Die Grenze zwischen CD und TS?
Die Grenze zwischen CD und TS? - # 4

Lebensplanung, Standorte
Wally
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 701
Registriert: Fr 7. Sep 2018, 23:37
Geschlecht: Transfrau
Pronomen: Sie
Wohnort (Name): Hurlach
Hat sich bedankt: 17 Mal
Danksagung erhalten: 191 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 46 im Thema

Beitrag von Wally »

Liebe Carry-C,

Hier war bisher viel von Grenzen und Schubladen die Rede, von Geschlechterbildern und der Unmöglichkeit, all die vielfältigenen Nuancen und Facetten eben in einer "Schublade" unterzubringen. Das ist schon alles richtig und wahr; aber unter diesen Aussagen zerfasert und verschwimmt das Thema auch, es versickert im Ungefähren und Unverbindlichen. Eine wirkliche, zweifelsfreie Antwort auf Deine Frage wirst Du so schwerlich bekommen.

Ich habe die Frage für mich selber ganz pragmatisch beantwortet: da Crossdressing für mich nicht ausgereicht hat, weil ich körperliche (hormonelle und chirurgische) Änderungen BRAUCHTE, um endlich ein zufriedenstellendes, ausgefülltes Leben zu erreichen (was ich mit diesen Änderungen dann auch erreicht habe), bin ich transsexuell. Hätte ich das auch ohne körperliche Veränderungen, nur mit Crossdressing - und sei es 24/7 - erreichen können, dann wäre ich ein Crossdresser. Bezüglich Deiner Frage ist das freilich ein Zirkelschluss: es setzt voraus, dass Du Die Antwort ("brauche ich körperliche Veränderung?") für Dich selber schon weißt. Hilft Dir also auch nicht so recht weiter...

Das Zentrale beim Thema "Geschlecht" war bei mir trotzdem nie der Körper, sondern die soziale Interaktion und die Frage, wie ich mich bei diesen Interaktionen fühle. Würde ich ganz allein auf dieser Welt leben, gänzlich ohne menschliche Kontakte, dann wäre es für mich ziemlich schnurz, ob ich einen männlichen oder weiblichen Körper habe - aus rein praktischen Gründen würde ich dann wohl sogar den männlichen bevorzugen. Ist ja manchmal schon ganz praktisch, größer zu sein, mehr Kraft zu haben und schneller rennen zu können... Bedeutung erlangt das Geschlecht überhaupt erst in der Interaktion mit anderen, ebenfalls geschlechtlichen Menschen: Wie wirke ich da auf Andere? Welche Folgen hat das für die Interaktion - und wie fühle ich mich damit, geht's mir damit gut oder schlecht? Ich mußte erst mal erkennen (und es jahrzehntelang erleben, um es zu erkennen), dass es mir in Interaktionen mit anderen Menschen um so schlechter ging, je mehr mein männlicher Körper diese Interaktionen prägte - und um so besser, je mehr ich meine psychisch weibliche Seite zur Geltung bringen und die männliche beiseite drängen konnte.

Nun ist das mit "die weibliche Seite leben" als körperlicher Mann nicht so einfach: eben weil ich das nicht einfach für mich allein tun kann. Es geschieht und erlangt seine Bedeutung überhaupt erst in der Interaktion, da gehört also mindestens ein zweiter Mensch dazu (am besten viele), der mir in der Interaktion mein Geschlecht spiegelt und bestätigt. Das heimliche Crossdressing im stillen Kämmerlein blieb für mich - bei aller euphorischen Anregung der sexuellen Fantasie - am Ende immer etwas schal, trist und steril, es fehlte dabei die eigentliche Substanz: mich so offen anderen Menschen zu zeigen und damit auf sie zu wirken, d. h. eben auch die Interaktion durch mein Äußeres entsprechend zu prägen.

Andererseits mußte ich sehr lange Zeit die Erfahrung machen, dass mein Crossdressing - wenn ich es mal offen vor anderen Menschen wagte - zwar wohl eine Wirkung auf die Interaktionen entfaltete - aber nicht die gewünschte! Ich wurde dann nämlich nicht als Frau gesehen und behandelt, sondern bloß als "verkleideter" Mann; das Crossdressing an sich wurde auch nicht als Ausdruck meiner psychischen Weiblichkeit interpretiert, sondern als eine "perverse" Variante männlicher Sexualität. Kurz: das nützte mir nix, es beschädigte nur meinen sozialen Status. Man kann die Leute zwar wohl zwingen (und konnte es auch damals schon), einen als Frau anzureden; aber einen auch als Frau zu sehen und zu empfinden und die Interaktionen mit diesem Menschen in all ihren feinen Nuancen danach einzurichten, die dann tagtäglich das Lebensgefühl prägen - das kann man nicht erzwingen. Deshalb blieb ich mein halbes Leben lang der unglückliche, gefrustete Crossdresser im stillen Kämmerlein: besser als garnix, aber es stillte doch nie die Sehnsucht... Im Grunde war es wie Träumen.

