Das erste Mal
Das erste Mal - # 58

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Céline
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Re: Und wieder ein erstes Mal

Post 856 im Thema

Beitrag von Céline »

Nein, das ist nicht der versprochene Post aber wieder ein absolut verrücktes Wochenende...

Was wäre mein Tagebuch ohne meine erste Male.
Ich fühle mich im Grunde seit Monaten so richtig als wäre ich Jahrzehnte jünger.
Ich habe schon viel darüber geschrieben wie extrem ich jetzt lebe und habe dafür berechtigterweise auch schon die ein oder andere Kritik bekommen aber das was jetzt mit mir geschieht und dieses Gefühl ist weitaus größer als alles andere. Mein Leben hat trotz allem eine gewisse Routine und " Ordnung " bekommen.
Und trotzdem darf ich immer wieder Neues erleben das so wunderschön ist das ich es nicht in Worte fassen kann.
Dieses Wochenende war wieder mal so verrückt und anstrengend zugleich das ich lange brauche um alles in meinem Kopf zu sortieren. Am Freitag war seit sehr langer Zeit wieder eine Party zu der ich mit meiner Frau ging und es war für uns beide wieder mal ein unglaublich schöner Abend voller Freude, Spaß und Gemeinsamkeiten und das treffen mit unseren gemeinsamen Freunden. Trotz dem das die Lokation absolut nicht mehr meins ist und ich so gar nicht mehr zu all den anderen Menschen gepasst habe und ich doch wieder den ein oder anderen komplett überfordert habe was mich mittlerweile schmunzeln lässt. Schwierig ist für mich auch einen Style zu finden mit dem meine Frau zurecht kommt. Natürlich ist es nicht mehr mit der Schamm und der Angst verbunden wie noch vor wenigen Monaten aber mir ist es für sie wichtig nicht zu sehr aufzufallen den ständige Blicke sind für Sie immer noch schwierig. Aber mit meinem Schwarzen Style in Jeans und Doc Martens hab ich mich auch so wohl gefühlt. Lustigerweise hab ich mich unter all den anderen gefüllt wie unter alten Menschen :lol:
Zwei Uhr Nachts mussten wir dann gehen obwohl dann meine Musikrichtung langsam gespielt wurde aber meine Frau musste ins Bett da sie ziemlich früh zur Arbeit musste aber ich wusste ja das ich Samstag wieder einmal so richtig aufdrehen würde......und wie sehr wusste ich noch gar nicht.
Irgendwie war die Nacht so kurz und ich musste Samstag noch einkaufen und den Haushalt erledigen und natürlich Koffer und Taschen packen für einen unglaublich langen Partytag und Nacht. Und wie immer brauchte ich wieder Stunden für mein Styling, Haare nachfärben und und und..
Um 13:45 fuhr ich dann endlich zum ersten Event los und es war ein unglaublicher Nachmittag und Abend der mich und meinen Freund wieder mal komplett geflasht hat. Es waren unglaublich schöne Momente die wir beide so schnell nicht vergessen werden. Eine vollkommen andere Welt als Freitags die mich einfach nur aufleben lässt und mit einem Glücksgefühl erfüllt das mir nur guttut. Es war eine völlig neue und verrückte Welt in der ich da aufgenommen wurde und ganz ehrlich werde ich ....ja tatsächlich ich..... rot wenn ich ständig Komplimente und Zuspruch für mich als Person und mein Handeln bekomme. Es erscheint mir alles wie ein Traum weil es sich so surreal anfühlt.
Und dann war da noch die allererste Schwarze Nacht nach über 1 1/2 Jahren. Seit ewigen Zeiten wieder in diese Dunkle Welt eintauchen was mir so schrecklich gefehlt hat.
Wir fuhren um 21:00 von unserer ersten Party los und wollten uns dann vor der Lokation in Augsburg treffen da ich noch meine Freundin in Augsburg abholen sollte. Eigentlich sollte man nach diesen aufregenden Stunden eine Pause einlegen und ausruhen aber ich wollte einfach wieder einmal richtig loslegen.
22:10.... Angekommen, ich konnte es nicht glauben nach so langer Zeit wieder in einem meiner Stammclubs gehen zu dürfen. Ich schreibe ganz bewusst dürfen da es ja momentan tatsächlich so ist das man quasi eine Erlaubnis braucht um in einen Club zu " dürfen"
Und dann...nach der ganzen Anmelde und Registrierungsprozedur gingen wir zu Dritt wieder diese Treppe hinunter in den Club und die dröhnende Beats kammen mir schon entgegen.
Es fühlte sich ein wie ein Traum. Durch die Gänge hindurch durch die erste kleine Area in diffuses Licht und Laserlicht und da lag sie vor mir...meine geliebte Tanzfläche.Genau so wie ich sie noch im Kopf hatte. Und dann lief da ein Lied das ganz oben auf meiner Playlist steht und ich musste einfach sofort loslegen....
Endlich wieder tanzen..... Es ist zwar nicht das erste Mal gewesen wieder zu tanzen aber hier etwas ganz besonderes.
Und dann triffst du wieder all die Menschen die man schon seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr gesehen hat. Und auf einmal waren all die Sorgen und Ängste der Vergangenheit weg und du siehst nur noch glückliche und lachende Menschen. Und dann durfte ich hier
" zum ersten Mal " mit meinem Freund sein und mit ihm diese Nacht erleben.
Wir tanzten und tanzten und tanzten........
Und jeder Kuss von ihm war so unglaublich schön und ein wunderbares Geschenk und diese Nacht mit ihm wied für immer unvergesslich Bleiben und vorallem dieser eine Tanz mit ihm.
Dieser allererste unglaublich enge Tanz voller Gefühle und Emotionen und wahrscheinlich sind wir ein klein wenig aufgefallen in unserem Liebesrausch zu dem so wunderschönen Lied von OMD... Und wir mittendrin im Dichten Nebel der Nebelmaschine und Diffusen Licht

