ein Pronomen im Laufe der Zeit
ein Pronomen im Laufe der Zeit - # 2

Lebensplanung, Standorte
Blossom
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 16 im Thema

Beitrag von Blossom »

uferlos hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 22:36 unsere Gesellschaft sei inzwischen weiter
Ich würde das "sei" gerne durch ein "ist" ersetzen, denn meine diesbezüglichen Erfahrungen sind gänzlich andere. Beruflich komme ich jeden Tag mit unzähligen Menschen - mir zumeist völlig fremden - jeglicher Couleur in Kontakt. Ja, ich arbeite sogar mit Kollegen und Kolleginnen in einer sozialen Einrichtung zusammen, die sämtliche Facetten menschlichen Miteinanders abbilden: gleich ob lesbisch, schwul, hetero oder trans. Es wird ein offener Umgang mit gegenseitiger Wertschätzung gepflegt - und wir alle gehen auf dieselbe Toilette! Oft arbeite ich sogar direkt mit einem Transmann zusammen.

Zuvor habe ich anderweitig gearbeit - aber auch dort war es nicht anders.

Meines Erachtens liegt viel darin, wie ich mich selbst gebe - Rückgrat zeige und offen auf andere Menschen zugehe. Meinte ich anfangs noch, mich erklären zu müssen, so mache ich das schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Allerdings beantworte ich Fragen, die durchaus mal dem einen oder anderen aufkommen und sehr unterschiedlich, aber immer interessiert sind ... Wie: Wann hast du es das erste Mal gewusst? Warum bist du den Schritt erst so spät gegangen? ... und nahezu immer folgt einer Reaktion wie: Toll, dass du deinen Weg gehst. Ich bewundere das. Mach' so weiter. Du bist eine tolle Frau.

Wie ich es bereits einmal an anderer Stelle schrieb: Es ist die Schranke im eigenen Kopf, die blockiert. Wenn ich mich verletzlich und angreifbar zeige, mache ich mich zum Opfer. Doch gilt das generell - nicht nur im Fall von Transsexualität. Daraus folgt: Mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen und dem Gegenüber ein entwaffnendes Lächeln schenken.
Jeder hat in seinem Leben Menschen um sich, die schwul, lesbisch, transgender oder bisexuell sind.
Sie wollen es vielleicht nicht zugeben, aber ich garantiere, sie kennen jemanden.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 17 im Thema

Beitrag von Karla »

zu Diva's traurigen Erlebnissen:
Hass tritt wohl ganz gehäuft dann auf, wenn Erwartungen enttäuscht werden:
In dem Fall die, eine ziemlich attraktive CIS-Frau vor sich zu haben, die "maNN nicht von der Bettkante schubsen würde"...
Wenn diese Illusion dann platzt UND der Betreffende leider die "5 Generationen -§175" halt noch nicht aus dem Kopf gekriegt hat, dann wird es schwierig!
Leider hat dies bis hin zu Tötungsdelikten - m.E. als Mord einzustufen - geführt:
Von "Charly's Tante" über Tootsie,... - man(n) MUSS damit rechnen, daß nicht jede Frau cis ist!

Pronomen:

"Herr" auf dem Namensschild hat mich schon vor über 15 Jahren gestört, als ich FRAU noch recht erfolgreich versteckt habe - bei mir stand daher <Vorname> <Nachname> auf dem Schild. (die Frau war zwar da, aber stealth, ich hoffte das bis zur Rente durchzuhalten).
- hat dann doch nicht mehr funktioniert...

Einzelheiten wären in der geschlossenen Gruppe m.E. besser aufgehoben.

Mir hat das Verfassungsgerichtsurteil (m/w/d) dann noch mal richtig Auftrieb gegeben: Wenn es Menschen geben darf, die von Geburt an nicht ins binäre Schema passen, dann darf auch ich so lange wie nötig auf der Reise sein, ohne "perfekter Mann" oder "perfekte Frau" zu sein oder spielen zu müssen.