Im Lauf der Jahrzehnte lernte ich allmählich, dass es auch andere Formen gibt, in denen man Weiblichkeit leben kann. Bei mir war es z.B. das Bersteigen, bzw. Trekkingtouren im Gebirge: ein, zwei Wochen mit Zelt, Schlafsack und Proviant unterwegs im Hochgebirge, weit abseits jeglicher Zivilisation. Man kann das auf zweierlei Art angehen: auf die männliche (ambitioniert, an Gipfeln und Wettbewerb orientiert, wer ist als erster droben?, Grenzen ausweiten, sich bewähren und beweisen) - oder auf eine eher weibliche Art: unspektakulär, beschaulich, meditativ, "der Weg ist das Ziel". Ich habe für mich die letztere Variante immer bevorzugt, habe die Erfahrung gemacht, dass ich unter Männern damit die Ausnahme bin, und habe mir für meine selbstgeplanten Touren dann konsequent Frauen als Begleiter gesucht: mit denen funktioniert diese Art Trekkingtour einfach besser als mit Männern, es entspricht mehr ihrer Natur.

Teils auch aus diesen "weiblichen" Urlauben ergaben sich Freundschaften, die für mich entscheidend wichtig wurden: Frauenfreundschaften, auch ganz abseits sexueller Ambitionen. Auch das gehörte zu den Dingen, die ich erst erleben mußte, um sie zu verstehen: wie wichtig für mich Frauenfreundschaften sind, und dass mir Männerfreundschaften nie das geben konnten, was ich wirklich brauchte.

Ganz kompliziert wurde es für mich mit der intimen Partnerbeziehung; diese Probleme lieferten dann freilich auch den Schlüssel für die Lösung und haben mich schließlich auf den transsexuellen Weg gebracht. Nach einer grandios schief gegangenen, ersten Ehe begab ich mich in Psychotherapie - und wurde mir meiner "weiblichen Seite" erst so richtig bewußt; ich lernte Stück für Stück, damit anstatt dagegen zu leben. Bei sich anbahnenden Partnerschaften war ich ab diesem Zeitpunkt konsequent und von Anfang an offen bezüglich meiner Veranlagung (ich sah mich damals schon als "transsexuell"). Wiederum mußte ich aber die Erfahrung machen, dass meine verbalen Geständnisse und Willensäußerungen nicht gegen die Ausstrahlung meines Körpers ankamen, sobald ich mit der Frau nackt im Bett lag: die empfanden mich dann ungebrochen als "Mann" - und konfrontierten mich immer wieder mit der geschlechtlichen Rollenerwartung, mit der ich gerade beim Sex am allerwenigsten zurecht kam. Das war der Punkt, an dem ich mich zur Veränderung meines Körpers entschloss: erst Hormone, dann chirurgischer Brustaufbau (unten habe ich's gelassen, wie es war: für den Sex als Frau mit einer Frau war und ist das Anhängsel so oder so bedeutungslos).

Die Veränderung erwies sich bei mir als richtig und notwendig: ich kann seitdem meinen eigenen Körper besser akzeptieren, fühle mich wohler, weil "vollständiger". Vor allem aber wurden mir damit wirklich befriedigende, erfüllende Intimpartnerschaften überhaupt erst möglich: an dem Busen kommt im Bett keine Frau mehr vorbei, da strahlt mein Körper nun endlich wenigstens teilweise das aus, was ich psychisch bin. Strikt heterosexuell veranlagte Frauen, denen ich den Macker machen soll, ziehen da automatisch Leine - Gottseidank! Mit den (natürlich schon sehr viel selteneren) Frauen, die damit umgehen können, hat es seitdem dann auch im Bett gestimmt, und seit 2007 bin ich glücklich verheiratet.

Inzwischen bin ich RentnerIn und kleide mich durchgehend weiblich - obwohl ich damit leider nach wie vor nicht das überzeugende "Passing" als Frau erzielen kann. Da spielt aber jetzt das in Jahrzehnten allmählich gewachsene Selbstbewußtsein als Frau eine entscheidende Rolle: ich weiß einfach für mich selber, dass ich überwiegend weiblich bin, und ich kriege das von meiner lieben Frau seit vielen Jahren auch immer wieder gespiegelt. Mit diesem Selbstbewußtsein macht es einfach einen Riesen-Spaß, ganz frischfröhlich in der Öffentlichkeit in Weiberklamotten herumzulaufen. Ich bin nicht mehr auf das "Passing" angewiesen: wo Leute mich aufgrund meines Äußeren weiblich "lesen", freue ich mich darüber - wo nicht, ist es schnurz, da stehe ich drüber, es verunsichert mich nicht mehr. Überhaupt ist dieses weibliche Selbstbewußtsein wohl letztlich der Hauptschlüssel zur Lösung der ganzen Problematik: nur leider kann man das nicht auf die Schnelle lernen, das muß langsam und organisch wachsen. Bewußt und gezielt (und mit ein bißchen Glück - vor allem bei der Partnerschaft) kann man allenfalls die Voraussetzungen schaffen, unter denen das weibliche Selbstbewußtsein wachsen kann. Ob das - wie bei mir - ein transsexueller Weg sein muß, oder ob dazu einfaches Crossdressing genügt, das kann man wohl nur individuell per Versuch/Irrtum herausfinden.