https://m.youtube.com/watch?v=unrEYf79ne0

Die ganze Welt um uns verschwand und ich hoffte dieser Moment würde nie vergehen...nie
Vor uns lag eine Nacht voller Emotionen, Beats, Dichter Nebel und Laserlicht.
Vergessen all die Menschen um mich herum und selbst das einige Arbeitskollegen da waren und mich zum ersten Mal mit meinem Freund sahen, egal was vielleicht wieder über mich getuschelt wir. Das ich jetzt auch noch einen Freund habe....
Diese Nacht war einfach zu schön, unbeschreiblich schön....
Und doch verging sie viel zu schnell und gegen 4:00 erinnerten mich meine Füße daran das ich mittlerweile schon annähernd 16 Stunden viel zu hohe Schuhe getragen habe und selbst barfuß über die Tanzfläche machten es nicht besser. Und so verging die letzte halbe Stunde wie im Flug und wir beschlossen noch vor dem offiziellen Ende zu gehen. Dann wenn es am schönsten ist.
Und so gingen wir wieder zurück durch die Gänge und ich ging noch ein letztes Mal in die Kleine Area um noch einmal zu tanzen...
Mein Freund filmte mich dabei und ganz ehrlich? Ich hatte heute Angst mich selbst beim tanzen zu betrachten.
Wir verließen die Lokation und gingen wieder zusammen die Treppen hoch und schlenderten zu unseren Autos. Der Abschied ist mir so schwer gefallen wie noch nie und wir umarmten uns lange und fest. Ich genoss jeden einzelnen Kuss und schwebte in Gedanken und Träumen.
Eine Woche ohne Dich
...eine Woche ohne Deine Umarmungen
...eine Woche ohne Deine Küsse
...eine Woche ohne Dein Gesicht streicheln zu können
...eine Woche ohne Dein Lächeln und Deine mich anlächelnden Augen...Deine wunderschönen Augen
...Du, der alles für mich tut
...Du der mich überall hin begleitest, mein Leben teilst,meine Musik hörst, meine Vorlieben mitmachst.
Dafür Danke ich Dir von Herzen
Und so verging ein Wochenende wie ich es mir in meinen Träumen nie vorstellen konnte.

