Es liegt nun bereits fast 20 Jahre zurück, dennoch sitzt es noch immer wie ein böser Stachel in meiner Erinnerung ... Als ambulant arbeitende Pflegekraft musste ich mir damals von einer älteren Nachbarin meiner Gemeinde sagen lassen: Was bist du nur für ein Christ - dich sieht man ja nie in der Kirche.
Was die Dame dabei übersehen hat: Ich habe fast jedes Wochenende an Krankenbetten in der Nachbargemeinde gestanden - deren Gemeindeschwester ich damals war. Und an den "freien" Wochenende half ich bei Frauentreffen, anderen Veranstaltungen und stand gar selbst neben meinem Pastor (meinem Chef) in der Kanzel und unterstützte ihn im Gottesdienst.
Zeit sich auch noch auf die Bank der eigenen Gemeinde zu setzen war da nicht mehr.
Und selbst wenn ich damals nicht für die ev.Kirche gearbeitet und als Schwester im Krankenhaus gearbeitet hätte, ja, nicht einmal einer Konfession angehört hätte - ich wäre noch immer eine sehr viel bessere Christin gewesen wie viele andere. Denn Glauben und Handeln hängt nicht davon ab, ob ich ein bestimmtes "Partei"-Buch habe.
Nur so am Rande, weil es zeigt, wie viele Menschen, die sich für extrem religiös halten, schnell vorverurteilen. Sollten sie das überhaupt?
Denn heißt es nicht: Jesus gebietet uns, einander so zu lieben, wie Er uns liebt (Johannes 13:34). Wenn Gott unparteiisch ist und uns mit Unbefangenheit liebt, so bedeutet das, das wir andere mit dem gleichen Standard lieben sollen. Am Ende von Matthaeus 25 sagt Jesus, das was immer wir einem Seiner geringsten Geschwister getan haben, das haben wir Ihm getan. Wenn wir einen Menschen mit Verachtung behandeln, so behandeln wir einen Menschen schlecht, der nach Gottes Abbild geschaffen ist; wir verletzen jemanden, den Gott liebt und für den Jesus gestorben ist.
Inzwischen gehöre ich der Kirche als Institution nicht mehr an. Das aber hat nicht mit meinem Glauben zu tun, vielmehr damit wie Kirche in großen Teilen auch heute noch mit ihrem Mitarbeitern umgeht.