der Ausgangspunkt dieses Freds sind erste Erfahrungen mit Körperwahrnehmungen, die ca. 30 Jahre zurück liegen. Immer wieder bin ich darauf gestoßen und so auch aktuell am letzten Wochenende, was dann den Anstoß gab, diesen Beitrag zu schreiben. Doch der Reihe nach:
Vor ca. 30 Jahren kam ich nach dem Ingenieurstudium nach Karlsruhe und begann meine Arbeitsstelle. Aber ich kam nie wirklich an und so hatte ich das innerliche Gefühl, total "unaufgeräumt" und völlig ziellos zu sein. Ich versuchte über Sport und andere Freizeitaktivitäten Fuß zu fassen, aber nichts gelang. Über einen Kollegen lernte ich dann eine Frau kennen, die Gitarrenunterricht gab. Sie war etwas 20 Jahre älter und machte nebenbei Entspannungstechnik. Sie nannte das "Alexandertechnik". Ich begann wieder mit dem das Gitarrenspiel und nach ein paar Wochen oder Monaten war ich neugierig auf die Entspannungstechnik, denn meine inneren Spannungen wurden immer stärker. So ließ ich den Gitarrenunterricht und kam in Kontakt mit ganz tiefen Entspannungen und "Chakren". Für mich war das damals noch neu und Internet gab es noch nicht. Es war mir zu esoterisch, aber ich spürte, dass das doch nicht uninteressant war.
Ich nahm wahr, dass ich insbesondere zu meiner Sexualität keine rechte Verbindung hatte. Physisch funktionierte zwar alles, aber emotional war ich total aus der Spur. Ich beschäftigte mich mit den Chakren und die Idee den Körper über die Verbindung von Chakren zu spüren, wurde im Verlauf der Entspannungsübungen zunehmend stärker. Insbesondere spürte ich , wie der Bereich des Sakral- und Wurzelchakras, das ist grob gesagt, der Bereich unterhalb des Bauchnabels vom Rest "getrennt" war. Es gab mir innerlich viel Ruhe und Kraft, wenn ich diesen Bereich in meine Wahrnehmungen einbezogen habe. Später spürte ich, wie sehr mir ein Handauflegen in diesem Bereich gut tat. Das habe ich über die Jahre immer wieder festgestellt und praktiziert. Es war wie ein Energieschub, wenn ich dann meinen ganzen Körper wahrnahm. Das habe ich immer wieder probiert und es war immer gut. Wenn ich mich nicht gut, sondern eher zerrissen fühle, hat mir das geholfen.
Zeitsprung, ca. 25 Jahre später: Eine Ehe liegt hinter mir, eine intensive Beziehung danach aus. Ich hatte depresssive "Verstimmungen" und war ziemlich am Boden. Aber so langsam kam ich wieder auf die Beine. Mir fiel ein Buch über Buddhismus und die Bedeutung der eigenen Gefühle in die Hände. Ich verstand, dass ich lernen musste, meine Gefühle aufmerksam wahr zu nehmen und sie von dem zu trennen, was ich glaubte. Was fühlt sich gut an, was schlecht ? Was sind Prägungen, Anforderungen von außen ? Damit erstmals seit langer Zeit, vielleicht sogar überhaupt eine Art inneren Kompass gefunden. Ich erinnerte mich wieder an Chakras und begann, mich für Tantra zu interessieren. Ich meine Tantra als Möglichkeit zur eigenen Wahrnehmung und nicht als sexuelle Praxis, auch wenn Sexualität dabei eine Rolle spielt. Ich habe zwei Sitzungen in unterschiedlichen Häusern besucht, was mir eine sehr tiefe innere Ruhe gegeben hat. Ich fühlte mich vollständig.
Zeitsprung, letztes Wochenende: Ich lag früh morgens im Bett und sinnierte vor mich hin. Ich legte so nebenbei eine Hand auf den Bereich unter meinem Bauchnabel und eine Hand auf mein Brustbein. das sind nach gängiger Vorstellung das Sakralchakra, das für die Sexualität und Kreativität sowie dem Herzchakra, das für Liebe und Heilung steht. Dann versuchte ich, meinen Körper als ganzes zu spüren. Es fühlte sich an, als ob der ganze Körper sich mit Energie aufladen würde. Meistens geht diese Energie nach innen und dann fühlte ich mich eher weiblich, aber dieses Mal ging diese Energie eher nach außen. Es war eindeutig eine männliche Energie. Ich fühlte mich entspannt, aber doch auch sexuell aufgeladen. Nach dem Aufstehen war mir klar, dass mich diese Energie durch den ganzen Tag trägt und dass ich in diesem Augenblick nicht gegen meine mänliche Seite leben durfte. Heute morgen war das übrigens wieder umgekehrt. Ich fragte mich auch, wie dieses Erleben mit den Chakren mit meinem Erleben mit weiblichen und männlichen Aspekten zusammen passen, da ja im Tantra männliche und weibliche Energien getrennt betrachtet werden. Ich fand im Netz einen interessanten Artikel: https://befree-tantra.de/tantra-liebess ... -mann-frau Die Autorin schreibt dort:
Ich glaube, es ist völlig egal, ob man an solche Dinge wie Tantra, Chakren oder was auch immer glaubt. Wichtig ist, dass man bereit ist, sich dem zu öffnen, was neben den sonst Üblichen (äußerer Form, Körper und Verstand) löst und dem eigenen Erleben eine Chance gibt, sich zu entfalten. Das bedeutet für mich, sich dem weiblichen Erleben hinzugeben und mich frei mache von den Vorstellungen anderer. Dann tritt für mich ein Zustand des in mir Ruhen ein.Tantra hat eine Antwort für alle, die suchen und fragen. Wege treffen sich dort, wo die Identifikation mit äußerer Form, Körper und Verstand in Frage gestellt wird. Wenn das Bewusstsein aus dem Traum von Form und Materie erwacht, spielt all das keine Rolle mehr, was innerhalb der Polarität das Leben schwer macht. In dieser Hinsicht ist das Trans sein vielleicht sogar ein besonderes Sprungbrett ins zeitlose Sein.
Ich glaube, dass die Autorin recht hat mit der Vermutung, dass das Transsein eine besondere Chance ist, dieses zu erleben. Ich möchte es so beschreiben: es ist die Hingabe an mich selber und die Bejahung von allem, was in mir steckt. dazu muss ich mich entdecken und alles abstreifen, was nicht wirklich zu mir gehört. Darin liegt eine Kraft auch das leben zu können, unabhängig von den Sichtweisen anderer Menschen. Es ist das Spüren dieser Kraft, die mich frei macht und die meine Ketten sprengt.
Ich wünsche das jedem Menschen, der an sich zweifelt. Es ist aber nicht der Zweifel an mir selber, sondern an den (fremdbestimmten) Vorstellungen, die ich in mir trage. Lege ich die Vorstellungen ab, komme ich zum Vorschein.