Céline
"Sprache und Worte können mich nicht verletzten...nur der Mensch und seine Absicht dahinter"
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Engelchen
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Re: Das erste Mal

Post 857 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Ach Liebe Céline, ich freu mich einfach nur für dich... (he)
Diese Gefühle kann und Erinnerungen kann dir keiner nehmen... (sym)

Liebe Grüße

Lisa
Liebe geben und offen sein für Neues
Pinella
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Re: Das erste Mal

Post 858 im Thema

Beitrag von Pinella »

Wow wie toll geschrieben, es freut mich so sehr dass du so glücklich und verliebt bist liebe Celine.
Ich wünsche dir weiterhin alles alles Gute.
Lavendellöwin
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Re: Das erste Mal

Post 859 im Thema

Beitrag von Lavendellöwin »

Céline hat geschrieben: Mo 1. Nov 2021, 20:47 Und so verging ein Wochenende wie ich es mir in meinen Träumen nie vorstellen konnte.

Meine liebe Céline

mein Herz hat genau gespürt, welcher Track von OMD gleich kommen wird...

und der kleine dunkle Punkt auf meiner bunten Seele kann dich soooo gut verstehen...

deswegen wünsch ich dir
mehr solche Wochenenden
mehr Liebe
und mehr phantastische Welten



Alles Liebe Marie (flo)
Fang an. Schritt für Schritt. Denn Mut wächst im Tun. Jeder kleine Schritt zählt – auch der unperfekte.
Céline
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Re: Das erste Mal

Post 860 im Thema

Beitrag von Céline »

Vielen Lieben Dank Euch,
Genau zu dem Lied gehts auf der Tanzfläche richtig ab :)
Und zu Hause läufts natürlich immer wieder mal auf Vinyl
Céline
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C.B.
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Re: Schmerz......

Post 861 im Thema

Beitrag von Céline »

Ich schreibe hier jetzt etwas nur für mich, um vielleicht etwas von diesem so tiefen Schmerz und Trauer abzuschütteln und davor wegzulaufen. Laufen... Laufen so schnell ich nur kann und doch ist dieser Schmerz immer schneller und holt mich ein, übermannt mich und Tränen brechen aus mir heraus. Mein ganzer Körper schmerzt und ich möchte nur noch schreien.
Und ich weiß nicht damit umzugehen weil ich so verzweifelt bin...versuche ruhig zu atmen und doch fällt es mir schwer.
Und dann die Vorwürfe warum hab ich nicht noch einmal angerufen um Deine Stimme zu hören. Ich wollte Dir noch so vieles sagen und erklären. Warum nur?? Ich fühle mich schuldig alles immer aufgeschoben zu haben...morgen...morgen...nächste Woche....
Zu spät.......
Für immer zu spät.....
Und so schreibe ich jetzt hier für Dich Papa:

