Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen
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ExUserIn-2026-04-08
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Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 1 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Guten Morgen in die Runde,

der Ausgangspunkt dieses Freds sind erste Erfahrungen mit Körperwahrnehmungen, die ca. 30 Jahre zurück liegen. Immer wieder bin ich darauf gestoßen und so auch aktuell am letzten Wochenende, was dann den Anstoß gab, diesen Beitrag zu schreiben. Doch der Reihe nach:

Vor ca. 30 Jahren kam ich nach dem Ingenieurstudium nach Karlsruhe und begann meine Arbeitsstelle. Aber ich kam nie wirklich an und so hatte ich das innerliche Gefühl, total "unaufgeräumt" und völlig ziellos zu sein. Ich versuchte über Sport und andere Freizeitaktivitäten Fuß zu fassen, aber nichts gelang. Über einen Kollegen lernte ich dann eine Frau kennen, die Gitarrenunterricht gab. Sie war etwas 20 Jahre älter und machte nebenbei Entspannungstechnik. Sie nannte das "Alexandertechnik". Ich begann wieder mit dem das Gitarrenspiel und nach ein paar Wochen oder Monaten war ich neugierig auf die Entspannungstechnik, denn meine inneren Spannungen wurden immer stärker. So ließ ich den Gitarrenunterricht und kam in Kontakt mit ganz tiefen Entspannungen und "Chakren". Für mich war das damals noch neu und Internet gab es noch nicht. Es war mir zu esoterisch, aber ich spürte, dass das doch nicht uninteressant war.

Ich nahm wahr, dass ich insbesondere zu meiner Sexualität keine rechte Verbindung hatte. Physisch funktionierte zwar alles, aber emotional war ich total aus der Spur. Ich beschäftigte mich mit den Chakren und die Idee den Körper über die Verbindung von Chakren zu spüren, wurde im Verlauf der Entspannungsübungen zunehmend stärker. Insbesondere spürte ich , wie der Bereich des Sakral- und Wurzelchakras, das ist grob gesagt, der Bereich unterhalb des Bauchnabels vom Rest "getrennt" war. Es gab mir innerlich viel Ruhe und Kraft, wenn ich diesen Bereich in meine Wahrnehmungen einbezogen habe. Später spürte ich, wie sehr mir ein Handauflegen in diesem Bereich gut tat. Das habe ich über die Jahre immer wieder festgestellt und praktiziert. Es war wie ein Energieschub, wenn ich dann meinen ganzen Körper wahrnahm. Das habe ich immer wieder probiert und es war immer gut. Wenn ich mich nicht gut, sondern eher zerrissen fühle, hat mir das geholfen.

Zeitsprung, ca. 25 Jahre später: Eine Ehe liegt hinter mir, eine intensive Beziehung danach aus. Ich hatte depresssive "Verstimmungen" und war ziemlich am Boden. Aber so langsam kam ich wieder auf die Beine. Mir fiel ein Buch über Buddhismus und die Bedeutung der eigenen Gefühle in die Hände. Ich verstand, dass ich lernen musste, meine Gefühle aufmerksam wahr zu nehmen und sie von dem zu trennen, was ich glaubte. Was fühlt sich gut an, was schlecht ? Was sind Prägungen, Anforderungen von außen ? Damit erstmals seit langer Zeit, vielleicht sogar überhaupt eine Art inneren Kompass gefunden. Ich erinnerte mich wieder an Chakras und begann, mich für Tantra zu interessieren. Ich meine Tantra als Möglichkeit zur eigenen Wahrnehmung und nicht als sexuelle Praxis, auch wenn Sexualität dabei eine Rolle spielt. Ich habe zwei Sitzungen in unterschiedlichen Häusern besucht, was mir eine sehr tiefe innere Ruhe gegeben hat. Ich fühlte mich vollständig.