LG Elly
Ein Leben ohne Möps(chen) ist möglich, aber sinnlos. (frei nach Loriot)
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 18 im Thema

Beitrag von Diva »

Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15 Ja, ich arbeite sogar mit Kollegen und Kolleginnen in einer sozialen Einrichtung zusammen, die sämtliche Facetten menschlichen Miteinanders abbilden: gleich ob lesbisch, schwul, hetero oder trans. Es wird ein offener Umgang mit gegenseitiger Wertschätzung gepflegt - und wir alle gehen auf dieselbe Toilette! Oft arbeite ich sogar direkt mit einem Transmann zusammen.

Zuvor habe ich anderweitig gearbeit - aber auch dort war es nicht anders.
Dann freu ich mich für dich, dass du das Glück genießen darfst, in einer offenen respektvollen Umgebung arbeiten zu können!
Wenn bereits Diversity unter den Mitarbeiter*Innen selbst existiert und nicht nur eine Phrase ist, dann sind das nahezu ideale Voraussetzungen.
Auf meiner Arbeit wird darauf geachtet, dass alles hübsch deutsch und stromlinienförmig ist. Jeder Ansatz von Diversity wird binnen kurzer Zeit vernichtet. Nicht nur ich, sondern auch junge Menschen mit Behinderung und nicht deutschstämmige Frauen und Männer wurden konsequent rausgemobbt. Das geschieht nicht nur mit Billigung, sondern auch mit tatkräftiger Unterstützung durch die Leitungsebene.
Da ich mich mit den anderen Minderheiten solidarisiert hatte, kenne ich deren Leidensweg. Ich spare es mir, hier die Details zu posten.
Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15 Meines Erachtens liegt viel darin, wie ich mich selbst gebe - Rückgrat zeige und offen auf andere Menschen zugehe.
Allein die Tatsache, dass ich volle zwei Jahre dem giftigen Klima widerstand, den Anfeindungen die Stirne bot und unter enormen Zeit- und Leistungsdruck meine Arbeit schaffte, spricht wohl für einiges an Rückgrat. Erst als zusätzlich privat alles in Scherben fiel, kippte ich um.
Auch der junge Rollstuhlfahrer, die junge Türkin mit dem Kopftuch und der fleißige Mann mit dem kleinen Sprachfehler hatten Rückgrat und im Gegensatz zu mir ein glückliches Privatleben. Sogar sie schafften es nicht, dem Dauerfeuer zu widerstehen und haben den Arbeitsort längst verlassen - ganz sicher nicht freiwillig.
Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15 Wie ich es bereits einmal an anderer Stelle schrieb: Es ist die Schranke im eigenen Kopf, die blockiert. Wenn ich mich verletzlich und angreifbar zeige, mache ich mich zum Opfer. Doch gilt das generell - nicht nur im Fall von Transsexualität. Daraus folgt: Mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen und dem Gegenüber ein entwaffnendes Lächeln schenken.
Bitte entschuldige, dass ich hier widerspreche. Ich habe keine Schranke im Kopf. Aus meinem Bericht sollte eigentlich klar hervorgehen, wer da die große Schranke im Kopf hat. Schwach habe ich mich nie gezeigt, sonst hätte ich keine zwei Jahre unter diesen Umständen überlebt. Du kannst es gerne versuchen, den Kopf dauerhaft hochzuhalten, wenn stetig darauf eingeschlagen wird. Wie lange würdest du das durchhalten? Ein paar Monate, ein Jahr? Manche Umgebungen sind derart toxisch, dass leider nur die Flucht bleibt. Ich versuche, so weit weg wie möglich fortzugehen. Mir bleibt einzig die Hoffnung, dass es nun anderswo vielleicht ein wenig besser wird. Anderenfalls wäre es der Beginn einer Odyssee, bis ich endlich unter der Erde bin oder im schlimmsten Fall das Rentenalter erreiche. Niemand kann das vorhersagen.
Zur Not kann ich ja bei dir anfangen ...

Darum genieße jeden Tag in deiner positiven Umgebung. Es ist ein Geschenk, das längst nicht alle erleben dürfen. Ich wünsche dir, dass dir meine Erfahrungen für immer erspart bleiben.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 19 im Thema

Beitrag von Marlene K. »

Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15
uferlos hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 22:36 unsere Gesellschaft sei inzwischen weiter
Ich würde das "sei" gerne durch ein "ist" ersetzen, denn meine diesbezüglichen Erfahrungen sind gänzlich andere. Beruflich komme ich jeden Tag mit unzähligen Menschen - mir zumeist völlig fremden - jeglicher Couleur in Kontakt. Ja, ich arbeite sogar mit Kollegen und Kolleginnen in einer sozialen Einrichtung zusammen, die sämtliche Facetten menschlichen Miteinanders abbilden: gleich ob lesbisch, schwul, hetero oder trans. Es wird ein offener Umgang mit gegenseitiger Wertschätzung gepflegt - und wir alle gehen auf dieselbe Toilette! Oft arbeite ich sogar direkt mit einem Transmann zusammen.