Aber weißt Du noch ?
Als ich dich morgens um 3 geweckt habe, dein kleiner Sohn hat an der Bettdecke gezogen und dich geweckt um mit Dir Angeln zu gehen. Es war kalt, dunkel aber wir waren zusammen unterwegs und haben nichts gefangen.
Weißt Du noch?
Wie als kleiner Junge immer auf dem Töpchen eingeschlafen bin.
Weißt du noch. ?
Unser einziger Urlaub den ich mit Dir und Mama zusammen gehabt habe und wir Pilze im Wald gesucht haben und ich danach eine Lungenentzündung hatte und heute noch über den Landarzt lachen muss.
Weißt Du noch. ?
Als ich im Garten versucht habe mein eigenes Gemüse zu pflanzen was nie richtig gelungen ist und ich Gemüse jeden Sonntag Mittag gehasst habe.
Weißt Du noch. ?
Als Du mir meinen ersten eigenen Werkzeugschrank gebaut hast in dem all die Werkzeuge im kleinen waren wie in Deinem Werkzeugschrank.
Weißt Du noch?
Als ich mein erstes Paar Tauben bekommen habe die Deinen Garten mit ihrem Hinterlassenschaften voll gemacht haben.
Weißt Du noch ?
Die vielen Frühschoppen im Kleingarten und wir meistens zu spät zum Sonntagsmittagessen gekommen sind und Mama geschimpft hat.
Weißt Du noch?
Als wir jeden Herbst die Goldfische aus dem Teich geholt haben und sie in ihr Becken im Keller gesetzt haben.
Weißt Du noch?
Als ich Kaulquappen am Schießplatz gefangen habe und wir ab da an jedes Jahr Massenhaft Erdkröten im Garten hatten oder ich einen Eimer voll Teichfrösche gefangen habe und wir ab da an jedes Jahr ein sehr lautes Froschkonzert hatten.
Weißt Du noch?
Als ich mein erstes blaues gebrauchtes Fahrrad bekommen habe auf das ich so stolz war und immer versucht habe alles selbst zu reparieren und Du mir alles beigebracht hast.
Weißt Du noch?
Wie schüchtern ich war und immer den langen Weg in unseren Garten gerannt bin damit ich von niemandem angesprochen werde.
Weißt Du noch?
Als wir Mama das rauchen abgewöhnen wollten und ihr Schwarzpulver in die Zigarette gefüllt haben und das ganze Wohnzimmer verraucht war und gestunken hat.
Weißt Du noch?
Wie wie Dich geärgert haben wenn Du Sonntag Mittag Deinen Schläfchen gemacht hast und Du geschimpft hast.
Weißt Du noch?
Als ich versucht habe in unserer Birke am Gartenhaus ein Baumhaus zu bauen weil ich schon immer die höchsten Bäume hinauf gestiegen bin und in die Ferne geschaut habe.
Weißt Du noch?
Als ich ständig Kracher und Pyrotechnik selbst gebaut habe und Dir und Mama viel Sorgen und Ärger gemacht habe.
Weißt Du noch?
Als ich meine eigene Puppe wollte und bekam und Du immer gesagt hast das ein Bub damit nicht spielen soll.
Weißt Du noch?
Als ich einmal bei den Radtouren im Wald bei denen ich vorne im Kindersitz saß meine Füße in die Speichen bekamm weil Du mir Angst machen wolltest als Du auf unseren Bach zufuhrst und Mama furchtbar geschimpft hat.
Weißt Du noch?
Als wir im Wald zusammen Wacholderbeeren gesammelt haben und dann zuhause selbst gepökelt und geräuchert haben. Und das Haus dann immer so lecker nach geräucherten gerochen hat. Und die Räucherkammer in Deiner Schreinerwerkstatt die die so tiefschwarz war mir so unheimlich war. Weil ich im Keller immer Angst hatte.
Weißt Du noch?
Wie Du immer geschimpft hast wenn ich die Stemmeisen wieder stumpf gemacht habe und Dein Werkzeug nicht aufgeräumt habe.
Weißt Du noch?
Wenn wir Kinder an Weihnachten so nervös waren und den Baum mit Lametta geschmückt haben. Die Lichterketten jedes Mal entwirrt haben und wenn eine Birne kaputt war ewig gesucht haben.
Weißt Du noch?
Als wir mein erstes Aquarium geholt haben . Mit all den Pflanzen und Barschen und wir jeden Abend zusammen daran rumgebastelt haben.
Weißt Du noch?
Als ich groß war und mein großes Becken hatte und Du stolz auf mich warst weil es perfekt war und Du mir dafür diesen besonderen Schrank geschreinert hast.
Weißt Du noch?
Als wir meine Dachwohnung zusammen ausgebaut haben. Wie wir gelacht haben wer die Fliesen wieder schneller verlegt. Wie Du gelacht hast wenn ich ein Brett verschnitten habe.
Wenn Du für " die trockene Baustelle" Strafpunkte mit Bleistift an die Wand geschrieben hast.
Weißt Du noch?
Als wir lange zusammen in Deiner Werkstatt waren und Deine Hobelmaschine, Kreissäge und andere Maschinen repariert haben. Fehler gesucht haben weil wieder Sicherungen geflogen sind. Oder Deine Bewässerungsanlage nicht ging.
Weißt Du noch?
Die vielen Male als wir zusammen angeln waren und ich Dir die Knoten machen musste weil Du es nicht mehr konntest und wie Du immer geschimpft hast wenn ich wieder mehr gefangen habe als Du.
Weißt Du noch ?
Als Du mir für mein Haus noch ein letztes Mal mit mir in Deiner Werkstatt warst und die Wunderschönen Fensterläden gebaut hast.
Weißt Du noch?
Als wir nach langer Zeit wieder umarmten und beide weinten weil wir uns so lange verstritten hatte. Ich Dir alles erzählt habe und verzweifelt war vor Angst. Und Du mir erzählt hast das Du nie etwas gemerkt hast. Aber oft die Frage gestellt hast was Du falsch gemacht hast. Und Du mich immer gebeten hast nie im Kleid oder Rock zu ihm zu kommen weil Du damit nicht umgehen kannst. Und ich war Dir nie böse deswegen weil Du mein Papa bist.
Und dann war da noch die Eisenbahn...meine Eisenbahn die Du mir besorgt hast und im Dachboden aufgestellt hast. Die Eisenbahn in dem dunklen, kalten, modrigen Dachboden wo alles mit mir seinen Anfang nahm. Mein kleines Paradies wo das kleine Mädchen zum ersten Mal das Licht des Tages entdeckte und so glücklich war.
Und dann waren da die Momene als Du mir zum ersten Mal aus Deiner Kindheit und Deinem erzählt hast. Deine Schwere Kindheit, Krieg, Hunger und Tot. Als Du in der Lehre geschlagen und schlecht behandelst wurdest.
Deine Schwere Kindheit und Jugend. Ich hätte noch soviel wissen wollen und doch redeten wir so wenig über vergangenes. Ich wollte noch soviel wissen über Mama und Dich und werde es jetzt nicht mehr erfahren. Doch die letzte Umarmung vergesse ich nie als dich vor kurzem gebeten habe Dich wieder umarmen und drücken zu dürfen. Eine Umarmung die Du mir geschenkt hast trotz Deiner Unsicherheit und der Angst in dieser Zeit.