Zeitsprung, letztes Wochenende: Ich lag früh morgens im Bett und sinnierte vor mich hin. Ich legte so nebenbei eine Hand auf den Bereich unter meinem Bauchnabel und eine Hand auf mein Brustbein. das sind nach gängiger Vorstellung das Sakralchakra, das für die Sexualität und Kreativität sowie dem Herzchakra, das für Liebe und Heilung steht. Dann versuchte ich, meinen Körper als ganzes zu spüren. Es fühlte sich an, als ob der ganze Körper sich mit Energie aufladen würde. Meistens geht diese Energie nach innen und dann fühlte ich mich eher weiblich, aber dieses Mal ging diese Energie eher nach außen. Es war eindeutig eine männliche Energie. Ich fühlte mich entspannt, aber doch auch sexuell aufgeladen. Nach dem Aufstehen war mir klar, dass mich diese Energie durch den ganzen Tag trägt und dass ich in diesem Augenblick nicht gegen meine mänliche Seite leben durfte. Heute morgen war das übrigens wieder umgekehrt. Ich fragte mich auch, wie dieses Erleben mit den Chakren mit meinem Erleben mit weiblichen und männlichen Aspekten zusammen passen, da ja im Tantra männliche und weibliche Energien getrennt betrachtet werden. Ich fand im Netz einen interessanten Artikel: https://befree-tantra.de/tantra-liebess ... -mann-frau Die Autorin schreibt dort:
Tantra hat eine Antwort für alle, die suchen und fragen. Wege treffen sich dort, wo die Identifikation mit äußerer Form, Körper und Verstand in Frage gestellt wird. Wenn das Bewusstsein aus dem Traum von Form und Materie erwacht, spielt all das keine Rolle mehr, was innerhalb der Polarität das Leben schwer macht. In dieser Hinsicht ist das Trans sein vielleicht sogar ein besonderes Sprungbrett ins zeitlose Sein.
Ich glaube, es ist völlig egal, ob man an solche Dinge wie Tantra, Chakren oder was auch immer glaubt. Wichtig ist, dass man bereit ist, sich dem zu öffnen, was neben den sonst Üblichen (äußerer Form, Körper und Verstand) löst und dem eigenen Erleben eine Chance gibt, sich zu entfalten. Das bedeutet für mich, sich dem weiblichen Erleben hinzugeben und mich frei mache von den Vorstellungen anderer. Dann tritt für mich ein Zustand des in mir Ruhen ein.

Ich glaube, dass die Autorin recht hat mit der Vermutung, dass das Transsein eine besondere Chance ist, dieses zu erleben. Ich möchte es so beschreiben: es ist die Hingabe an mich selber und die Bejahung von allem, was in mir steckt. dazu muss ich mich entdecken und alles abstreifen, was nicht wirklich zu mir gehört. Darin liegt eine Kraft auch das leben zu können, unabhängig von den Sichtweisen anderer Menschen. Es ist das Spüren dieser Kraft, die mich frei macht und die meine Ketten sprengt.

Ich wünsche das jedem Menschen, der an sich zweifelt. Es ist aber nicht der Zweifel an mir selber, sondern an den (fremdbestimmten) Vorstellungen, die ich in mir trage. Lege ich die Vorstellungen ab, komme ich zum Vorschein.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
ExuserIn-2022-08-18
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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 2 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-08-18 »

Hallo liebe Vicky,

mich hat dein Artikel sehr beeindruckt und ich finde es super schön zu lesen wie sehr Dich diese Art von Selbsterkenntnis und Eigenwahrnehmung deiner inneren Weisheit nahe bringt. In der Cranio Sacralen Osteophatie nach Dr. John Upledger findet sich ein Bereich der sich Somato Emotionale Entspannung nennt und mit denen von dir beschrieben Charkren arbeitet. Ähnlich wie beim Tantra oder auch der Chakren Meditation entspannt sich der Körper und Energien und Informationen können in Form von Emotionen, Erinnerungen, Farben oder Bildern freiesetzt werden.
Da ich mich damit beschäftige und mit MBSR nach Kabat Zinn ( Mental Base Stress Reduction auf Deutsch Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion )
Dabei geht es um psychischen Stress, fühle ich schon lange meine beiden Anteile in mir. Meine männliche Seite und meine weibliche und lass mich von beider inspirieren. Achtsame Arbeit mit mir selbst lässt meine Seele entspannen mit all ihren Erfahrungen, Konditionierungen und Einstellungen.

Meine Meinung aufgrund der Erfahrungen mit oben angesprochenen Methoden deckt sich komplett mit deiner eigenen Erfahrung. Trans zu sein gibt Uns die Möglichkeit unsere makulinen und femininen Anteile, die ein jeder Mensch in sich trägt, vollkommen frei von Konditionierung zu entfalten. Vorausgesetzt das man, so wie Du es getan hast,seine Fähigkeiten entwickelt den Weg zur eigenen, inneren Spiritualität zu gehen und sich achtsamund wertfrei mit sich selbst zu beschäftigten. Mit seinem Körper, seinem Geist und ganz besonders mit seiner Seele.

Liebe Vicky ich wünsche Dir noch viele solcher Erfahrungen wie Du sie am vergangenen Wochenende erleben durftest.