Zuvor habe ich anderweitig gearbeit - aber auch dort war es nicht anders.

Meines Erachtens liegt viel darin, wie ich mich selbst gebe - Rückgrat zeige und offen auf andere Menschen zugehe. Meinte ich anfangs noch, mich erklären zu müssen, so mache ich das schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Allerdings beantworte ich Fragen, die durchaus mal dem einen oder anderen aufkommen und sehr unterschiedlich, aber immer interessiert sind ... Wie: Wann hast du es das erste Mal gewusst? Warum bist du den Schritt erst so spät gegangen? ... und nahezu immer folgt einer Reaktion wie: Toll, dass du deinen Weg gehst. Ich bewundere das. Mach' so weiter. Du bist eine tolle Frau.

Wie ich es bereits einmal an anderer Stelle schrieb: Es ist die Schranke im eigenen Kopf, die blockiert. Wenn ich mich verletzlich und angreifbar zeige, mache ich mich zum Opfer. Doch gilt das generell - nicht nur im Fall von Transsexualität. Daraus folgt: Mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen und dem Gegenüber ein entwaffnendes Lächeln schenken.
Liebe Blossom,
ich teile meistens Deine Erfahrungen, aber auch nur meistens. Ich denke, Du lebst wie wir alle in einer oder mehreren Blasen.

In meinem Bekanntenkreis habe ich gar keine bis wenige Probleme. Dieser setzt sich allerdings aus sehr unterschiedlichen Lebnsräumen ( Stadt -Land ), Bildungsgraden ( Akademiker - Hilfsarbeiter ), Erziehungen ( Offen - Autoritär ) und religiösen Überzeugungen zusammen. Das alles das keinen Unterschied macht wäre eine Lugnung der Fakten.

Im Wohnumfeld kommt es vereinzelt zu kompleter Ablehnung meiner Berechtigung so zu sein wie ich bin.

Wenn ich mich im Umfeld der Tafel, wo ich Empfängerin bin, nutzt mir mein ganzes Selbstbewusstsein und offenes Auftreten nichts. Von Anstarren über einen längeren Zeitraum über Diskutieren was "er" denn ist bis zu offen sexistischen Sprüchen und Angeboten bis zu offener Verachtung ist dort bei Zuwanderern, Christen und Muslimen, und "guten" Deutschen alles zu erleben. Meist reagiere ich offen und gelassen. Allerdings bin ich nach dem sechsten Vorfall an einem Tag innerhalb zweier Stunden deutlicher geworden und habe meine Verletzlichkeit gezeigt. Wenn Du so willst, war mein Rückgrat gebrochen.
Allerdings bekam ich genau dadurch Unterstützung und Hilfsangebote ...in der nächsten Woche. Direkt an dem Tag bekam ich nur entsetztes Schweigen oder Spott.

Wenn ich dadurch "an meiner Lage nur selber Schuld war und einfach nicht stark genug" empfinde ich das hier als Schulzuweisung an ein Opfer. Ich weiß, dass Du das nicht beabsichtigst.

Aber wie so oft im Leben können wir unsere persönlichen Erfahrungen nicht zur Wahrheit erklären, ohne die Umstände zu hinterfragen.

Ich stimme Dir zu, dass die eigene Haltung uns schützt. In der Woche nach den sehr feindseeligen Angriffen bei der Tafel war ich sehr dünnhäutig und habe dadurch nach neuen Erfahrungen in dieser Richtung gerufen und sie auch erhalten. War ich dadurch schon wieder "selber schuld?"