Und so sitze ich hier und in meinem Kopf sind diese vielen Momente aus den vergangenen 50 Jahren. Momente voller Glück, Emotionen, Erlebnissen aber auch Streit, Wut und Ärger.
Und ich bin Dankbar, dankbar das Du mein Papa warst und trotzdem immer für mich da warst. Du der mir soviel beigebracht hat obwohl ich nie der Sohn war den Du Dir vorgestellt hast. Und so bitte ich Dich um Verzeihung für Dinge die Dich geärgert und belastet haben. Verzeihung dafür vielleicht so oft entäuscht zu haben. Verzeihung das Du jetzt nicht mehr den Sohn hast den Du Dir so gewünscht hast und vor 53 Jahren stolz meine Schwestern geweckt hast und gejubelt hast das Du jetzt endlich einen Sohn hast und meine Schwestern einen Bruder. Ich habe Dir nie gesagt das ich jetzt anders heiße und die Operation doch gemacht habe die Du nicht wolltest. Ich habe Dir das alles verheimlicht weil ich Dir die Entäuschung und den Verlust nicht antun wollte.
Und ich werde mein Versprechen einhalten weil Du mich gebeten hast mich bitte nie in Frauenkleidern zu sehen weil Du es nicht verstehst und damit umgehen kannst. Weil Du Dich immer vor anderen geschämt hast wegen mir. Dafür bin ich Dir nicht böse weil ich Dich liebe Papa. Und so werde ich Dich bei Deinem letzten Gang als Dein Sohn begleiten. Weil Ich weiß das Du Dir das gewünscht hättest. Als Dein Sohn Franz.