Herzliche Grüße
Wally
Herzliche Grüße
Wally
Martina-NB
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 214
Registriert: Fr 12. Feb 2021, 10:02
Geschlecht: sie
Pronomen:
Wohnort (Name): Vaterstetten
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 47 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Wally hat geschrieben: Do 15. Apr 2021, 01:25 bin ich transsexuell. Hätte ich das auch ohne körperliche Veränderungen, nur mit Crossdressing - und sei es 24/7 - erreichen können, dann wäre ich ein Crossdresser.
Wenn Du das für Dich so siehst, ok.

Generell möchte ich da aber widersprechen. Glücklicherweise sind wir in dieser Gesellschaft auch rechtlich schon weiter. Eine medizinische Veränderung (egal ob HT und/oder OP) ist sogar juristisch nicht mehr notwendig, um das Geschlecht zu wechseln.
Aber irgendwie sind wir an der Stelle doch wieder in Begrifflichkeiten gefangen. Es gibt (viele) Leute, die sagen, ein TS ist nur dann ein "echter" TS mit GOP. Was in meinen Augen ziemlich abwertend gegenüber denen ist, die aus welchen Gründen auch immer keine HT/GOP wollen. (Tatsächlich habe ich oft den Eindruck, dass generell in der queeren Szene die Toleranz wenig ausgeprägt ist, was ich sehr schade finde.)


Zu der Ausgangfrage:
Eigentlich kann es keine Grenze zwischen CD und TS geben, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Einmal geht es um Kleidung, das andere mal um das Geschlecht.
Schauen wir und doch um: Während trans Frauen oft (aber natürlich nicht immer) sich betont weiblich kleiden, gehen die meisten cis Frauen im Alltag mit Pulli, Jeans und Sneakers auf die Straße. (Zumindest in der kühleren Jahreszeit.)
Ich selbst verorte mich ja eher im non-binary Bereich, aber mit ziemlich starken Frau-Gefühl. Wobei das weitgehend (zugegeben, nicht ganz) unabhängig davon ist, ob ich Jeans oder Leggings oder Hotpants trage. (Röcke und Kleider sind so und so nicht meins.)
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1209
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 90 Mal
Danksagung erhalten: 109 Mal
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 48 im Thema

Beitrag von Helga »

Martina-NB hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 18:08 Eigentlich kann es keine Grenze zwischen CD und TS geben, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Einmal geht es um Kleidung, das andere mal um das Geschlecht.
Hallo Martina,
Sorry, aber so einfache Erklärungen gibt es im Genderkosmos nicht. Leider neigen auch (und gerade) Fachmenschen, die sich das Leben leicht machen wollen zu ähnlichen Definitionen. Es geht nicht nur um die Kleidung. Die Kleidung ist lediglich das äußere Abbild eines tief im Inneren sitzenden Bedürfnisses. In weiblicher Kleidung fühle ich mich auch weiblich. Je mehr weibliche Attribute ich anlege und je länger ich diese trage, umso strärker wird das Gefühl der Weiblichkeit. Auch Crossdressing ist ein Ausdruck eines (vielleicht nur temporären) Geschlechtsempfindens.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Regenbogenfisch
Beiträge: 47
Registriert: Mo 22. Sep 2014, 10:38
Geschlecht: m/w
Pronomen:
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 49 im Thema

Beitrag von Regenbogenfisch »

Helga hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 20:58
Martina-NB hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 18:08 Eigentlich kann es keine Grenze zwischen CD und TS geben, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Einmal geht es um Kleidung, das andere mal um das Geschlecht.
Hallo Martina,
Sorry, aber so einfache Erklärungen gibt es im Genderkosmos nicht. Leider neigen auch (und gerade) Fachmenschen, die sich das Leben leicht machen wollen zu ähnlichen Definitionen. Es geht nicht nur um die Kleidung. Die Kleidung ist lediglich das äußere Abbild eines tief im Inneren sitzenden Bedürfnisses. In weiblicher Kleidung fühle ich mich auch weiblich. Je mehr weibliche Attribute ich anlege und je länger ich diese trage, umso strärker wird das Gefühl der Weiblichkeit. Auch Crossdressing ist ein Ausdruck eines (vielleicht nur temporären) Geschlechtsempfindens.
Liebe Grüße
Helga

