Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
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Jaddy
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Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
Der Titel und die Beschreibung sind etwas zu kurz gegriffen, denn in der ganzen Stunde diskutieren Nele Pollatschek, Åžeyda Kurt, Gesine Schwan (tw) und Georg Restle nicht nur über Sprache und sehr wenig Linguistik, sondern vor allem über Sichtbarmachung, unsichtbar bzw unmarkiert sein wollen, diverse Diskriminierungen usw.
Sehr gut gelungen, ruhig, intensiv und überlegt und letztlich gar nicht so weit auseinander.
Ich habe gelernt, das G.Schwan weniger konservativ ist, als befürchtet und war erfreut, mein Unwohlsein mit dem Begrif "Identität" ausführlich diskutiert zu finden.
Gibt's auf YouTube Kanal "Studio M" und in der ARD Mediathek.
Sehr gut gelungen, ruhig, intensiv und überlegt und letztlich gar nicht so weit auseinander.
Ich habe gelernt, das G.Schwan weniger konservativ ist, als befürchtet und war erfreut, mein Unwohlsein mit dem Begrif "Identität" ausführlich diskutiert zu finden.
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Marlene K.
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Re: Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
Ich denke, der Begriff Identität wird oft falsch benutzt und auch von sich identifizierenden angewendet.
Selbst wenn ich auf einer queeren Demonstration mit gehe und mich als trans und männerliebend identifiziere habe ich ja schon zwei Identitäten. Auch in diesem Zusammenhang bleibe ich hellhäutig, Küchenmeisterin, Malerin, Kunsthistorikerin, Bauzeichnerin, Polizistenkind und jede Menge anderer Identitäten, die mich als komplexen Menschen ausmachen.
In vielen Identitätsdebatten geht es oft um genau diese Komplexität, auch wenn manche Menschen versuchen für sich und andere Identitäten in wichtig und unwichtig, eindeutig und uneindeutig, grundlegend und nicht grundlegend einzuordenen.
Dieser Fehler macht aber nicht die Zuordnung einer Diskriminierungserfahrung zu einer Identität falsch. Erst die Verneinung von Komplexität oder der Unterschiedlichkeit ( In Deutschland gibt es ja angeblich keinen Rassismus, weil wir angeblich alle seit 1945 keine Stereotype, die sich auf Herkunft oder Kleidungsstil oder Hautton mehr haben... ) als Identitätsformend von außen macht die Idee von Identitäten falsch. Erst die Idee, das ein trans Mensch vorwiegend durch sein trans Sein definiert wird und er damit eine eindeutige und durch keine andere Identität getrübte Wesensart hat macht die idee von Identität toxisch, egal ob die eindeutige Identität von innen oder von außen behauptet wird.
Ich hoffe, dass klingt jetzt nicht zu "fülosofisch", aber ich finde, dieser Punkt musste mal klar benannt werden...
Marlene
Selbst wenn ich auf einer queeren Demonstration mit gehe und mich als trans und männerliebend identifiziere habe ich ja schon zwei Identitäten. Auch in diesem Zusammenhang bleibe ich hellhäutig, Küchenmeisterin, Malerin, Kunsthistorikerin, Bauzeichnerin, Polizistenkind und jede Menge anderer Identitäten, die mich als komplexen Menschen ausmachen.
In vielen Identitätsdebatten geht es oft um genau diese Komplexität, auch wenn manche Menschen versuchen für sich und andere Identitäten in wichtig und unwichtig, eindeutig und uneindeutig, grundlegend und nicht grundlegend einzuordenen.
Dieser Fehler macht aber nicht die Zuordnung einer Diskriminierungserfahrung zu einer Identität falsch. Erst die Verneinung von Komplexität oder der Unterschiedlichkeit ( In Deutschland gibt es ja angeblich keinen Rassismus, weil wir angeblich alle seit 1945 keine Stereotype, die sich auf Herkunft oder Kleidungsstil oder Hautton mehr haben... ) als Identitätsformend von außen macht die Idee von Identitäten falsch. Erst die Idee, das ein trans Mensch vorwiegend durch sein trans Sein definiert wird und er damit eine eindeutige und durch keine andere Identität getrübte Wesensart hat macht die idee von Identität toxisch, egal ob die eindeutige Identität von innen oder von außen behauptet wird.
Ich hoffe, dass klingt jetzt nicht zu "fülosofisch", aber ich finde, dieser Punkt musste mal klar benannt werden...
Marlene
Marlene
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
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Jaddy
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Re: Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
Das Problem der Verengung von "Identität" auf genau ein Merkmal sehe ich auch. Mir wird das immer deutlich, wenn meine verschiedenen Anteile, Label, Interessen innerhalb der peer groups kollidieren.
Ein wesentliches Problem scheint mir zu sein, dass Menschen identi_fiziert _werden_. Im Sinne von markiert. Von anderen. D.h. Label, Merkmale, Eigenheiten werden von anderen herausgehoben und mit irgendwelchen Zuschreibungen bzw meist negativen Andersbehandlungen verbunden. Dieses Herausheben trifft quasi zielgenau die Bedeutung von "diskriminieren", unterscheiden. Und das in Zusammenhängen, wo dieses Merkmale eigentlich völlig irrelevant sind.
