Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15
Ja, ich arbeite sogar mit Kollegen und Kolleginnen in einer sozialen Einrichtung zusammen, die sämtliche Facetten menschlichen Miteinanders abbilden: gleich ob lesbisch, schwul, hetero oder trans. Es wird ein offener Umgang mit gegenseitiger Wertschätzung gepflegt - und wir alle gehen auf dieselbe Toilette! Oft arbeite ich sogar direkt mit einem Transmann zusammen.
Zuvor habe ich anderweitig gearbeit - aber auch dort war es nicht anders.
Dann freu ich mich für dich, dass du das Glück genießen darfst, in einer offenen respektvollen Umgebung arbeiten zu können!
Wenn bereits Diversity unter den Mitarbeiter*Innen selbst existiert und nicht nur eine Phrase ist, dann sind das nahezu ideale Voraussetzungen.
Auf meiner Arbeit wird darauf geachtet, dass alles hübsch deutsch und stromlinienförmig ist. Jeder Ansatz von Diversity wird binnen kurzer Zeit vernichtet. Nicht nur ich, sondern auch junge Menschen mit Behinderung und nicht deutschstämmige Frauen und Männer wurden konsequent rausgemobbt. Das geschieht nicht nur mit Billigung, sondern auch mit tatkräftiger Unterstützung durch die Leitungsebene.
Da ich mich mit den anderen Minderheiten solidarisiert hatte, kenne ich deren Leidensweg. Ich spare es mir, hier die Details zu posten.
Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15
Meines Erachtens liegt viel darin, wie ich mich selbst gebe - Rückgrat zeige und offen auf andere Menschen zugehe.
Allein die Tatsache, dass ich volle zwei Jahre dem giftigen Klima widerstand, den Anfeindungen die Stirne bot und unter enormen Zeit- und Leistungsdruck meine Arbeit schaffte, spricht wohl für einiges an Rückgrat. Erst als zusätzlich privat alles in Scherben fiel, kippte ich um.
Auch der junge Rollstuhlfahrer, die junge Türkin mit dem Kopftuch und der fleißige Mann mit dem kleinen Sprachfehler hatten Rückgrat und im Gegensatz zu mir ein glückliches Privatleben. Sogar sie schafften es nicht, dem Dauerfeuer zu widerstehen und haben den Arbeitsort längst verlassen - ganz sicher nicht freiwillig.
Blossom hat geschrieben: So 7. Nov 2021, 23:15
Wie ich es bereits einmal an anderer Stelle schrieb: Es ist die Schranke im eigenen Kopf, die blockiert. Wenn ich mich verletzlich und angreifbar zeige, mache ich mich zum Opfer. Doch gilt das generell - nicht nur im Fall von Transsexualität. Daraus folgt: Mit erhobenem Kopf durchs Leben gehen und dem Gegenüber ein entwaffnendes Lächeln schenken.
Bitte entschuldige, dass ich hier widerspreche. Ich habe keine Schranke im Kopf. Aus meinem Bericht sollte eigentlich klar hervorgehen, wer da die große Schranke im Kopf hat. Schwach habe ich mich nie gezeigt, sonst hätte ich keine zwei Jahre unter diesen Umständen überlebt. Du kannst es gerne versuchen, den Kopf dauerhaft hochzuhalten, wenn stetig darauf eingeschlagen wird. Wie lange würdest du das durchhalten? Ein paar Monate, ein Jahr? Manche Umgebungen sind derart toxisch, dass leider nur die Flucht bleibt. Ich versuche, so weit weg wie möglich fortzugehen. Mir bleibt einzig die Hoffnung, dass es nun anderswo vielleicht ein wenig besser wird. Anderenfalls wäre es der Beginn einer Odyssee, bis ich endlich unter der Erde bin oder im schlimmsten Fall das Rentenalter erreiche. Niemand kann das vorhersagen.
Zur Not kann ich ja bei dir anfangen ...
Darum genieße jeden Tag in deiner positiven Umgebung. Es ist ein Geschenk, das längst nicht alle erleben dürfen. Ich wünsche dir, dass dir meine Erfahrungen für immer erspart bleiben.