Das sehe ich auch so. Das Äußere bestätigt und verstärkt das, was im Inneren vorhanden ist.
Mirjam
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1419
Registriert: Do 11. Mai 2017, 12:34
Geschlecht: Ökotante
Pronomen:
Wohnort (Name): Köln
Forum-Galerie: gallery/album/413
Hat sich bedankt: 62 Mal
Danksagung erhalten: 3 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 50 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Hallo Helga, hallo Rest der Welt )))(:
Helga hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 20:58 In weiblicher Kleidung fühle ich mich auch weiblich. Je mehr weibliche Attribute ich anlege und je länger ich diese trage, umso strärker wird das Gefühl der Weiblichkeit.
Das ist bei mir anders, ich brauche keine weibliche Kleidung, um mich weiblich zu fühlen, das würde ich auch im Blaumann (wenn ich denn einen hätte ... :D ). Vielleicht könnte das ja ein Unterschied zwischen CD und TS sein? Aber die Grenzen sind wohl ohnehin fließend.

LG, Mirjam :()b
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1209
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 90 Mal
Danksagung erhalten: 109 Mal
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 51 im Thema

Beitrag von Helga »

Hallo Allerseits,
Post Nr. 52 und noch immer nicht einmal im Ansatz eine Antwort auf eine Frage, die mitunter existentielle Bedeutung haben kann.
Vielleicht liegt es an den Begriffen selbst?
Was bedeutet Crossdresser? Crossdresser ist die englische Übersetzung des lateinischen Ausdrucks "Transvestit" trans- = über, hinüber, jenseits, -vestit = 3. Person Präsens von vestire, bekleiden, schmücken. Eine brauchbare deutsche Übersetzung lässt sich aus diesen Begriffen nicht herstellen. Der Ausdruck "Überbekleidete" würde vermutlich zu völligem Unverständnis führen. In älterer Literatur aus der Mitte des 20. Jahrhunderts findet sich gelegentlich der Ausdruck "Damenimitator". Auch diesen sollte mensch einmal gelesen haben und dann sehr schnell wieder vergessen.
"Transvestit" ist noch immer negativ besetzt und klingt nach Fetisch und Schmuddelecke. Die Abkürzung "Transe" wird sogar als Schimpfwort genutzt. Diesen Stiletto möchte sich niemand freiwillig anziehen.
Also lieber transsexuell?
Nach Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexu ... geschichte) wurde der Begriff das erste mal vor fast 120 Jahren von Otto Weininger verwendet, dann 1923 von Magnus Hirschfeld bis schließlich Harry Benjamin Mitte der 1960 Jahre die noch heute gültige Definition erstellte. Alles Persönlichkeiten, die sich in der Genderforschung sehr verdient gemacht haben.
Aber diese kurze Aufzählung zeigt ein Problem auf:
Auch wenn bei diesen drei Persönlichkeiten nicht ganz klar ist, ob sie vielleicht auch irgendwie "transX" waren, stammen sie aus einer Zeit mit streng binärem Weltbild. Erziehung, Sozialisierung, Studium..., es gab (abgesehen von körperlichen "Mißbildungen") genau zwei Geschlechter. Aus diesem Weltbild heraus beobachteten sie das Phänomen, dass einige Individuen nicht in dieses binäre Weltbild hineinpassten. Um sich dieses Phänomen zu erklären beschrieben sie die Eigenschaft der Transsexualität. Sehr verkürzt dargestellt: Wer nicht Mann sein will, muss halt Frau sein! Damit passte das Individuum auch wieder in das binäre Weltbild.
Über die Definitionen von Harry Benjamin sind mittlerweile fast 60 Jahre ins Land gegangen. Wir würden niemals nach einer DIN- Norm von 1966 ein Haus bauen, lassen uns aber nach derart alten Definitionen diagnostizieren. Die Forschung ist 2021 sehr viel weiter. Auch wenn die Mainstream- Gesellschaft noch immer dem binären System nachhängt ist mittlerweile zumindest in der Fachwelt anerkannt, dass sich die Geschlechtlichkeit sowohl auf körperlicher, als auch auf seelischer Ebene in einem sehr viel größeren Spektrum abspielt als nur bei "Mann" oder "Frau". Wenn jetzt aber das Ursprungsgeschlecht eines Individuums nicht klar ist, wo ist dann sein Gegen(=trans)geschlecht? Möglicherweise gibt es die Transsexualität in der Form eines klaren "Gegenübers" gar nicht.
In der ICD 11 (der kommenden Version der Klassifizierung von Krankheiten und gesundheitlichen Einschränkungen) wird der Begriff "Transsexualität" nicht mehr auftauchen. Stattdessen wird die "geschlechtliche Inkongruenz" beschrieben.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 52 im Thema

Beitrag von Patricia »

Hallo Helga,
irgendwie verstehe ich niocht so richtig was du mit deinem Beitrag sagen möchtest :)

Der ICD 11 definiert das was heute unter Transsexualität verstanden wird als:

Gender Incongruence of Adolescence and Adulthood is characterised by a marked and persistent incongruence between an individual's experienced gender and the assigned sex, which often leads to a desire to "˜transition"™, in order to live and be accepted as a person of the experienced gender, through hormonal treatment, surgery or other health care services to make the individual's body align, as much as desired and to the extent possible, with the experienced gender. The diagnosis cannot be assigned prior the onset of puberty. Gender variant behaviour and preferences alone are not a basis for assigning the diagnosis.