Es grüßt Dich sehr nachdenklich

Marlene
Marlene

Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon

Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 20 im Thema

Beitrag von Blossom »

Diva hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 11:27 Bitte entschuldige, dass ich hier widerspreche. Ich habe keine Schranke im Kopf. Aus meinem Bericht sollte eigentlich klar hervorgehen, wer da die große Schranke im Kopf hat. Schwach habe ich mich nie gezeigt, sonst hätte ich keine zwei Jahre unter diesen Umständen überlebt. Du kannst es gerne versuchen, den Kopf dauerhaft hochzuhalten, wenn stetig darauf eingeschlagen wird. Wie lange würdest du das durchhalten? Ein paar Monate, ein Jahr? Manche Umgebungen sind derart toxisch, dass leider nur die Flucht bleibt. Ich versuche, so weit weg wie möglich fortzugehen. Mir bleibt einzig die Hoffnung, dass es nun anderswo vielleicht ein wenig besser wird. Anderenfalls wäre es der Beginn einer Odyssee, bis ich endlich unter der Erde bin oder im schlimmsten Fall das Rentenalter erreiche. Niemand kann das vorhersagen.
Zur Not kann ich ja bei dir anfangen ...
Zunächst einmal möchte ich festhalten, dich nicht angegriffen zu haben. Meine Antwort galt "Uferlos", mit dem Hinweis, dass unsere Gesellschaft durchaus schon weiter ist. Dabei bleibe ich auch, denn es bedeutet ja nicht, dass es bereits überall so ist, wie es wünschenswert wäre.

Für mich selbst habe ich gelernt, mich nicht mit Menschen zu umgeben, die negative Wirkung auf mich ausüben. Dazu gibt es immer Optionen und es obliegt einem selbst sich zu schützen. Übrigens eine Aussage, hinter der auch meine Therapeutin steht, dernach ich mich nicht mit Menschen umgeben soll, die mich runterziehen.

Natürlich kenne ich deine Gesamtlage nicht. Wie auch? Und es stimmt mich traurig Dergleichen von dir zu lesen. Allerdings hätte ich - wohlgemerkt: Ich spreche von mir - schon lange die Reißleine gezogen und das Ganze beendet. Auch bin ich so stark gegen Mobbing vorzugehen und würde es auch per meiner Anwältin tun. Diese Art Mobbing, wie du es erlebst, stellt bereits eine Körperverletzung im Sinne des -§ 223 StGB dar und strafbar. Letztlich frage ich mich, warum du es nicht schon längst zur Anzeige gebracht hast - zumal du ja schreibst, dass "auch junge Menschen mit Behinderung und nicht deutschstämmige Frauen und Männer konsequent rausgemobbt werden, und dies nicht nur mit Billigung, sondern auch mit tatkräftiger Unterstützung der Leitungsebene." Insbesondere da du dich mit dieser "Minderheit" bereits solidarisiert hast, sollte eine gemeinschaftliche Anzeige (so möglich) wohl kein Problem darstellen. Initiis resistere!, erklärte bereits Ovid in seiner "Remedia Amoris" warnend.

Grüße vom
Blümchen (na)
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 21 im Thema

Beitrag von Blossom »

Marlene K. hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 12:04 Wenn ich dadurch "an meiner Lage nur selber Schuld war und einfach nicht stark genug" empfinde ich das hier als Schulzuweisung an ein Opfer. Ich weiß, dass Du das nicht beabsichtigst.
Liebe Marlene,

natürlich habe ich das nicht beabsichtigt. Schließlich weise ich ja auch darauf hin, dass ich - gahz persönlich - es anders erfahre. Vielleicht habe ich ja auch einfach nur Glück, und ja, dann lebe ich tatsächlich in einer Blase, wie du schreibst. Und natürlich macht das Umfeld viel aus, mit all der unterschiedlichen Sozialisation. Kein Widerspruch meinerseits. Gerade deshalb möchte ich meine Erfahrungen - zwar kundtun aber - nicht verallgemeinern. Versteh es eher als Mutmachen, dass es tatsächlich gehen kann.

Liebe Grüße vom
Blümchen (na)
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 22 im Thema

Beitrag von sbsr »

Fräulein Stefanie hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 00:00 Wie geht es denn euch damit?
Nachdem ich seit 1 1/2 Jahren so gut wie keine Herren Bekleidung mehr zu Arbeit trage, in letzter Zeit vermehrt Schmuck, hin und wieder Mascara, und seit ein paar Wochen keinen Tag ohne AA/A-Körbchen, dürfte rein optisch nicht mehr viel Zweifel bleiben, in welche Richtung ich mich bewege.

