Cybill hat geschrieben: Sa 22. Jan 2022, 13:36
wir leben in einem Rechtsstaat - und das ist auch gut so!
Kein Coming out und auch keine Selbsterklärung ohne entsprechende gesetzliche Grundlage begründet irgendeinen Rechtsanspruch.
Ich weiß, dass das nicht befriedigend ist, aber so ist die Lage der Dinge. Mir macht es auch keinen Spaß hier die Advocata Diaboli zu geben.
Ich muss allerdings zugeben, dass ich als Politikerin ziemlich angepisst bin, weil auch meine Glaubwürdigkeit darunter leidet. Es ist bereits schwer als Frau politische Anerkennung zu finden, als Transfrau ist es noch wesentlich schwieriger. Da ist es umso wichtiger, dass jede von uns keine Schrittfehler macht. Das gilt vor allem für Mandatsträgerinnen.
Wir machen in diesem Spiel nicht die Regeln - wenn wir gewinnen wollen müssen wir uns daran halten und besser als die anderen sein.
Wo geht es denn um welchen Rechtsanspruch? Mal abgesehen davon, dass der (geänderte) Registereintrag zu keinerlei weiteren Rechten oder Pflichten führt.
Die Satzung, bzw das Frauenstatut der (bayrischen) Grünen definiert, dass auf Frauenplätzen alle antreten dürfen, die sich als Frau definieren. Die Partei hat also lediglich nach den Regeln gehandelt, die sie sich selbst gegeben hat - und für die sie unter dem Titel Selbstbestimmung eintritt. Der Bundeswahlleitung ist es völlig egal, welches Geschlecht die aufgestellten Personen haben oder welches irgendwo eingetragen ist.
Meine Ansicht nach fallen auch hier zu viele auf die Idee von Beweisbarkeit rein oder der Aussagekraft des Registereintrags. Nach dem Motto "du bist nur echt, wenn du folgende (künstlichen) Hürden und (willkürliche) Schwierigkeiten überwunden hast" - und sei es nur um transfeindliche Gruppen so besänftigen oder keine Angriffsfläche zu bieten.
So funktioniert das aber nicht. Damit wird sich kein Transfeindy täuschen lassen, sondern es beschädigt nur jene, die für bessere Transrechte einstehen. Entweder gilt Selbstbestimmung per Erklärung oder nicht. Entweder unterstützen wir Menschen, Gruppen und Parteien, die für Selbstbestimmung eintreten und sie vorleben - wie Tessa Ganserer und alle die an ihrer Nominierung beteilit waren - oder wir sind eigentlich im Lager derjenigen, die doch irgendwie in echte vs unechte trans Personen unterscheiden und sich weiter einen "Gender-TÜV" wünschen.
In unserer Aktion Standesamt 2018 Gruppe war eine inter Person, die eigentlich alle Papiere für -§45b PStG hätte. Geschlechtseintrag ändern wäre absolut kein Problem. Aber sie kämpft bis heute darum, nie wieder irgendwem irgendwas beweisen oder um Erlaubnis betteln zu müssen - solange, Zitat, "Horst Seehofer nicht voher genauso bewiesen hat, dass er männlich ist".
Ich bewundere diese Haltung und ich bewundere Tessa, die sich diesen Spiessrutenlauf gibt, um es für alle in Zukunft leichter zu machen. Fallt ihr nicht mit den Pseudo-Argumenten unserer Gegnys in den Rücken.