Demnach fallen Crossdresser oder Transvestiten meiner Meinung nach nicht unter diese Definition, denn es fehlt das deutliche und permanente Gefühl im falschen Geschlecht zu sein und oft auch eben der Wunsch nach körperlicher Angleichung. Es fehlt da einfach die Diskrepanz zwischen Körper und Seele welche bei transsexuellen Menschen vorhanden ist. Das bloße Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung hingegen würde ich als geschlechtsvarinates Verhalten ansehen welches eben nicht alleine ausreichend ist.
Und das ist auch nicht schlimm, im Gegenteil, ich finde es gut wenn jemand zu Crosdressing steht und damit ganz offen umgeht. Manchmal wünschte ich, mir wäre es auch so ergangen und es hätte meinen Leidensdruck mindern können.

LG
Patricia
Lebe dein Leben, denn du hast nur das eine!!!
Martina-NB
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 214
Registriert: Fr 12. Feb 2021, 10:02
Geschlecht: sie
Pronomen:
Wohnort (Name): Vaterstetten
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 53 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Regenbogenfisch hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 21:35 Das sehe ich auch so. Das Äußere bestätigt und verstärkt das, was im Inneren vorhanden ist.
Das ist ja kein Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe.
Wenn es im inneren vorhanden ist, dann ist es transgender. (In welcher genauen Ausprägung - sofern man das wirklich differenzieren will - wäre dann noch die andere Frage. Dass dann Kleidung mehr oder weniger dazu gehört, ist logisch.
ExUserIn-2026-04-08
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 3885
Registriert: Do 20. Nov 2014, 15:59
Pronomen:
Hat sich bedankt: 140 Mal
Danksagung erhalten: 1027 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 54 im Thema

Beitrag von ExUserIn-2026-04-08 »

Moin,

es wurde der Begriff "Genderkosmos" genannt. Mir gefällt der Begriff, denn er verweist auf das Problem, dass wir mit der Begriffsbestimmung haben. Es wird nach dem einen Kriterium gesucgt, dass den Unterschied macht. Aus meiner Sicht ist eine eindimensionale Sichtweise aber nicht zielführend. das Thema hat so viele Facetten, wie es Menschen gibt. Was bedeutet den "Kleidung des anderen geschlechts tragend" ? Auf welches Geschlecht bezieht man sich da ? Das körperliche oder das gefühlte ? Dazu kommt, dass es Menschen gibt, die sich in beiden oder in keinem Geschlecht wohl fühlen.

Macht es mich zur Frau, weil ich denke, ich wäre eine oder ich fühlte wie eine ? Für mich ist das das eigentliche Thema und nicht, was jemand mit weiblicher Kleidung lebt und ausdrückt. Jeder versteht unter männlich und weiblich etwas anderes. Es gibt keine tragfähigen allgemeingültige Definitionen. Somit ist das Thema, welches Geschlecht man Kleidung man trägt, fast schon obsolet, wenn die damit verbundene Kommunikation nicht so wichtig wäre. Ein Kleidunsstück ist per se ohne geschlechtliche Bedeutung. Es sind wir Menschen, die dem eine Bedeutung beimessen.

Ist es wirklich wichtig, einen Unterschied im Grund zu suchen, weshalb ich einen BH etc. trage ? Wenn ja, warum ? Ich trage ihn, weil ich ihn tragen will. Er drückt für mich meine Weiblichkeit aus, die ich verspüre, aber ich finde es auch schön und manchmal finde ich es auch erotisch. Was bin ich nun ? TS oder CD ? Für alles finden sich Gründe. Aber das hängt vor allem daran, was jeder selber in mir sehen will. das nimmt meine Frau anders wahr als Menschen auf der Straße. Warum soll ich mich anderen erklären wollen ? Sie erklären mir ja auch nicht, wie sie "gepolt" sind. Und wenn ich sehr persönliche gespräche führe, dann sicher nicht mit Vokabeln wie CD oder TS. Da geht es um meine Stimmungslage und die braucht ein einige Wörter mehr.
Viele Grüße
Vicky

Respekt ist nicht teilbar.
Martina-NB
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 214
Registriert: Fr 12. Feb 2021, 10:02
Geschlecht: sie
Pronomen:
Wohnort (Name): Vaterstetten
Hat sich bedankt: 28 Mal
Danksagung erhalten: 35 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 55 im Thema

Beitrag von Martina-NB »

Mirjam hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 21:38 Das ist bei mir anders, ich brauche keine weibliche Kleidung, um mich weiblich zu fühlen,
Das sehe ich eigentlich auch so.
Ich bin das was ich bin, und zwar 24h an 365 Tagen im Jahr. (Und ja es gibt auch mal Zweifel, was ich wirklich bin. Aber das ist eine ganz andere Sache.)
Und natürlich fühlt es sich gut an, das "Äußere" (also Kleidung....) an das Innere anzupassen. Und wohl auch jede bio Frau empfindet eine Lust dabei, sich ab und an "heraus zu putzen". - Aber mit meiner eigentlichen Identität hat das doch nichts zu tun.

