Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?
Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Lebensplanung, Standorte
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Danny11

Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 1 im Thema

Beitrag von Danny11 »

Hey,
da ich im Internet sehr wenig drüber finde frage ich hier nach.
Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschlechtliche Hormone nimmt?

Konnte noch nie wirklich weinen, weswegen mich interessieren würde, was passiert, wenn der Testowert im Blut sinkt und der Östrogenwert ansteigt.
Andersherum würde es mich auch interessieren, wie es sich anfühlt, wenn Sport und Bewegung kräftetechnisch auf einmal (durch Östrogen oder Testosteronzufuhr) viel leichter oder schwerer geht.
Wie ist eure Konzentration und Leistungsfaehigkeit nach mehreren Hormongeburtstagen? Wie fühlt es sich an?
Könnt ihr mehr oder weniger weinen und wie ist es wenn die Libido sich ändert und man auf einmal ein komplett anderes Sexualbeduerfnis hat, als man es sein Leben lang kennt!
Wie weit verändert sich die Gefühlslage?
(Frauen wären ja emphatischer feinfühliger)

Fand diesen Artikel sehr interessant, weshalb ich hier nachfrage.

https://verenavermas.de/category/hormongeburtstag/

Würde mich über Diskussionen hier sehr freuen, da es mich sehr interessiert.

Herzlichen Dank.
Alles Gute
L.G. Daniel
Momo58
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 2 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Hi Daniel,

Ich wurde mit männlichem Körper und mit einem Gehirn geboren, welches in Aufbau und Funktion dem Gehirn einer Frau ähnlich ist. Meine Emotionen, meine psychischen Reaktionen bzw Aktionen waren von Geburt an eindeutig weiblich und so ist es auch heute noch. Daran hat die HRT nichts geändert. Das einzige Problem das ich am Beginn der HRT hatte, waren kurzzeitige extreme Gefühlsschwankungen die zwischen Mordphantasie und Suizid hin und her pendelten. Das dauerte zum Glück nur ein paar Tage, dann normalisierte es sich wieder auf ein gesundes Niveau.

Mein Testosteronwert entspricht heute dem einer Frau. Mein Östrogenwert entspricht dem eines 14-jährigen Mädchens. Die Muskeln verweiblichen, werden weicher und die Leistungsfähigkeit sinkt. Das habe ich schnell bemerkt weil ich täglich Gymnastik mache. Die Gymnastikbänder haben unterschiedliche Farben, schwarz für gut trainierte Männer, blau für normal trainierte Männer, danach grün und nun bin ich beim roten Band für Frauen angekommen.
Was mir leider niemand sagte, war, dass man durch Östrogen sehr stark an Gewicht zunimmt. Bei mir kamen in 18 Monaten HRT 10 Kilo Gewicht dazu.

Durch das Östrogen verteilt sich bei mir das Körperfett an den Stellen, die meinen Körper weiblicher werden lassen, an Hüfte und Brust. Die Fettverteilung an der Brust war so stark, dass ich Körbchengröße B habe. Der Nachteil: da ich mehr als Körbchengröße A habe, bekomme ich keine Brustaufbau-OP bezahlt. Der Vorteil: ich gehöre zu den wenigen Transfrauen, die mit ihrer Brust zufrieden sind. Am Anfang meiner HRT passten mir nur Bleistiftröcke oder Kleider in der H-Linie. Heute passen mir auch Röcke und Kleider der A-Linie, sofern sie nur leicht ausgestellt geschneidert wurden.

Die sexuelle Lust wurde durch den Testosteronblocker stark vermindert, aber das war mir gerade recht, weil ich Sadomasochismus als selbstverletzendes Verhalten dazu benutzt hatte, um die Frau in mir zu unterdrücken. Das brauche ich heute nicht mehr. Ich definiere mich als Frau definitiv nicht über Sex. Mir sind alltägliche Zärtlichkeiten wichtiger.

Bei der Dosierung von Östrogen verändere ich nichts eigenständig, sondern verlasse mich auf die vom Endokrinologen festgestellten Werte und Dosierungen. Was ich jetzt schreibe, könnte mir den Unmut von manchen einbringen. Bei der HRT sollte auf Alkohol und Nikotin verzichtet werden, denn durch die beiden kann die Wirkung von künstlich zugeführtem Östrogen beeinträchtigt werden, aber das muss jede/r mit sich selbst vereinbaren.

Liebe Grüße
Manuela
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Cybill
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 3 im Thema

Beitrag von Cybill »

Die Psyche im Wesentlichen nicht, aber die Emotionale Verarbeitung.

