eigentlich bin ich eher zu hause hinter verschlossenen türen die teilzeitfrau, die sich vor allem dort abends und meist nur in den wintermonaten in damenbekleidung stürzt. es gab aber immer auch einen anreiz, ein gewisses kribbeln mal nach draussen zu gehen.
erst vor kurzem habe ich damit angefangen, bin abends in der dunkelheit auf einsamen feldwegen gegangen, wo mir höchstens ein paar jogger und radfahrer begegneten. dann hatte es sich gesteigert, ich war tagsüber auf feldwegen unterwegs. auch da begegneten mir nur ein paar jogger. und da war ein mann mit einem hund, wobei der hund sich länger bei mir aufhielt. ich sass gerade auf der bank. der mann warf mir ein freundliches hallo zu und hätte wahrscheinlich nichts gegen eine kleine plauderei gehabt. sorry, soweit reichte mein selbstvertrauen nicht, dass ich mich darauf hätte einlassen können. die situation fand ich ein bisschen peinlich. ich machte mir gedanken darüber, dass ich ja auch als mann bei einem spaziergang in wäldern und feldern öfter von entgegenkommenden gegrüsst und manchmal, wenn auch sehr selten, in ein kleines gespräch verwickelt werde. wie kann man das vermeiden?
viele beschreiben ihre ersten outdoor-erfahrungen bei einem spaziergang in der stadt. gut, da begegnen einem viele leute, aber man hat kaum die gefahr direkt angesprochen zu werden. so hab ich mich dann in die fussgängerzone einer kleinstadt getraut. es kamen mir einige leute entgegen. ich musste mir immer wieder bewusst werden, dass es ein fehler ist, wenn es im kopf nur so rattert: "ich bin mann, nur als frau verkleidet. hoffentlich erkennt mich keiner." diese verdammte unsicherheit führt wohl noch am ehesten dazu, dass man auffällt, besonders wenn man auf der suche nach reaktionen den entgegenkommenden in die gesichter glotzt. gut, ich dachte mir, dass ich auch als mann nicht jeden anschaue, der mir über den weg läuft. so hab ich mich ein bisschen dazu gezwungen, an manchen leuten vorbei zu schauen. oder ich blieb stehen und kettete meinen blick an die schaufensterauslagen. dann umtrieben mich wieder andere gedanken: das rätselraten darum, die denn nun andere reagieren. also schaute ich klammheimlich in einige gesichter. aber ich stellte fest, dass diese leute mich gar nicht zur kenntnis nahmen und an mir vorbei blickten.
was will ich denn eigentlich genau? einerseits nicht auffallen, genauso wenig wie ich als mann auffalle. andererseits aber doch reaktionen wahrnehmen. wenn ich als mann unterwegs bin, stelle ich mein eigenes geschlecht nicht in frage, dann geht es um reaktionen der art, dass ich mit einer entgegenkommenden frau ein lächeln oder auch nur einen freundlichen blick tausche. wenn ich als frau gehe, geraten eventuelle reaktionen gleich in die interpretative ebene, dass ich mich dann frage, ob ich als mann erkannt werde.
eigentlich ist mein traum, mein geschlecht wechseln zu können, mal als mann, mal als frau unterwegs zu sein und für mein empfinden von anderen immer dem geschlecht zugeordnet zu werden, dass ich gerade repräsentiere. dazu muss ich dann mehr selbstsicherheit aufbauen, muss das geschlecht, welches ich präsentiere, auch nach aussen ausstrahlen. wenn ich als mann gehe, ist der gedanke da, dass ich schon seit meiner geburt mann bin. gehe ich als frau, dann ... naja, der gleiche gedanke müsste sich auch dort breit machen, eben dass ich schon immer frau gewesen bin. es geht nicht darum, den blicken anderer zu entnehmen, dass ich als frau schön und attraktiv bin, aber der gedanke, die erwartung ist wohl ein bisschen da, obwohl ich sicherlich keine schöne frau bin. als mann denke ich auch nicht so, dass ich da als schön und attraktiv wahrgenommen werden möchte.
naja, ich wollte einfach nur mal ein paar ergüsse zu gedanken und empfindungen bei den ersten outdoor-erfahrungen zusammenschreiben ...
lg martina
outdoor
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Bianca D.
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Re: outdoor
Moin Martina,
Du schreibst am Ende deines Indoor Themas,daß du dir in der Kleiderfrage nicht mehr soviel Gedanken machst,es zur Normalität geworden ist und es als Bereicherung siehst.Genau das wird
auch passieren,wenn du deine Outdoorausflüge häufiger oder täglich unternimmst.Am Anfang meiner Transition ging es mir genauso,immer auf der Hut,wer guckt,merkt wer was usw...
Und ja,durch meine nicht vorhandene Perücke hat so mancher wohl gedacht: Da kommt ein Mann in Frauenklamotten.Ich habe versucht,mich trotz der Unzulänglichkeiten so natürlich wie möglich
zu geben und das war wohl mein Erfolgsgeheimnis.Die Leute,mit denen ich z.B. beim Einkaufen in Kontakt kam,benamen sich völlig normal,ein Lächeln hier wie dort und alles war gut!Negative Reaktionen habe ich bis heute nicht erlebt,einzig ein vom Vakuum im Hirn beherrschter Türsteher einer Disco meinte,mir den Zutritt verwehren zu müssen.
Heute ist das alles zur Normalität geworden,geht als TS wohl auch schneller als bei Dir,da ich ja nicht mehr umswitchen muß in meine alte Männerrolle.Ich wünsch dir weiterhin viele schöne Ausflüge,wirst sehen,die Routine bringt dir auch die Selbstverständlichkeit,wie du sie zu Hause schon erlebst.
Gruß Bianca
Du schreibst am Ende deines Indoor Themas,daß du dir in der Kleiderfrage nicht mehr soviel Gedanken machst,es zur Normalität geworden ist und es als Bereicherung siehst.Genau das wird
auch passieren,wenn du deine Outdoorausflüge häufiger oder täglich unternimmst.Am Anfang meiner Transition ging es mir genauso,immer auf der Hut,wer guckt,merkt wer was usw...
Und ja,durch meine nicht vorhandene Perücke hat so mancher wohl gedacht: Da kommt ein Mann in Frauenklamotten.Ich habe versucht,mich trotz der Unzulänglichkeiten so natürlich wie möglich
zu geben und das war wohl mein Erfolgsgeheimnis.Die Leute,mit denen ich z.B. beim Einkaufen in Kontakt kam,benamen sich völlig normal,ein Lächeln hier wie dort und alles war gut!Negative Reaktionen habe ich bis heute nicht erlebt,einzig ein vom Vakuum im Hirn beherrschter Türsteher einer Disco meinte,mir den Zutritt verwehren zu müssen.
Heute ist das alles zur Normalität geworden,geht als TS wohl auch schneller als bei Dir,da ich ja nicht mehr umswitchen muß in meine alte Männerrolle.Ich wünsch dir weiterhin viele schöne Ausflüge,wirst sehen,die Routine bringt dir auch die Selbstverständlichkeit,wie du sie zu Hause schon erlebst.
Gruß Bianca
Ick wees nüscht,kann nüscht,hab aba jede Menge Potenzial