Das alles ist symptomatisch für alle Debatten um Gleichstellung, Entmarginalisierung, Teilhabe, diskriminierungsfreie Sprache, usw. die überall stattfinden, bzw noch nicht überall genug
Der Zaunfink bloggt viel zu queeren Themen und hat einen wunderbaren, langen Text veröffentlicht, in dem die Problematik sachlich aufgeschlüsselt wird.
Ausserdem zerlegt er (mal wieder) den Unfug der "Hufeisen-Theorie" anhand der fundamentalen Unterschiede zwischen "rechter" und "linker" Identitätspolitik.Es ist in Deutschland tatsächlich vollkommen normal, sich selbst von jedem Rassismus freizusprechen, im nächsten Moment eine mehr oder weniger subtile rassistische Bemerkung rauszuhauen und beleidigt zu reagieren, wenn man darauf hingewiesen wird, dass es mit der praktischen Umsetzung des antirassistischen Ideals wohl noch nicht so hundertprozentig läuft. Es ist normal, queerfeindliches Zeug zu quasseln und sich im Handumdrehen selbst zum Opfer zu erklären, sobald jemand sagt, dass man doch besser die Klappe halten könnte, statt Menschen zu verletzen. Es ist leider normal, vollkommen gedankenlos davon auszugehen, dass eine Welt, die mit sehr viel Aufwand exakt für die Menschen zugeschnitten wurde, die in jeder Hinsicht so sind wie man selbst, ganz "natürlich" nur so sein kann, wie sie nun mal ist und dass sie auch für alle anderen einfach so passt. Und wenn man verwirrt ist, weil Menschen, die anders sind als man selbst, ihre eigenen Perspektiven sichtbar machen und sich eine Welt wünschen, in die auch sie hineinpassen, dann ist es leider ganz normal, darauf mit Ausreden, Verächtlichmachung oder Aggression zu reagieren.
Alle fünf großen Abschnitte sind äusserst lesenswert.
Meine Leseempfehlung.1. Diese Kritik kann gar nicht anders sein als radikal.
2. Diese Kritik ist im Kern zutiefst demokratisch.
3. Emotionale Betroffenheit ist kein Widerspruch zu einer guten Analyse.
4. Die eigene Argumentation ist viel fragiler, als sie glauben.
5. Es gibt überhaupt keine demokratische Alternative zur "Identitätspolitik".