Grüße

Cybill
Scio quid nolo! - Ich weiß was ich nicht will!

Im Übrigen: Ich bin nicht hauptberuflich transsexuell!
Andrea aus Sachsen
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 4 im Thema

Beitrag von Andrea aus Sachsen »

.
Bereits in meinem alten männlichen Leben war ich ein friedfertiger Mensch, der niemandem etwas zu Leide tun konnte, mit Charaktereigenschaften, die eher einer Frau zugeschrieben werden. Mal "mit der Faust auf den Tisch hauen", war absolut nicht mein Ding.
So bedurfte es mit meiner Transition, insbesondere der Hormontherapie, diesbezüglich keiner großen Veränderungen, um mich als Frau zu fühlen. Dass ich in der neuen Rolle viel offener bin, schneller auf andere Menschen zugehe und dass sich meine Interessen vom technischen in den kulturellen Bereich verschoben haben, hat mit den Hormonen nichts zu tun. Das ging schon vorher, als ich begann, meine weibliche Seite auszuleben.
Die Hormone haben dann, neben einem starken Rückgang der physischen Leistungsfähigkeit und einigen körperlichen Veränderungen, für mich ziemlich überraschend, meine sexuelle Orientierung auf den Kopf gestellt. War vor einigen Jahren eine Beziehung zu einem Mann für mich absolut undenkbar, so kann ich mir das heute nicht nur vorstellen, sondern der Wunsch nach einem männlichen Partner wird immer größer. Ich sehne mich zwar nicht nach Sex mit einem Mann, aber wenn sich eine Gelegenheit ergäbe, würde ich schon gern mal ausprobieren, wie sich Geschlechtsverkehr andersherum anfühlt. Allerdings müsste ich mich vorher noch zu einer GaOP durchringen.
Viele Grüße
Andrea aus Sachsen
Danny11

Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 5 im Thema

Beitrag von Danny11 »

Sehr interessant, herzlichen Dank.
Ich fühle mich sehr angespannt, wobei ich mir wünschen würde, heulen zu können, da ich es mir als ein Ventil des Körpers vorstelle, welches die körperliche und psychische Anspannung regulieren kann.
Gehe davon aus, dass beides mit dem Testosteronspiegel zusammenhängt, wobei ich drüber noch lesen muss.
Kann natürlich nicht ausschließen dass die Muskelanspannung nicht von Traumatas stammt, wovon leider keins von beiden Geschlechtern gewappnet ist.

Das heulen können oder nicht können, sollte ja auch von der Prägung abhängig sein.

Ganz liebe Grüsse.
L.G. Daniel
Momo58
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 6 im Thema

Beitrag von Momo58 »

Bei mir war das Weinen traumatisch bedingt. Meine Eltern waren nicht in der Lage, mir die Liebe zu geben, die ich gebraucht hätte. Das hat mich schwer enttäuscht und Hassgefühle verursacht. Die Tränen, die ich im Alter von 5 Jahren vergossen hatte, waren für viele Jahrzehnte die letzten. Erst 30 Jahre später, als ich für eine Woche in ein Kloster zum Mitleben ging und ich dort von einer fremden Person umarmt wurde, löste sich ein Tränenfluss, der mehrere Stunden andauerte. Meine Liebe zu Tieren verursachen bei jedem Todesfall neue Tränen, egal ob das nun unter Testosteron oder unter Östrogen ist.

LG Manuela
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Diana.65
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 7 im Thema

Beitrag von Diana.65 »

Hallo Danny.

Ich kann zwar mit Erfahrungen bei Einnahme von Gegengeschlechtlichen Hormonen noch nicht dienen. Allerdings kann ich auch bestätigen, dass sich bei mir mit meiner eigenen Akzeptanz meiner weiblichen Seite schon einige der von dir angefragten Änderungen eingestellt haben.
Einerseits war ich schon seit jeher sehr emotional, kann aber immer öfter nicht mehr unterdrücken, dass auch mal ein paar Tränen kullern. Ähnlich ist es bei mir mit der Sexualität. Anstelle Geschlechtsverkehr sehne ich mich derzeit mehr nach Zärtlichkeiten, das Verlangen nach Sexueller Befriedigung stört mich immer mehr. Auch insgesamt bin ich seit dem Zulassen meiner Weiblichkeit viel emotionaler geworden.
Ich hoffe, das das dir weiter hilft.