Mir kommt immer wieder in den Sinn, mich auch schriftlich vom Männlich zu lösen. Bis jetzt ist es in erster Linie daran gescheitert, einen neutralen Vor- bzw. Spitznamen zu finden, der im Idealfall im Klangbild meinem Taufnamen ähnelt.

Aber selbst wenn mir ein solcher irgendwann einfallen sollte, zweifle ich stark daran, ob ich diesen Schritt wirklich gehen würde. Nichts wäre mir lieber, endlich nicht mehr mit "Herr" angesprochen werden. Das Problem, "Frau" passt auch nicht wirklich, denn ohne Hormone oder anderweitige Anpassungen sehe ich halt nunmal aus wie ein Mann in Damenkleidern.

Ich hätte tatsächlich Angst davor, dass die derzeitig eigentlich recht unbekümmerte Auffassung meines Auftretens in genau das umschlägt, was Diva beschreibt. Solange ich als Mann in Damenkleidern rum laufe, bin ich halt ein Spinner, der in Damenkleidern rum läuft. Damit kommen mein Kollegen klar, in der Fabrik hat man sich wohl weitgehend an den Anblick gewöhnt, und der Großteil derer, mit denen ich zu tun habe, hat mich noch nie persönlich gesehen.

Wenn da nun plötzlich ein weiblicher Vorname stünde, ich auf die Anrede "Frau" drängen oder gar die Damentoilette beanspruchen würde, wüsste ich nicht ob sich dieses "naja, soll er halt" nicht doch in Ablehnung umkehren könnte.

Meinen privaten Alltag muss ich notgedrungen als Mann absolvieren, ganz die Seite wechseln werde ich sowieso nie. Insofern bleibt auf dem Papier der Mann, auch wenn sich tief in mir mehr und mehr dagegen sträubt.
LG, Svenja

Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 23 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-11-20 »

Diva hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 20:28
selbstbewussten Männer gab ich mich nicht zufrieden und bohrte weiter. Ein Oberstufenlehrer und ein Berufsschullehrer platzten dann endlich mit dem wahren Grund heraus:
"Es kotzt uns an, dass du uns dazu zwingst, dich mit "Frau" anreden zu müssen, obwohl du ein Mann bist!"
Ich bedankte mich für die Ehrlichkeit. Beide sprangen auf und verließen wutschnaubend den Raum. Im Setting der Gruppentherapie hatte ich die Chance genutzt, die ich im Alltag nie bekommen hätte: Hinter deren Masken und Ausreden zu schauen. Dort versteckte sich der blanke Hass.
Das hört sich überhaupt nicht gut an.

mittlerweile habe ich den Standpunkt das ich ständig von aller Welt genötigt werde eben diese Welt zu ertragen, obwohl ich sie für abgründig verrückt und unmenschlich halte, so wird mir unter anderem seit bald zwei Jahren das Tanzen untersagt (anderes Thema).
Also habe ich beschlossen ebendiese Welt meiner Person auszusetzen. Ich nötige niemanden mich als Frau anzusprechen und wenigsten bis jetzt macht es mir kaum was aus als Herr angesprochen zu werden, wobei ich mich schon frage wie "Herr" heute aussieht. Doch kommt meine Umwelt halt auch nicht darum herum wenn ich irgendwo im Girly oder Schlampenlook einschlage. Da müssen die dann selber mit fertig werden.

Ich denke, für uns ist es doch schon teilweise nicht ganz einfach, besonders am Anfang zu unserem Selbst und unserer Persönlichkeit zu stehen. Da ist es, meine Meinung, nicht ganz fair von Menschen die diesen Prozess noch nicht mal im Ansatz kennen dieselbe Toleranz einzufordern die wir uns selbst gegenüber doch teilweise mühsam erwerben mussten. Zumal solche echt schwierigen Leute wahrscheinlich noch nicht mal einen echten Zugang zu sich selbst haben. Mir ist schon klar das das für Dich jetzt kein so toller Trost ist. Manchmal ist mit Gefühl vielleicht der einzige Schutz den wir erreichen können

mit lieber Umarmung

Stefanie
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 24 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Hallo allerseits,

ich denke Diva und Marlene K. haben das Thema männlich geboren als Frau gesehen zu werden auf den Punkt gebracht. Als ich mir vor vielleicht zwei Jahren mit meiner "Verkleidung" noch Mühe gab, wurde ich immer wieder als Frau angesprochen, im Laden also: "Was wünscht die Dame?" Anfangs schaute ich mich dann erst einmal um. Da stand aber niemand. Jetzt vermeidet man ein direktes Ansprechen, also kommt völlig genderneutral: "Was darf es bitte sein?"