Und so durfte ich Vorgestern noch lange an Deinem Krankenhausbett sitzen. Deine Hand halten und leise flüstern. Ich weiß nicht ob Du mich noch gespürt oder wahrgenommen hast.
Ich hätte Dir so gern etwas von dem Schmerz und der Angst die Du wahrscheinlich hattest genommen. Danke Papa das ich diese letzten Momente noch mit dir gehen durfte, deine Hand spüren. Deine Hand lange festhalten und streicheln.
Und immer wieder diese Vielen Alarmsignale der unzähligen Maschinen. Das Geräusch dieser Beatmungsmaschine das mich seit zwei Tagen im Kopf begleitet.
Und trotzdem hast Du so friedlich vor mir gelegen...und hast geschlafen...
Und der Abschied? Ein Abschied denn ich nie wollte..ein Abschied der so schwer fiel.
Ich streichelte Dir noch einmal über Deine Hand und lange über Dein Gesicht. Deinen alten grauen Bart der mich immer so gestochen hat. Ich flüsterte Dir noch ins Ohr. Ich weiß nicht ob Du mich noch gehört hast als ich Dich an der Türe noch lange angeschaut habe und Dir noch mal Danke gesagt habe und Dir gewünscht habe:

Schlaf gut Papa, ich liebe Dich...
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Fen
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Re: Das erste Mal

Post 862 im Thema

Beitrag von Fen »

Liebe Céline,

Mir fehlen die Worte. Aber vielen Dank für Deinen berührenden Beitrag und und ich möchte Dir meine herzliche Anteilnahme aussprechen.Alles Gute für Dich in dieser schweren Zeit.
Liebe Grüße
Fen
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schau
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Re: Das erste Mal

Post 863 im Thema

Beitrag von Belinda »

Liebe Céline,

es ist schwer zu beschreiben, wie viel ich bei Deinen wunderschönen und so tief gehenden Worten empfunden habe. Wie wunderbar und voller Zärtlichkeit geschrieben.
Es sind diese Erinnerungen, die bleiben. Dinge, die man später noch genau so macht wie früher zu zweit, Empfindungen des Menschen, der gestorben ist, und die man irgendwann später auch bei sich selbst so feststellt. Oder einfach nur, wie bei mir, dass ich mit dem Rad teilweise den gleichen Weg fahre, den mein Vater 30 Jahre lang zur Arbeit genommen hat.
Auf so einem Stück Weg ist mein Vater dann wieder ganz nah bei mir, vielleicht sogar näher als zu Lebzeiten, als wir es beide nicht verstanden und vermocht haben uns zu nähern.
Auch ich fühle mich, wie du es geschrieben hast, schuldig, für so vieles aber vor allem dafür, zu wenig geredet zu haben.

Und doch bleibt so ein Stück Weg, dass wir gemeinsam, und doch nicht zusammen, mit dem Fahrrad fahren. Und Dir, liebe Céline, Dein wunderbares "Weißt Du noch?"

Es geht nicht nur darum, wie wir miteinander umgegangen sind, sondern auch darum wie wir voneinander scheiden.

Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und viele liebe Menschen die bei dir sind und Dir Trost spenden.

Liebe Grüße

Belinda
Tatjana_59
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Re: Das erste Mal

Post 864 im Thema

Beitrag von Tatjana_59 »

Liebe Céline, meine liebe Freundin, mir fehlen einfach die Worte.
Fühl dich umärmelt, ich bin bei dir.

Ganz ganz liebe Grüße Tatjana der die Tränen kullern.
Der Kopf denkt und gibt Rat.
Das Bauchgefühl gibt Rat.
Doch das Herz spricht, höre auf dein Herz!
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Re: Das erste Mal

Post 865 im Thema

Beitrag von Anne-Mette »

Liebe Céline,

loszulassen ist schwer; deine Erinnerungen sind aber wunderschön.
"Erhalte sie Dir", wollte ich fast sagen; aber du hast sie so schön, aufgeschrieben, dass sie nicht nur dir, sondern auch uns erhalten bleiben.
Danke dafür.

Meine Gedanken sind bei dir (dr)

Alles Liebe und Gute
Anne-Mette
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Re: Das erste Mal

Post 866 im Thema

Beitrag von Lana »

Liebe Celine,

danke für deine Worte, die mich ganz tief berührt haben, obwohl du sie nicht für mich geschrieben hast.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ein gutes Umfeld für die schwere Zeit.

