Ja*in.. Sehr schön recherchiert, aber zu kurz gegriffen - und drüber hinaus bewusst selektiv zitiert und falsch relativiert.
Sie bringt - und meiner Ansicht nach bewusst - den gleichen Fehler wie viele Sprachwissenschaftlys, nämlich alles andere ausser Grammatik auszublenden. Es fehlen die tatsächliche Wahrnehmung und Repräsentation in den Rezipientys von Sprache, also was passiert im Kopf einer Person, die "Arzt" hört oder "Politiker" liest.
Fakt ist - und das schiebt sie in einer süffisanten Nebenbemerkung beiseite - dass generisches Maskulinum tatsächlich überwiegend männliche Stereotypen im Hirn aktiviert. Deshalb werden ständig, wenn eine optisch männliche und eine optisch weibliche Person in Klinikoutfit an einem Krankenhausbett stehen, der männliche Pfleger als Arzt und die weibliche Ärztin als Schwester angesprochen.
Konsequent wird den standardmässig nicht genannten Personen weniger zugetraut, sie werden falsch gesehen und falsch behandelt.
Wer das nachlesen möchte: Der Stapel sehr seriöser sprachpsychologischer Studien ist inzwischen eindeutig in Richtung der von Alicia verächtlich "Kindergartenstudie" genannten Arbeit: Männlich dominierte Sprache aktiviert männliche Muster - bzw verstärkt Genderstereotype und leitet das Denken in Richtung traditioneller Rollenmuster bei Berufswahl und anderen Fragen, wer sich was zutraut. Ein aktuelles Buch mit vielen Quellen und Analysen dazu: Helga Kotthoff, Damaris Nübling, Claudia Schmidt: "Genderlinguistik", ePub ISBN 978-3-8233-0152-3
(zur Evaluation digital bei mir einsehbar *hüstel*).
Alicia unterschlägt auch (bewusst?) konsequent, wozu gendergerechte Sprache eigentlich da ist. Sie soll nämlich tatsächlich ein gedanklicher Stolperstein sein und durch das sprechen und das denken beim formulieren davor und beim hören/lesen danach die Unsichtbarmachung bewusst aufheben, beziehungsweise Benachteiligung bewusst sichtbar machen.
Deshalb sind Sternchen und andere Formen gerade nicht sexistisch durch die Hevorhebung, sondern der Kontext selbst ist sexistisch, auf den die Sprache nur hinweist. Es geht genau darum, auf die ständige Genderei im Alltag hinzuweisen: Wir können gar nicht
nicht gendern. Weder in der Sprache, noch im Handeln. Der eigentliche Genderwahn besteht ja in der Benachteiligung, den Stereotypen, dem ständigen verweisen was Männer/Frauen tun/lassen dürfen/sollen - und in der quasi vollständigen Ausblendung nicht-binärer Bedarfe.
Das heisst wir sind im Alltag von Genderzeugs durchdrungen, aber Alicia schlägt genau wie andere Konservative vor, doch lieber "die Verhältnisse zu ändern (wie?) statt ständig drüber zu reden".
Wie gesagt funktioniert das so leider nicht. Tatsächlich wird diskriminierungsarme und inklusive Sprache nur von jenen als störend empfunden, die sich mit dem eigentlichen Problem nicht beschäftigen möchten, es also lieber unsichtbar hätten, bzw unausgesprochen.
Alles weitere wurde ganz wunderbar zer- und widerlegt von Birgit Oppermann in
https://birgit-oppermann.de/gendersprache-alicia-joe/