Ich gebe jetzt einfach mal ganz offen zu, dass ich rein emotional ein Problem damit habe eine Trans(*)Frau als Frau zu sehen, wenn mein inzwischen sehr geübter Blick erkennt, dass sie eine solche ist. Da wäre als recht extremes Beispiel eine Bekannte in Koblenz (deren Namen ich natürlich nicht nenne). Sie hat sich erst spät geoutet, und die Hormone zeigen praktisch keine Wirkung. Von einer OP hat sie immer erzählt, wie weit es damit ist, weiß ich aber nicht. Also: ich sehe da einen seltsamen Mann, der (wegen fehlender echter Haare) eine komische Perücke trägt. Und wenn sie dann spricht, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Wie soll das also jetzt auf eine Cis-Person wirken, die für trans* überhaupt kein Verständnis aufbringen will oder kann? Wir werden von klein an von diesem binären Bild der Geschlechter geprägt. So entwickelt sich unser Empfinden. Da kann dann der Verstand - wenn er sich denn überhaupt entwickeln darf - erkennen oder verstehen, was er will.

Mit meinem nicht binären Auftreten ist da wohl einfacher umzugehen. Da ist dann ein Mann, der sich nicht seiner Rolle entsprechend kleidet. Bei den meisten kommt dazu inzwischen einfach ein Kommentar wie: "Wenn der/die/sier/xier das gerne so möchte ...". Öffentlich zeigt man sich heute eben "tolerant".

Aus meiner Sicht hat sich die Gesellschaft hier ein Problem geschaffen, indem sie irgend etwas trans*/nicht binären nirgendwo eine Chance gab und statt dessen forderte: "Wenn du also unbedingt eine Frau sein willst, kannst du dich ja zu einer umwandeln lassen; und mit der OP vermehrt sich dann so etwas wie du auch nicht." Aus konservativer Sicht wird so eine genetisch einheitlich "reine" Bevölkerung sicher gestellt. Warum gehen also die meisten Transfrauen wirklich "Ihren Weg"? - Weil sie einfach nur unauffällig als etwas anderes als der Mann, den sie hassen gelernt haben, leben wollen, oder weil sie den falschen Körper korrigieren wollen, in dem sie geboren sind?

Transfrauen wollen nicht mehr unauffällig oder getarnt bleiben. Sie wollen als die Frau, für die sie viel Mühe und eine körperliche Unversehrtheit mit allen gesundheitlichen Risiken und Nebenwirkungen geopfert haben, endlich vollständig anerkannt werden - das aber in einer Gesellschaft, von der sie sich in eine getarnte Rolle haben hinein drängen lassen, weil es dort für etwas anderes als "richtige" Frauen oder Männer keinen Platz gab. In diesem Sinne bin ich ehrlich froh, dass ich mich als nicht binär geoutet habe und diesem Trans-Weg den Rücken kehren konnte, da es keine starke körperliche Dysphorie bei mir gibt. Wenn ich mir vorstelle für etwas keine wirkliche Anerkennung zu finden, wofür ich so viel Kraft oder Energie geopfert habe, wäre ich wohl ähnlich tief enttäuscht wie Diva.