LGL
Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt.
Blaise Pascal
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Re: Das erste Mal

Post 867 im Thema

Beitrag von Sarah_78 »

Hallo Céline,
sich von mir mein herzliches Beileid. Ich kann das nachvollziehen, es gibt Parallelen dazu als meine Mutter gestorben ist.
Die Tage kam bei mir auch wieder alles hoch, als die Mutter einer Arbeitskollegin gestorben ist. Ich hab einen schönen Text bekommen:
Lies mal; sooo schön!
🚂🚋🚋🚋🚋🚋🚋🚋
Der Zug des Lebens:

Das Leben ist wie eine Zugfahrt, mit all den Haltestellen, Umwegen und Unglücken. Wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken, dass sie immer mit uns reisen, aber an irgendeiner Haltestelle werden sie aussteigen und wir müssen unsere Reise ohne sie fortsetzen. Doch es werden viele Passagiere in den Zug steigen, unsere Geschwister, Cousins, Freunde, sogar die Liebe unseres Lebens. Viele werden aussteigen und eine große Leere hinterlassen. Bei anderen werden wir gar nicht merken, dass sie ausgestiegen sind. Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschied.
Der Erfolg besteht darin: Zu jedem eine gute Beziehung zu haben.
Das grosse Rätsel ist: Wir wissen nie an welcher Haltestelle wir aussteigen müssen.
Deshalb müssen wir leben, lieben, verzeihen und immer das Beste geben! Denn wenn der Moment gekommen ist, wo wir aussteigen müssen und unser Platz leer ist, sollen nur schöne Gedanken an uns bleiben und für immer im Zug des Lebens weiter reisen!!!
Ich wünsche dir, dass deine Reise, jeden Tag schöner wird, du immer Liebe, Gesundheit, Erfolg und Geld im Gepäck hast.
Vielen Dank, an all euch Passagiere, im Zug, meines Lebens!!!

Liebe Grüße
Sarah
Liebe Grüße Sarah
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Re: Der Tag vor dem ich Angst hatte....

Post 868 im Thema

Beitrag von Céline »

Zunächst vielen lieben Dank für Eure Zuschriften

Der heutige Tag....
Ja ...vor dem heutigen Tag hatte ich sehr große Angst.Angst vor dem das mich erwartet. Angst das ich zusamme breche.
Angst zu versagen. Angst mich lächerlich zu machen.

Aber in Wirklichkeit hatte ich so unendlich große Angst Abschied von meinem Vater zu nehmen. Angst vor der Urne zu stehen und mit voller Wucht die Gewissheit das ich ihn nie wieder sehen und umarmen darf.
Eine schreckliche Nacht voller Alpträume und ständigen Hochschrecken und Angst lag heute morgen hinter mir und ich stand auf als ob ich geistig nicht anwesend wäre....wie Nebel der vor mir liegt.
Ich duschte mich, rasierte mich und sah mich heute sehr lang im Spiegel an. Und seit langem wusste ich tatsächlich nicht wenn ich da im Spiegel sah. Ich sah schlecht, alt und faltig aus und konnte mich einfach nicht zuordnen.
Aber eines wusste ich heute. Das was mein Vater sich gewünscht hat werde ich heute tun. Er wünschte sich immer einen Sohn und war stolz auf mich und deshalb war mein Entschluss ihn auch auf diesen letzten Weg als sein Sohn zu begleiten fest.
Und ich würde lügen wenn ich behaupten würde es ist mir schwer gefallen mein altes Ich wieder aus dem Schrank zu holen und wieder diese "Rolle" als Er einzunehmen.