Fühl dich ganz herzlich umarmt

Cecil
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Sarah_78
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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 3 im Thema

Beitrag von Sarah_78 »

Hallo,
da kann ich nur zustimmen, auch ich bin im esoterischen unterwegs.
Es gibt mehr Energien, als dass es wir uns vorstellen können. Gerade mit den Chakren kann man gut bei sich selbst arbeiten. Auch wenn man sich mit dem inneren Kind befasst, kann man gut in sich hinein hören und viel über sich selbst lernen. Man muss aber auch dafür offen sein und dass ist erfahrungsgemäß nicht jeder.
Wenn Du Dich schon damit beschäftigt hast, mach weiter. Ich wünsche Dir noch viele solcher beschriebenen Momente mit Deinen männlichen und weiblichen Energien.
Liebe Grüße Sarah
ExUserIn-2026-04-08
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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 4 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Vielen Dank Euch beiden,

ich bin eigentlich gar nicht esotertisch unterwegs. Aber ich habe die beschriebenen Erfahrungen gemacht und die Idee für eine Erklärung gefunden. An dieser Stelle reicht mir die Vorstellung der Chakren, denn sie haben eine spürbare und positive Wirkung. Das innere Kind ist ja auch "nur" eine Vorstellung. Aber durchaus sehr hilfreich. Beim s.g. "inneren Team" kann man Struktur in seine Denkweisen und Empfindungen bringen und wird weniger von der Flut der Informationen überflutet.

Alles wissenschaftlich erklären zu wollen, kann sich mMn zu einem Fetisch ausweiten. Das mag zwar interessant sein (ich finde Wissenschaft sehr spannend), aber oft nicht ausreichend und viel zu langsam.
Viele Grüße
Vicky

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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 5 im Thema

Beitrag von Lorelai74 »

Hi Vicky,

Danke für den Thread.
Ich möchte es so beschreiben: es ist die Hingabe an mich selber und die Bejahung von allem, was in mir steckt. dazu muss ich mich entdecken und alles abstreifen, was nicht wirklich zu mir gehört. Darin liegt eine Kraft auch das leben zu können, unabhängig von den Sichtweisen anderer Menschen. Es ist das Spüren dieser Kraft, die mich frei macht und die meine Ketten sprengt.

Ich wünsche das jedem Menschen, der an sich zweifelt. Es ist aber nicht der Zweifel an mir selber, sondern an den (fremdbestimmten) Vorstellungen, die ich in mir trage. Lege ich die Vorstellungen ab, komme ich zum Vorschein.
Du sprichst mir aus der Seele.
Klingt einfach, ist es nur nicht. Es braucht den Mut zu sich zu stehen und sich als einzigartiges Individuum zuzulassen.
Wir haben so oft schmerzlich gelernt, dass es einfacher ist und anzupassen.

Und Körperwahrnehmung und Körperarbeit - und letztlich ist das ein Teil der im Tantra steckt, ist aus meiner Sicht nicht esoterisch, sondern heute ein wachsender Bereich in Medizin und Psychologie und Therapie.

VG
Lori
Männlich / Weiblich: das sind doch bürgerliche Kategorien.
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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 6 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2022-08-18 »

Hallo Ihr Lieben,

Lorelai74 hat geschrieben: Di 18. Jan 2022, 09:56 Und Körperwahrnehmung und Körperarbeit - und letztlich ist das ein Teil der im Tantra steckt, ist aus meiner Sicht nicht esoterisch, sondern heute ein wachsender Bereich in Medizin und Psychologie und Therapie.

Dem kann ich nur beipflichten. Zwar findet sich Körperwahrnehmng oder Körperarbeit in der Esotherik aber diese Arbeit an sich selbst ist ebenso in vielen anderen Bereichen zuhause. Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Pilates, Psychotherapie, Gewaltfrei Kommunikation, Meditation und und und...



Liebe Grüße Cecil
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Re: Tantra, Trans und die eigenen Wahrnehmungen

Post 7 im Thema

Beitrag von Micha »

Au schöön, welch feiner fred!
Beim Sinnieren kann man sich allerlei vormachen. Bei der Körperarbeit nicht mehr viel. Bei Körperarbeit mit Partner*in noch weniger. Tango argentino - FührenFolgen. TuiShou (Schiebende oder Klebende Hände) Verschieben, Gleiten, Irritationen finden. Bei sich und Mitmachenden.
Auch beim Groben. Holzspalten. Wo ist der unsichtbare Riss im Klotz? Schwung, Händegriff, Schneidenwinkel, Auftreffpunkt. Die Krönung ist Hainbuche.
Nach getanem Werk ist der Wechsel zum Schminkkasten perfekt. Da ist Mut, gewachsen aus dem vorausgegangenen inneren Erleben.
Danke, danke. Grüße. Stina
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