Hallo zusammen,
ein paar Tage sind vergangen, viele Gespräche & Unmengen an Tränen später, bin ich etwas schlauer aber dennoch steht meine Welt Kopf.
Er/sie sieht sich als "Geschlechtswechsler", als Frau im Männerkörper. Er/Sie könnte sich vorstellen Hormone zu nehmen aber keine geschlechterangleichende OP vorzunehmen. Ich habe das in einem anderen Merkblatt unter einem anderen Begriff gelesen, aber das sind alles so viele Wörter, dass ich mir nicht alle merken kann (im Moment zumindest nicht).
Er/sie würde sich keinen neuen Namen geben. Es gibt wohl irgendwo einen Menschen der vorher ein männlicher und nun ein weiblicher Konrad sei. Quasi die Konrad. Das findet er gut. Er/sie ist begeistert von den positiven Beispielen, wo die Anerkennung des Geschlechterwechsels geklappt hat.
Er/sie würde es gern unseren Söhnen erzählen. Ich habe da aber interveniert. Wenn ich ihn/sie frage, wo er mit sich selbst hin möchte, was er sich von mir und ihm/ihr erwartet, kann er mir nicht antworten. Er/Sie hat keinen Plan. 2 Pubertieren zu sagen "ich bin zwar euer Vater, fühle mich aber mehr als Frau, ihr könnt mich aber nix dazu fragen, weil ich selbst noch keine Antworten habe" finde ich als unverantwortlich. Da muss ich als Mutter einfach das Wohl der Kinder voran stellen. Das hat er/sie dann eingesehen.
Ich habe eine Internetseite gefunden für Transmenschen in Thüringen und eine Beratungsstelle in der nöchstgrößeren Stadt, knapp 1.5 Std Fahrzeit von uns. Ich hoffe, ich erhoffe mir nicht zu viel. Aber er/sie wünscht sich jemanden zum Reden um sich klarer zu werden. Aber niemanden, der ihn/sie zu einer Geschlechterangleichung überredet. Das kann er(sie sich wie gesagt nicht vorstellen.
Was mein größtest Problem war, war auch, mit niemanden drüber sprechen zu können. Die PNs mit Stine haben mir unglaublich geholfen. Aber mit fehlte ein "realer" Mensch, mit dem ich das bei einem Glas Wein oder so einfach mal komplett "auskotzen" kann. Wir haben uns nun darauf geeinigt, dass ich es einer meiner besten Freundinnen erzählen kann. Seine und ihre Berühungspunkte sind minimal und ich vertraue ihr maximal. Er schlug mir vor es ihr zu erzöhlen. Das war auch wieder gut und schlecht in einem. Ich bin begeistert, es teilen zu können. Aber diese Erlaubnis es familienfremden Personen sagen zu können, macht es noch realer.
Die Tränen, die ich geweint habe, sind zumeist Tränen um meinen Mann. Ich fühle mich als würde ich eine Trennung durchmachen. Das habe ich ihm/ihr auch alles so gesagt und er/sie vertseht mich. Der Mann, den er mir 17 Jahre vorspielte, der existiert von jetzt auf gleich nicht mehr. Je mehr Zeit fortschreitet, desto deutlicher wird das. Viele Dinge, die er früher gesagt hat, sagt sie heute nicht mehr. Dinge, die er früher doof fand (weil er meinte, als Mann müsse man die doof finden) findet sie heute prima. Sie ist begeistert vom Backen, Putzen und Kleidung. Alles was ich dazu sagen konnte war "Meine Güte, warum hast du mich all das in den letzten 17 Jahren allein machen lassen? Es wäre mir eine Erleichterung gewesen, wenn du wenigstens einen Teil davon schon eher gemacht hättest." Antwort "Ich konnte nicht, ich dachte das sei unmännlich." Toll. ich hasse backen und bei uns gabs immer nur eine Art von Kuchen, die die schnell geht und die ich kann. Oder Kauf-Kuchen. Seit 2 Wochen haben wir zu Hause die tollsten Torten... ähhhh ?!Wieso? Es gibt doch Unmengen an Konditoren und Bäckern, Friseuren und Nähern. So viele Männer in angeblich reinen Frauenberufen. Und so viele Frauen in angeblich reinen Männerberufen. Sein/Ihr Schubladendenken hat genau so viel zu dieser Situation beigetragen, wie das der anderen (inkl. meinem). Hätte er von Anfang an gebacken, gekocht und geputzt, müsste ich mich heute nicht tausend mal fragen "wer steht da in meiner Küche?!". Er/sie, wäre heute nicht ganz so der fremde Mensch, das fremde Wesen.
Gestern Abend im Bett hat er sich überlegt, wo er mehr Rezepte her bekommt. Ich sagte, er solle Yvonne fragen (eine Frau mit der er in einer Klasse war und mit der wir immer noch weitläufig gut bekannt sind). "Das kann ich nicht!" sagt er/sie. "Wieso?" frag ich "Sie hat millarden Rezepte und ihr Leben besteht auch Kochen und Backen." Er überlegt so und sagt: "Das macht Mann nicht." ... Ich glaub der Weg ist noch lang, wenn es schon an solchen Kleinigkeiten hapert.
Naja.
Worin ich schon ganz gut bin ? Ich nannte ihn/sie sonst liebevoll "Blödmann". Wir haben das jetzt auf "Blödi" geändert und seit eins zwei Tagen kommt mir das ganz gut über die Lippen
Beziehungstechnisch sind wir uns einig, dass ich ihn auf jeden Fall begleite und unterstütze, egal was wird. Aber es ist nach 17 Jahren Versteckspiel auch klar, dass wir jetzt endlich fair einander gegenüber sein wollen/müssen -> und ich habe verdeutlicht, dass er/sie nicht für mich die Entscheidung übernehmen kann, was ich kann und was ich nicht kann. Wenn ich nicht mehr als seine/ihre Ehefrau mitmachen kann, dann zumindest als seine/ihre Freundin. Mal sehen wann der Punkt kommt und ob er überhaupt kommt. Vielleicht lerne ich ja auch dazu, wer weiß. Das kann ich heute noch nicht sagen.
So, das war ein langer Montag-Morgen-Post.
Kommt gut in und durch die Woche.
liebe Grüße
Katja