9:00 Uhr, ich stehe vor dem Spiegel in meiner alten Unterwäsche und nehme das Schwarze Hemd vom Bügel. Ich ziehe es an und streife mir die Krawatte über. Aber dieses Unbehagen und Hass auf diese Kleidungsstücke das ich früher hatte war weg. Ich zog mich fertig an und stand vor dem Spiegel und mein einziger Gedanke war das mein Vater so zufrieden wäre mich jetzt zu sehen.
9:30...ich ziehe meinen Schwarzen Mantel an und steig ins Auto um meine Schwester abzuholen. Es schmerzte so sehr meine Schwester so leiden zu sehen und an der Aussegnungshalle angekommen war seit langen wieder die ganze Familie vereinigt.
Vereinigt....aber wieder wegen eines solchen Ereignisses.
Dann die Urne zu sehen und die Gewissheit das das alles Realität war stieß mich in ein so schreckliches Loch voller Verzweiflung das ich mich zwingen musste nicht zusammen zu brechen. Wo soll man in einer solchen Situationen voller Verzweiflung und Trauer auch Halt finden?
Aber ich wollte stark bleiben und versuchte tief durchzuatmen und versuchte der Rede für meinen Vater zu folgen. Und im Kopf lief so vieles wie ein Film vorbei. Ein Film während ich mit verschwommenen Augen das Bild meines Vaters ansah.
Und etwas was ich mir fest vorgenommen habe. Etwas was meinenen Vater stolz gemacht hätte. Etwas das das letzte sein wird was ich für meinen Vater tun konnte. Er wusste nie das ich diese Operation gemacht habe und wusste nie das sein Sohn Franz nicht mehr existiert und er offiziell eine Tochter hatte. Und so durfte ich als letzten Dienst eine Rede für meinen Vater als sein Sohn halten. Ich überlegte lang ob ich dazu in der Lage wäre und ob ich das passende Schreiben konnte aber ich tat es.
Ich stand auf und ging zum Rednerpult und holte meinen Brief an meinen Vater raus und versuchte ruhig zu atmen.
Ich hatte Angst zu versagen und zu stottern aber dann stand ich da und lass meinen Brief vor und ich lass mehr vor als ich aufgeschrieben hatte. Und ich wusste mein Vater würde mich hören. Ich wusste er würde mir zuhören als ich mich für für Sorgen die ich ihm machte entschuldigte. Im um Verzeihung bat für Dinge die ihn belasteten. Ich bat ihn um Verständnis für das was er nicht verstand und bedankte mich für all die Dinge die er mir schenkte. Und ich dankte ihm für die Momente die ich mit ihm noch verbringen durfte.

Ich bin dankbar das ich das noch tun durfte und weiß jetzt das ich das gebraucht habe. Und obwohl ich im Anschluss all die Stärke fallen lassen durfte und meinen Gefühlen freien Lauf lassen durfte bin ich froh diesen Tag so erleben zu dürfen.
Die Trauer wird mich noch lange begleiten....
Aber all die Erinnerungen die ich täglich habe lassen mich oft lächeln über die vielen Erlebnisse meines bisherigen Lebens.
Erinnerungen als wir zusammen lachten oder still nebeneinander saßen und es nur genossen zusammen zu sein.
Danke Papa, ich liebe Dich und werde Dich nie vergessen

Céline
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Frieda
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Re: Der Tag vor dem ich Angst hatte....

Post 869 im Thema

Beitrag von Frieda »

Céline hat geschrieben: Mi 24. Nov 2021, 23:09 Wo soll man in einer solchen Situationen voller Verzweiflung und Trauer auch Halt finden?
Nur in Liebe, Akzeptanz und Zuversicht❣️.. Egal in welchem Alter man diesen Weg gehen muss.

Namaste 🙏
•Liebe & Mitgefühl sind die höchsten Formen von Intelligenz.
•Du musst selbst zu der Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst. Mahatma Gandhi
•Irgendwo ist Jemand glücklich mit weniger als du hast!

*Wer mag, ich bin gerne da mit 💖,👂und📝*
Engelchen
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Re: Das erste Mal

Post 870 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Liebe Céline,

ich weiß nicht was ich schreiben soll, es fällt mir immer so schwer.
Mein tief empfundenes Beileid und vollen Respekt für das was du deinem Vater auf den letzten Weg mitgegeben hast.
Ich hoffe du kannst deine Trauer gut verarbeiten - ich bin für dich da wenn du mich brauchst.

Liebe Grüße

Lisa
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