LG Nicole
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 25 im Thema

Beitrag von Blossom »

Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 18:13 "Wenn du also unbedingt eine Frau sein willst, kannst du dich ja zu einer umwandeln lassen; und mit der OP vermehrt sich dann so etwas wie du auch nicht."
Wann und wo hat dies die Gesellschaft gefordert?!
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 26 im Thema

Beitrag von Nicole Fritz »

Blossom hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 19:55 Wann und wo hat dies die Gesellschaft gefordert?!
Sie hat es genau so gefordert, wie sie jetzt die Impfpficht fordert. Wer als "Tunte" oder Transvestit herum lief, hatte zur Zeit meiner Jugend keine Chance auf einen ordentlichen Beruf - es sei denn, er konnte sich selbständig machen oder eine Karriere als Künstler anstreben. Also blieb für viele nur die Alternative: ... auf dem Schwulen-Strich oder die "Geschlechtsumwandlung". Wenn das jetzt keine Forderung gewesen sein soll, weiß ich es nicht.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 27 im Thema

Beitrag von Blossom »

Nicole Fritz hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 20:20 Sie hat es genau so gefordert, wie sie jetzt die Dummpfpficht fordert. Wer als "Tunte" oder Transvestit herum lief, hatte zur Zeit meiner Jugend keine Chance auf einen ordentlichen Beruf - es sei denn, er konnte sich selbständig machen oder eine Karriere als Künstler anstreben. Also blieb für viele nur die Alternative: ... auf dem Schwulen-Strich oder die "Geschlechtsumwandlung". Wenn das jetzt keine Forderung gewesen sein soll, weiß ich es nicht.
Mal abgesehen davon, dass die Gesellschaft keine Impflicht fordert und du immer wieder ein Impfgegner-Bingo-Feuerwerk zu entfachen versuchst, bis endlich jeder Leser am Endgerät Mitleid bekommt, verweigerst du dich in konsequenter Aluhut-Manier jedem breiten wissenschaftlichen Konsens'. Aber lassen wir das, denn dieser von dir wieder einmal eingepflege Nebensatz war unnötig und passt auch nicht zum Thema!

Wenn ich, wie von dir getan, eine solche Behauptung aufstelle, sollte ich sie anhand einer Quelle untermauern. Ich bin in derselben Zeit aufgewachsen und kann das so nicht bestätigen - ganz abgesehen davon, dass mir deine entgleisende Wortwahl nicht gefällt.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 28 im Thema

Beitrag von Marielle »

Guten Abend zusammen,
"Wenn du also unbedingt eine Frau sein willst, kannst du dich ja zu einer umwandeln lassen; und mit der OP vermehrt sich dann so etwas wie du auch nicht."
Wann und wo hat dies die Gesellschaft gefordert?!

Man kann zwischen 'Gesellschaft' und 'Staat' differenzieren, klar. Wenn man das aber nicht tut, hat die Gesellschaft (vertreten durch 'den Staat') exakt diese Forderung in Form des ursprünglichen Gesetzestextes des TSG von 1981 formuliert. Voraussetzung für die rechtliche Anerkennung und die entsprechende Änderung des Personenstandseintrags zum Geschlecht war die dauerhafte Unfruchtbarkeit (und die Ehelosigkeit) der Antragsteller*innen. Beide Forderungen wurden erst 2011 durch das BVerfG für verfassungswidrig erklärt und ihre Anwendung ausgesetzt.

Korrektur: Die Voraussetzung der Ehelosigkeit wurde 'schon' 2008 für verfassungswidrig erklärt; sorry.

Habt es gut

Marielle (geimpft :wink:)
As we go marching, marching, we bring the greater days
For the rising of the women, means the rising of the race
No more the drudge and idler ten that toil where one reposes
But the sharing of life's glories, Bread and Roses, Bread and Roses.
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 29 im Thema

Beitrag von ExuserIn-2021-11-20 »

Blossom hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 20:41 verweigerst du dich in konsequenter Aluhut-Manier jedem breiten wissenschaftlichen Konsens'
Nur so anbei, in der Wissenschaft ist kein Konsens nötig. Es gelten die Beweiße. Galileo Entdeckung war keines Wegs Konsens, recht hatte trotzdem.
Wenn Konsens nötig ist dann sind auch die Beweise nicht eindeutig belastbar.
Das war's auch schon

LG
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Re: ein Pronomen im Laufe der Zeit

Post 30 im Thema

Beitrag von Lana »

Blossom hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 20:41 ganz abgesehen davon, dass mir deine entgleisende Wortwahl nicht gefällt.
Warum machst dann das selbe :? :roll:
Blossom hat geschrieben: Mo 8. Nov 2021, 20:41Impfgegner-Bingo-Feuerwerk [...]
in konsequenter Aluhut-Manier


LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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