ascona hat geschrieben: So 11. Apr 2021, 18:12
was heisst da "fair" ? wenn Jaddy schreibt :
Jaddy hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 21:39
Wenn Wettbewerbssport wirklich fair gemacht werden sollte, müssten alle vorteilhaften Faktoren einbezogen werden.
"Fair" bedeutet doch nicht, jeder Person die Möglichkeit zu verschaffen, in ihrem Wettbewerb zu gewinnen.
Natürlich ist man mit einem bestimmten Körperbau leistungsfähiger in einer bestimmten Sportart, mit anderem Körperbau leistungsfähiger in einer andern Sportart.
Es ist ja nicht der Körperbau alleine. Darum ging es mir ja in dem Teil, den Du nicht zitiert hast. Die Diskussion dreht sich um widerstrebende Schutz- und Teilhabe-Interessen. Frauen vs Männer, Arme vs Reiche, usw. Es gibt beim Sport, wie in der Bildung und vielen anderen Bereichen einfach keine Chancengleichheit, selbst wenn körperliche Voraussetzungen keine Rollen spielen.
Die trans / inter Diskussion im Sport ist aber gar keine objektive oder gar objektivierbare, weil die reichlich willkürlichen
sozialen Kategorien von Geschlecht mit ihren segregierenden Folgen an zu wenigen, nicht wirklich passenden körperlichen Merkmalen festgemacht werden.
Kurz gesagt: Sport definiert Männer und Frauen in der Minimaldefinition von 9ter Klasse Biologie. Und das ist tief verankert auch im Selbstverständnis der Teilnehmenden. Betrachte mal Deine eigene Denkweise auf die Situation "als trans Frau im Wettbewerb gewinnen".
Das meinte ich mit
"hm, hat diese Chromosomen und sieht dazu stimmig aus".
D.h.
entweder müssten die Kategorien ganz anders und viel differenzierter bestimmt werden, was zu mehr und anders sortierten Leistungsklassen führen würde und in der aktuellen gesellschaftichen Denk-Realität gar nicht umsetzbar ist,
oder die Verantwortlichen müssten sich klar zu dem Minimalbiologismus bekennen, der trotz aller Diversitätsbeteuerungen hinter den verschwurbelten Regeln und ihren pseudo-objektiven Kriterien steckt: "Wir lassen nur cis-dya Personen zu und definieren deren biologische Normalität. Alle anderen haben eben Pech".
ascona hat geschrieben: So 11. Apr 2021, 18:12Es ist doch nur Sport, also wo ist das Problem ?
Erstens Geld. Alles muss letztlich bezahlt werden. Hallen, Plätze, Geräte, Verbrauchsmaterial, Trainingsleute, Fortbildungen, Reisen, usw. Das kommt über Beiträge, Sportförderung und nicht zuletzt von den Spitzenverbänden, die sich die Nachwuchsquelle sichern wollen.
Aber bezahlt normalerweise wird von Menschen für ihresgleichen. Alles was nicht beliebt ist oder sich nicht an die Mehrheitsbevölkerung richtet, hat es schwer. Frag mal Be_hindertensportgruppen und Vereine in finanzschwachen Stadtteilen, was die für Aufwand treiben müssen, im Gegensatz zu Tennisclubs und Reitvereinen in betuchten Vierteln. Siehe Fairness oben.
Zweitens soziale Akzeptanz. Wie beim "Toilettenproblem". Wenn sich andere in dem Verein oder der Trainingsgruppe mit einer neuen Person nicht wohlfühlen, sich in der Stellung, der Leistung oder gar einfach durch die Nähe bedroht fühlen, kannst Du da weder rational, noch administrativ was ändern. Der Konflikt ist da. Frag Menschen, die nicht aussehen, als ob ihre Vorfahren seit Karl dem Großen hier wohnen, wie sie in eigenborenen Sportvereinen aufgenommen werden. Oder homosexuelle Menschen. Und dann kommen wir und stellen auch noch das cis-binäre Weltbild in Frage.
ascona hat geschrieben: So 11. Apr 2021, 18:12
Jaddy hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 21:39
Die Folge ist aber, dass trans Personen schon auf der unterst möglichen Ebene ausgeschlossen werden: In Vereinen und Sportgruppen, sobald ihre Transition bekannt wird.
das wäre allerdings schlimm. Da müsste es doch ein Diskriminierungsverbot geben ...
Ja prima. Gibt's eigentlich auch. Aber was machst Du praktisch, wenn ein Verein Dich nicht haben will? Willst Du Dich in eine Gruppe einklagen, mit denen Du dann Teamsport machst oder gemeinsames Training, Umkleiden, Vereinskram, usw? Wie dick ist Dein Fell gegenüber Nichtbeachtung, Mobbing, Mikroaggressionen, Ausgrenzung?
Seit Usenetzeiten ist bekannt: Soziale Probleme sind nicht technologisch lösbar.
Und damit erübrigt sich auch das Argument mit dem Ausweis. Denn genau darum geht es nicht bei dem Konflikt. Es geht um den Konflikt zwischen Gender und biologistischem Weltbild der
anderen.