Vanessa, kannst du mir auf die Sprünge helfen?! Denn irgendwie verstehe ich die Diskussion nicht. Ich kann mir deinen Startbeitrag durchlesen so oft ich möchte, weiss aber nicht worauf du hinaus möchtest. Geht es um die Frage "Ab wann ist man trans genug?" die wir hier ja schon öfter hatten?
Edit:
So, mit ein wenig Ruhe konnte ich auch mal ein paar Gedanken dazu zusammen tragen - unter dem Vorbehalt, dass meine o.g. Frage bestätigt wird.
Meiner Meinung nach ergibt es sich, wieviel trans eine Person ist, aus der Schnittmenge von mind. 5 Grundvoraussetzungen. Ich nehme mich mal als Beispiel umd die einzelnen Punkte vllt etwas klarer darstellen zu können.
1. Die Veranlagung
Denn auch ich bin der Meinung, dass man transsexuell ist und es nicht erst wird. Hätte ich die Möglichkeiten von heute, mit 15 oder 16 Jahren bereits gehabt, wäre ich heute 25 Jahre weiter. Denn an der Wunsch so zu sein wie ich heute bin, hat sich all die Jahre nix geändert. Er wurde nur verdeckt vom "Leben" und was alles so dazwischen passiert.
2. Die emotionale Belastbarkeit
Man kann es auch Leidensfähigkeit nennen. Jemand wie ich, die ein extrem dickes Fell hat und schon sehr viel Mist im Leben erlebt hat, hält den psychischen Druck nicht diejenige zu sein, die man seit Geburt eigentlich ist, viel länger aus als jemand ohne diese Eigenschaft.
3. Die charakterliche Eigenschaft (introvertiert / extrovertiert)
Introvertierte Personen werden den Schritt in ein neues und unbekanntes Leben viel weniger wagen als extrovertierte. Deswegen ist es mir leicht gefallen, mich auf mein zukünftiges Leben einzustellen und damit auch progressiv an die Öffentlichkeit zu gehen. Alle outings sind mir sehr einfach gefallen und ich lebe mein Trans-Sein offen aus, erkläre mich bereitwillig und hoffe so auf mehr Verständnis.
4. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion
Nicht jede/r will, möchte und kann das. Es gibt Menschen, die stecken ihr ganzes Leben den Kopf in den Sand und hoffen, dass das Unheil vorüber geht, oder lenken sich mit anderen Dingen die ihnen gut tun ab. Wer sich gut selbst reflektieren kann, muss auch eine gute Portion Hingabe und Opferbereitschaft mitbringen, sonst wird das nix. Nicht, dass ich Vogel Strauß war aber ich musste das auch erst lernen. Geholfen hat mir dabei eine vorangegangene Therapie zu einem anderen Thema.
5. Die persönlichen Lebensumstände
Meine Thera sagte mal, dass es unsere Psyche nicht schafft, sich auf mehrere Probleme gleichzeitig zu konzentrieren. Wenn jemand privat gebunden ist, z.B. durch mögliche bevorstehende Konflikte mit dem Partner oder der restlichen Familie, schwere Krankheiten oder pflegebedürftige Personen innerhalb der Familie, wird sich sein/ihr Problem hinten anstellen. Erst durch die Trennung meiner Ex, konnte ich mich wieder richtig "fühlen". Mein Leben drehte sich wieder um mich und nicht um Familie mit Kindern, Haus, Garten und was von einem so erwartet wird im Leben. Die Gedanken waren wieder frei!
Es gibt bestimmt noch mehr Voraussetzungen, die einen Translebenslauf starten oder nie beginnen lassen werden. Aber das sind im Moment die gewichtigsten 5 die mir dazu einfallen. Und vor diesem Hintergrund finde ich auch den Spruch mit zwischen TV und TS liegen x Jahre, gar nicht so abwegig. Es kommt ganz darauf an, wieviele von genannten Voraussetzung sich überschneiden und eine komplette Kehrtwende im bisherigen Leben verursachen. Ich erinnere mich dabei ganz gerne an Michelle, die ihr Leben nach der Erkenntnis trans zu sein, innerhalb von 6 Monaten umgekrempelt hat. Kann man machen, muss man aber nicht. Bei mir hat das übrigens exakt 2 Jahre gedauert