Was anderes sind die Menschen, die sich über ihre eigenen Identität noch nicht im Klaren sind. Da probiert man halt dieses oder jenes. Und je nachdem, wie man sich dabei fühlt, könnte das ein Hinweis auf die "wahre" Identität sein.
Aria
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1473
Registriert: Do 14. Jun 2012, 20:56
Geschlecht: weiblich
Pronomen: sie
Wohnort (Name): Frankfurt am Meer
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 56 im Thema

Beitrag von Aria »

Vicky_Rose hat geschrieben: Mi 21. Apr 2021, 08:20
Ist es wirklich wichtig, einen Unterschied im Grund zu suchen, weshalb ich einen BH etc. trage ? Wenn ja, warum ? Ich trage ihn, weil ich ihn tragen will. Er drückt für mich meine Weiblichkeit aus, die ich verspüre, aber ich finde es auch schön und manchmal finde ich es auch erotisch. Was bin ich nun ? TS oder CD ?
Für manche ist es wichtig einen Unterschied im Grund zu erkennen, weil sie sich täglich mit Gedanken plagen und gerne wissen wollen warum das so ist. Immer wieder höre/lese ich solche Fragen und kann absolut verstehen warum das so ist.

Zum Thema BH: Für dich drückt der Weiblichkeit aus. Für mich nicht. Für mich ist der ein Kleidungsstück das benötigt wird entsprechende Körperteile in Form zu bringen/halten, bzw. ohne den es hin und wieder auch mal unangenehm werden kann.
Noch so was: Ein Bikini ziehst du wahrscheinlich an, weil der dir gleiches bietet wie ein BH. Ich nicht. Für mich war das barbussige Auftreten irgendwann mit Scham behaftet (ganz dem Empfinden weiblicher Pubertierenden). Von daher trage ich den. Und noch was, ganz gleich ob BH oder Bikini, ich bin froh, wenn ich den ausziehen kann, denn allermeistens sind die nach einer gewissen Zeit unangenehm. Ich fühle mich nach dem Ausziehen aber genau so weiblich wie zuvor. Du merkst, die Intention gewisse Kleidungsstücke zu tragen ist bei mir eine völlig andere als bei dir. Zugegeben: zu CD-Zeiten war das bei mir genau so wie bei dir.
¡no lamento nada!
Patricia
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 930
Registriert: So 13. Okt 2019, 21:55
Geschlecht: Ökotantenazubine
Pronomen: sie
Hat sich bedankt: 58 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal
Gender:
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 57 im Thema

Beitrag von Patricia »

Ich sehe es ähnlich wie Aria und Mirjam. Es ist nicht die Kleidung die mich zu der Person macht die ich bin. Klar, trage ich gerne weibliche Kleidung und empfinde sogar ein Unwohlsein wenn ich daran denke männliche Kleidung zu tragen, aber das liegt eher daran, dass ich dann, für mich, schmerzhaft daran erinnert werde, dass ich nicht als eine Frau auf die Welt gekommen bin. Kleidung ist für mich ein Hilfsmittel, mehr nicht. Ein Hilfsmittel damit ich, trotz meinem männlichen Körperbau, als weiblich gelesen werde. Ganz ehrlich, wenn ich eine weibliche Figur hätte, dann würde ich mit Sicherheit auch das eine oder andere Kleiderstück tragen das Männern zugesprochen wird. Wobei ich dann dennoch weitgehend bei femininer Kleidung bleiben würde, denn sie ist einfach oft schöner.
Wobei ich selbst definitiv noch Probleme damit habe dass ich einen männlichen Körper habe. So bin ich derzeit in der Nadelepilation und muss des Öfteren im Gesicht teils unrasiert herumlaufen. Wenn ich dann in den Spiegel schaue und sehe den Bartwuchs, dann fühlt sich das einfach total falsch an, ich nehme die Männlichkeit meines Gesichts wahr und es schmerzt mich extrem so zu sein. Teils ist es so, als ob das eine fremde Person wäre. Wenn ich dann aber ein paar Tage Pause habe und mich rasieren und evtl. schminken kann, dann sehe ich wieder mich wenn ich in den Spiegel schaue. So ähnlich geht es mir mit meinen alten Fotos. Wenn ich sie sehe dann weiss ich dass ich das bin, aber es fühlt sich sehr seltsam an, als ob das eine andere Person wäre... Es ist auch so, dass ich sagen muss, dass ein Leben als Mann für mich definitiv nicht mehr lebenswert war und es nicht mehr sein würde. Ich wollte die letzten Jahre vor meiner Transition nicht mehr wirklich leben.
Ich habe auf meinen Tod gewartet, so wie es alte Menschen tun, die ihren Lebenswillen verloren haben.
Lebe dein Leben, denn du hast nur das eine!!!
AlexLyrics
Beiträge: 40
Registriert: Mi 7. Apr 2021, 10:43
Geschlecht: er
Pronomen: sie/er
Wohnort (Name): Münsterland / Overijssel (NL)
Forum-Galerie: https://www.instagram.com/wheelerlifede/
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 58 im Thema