Viel Selbstidentifikation, -ein- oder -zuordnung wird erst durch diese externen Einflüsse notwendig. Und je stärker die externe "Merkmalifizierung", desto stärker die Abschottung und Selbst_unterscheidung.
Bei Übermedien kam am 3.März dazu ein Artikel von * El Ouassil, "Wie viel Dolly Parton braucht die Gesellschaft? Sehr viel." https://tinyurl.com/yfbjxjne (PDF, weil anders nicht teilbar)
Was ich übrigens gar nicht mitbekommen hatte: Der Streit in der SPD mit Thierse, Schwan, Esken, Kühnert, usw kam so richtig in Fahrt, als in einer schon vorher stark kritisierten Zoomkonferenz eine nicht-binäre Person - versehentlich, unwissend, aber später recht uneinsichtig - misgendert wurde...
Ein wesentliches Problem scheint mir zu sein, dass Menschen identi_fiziert _werden_. Im Sinne von markiert. Von anderen. D.h. Label, Merkmale, Eigenheiten werden von anderen herausgehoben und mit irgendwelchen Zuschreibungen bzw meist negativen Andersbehandlungen verbunden. Dieses Herausheben trifft quasi zielgenau die Bedeutung von "diskriminieren", unterscheiden. Und das in Zusammenhängen, wo dieses Merkmale eigentlich völlig irrelevant sind.
Viel Selbstidentifikation, -ein- oder -zuordnung wird erst durch diese externen Einflüsse notwendig. Und je stärker die externe "Merkmalifizierung", desto stärker die Abschottung und Selbst_unterscheidung.
Bei Übermedien kam am 3.März dazu ein Artikel von * El Ouassil, "Wie viel Dolly Parton braucht die Gesellschaft? Sehr viel." https://tinyurl.com/yfbjxjne (PDF, weil anders nicht teilbar)
Was ich übrigens gar nicht mitbekommen hatte: Der Streit in der SPD mit Thierse, Schwan, Esken, Kühnert, usw kam so richtig in Fahrt, als in einer schon vorher stark kritisierten Zoomkonferenz eine nicht-binäre Person - versehentlich, unwissend, aber später recht uneinsichtig - misgendert wurde...
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Marlene K.
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Re: Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
Danke für den hervorragenden Text über Dolly Parton.
Beim Lesen kam mir der Gedanke, dass Mensch die Idee verschiedener Identitäten vielleicht ohne große theoretische Erklärung mit dem Bild einer Familie gleichsetzen kann.
So behaupten alle Eltern ihre Kinder gleich zu behandeln und zu lieben. Wer aber Geschwister hat weiß, dass das nur ein Ideal ist und nicht umsetzbar. Wie in allen Beziehungen zu anderen Menschen spielen Zuschreibungen eine Rolle und sind je nach Situation unterschiedlich.
Eine andere Situation wäre die Situation in einer Klasse. Jeder Lehrer, der behauptet, er schaffe es jeden Schüler wertfrei zu behandeln ist zum Scheitern verurteilt und unglaubwürdig.
Passen die Bilder Eurer Meinung nach oder vergleiche ich Äpfel mit Birnen?
Marlene
Beim Lesen kam mir der Gedanke, dass Mensch die Idee verschiedener Identitäten vielleicht ohne große theoretische Erklärung mit dem Bild einer Familie gleichsetzen kann.
So behaupten alle Eltern ihre Kinder gleich zu behandeln und zu lieben. Wer aber Geschwister hat weiß, dass das nur ein Ideal ist und nicht umsetzbar. Wie in allen Beziehungen zu anderen Menschen spielen Zuschreibungen eine Rolle und sind je nach Situation unterschiedlich.
Eine andere Situation wäre die Situation in einer Klasse. Jeder Lehrer, der behauptet, er schaffe es jeden Schüler wertfrei zu behandeln ist zum Scheitern verurteilt und unglaubwürdig.
Passen die Bilder Eurer Meinung nach oder vergleiche ich Äpfel mit Birnen?
Marlene
Marlene
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
Ich bin (nur) intolerant gegenüber der Intoleranz.
Ich halte es mit Karl Popper im 1945 formulierten Toleranz-Paradoxon https://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz-Paradoxon
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Jaddy
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Re: Studio M, Thema "Gendern" (nicht nur)
Ich denke, die Vergleiche passen ziemlich weit. Es kam in der erwähnten Sendung zur Sprache und ist auch häufig nachgewiesen worden, dass Menschen eher Menschen bevorzugen, die ihnen (bzw einem Idealbild) ähnlich sind. Das geht allen so, selbst wenn sie sich für objektiv halten. Beispiele in dieser Doku. Nicht nur beim Aussehen, auch bei angenommenem Gender. Es erfordert bewusste Anstrengung und Training, das zu reflektieren, zu akzeptieren und dagegen anzugehen. Erst durch tatsächlich vorhandene Vielfalt werden diese unbewussten Reaktionen langsam abgebaut.