiligten Leuten, den Vorgängen, den Regeln und dem Wissenstand rund um trans und Gender zu haben.
Tessa Ganserer wurde gewählt. Und zwar mit 58% der Delegiert"¢innenstimmen auf Platz 13 der bayrischen Landesliste der Grünen für die Bundestagswahl. Das ist eine rein parteiinterne Entscheidung.
Sie erfüllt die parteiinternen Kriterien, nämilch a)
Frauenstatut(1) und b)
Satzung(2) der Partei. Bei anderen Parteien mag das anders sein und du magst eine andere Präferenz haben, aber regelgerecht ist es und zweifellos und buchstäblich im Sinne der Erfinder"¢innen.
Zweitens lebt Tessa Ganserer seit 2009 privat offen trans, was auch mehrfach in Medienbeiträgen inklusive Porträtartikeln und Interviews thematisiert wurde. Seit 2019 nach ihrem Coming Out vor dem gesamten bayrischen Landtag auch in ihrem Job als Abgeordnete als trans Frau. Auch das wurde vom bayrischen Landtag problemlos akzeptiert. Ein paar Überblicksinfos:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tessa_Ganserer
Als trans Frau erfüllt sie zweifellos die "Qualifikation", wegen ihres Geschlechts an vielen Stellen negativ diskriminiert zu werden. Sogar mehrfach. Als (erkennbar) trans Frau ist es sowohl in "männlichen" Zirkeln schwierig, wie in vielen "weiblichen". Die Quotierung ist genau dazu gedacht, benachteiligten Personen eine Stimme in den Kreisen nicht-diskiminierter zu verschaffen. Die "Bevorzugung" durch Quote ist bewusst. Keine andere Partei im BT hat einen so hohe Frauenanteil, in keiner anderen BT-Fraktion sind geoutete trans Personen. Die einzig andere Partei, die da einigermassen rankommt ist die Linke.
Im Bundestag ist Tessa ordentliches Mitglied im "Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz" und stellvertretendes im Gesundheitsausschuss und im "Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft". Alles nachzulesen in
https://www.bundestag.de/abgeordnete/bi ... ssa-860336
Ihre erste Rede im BT hat sie am 17.2. gehalten, wenige Stunden nach Storchs Attacke, und zwar anlässlich der Einsetzung eines Parlamentarischen Beirates für nachhaltige Entwicklung. Davon hat sie nämlich Ahnung: Sie hat Försterin gelernt - hallo Hände schmutzig machen - und Forstwirtschaft studiert.
Es ist also keineswegs so, dass hier irgendwer unter falscher Flagge segelt oder sich unberechtigte Vorteile erschlichen hätte. Da wären schon Wahlkommissionen und andere vor gewesen. Deine Kritik daran ist sachlich haltlos.
Was ich bei dir zwischen den Zeilen lese sind die bekannten Ressentiments gegen trans Personen, die sich in den Augen einiger ~hm~
"nicht genug anstrengen". Nicht
"die OPs machen lassen". Nicht dem TSG zu Kreuze kriechen, das bekanntermassen überholt und ziemlich sicher verfassungwidrig ist und mehreren Resolutionen von EU, WHO und UN bezüglich Rechte von trans Personen widerspricht, und das eine Mehrheit des Bundestags baldmöglichst abschaffen will. Nicht nur des jetzigen, sogar des vorigen Bundestags.
Also was berechtigt irgendwen, mit oder ohne Ahnung von der Sache, eine Person wie Tessa Ganserer zu "kritisieren", angesichts ihrer Biografie und ihrer Nervenstärke, die vollkommen regelgerecht und von allen demokratischen Kolleg"¢innen als Frau akzeptiert ihre Arbeit tut
und sich diesen Spiessrutenlauf mit dem alten Namen antut,
um das menschenrechtswidrige Gesetz endlich abzuschaffen?
Woher nimmst du, Marco, dir das Recht zu entscheiden, wer "trans genug" ist? Wie begründest du deine Kriterien, anderen ihre Identität abzusprechen? Wieso traust du dich überhaupt eine Meinung zu haben und zu äussern, ohne dich wenigstens mal über Ganserer, Storch und den ganzen Mist bzgl TSG, trans Diskriminierung, Quoten, TERFs und queerfeindlichen Faschisten zu informieren?
Mit Fragen hätte ich kein Problem, hättest du sie gestellt. Ich hätte sie dir gerne wie oben beantwortet. Aber "Kritik", ob Tessa Ganserer ausreichend Frau für einen Frauenplatz ihrer Partei ist? Nope. Die steht dir nicht zu, bevor du nicht viel mehr Ahnung vom Thema hast.
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(1) "Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Politik ist ein politisches Ziel von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Die Mindestquotierung von Ämtern und Mandaten ist eines der Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.
Von dem Begriff "Frauen" werden alle erfasst, sie sich selbst so definieren. Ebenso wie die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen ist die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt ein Ziel von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN:
Trans*, inter und nicht-binäre Menschen sollen in unserer Partei gleichberechtigte Teilhabe erhalten. Alle Gremien und Versammlungen sind dazu angehalten, dieses Ziel zu achten und zu stärken."
(2) "Ein wesentliches Ziel ist die Verwirklichung der Rechte und Interessen von Frauen.
Frauen sind Personen, die sich als solche definieren. Frauen und alle Mitglieder bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wissen, dass sich eine Veränderung durch das bloße Hoffen auf gute Vorsätze nicht erreichen lässt. Veränderungen müssen auf vielen Ebenen ansetzen. Ein Ansatz ist das Grüne Frauenstatut mit der darin verankerten Quotierung der Ämter und Mandate.
Wir unterscheiden für Gremienbesetzungen, Redelisten und Wahllisten generell in Frauenplätze (für alle, die sich als Frauen definieren) und offene Plätze, die allen Menschen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität offenstehen, also auch trans*-, inter- und non-binären Personen. Diese Maßnahmen sind ein Weg, die Interessen von Frauen zu verwirklichen und gleichzeitig die geschlechtliche Vielfalt abzubilden. Das Ziel von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist, dass alle Mitglieder in allen Lebensbereichen über ihre Interessen selbst bestimmen."