Beitrag von AlexLyrics »

Das sehe ich so ähnlich. Die geisteswissenschaftliche Theorie, dass die Geschlechterolle lediglich nur zugewiesen wird, aber der Lebensrealität nicht unbedingt entsprechen muß, ist vielleicht eine der bahnbrechensten Thesen. Mir erscheinen einige Argumente nachvollziehbar. Eigentlich spricht die Psychologie/Psychiatrie nur von einer Krenkheit, wenn ein innerer Leidensdruck besteht. Die Krankheit Transsexualität war und ist aber sicher auch eine Krankheit, weil es für fast alle Menschen unvorstellbar ist, so zu denken oder sie sich über die Rolle ihres Geschlechts noch nie Gedanken gemacht haben. Würde man der These oben folgen, würde sich die Frage nach dem Unterschied TS und CD nicht mehr stellen. Dann stellt sich nur noch Frage, welche Genderrolle jemand wann einnehmen will und ob sie/er auch biologische Merkmale ändern will. Oder?


Helga hat geschrieben: Di 20. Apr 2021, 22:44 Hallo Allerseits,
Post Nr. 52 und noch immer nicht einmal im Ansatz eine Antwort auf eine Frage, die mitunter existentielle Bedeutung haben kann.
Vielleicht liegt es an den Begriffen selbst?
Was bedeutet Crossdresser? Crossdresser ist die englische Übersetzung des lateinischen Ausdrucks "Transvestit" trans- = über, hinüber, jenseits, -vestit = 3. Person Präsens von vestire, bekleiden, schmücken. Eine brauchbare deutsche Übersetzung lässt sich aus diesen Begriffen nicht herstellen. Der Ausdruck "Überbekleidete" würde vermutlich zu völligem Unverständnis führen. In älterer Literatur aus der Mitte des 20. Jahrhunderts findet sich gelegentlich der Ausdruck "Damenimitator". Auch diesen sollte mensch einmal gelesen haben und dann sehr schnell wieder vergessen.
"Transvestit" ist noch immer negativ besetzt und klingt nach Fetisch und Schmuddelecke. Die Abkürzung "Transe" wird sogar als Schimpfwort genutzt. Diesen Stiletto möchte sich niemand freiwillig anziehen.
Also lieber transsexuell?
Nach Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Transsexu ... geschichte) wurde der Begriff das erste mal vor fast 120 Jahren von Otto Weininger verwendet, dann 1923 von Magnus Hirschfeld bis schließlich Harry Benjamin Mitte der 1960 Jahre die noch heute gültige Definition erstellte. Alles Persönlichkeiten, die sich in der Genderforschung sehr verdient gemacht haben.
Aber diese kurze Aufzählung zeigt ein Problem auf:
Auch wenn bei diesen drei Persönlichkeiten nicht ganz klar ist, ob sie vielleicht auch irgendwie "transX" waren, stammen sie aus einer Zeit mit streng binärem Weltbild. Erziehung, Sozialisierung, Studium..., es gab (abgesehen von körperlichen "Mißbildungen") genau zwei Geschlechter. Aus diesem Weltbild heraus beobachteten sie das Phänomen, dass einige Individuen nicht in dieses binäre Weltbild hineinpassten. Um sich dieses Phänomen zu erklären beschrieben sie die Eigenschaft der Transsexualität. Sehr verkürzt dargestellt: Wer nicht Mann sein will, muss halt Frau sein! Damit passte das Individuum auch wieder in das binäre Weltbild.
Über die Definitionen von Harry Benjamin sind mittlerweile fast 60 Jahre ins Land gegangen. Wir würden niemals nach einer DIN- Norm von 1966 ein Haus bauen, lassen uns aber nach derart alten Definitionen diagnostizieren. Die Forschung ist 2021 sehr viel weiter. Auch wenn die Mainstream- Gesellschaft noch immer dem binären System nachhängt ist mittlerweile zumindest in der Fachwelt anerkannt, dass sich die Geschlechtlichkeit sowohl auf körperlicher, als auch auf seelischer Ebene in einem sehr viel größeren Spektrum abspielt als nur bei "Mann" oder "Frau". Wenn jetzt aber das Ursprungsgeschlecht eines Individuums nicht klar ist, wo ist dann sein Gegen(=trans)geschlecht? Möglicherweise gibt es die Transsexualität in der Form eines klaren "Gegenübers" gar nicht.
In der ICD 11 (der kommenden Version der Klassifizierung von Krankheiten und gesundheitlichen Einschränkungen) wird der Begriff "Transsexualität" nicht mehr auftauchen. Stattdessen wird die "geschlechtliche Inkongruenz" beschrieben.
Liebe Grüße
Helga
Helga
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 1209
Registriert: Sa 9. Mär 2019, 22:07
Geschlecht: m, Feiertagsfrau
Pronomen: fallabhängig
Wohnort (Name): Norddeutschland
Hat sich bedankt: 90 Mal
Danksagung erhalten: 109 Mal
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 59 im Thema