Liebe Grüße,
Diana.
Ich bin und bleibe ich.
Und ... genieße mein neues Leben.
Danny11

Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 8 im Thema

Beitrag von Danny11 »

Herzlichen Dank für eure Beiträge.
Ab ca. 7 Min 30 Sec wird in diesem Video schön die Funktion von Östrogen, Progesteron und Testosteron an Hand der 3 Frauenfiguren von 3 Engel für Charly (einer Serie glaube ca. vom Jahr 2000) besprochen.

https://youtu.be/pOM6O_0DiZw

In knapp 2 Wochen habe ich einen Urolegentermin um mit Androcur oder einem ähnlichen Präparat meinen Testosteronspiegel zu senken, damit die Libido nicht mehr so anstrengend ist.
Dadurch beschäftige ich mich mit diesen Themen, da mich interessiert, was passiert, wenn einzelne Hormone auf einmal fehlen, dazukommen oder es mit niedrigerem Testosteronwert auf einmal zu einem Östrogenüberschuss kommt.
Vielleicht habt ihr auch Erfahrungen oder Gedanken zu diesen Themen.
Freue mich auf eure Beiträge.
Ganz liebe Grüsse.
Herzlichen Dank.
L.G. Daniel
Zuletzt geändert von Danny11 am Mo 5. Apr 2021, 11:49, insgesamt 1-mal geändert.
Danny11

Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 9 im Thema

Beitrag von Danny11 »

Da hier viele hier erst Androcur oder vergleichbares Medikament zur Absenkung von Testosteron genommen haben bevor Östrogen oder die GaOP kamen, hätte ich eine Frage.
Durch Selbstbefriedigung tue ich in der Regel mein Stresspegel regulieren, was teilweise 5 Mal am Tag so ist, da der Druck/die Anspannung so riesig sind.
(Bin Aspergerautist mit grosser Reizueberflutung)

Wenn ihr vor Androcur, Selbstbefriedigung als Ventil gegen Anspannung gesehen habt, was während Androcur oder vergleichbaren Medikament wegen niedrigem Testosteronlevelv schwerer/nicht mehr möglich ist, da Libido und Erektion nachlassen, hattet ihr dann Probleme mit eurem Stressmanagement?

Da viel Testosteron meines Wissens nach auch für Agressionen sorgt, was ich auch als Stress definiere, interessiert mich, ob ein Ersatz für Selbstbefriedigung nötig ist, wenn das Testosteron fehlt?

Sorry für die privaten Fragen.
Da ich mir meiner Libido ueberfordert bin und mich sachkundig machen möchte, Frage ich nach.
Wem es zu privat ist.
Freue mich auch sehr gerne auf PM.

Herzlichen Dank.
Sorry
Alles Gute
L.G. Daniel
Zuletzt geändert von Danny11 am Mi 7. Apr 2021, 11:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 10 im Thema

Beitrag von Mirjam »

Danny11 hat geschrieben: Mi 7. Apr 2021, 11:31 Da hier viele hier erst Androcur oder vergleichbares Medikament zur Absenkung von Testosteron genommen haben bevor Östrogen oder die GaOP kamen ...
Wie kommst du darauf Danny? Ich hoffe mal, dass kein_e Endo zuerst den Testoblocker und erst später ein Östrogenmedikament verschreibt. Über die Folgen davon habe ich dir in einem anderen Thema ja schon kurz geschrieben. Es ist sogar sinnvoll, zuerst mit Östrogen anzufangen und den Blocker erst später dazuzunehmen, so frau ihn dann überhaupt noch braucht. Eben wegen eines Teils dieser Nebenwirkungen, insbesondere des Risikos von Depressionen.

LG, Mirjam
Engelchen
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Re: Wie ändert sich die Psyche und das emotionale wenn man gegengeschleche Hormone nimmt?

Post 11 im Thema

Beitrag von Engelchen »

Vieles wurde ja schon geschrieben und ich kann nur noch meine eigenen Eindrücke dazu geben.

Androcur: Mir half es insofern weil ich Sklave meines Triebes war und es mithilfe von Androcur ziemlich schnell zu Ende war.
Ich nahm Anfangs 10 mg und später nur noch 5 mg - also immer relativ wenig. Trotzdem würde ich es aus heutiger Sicht erstmal ohne probieren.

Hormone: Definitiv haben sie mich verändert.
Ich wurde ruhiger, zufriedener und ja - ich heule heute deutlich schneller und mehr als früher.

Liebe Grüße

Lisa
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