Nicole Fritz hat geschrieben: Di 4. Mai 2021, 23:58
Also ich glaube, es reicht jetzt. Man kann sich irgendwie auch lächerlich machen.
In der Tat. Zum Beispiel dadurch, das System entweder nicht verstanden zu haben, oder aber es bewusst lächerlich machen zu wollen.
1. Geht es bei genderinklusiver Sprache - also den Formen mit *, :, "¢, ' - immer um Fälle, in denen das Gender der betreffenden Personen (oder fiktiver Figuren) nicht bekannt ist, nicht relevant ist oder bewusst offen gelassen wird. (Ein völlig anderer Fall sind explizit nicht-binäre Personen/Figuren, die nicht genderinklusiv werden, sondern mit eigenen, nicht-binären Formen.)
2. Ist die sogenannte Beidnennung, egal ob mit "/" oder "*", denn das ist da oben eine solche, keine neutrale oder gendergerechte Schreibung, da a) nur binär und b) darin eine gewisse Nachrangigkeit eines Genders steckt. Bär/in, Leser/in: "in", das Anhängsel, die vernachlässigbare Abweichung vom "männlichen Normal".
Mit "*" geschrieben müsste es also so aussehen:
Allein im Wald lebt ein*e Bär*in
der*die mehr als Bär*in gerne wär,
ein*e Erdbär*in oder Stachelbär*in,
ein*e Himbär*in, Brombär*in, Heidelbär*in,
....
ein Tanzbär oder gar Transbär*in,
....
Und mit der letzten Zeile gewinnt es sogar eine interessante Zusatzbedeutung.
Da steht bewusst
Tanzbär weil offenbar hier das Geschlecht, bzw in diesem Fall sogar das Gender - weil Fabelfigur - gezielt angesprochen werden soll.
Wenn d* Autor*in möchte, könnte es auch eine Tanzbärin sein, die gerne Tanzbär*in wäre.
Generell ist es aber schon ein eher flache Provokation durch bewusste Missachtung selbst der grundlegendsten Gedanken, wenn Lyrik ohne Not derart geschrieben wird, und nicht zum Beispiel anders genderfrei. Wenn sie denn überhaupt entgendert sein soll. Bisher wurde nämlich nirgendwo gefordert, dass Lyrik oder Prosa überhaupt genderinklusiv oder -neutral zu schreiben. Erstens, weil Sprachkunst Teil der Literatur ist. Es reicht ja nicht, einfach etwas zu schreiben. Höchstens für Gebrauchsanweisungen. Literatur bedeutet auch von kunstvolle und reflektierte Sprache. Das hebt sie ab von simplen Ge- und Verbrauchstexten. Zweitens sind fast alle literarischen Figuren weder genderneutral, noch abinär. Was schade ist. Mehr selbstverständlich abinäre Charaktere, die auch in der Schriftsprache entsprechend abgebildet werden, wären toll. Eine wunderbare Herausforderung an Autorys, das kunstvoll und ästhetisch zu schreiben.
Während andere nicht mal eine witzige Polemik hinbekommen.