Beitrag von Helga »

Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 21. Apr 2021, 00:29 Hallo Helga,
irgendwie verstehe ich niocht so richtig was du mit deinem Beitrag sagen möchtest
Hallo Patricia,
im Grunde das, was die meisten Vorposts auch intendiert haben: Wir dürfen uns bei unseren Gefühlen und Entscheidungen nicht zu sehr von Begrifflichkeiten (=Schubladen) leiten lassen, da diese unzutreffend, überholt, veraltet, von falschen Annahmen ausgehend, grob pauschalisierend, ... sein können.
Im Eingangspost lese ich zwischen den Zeilen folgendes: "Bin ich CD, dann muss ich weitermachen wie bisher, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich mir damit nicht gerecht werde. Bin ich TS, dann muss ich in die Transition gehen, obwohl ich kein Problem mit meinem Körper habe und befürchte dabei meine Familie zu verlieren."
Ich bin zuversichtlich, dass es zwischen den Begriffen CD und TS einen gangbaren Weg gibt. Nur der muss individuell gefunden werden.
Liebe Grüße
Helga
Was bin ich?- Zunächst einmal bin ich ein Mensch!
Meistens bin ich ein Mann.
Wenn mir danach ist bin ich eine Frau.
Ich muss mich nicht festlegen.
lexes
registrierte BenutzerIn
Beiträge: 2172
Registriert: Di 4. Apr 2017, 09:40
Geschlecht: m
Pronomen:
Wohnort (Name): Dortmund
Hat sich bedankt: 70 Mal
Danksagung erhalten: 340 Mal
Kontaktdaten:

Re: Die Grenze zwischen CD und TS?

Post 60 im Thema

Beitrag von lexes »

Helga hat geschrieben: Mi 21. Apr 2021, 12:16
Patricia_cgn hat geschrieben: Mi 21. Apr 2021, 00:29 Hallo Helga,
irgendwie verstehe ich niocht so richtig was du mit deinem Beitrag sagen möchtest
Hallo Patricia,
im Grunde das, was die meisten Vorposts auch intendiert haben: Wir dürfen uns bei unseren Gefühlen und Entscheidungen nicht zu sehr von Begrifflichkeiten (=Schubladen) leiten lassen, da diese unzutreffend, überholt, veraltet, von falschen Annahmen ausgehend, grob pauschalisierend, ... sein können.
Im Eingangspost lese ich zwischen den Zeilen folgendes: "Bin ich CD, dann muss ich weitermachen wie bisher, obwohl ich das Gefühl habe, dass ich mir damit nicht gerecht werde. Bin ich TS, dann muss ich in die Transition gehen, obwohl ich kein Problem mit meinem Körper habe und befürchte dabei meine Familie zu verlieren."
Ich bin zuversichtlich, dass es zwischen den Begriffen CD und TS einen gangbaren Weg gibt. Nur der muss individuell gefunden werden.
Liebe Grüße
Helga

seehehr schön gesagt.. so denke ich mir das auch immer.

Es ist eben nicht jeder in eine Schublade zu zwängen .und hier predigst Du ja sogar zu den Bekehrten .. wer weiß wie viele eindeutig-hetero-Menschen weit von "eindeutig" entfernt sind aber es sich nie eingestanden haben.



Klar ist aber auch das man sich mit diesem Nicht-Schubladen-Denken nicht beliebt macht.

Krankenkassen / die Politik und der eindeutig-"normale" Bundesbürger haben ja jetzt schon Probleme mit der Sache.



Ich nutze so gut wie keine sozialen Medien ausser TikTok ... das ist schnell und man kann wegen der eingeschränkten Zeichenzahl keine epischen Debatten führen.


Wenn ich aber beispielsweise die Kommentare zur "Xier"-Videos sehe , dann wird mir regelmäßig schlecht.

Die Antworten sind geprägt von Spott / Häme / Verachtung / ..sucht's Euch aus...

Da sind noch dicke Bretter zu bohren bis Leute (z.B. aus der Generation meines Nachwuchses ) irgendwann man offen sagen können : Ich möchte geschlechtlich nicht zugeordnet werden, bitte sprich mich entsprechend an

Gut das es jemand tut.

Tschüss Schublade ... VERP*SS DICH :-)

Lexi
Antworten

Zurück zu „Körper - Gefühle - Empfindungen“